Erfurt | 10.–16. August 1975

Die pogromartigen Ausschreitungen in Erfurt 1975

Auf dem Schwarz-Weiß-Foto ist eine Gruppe von acht Algeriern vor ihrem Wohnheim zu sehen. Einige unterhalten sin, andere sind in Bewegung.
Algerische Arbeiter vor ihrem Wohnheim in der Moskauer Straße in Erfurt-Nord, heimlich durch die Stasi am 12. August 1975 zwischen 16:45 und 17:00 Uhr fotografiert. | BArch, MfS, BV Erfurt, Abt. XIV, Nr. 23, Bl. 8, Bild 1 |

Einleitung

Die DDR-Wirtschaft krankte Zeit ihres Bestehens an einem Mangel an Beschäftigten. Daher schloss der Staat mit verschiedenen Ländern, die dem sozialistischen Lager zurechnet wurden, ab Anfang der 1960er Jahre Abkommen zur befristeten Arbeitskräfteanwerbung. 1974 verabschiedete die DDR einen Vertrag mit Algerien. Die Demokratische Volksrepublik hatte sich 1962 nach einem Unabhängigkeitskrieg gegründet und damit von der Kolonialmacht Frankreich gelöst. Um das Land wieder aufbauen und industrialisieren zu können, setzte das Regime auch auf Hilfe aus dem „Ostblock“. So beinhaltete die Vereinbarung zwischen der DDR und Algerien nicht nur eine vierjährige Anstellung von Arbeitern (Frauen wurden, soweit es aus den Quellen ersichtlich ist, nicht entsandt), sondern auch deren Ausbildung. Der Kontrakt verbot den Nachzug von Familienangehörigen. Eine gesellschaftliche Integration war damit, wie auch bei den anderen ausländischen Arbeitskräften, von vornherein nicht gewollt.

Der nachfolgende Text beruht zum größten Teil auf Quellen aus staatlicher Perspektive der DDR. Es mangelt bisher an öffentlich zugänglichen Dokumenten aus Betroffenensicht. Die vorliegenden Quellen offenbaren, insbesondere im Sicherheitsapparat, patriarchale und rassistische Sichtweisen, die kritisch eingeordnet werden.

Hintergrund/Vorgeschichte

Im August 1975 arbeiteten 2400 algerische Arbeiter in der DDR. Die meisten von ihnen ließ die herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) im Industrie- und Bausektor einsetzen. Ihre Erwartungen an Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sowie Wohnunterbringung wurden jedoch teilweise enttäuscht. Sie antworteten mit Streiks. Das SED-Regime reagierte mit schnellen Abschiebungen, aber auch die Betriebe mussten nachbessern.

In der Freizeit hatten die Algerier zahlreiche Kontakte zur einheimischen Bevölkerung. Viele der jungen Männer hatten deutsche Freundinnen. Einige männliche junge Deutsche betrachteten dies mit zunehmendem Argwohn und proklamierten, die Algerier nähmen ihnen die Frauen weg – eine Haltung, mit der sie zugleich den Frauen einen eigenen freien Willen absprachen. Sie provozierten und diskriminierten die Algerier, die sich selbstbewusst, auch körperlich, versuchten zu behaupteten. Es kam zu Schlägereien. Allerdings registrierte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS/Stasi) auch Belästigungen und „Rowdytum“ durch algerische Arbeiter – das betraf aber nach Stasi-Einschätzung nur ein bis zwei Prozent der Algerier. Fraglich bleibt, inwiefern die Ermittlungen des MfS von rassistischen Stereotypen beeinflusst waren. Die Stasi resümierte, die Masse der „algerischen Werktätigen“ habe sich den Lebensbedingungen in der DDR schnell angepasst und leiste gute Arbeit. Als begünstigend für Probleme sah das MfS fehlende sinnvolle Freizeitangebote und Dolmetscher (Information über ein erneutes Vorkommnis, 14.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 19 f.).

Die DDR-Bevölkerung wurde auf den Einsatz der Arbeitskräfte aus Algerien nicht adäquat vorbereitet. Es gab weder ausreichende Informationen zum Einsatz und dessen Grundlagen, noch über die Kultur der Zuziehenden.

Rund 150 Algerier nahmen 1975 in Erfurt in drei Baubetrieben ihre Arbeit auf. Das Bau- und Reparaturkombinat (BRK) Erfurt erarbeitete noch vor Einsatzbeginn ein Vorbereitungspapier für ihre deutschen Beschäftigten. In diesem teilweise rassistisch geprägten Dokument unterstellten die Verfasser den Algeriern unter anderem pädophile Neigungen und kulturelle Unterlegenheit. Nach den späteren Ausschreitungen schätzte auch die Stasi Aussagen in dem Dokument als diskriminierend ein und versuchte, es einzuziehen (Auszug aus einer schriftlichen Argumentation, o. D. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 32–34 PDF).

Untergebracht wurden die Algerier, wie üblich bei ausländischen Arbeitskräften in der DDR, zentralisiert in Wohnheimen – hier im Neubaugebiet Rieth. Dort lebten sie unter äußerst beengten Bedingungen sowie reglementiert und überwacht.

Das Foto zeigt den Minister für Post- und Fernmeldewesens Algeriens am Rednerpult des IX. Parteitags der SED. Im Hintergrund sitzen Delegierte, an der Wand sind rote Fahnen zu sehen.
Said Messaoudene, Minister für Post- und Fernmeldewesen der Demokratischen Volksrepublik Algerien während einer Rede auf den IX. Parteitag der SED im Mai 1976 in Ost-Berlin. | BArch, Bild 183-R0602-413 |

Ab Juni 1975 kam es zu Konflikten. Zunächst war Algeriern am 15. Juni der Zugang zum Nordbad verwehrt worden, weil sie angeblich weibliche Badegäste belästigt hätten. Tags darauf stellte die Stasi ruhestörende Algerier fest, die auch mit Steinen geworfen haben sollen. Über die Hintergründe, sofern die Meldungen der Wahrheit entsprechen, ist nichts bekannt. Im Juli mussten Auseinandersetzungen zwischen Algeriern untereinander in einer Gaststätte und mit ungarischen Arbeitskräften festgestellt werden – letzteres angeblich „wegen weiblichen [sic] Personen“, wie das MfS vermerkte (HA VII: Bericht, 9.9.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 16).

Aufgrund dieser und anderer Vorkommnisse verbreiteten sich in der Erfurter Bevölkerung Gerüchte mit teils übertriebenem, oft sogar gänzlich erfundenem Charakter. Etwa verbreiteten sich schnell die fiktiven Erzählungen, dass Algerier ein minderjähriges Mädchen mehrfach vergewaltigt, einem Taxifahrer die Kehle durchschnitten und eine Frau ermordet hätten (Information, 15.8.1975. Ebenda, Bl. 60). In dem dazugehörigen Bericht an das SED-Politbüromitglied Günter Mittag, oberster politischer Wirtschaftsfunktionär in der DDR, hieß es auch:

Das Foto zeigt im Vordergrund Teile der Altstadt Erfurts und im Hintergrund mehrere Hochhäuser-
Blick auf die Bezirkshauptstadt Erfurt, 16.10.1971. | BArch, Bild 183-K1016-0010, Fotograf: Dieter Demme.

„Mit diesen Gerüchten wurden teilweise Leidenschaften erzeugt, die unter bestimmten Jugendlichen zur Pogromstimmung führten.“

Der Staat griff jedoch nicht ein – eine Aufklärung in Form von klärenden Veranstaltungen oder Veröffentlichungen unterblieb. Das MfS vermerkte: „Negativen Kreisen fiel es in dieser Situation nicht schwer, auch loyale Bürger Erfurts gegen die algerischen Werktätigen aufzuwiegeln.“ (HA VII: Bericht, 9.9.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 16).

Ablauf

Regelmäßig fanden und finden bis heute auf dem zentralen, sehr weitläufigen Domplatz in Erfurt Volksfeste statt – so auch im August 1975. Am Sonntag, den 10. August, kam es dort ab ca. 20 Uhr zu Auseinandersetzungen zwischen Deutschen, Algeriern und Ungarn. Berichte des MfS und der Volkspolizei widersprechen sich, was den Ausgangspunkt betrifft. In einigen Dokumenten gab das MfS offenbar den späteren algerischen Opfern die Schuld am Ausbruch des Konflikts. Die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG) der Stasi hielt fest: „Wer von den Beteiligten mit der Schlägerei begonnen hat, ist nicht mit Sicherheit festzustellen.“ (Information, 12.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 7). Ein algerischer Zeitzeuge spricht als Auslöser hingegen davon, dass ihre Begleiterinnen durch deutsche Festbesucher beleidigt wurden (Schubert, Rassistische Ausschreitungen, S. 90).

Im Verlaufe des Abends kam es zu einer Ansammlung von rund 150 feindseligen und aufgebrachten meist jungen Deutschen auf dem Volksfest, die algerischen Besuchern gegenüberstanden. In der aufgeheizten Situation ließen Polizisten ihre Hunde auf die Algerier los. Drei Personen wurden daraufhin schwer verletzt. Der Mob fühlte sich offenbar bestätigt, die Situation eskalierte. Die Menschenmenge schwoll auf 300 Personen an, attackierte und jagte Algerier durch die Stadt.

25 algerische Arbeiter liefen in Richtung Hauptbahnhof, um zu ihrem Quartier zu gelangen. Die Stasi notierte später (BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 78): 

Domplatz in Erfurt, im Vordergrund drei Personen, die die Treppen in Richtung des Fotografen hinaufgehen. Auf dem Platz stehen teilweise Autos. In der Mitte ist eine Statue zu sehen, im Hintergrund Häuser der Altstadt und ein Kirchturm.
Domplatz in Erfurt am 6. August 1975. | BArch, Bild 183-P0806-0305, Fotograf: Jürgen Ludwig. |

„in aufgebrachter, pogromhafter Stimmung folgten ihnen zuerst etwa 150, später nahezu 300 Jugendliche.“

„Viele der Beteiligten hatten sich auf dem Wege zum Bahnhof mit Knüppeln und Holzlatten bewaffnet.“

Rufe wie „Aufstand gegen die Algerier“ und „schlagt sie tot“ wurden laut, bevor die Täter die Algerier körperlich attackierten. Die Volkspolizei löste den Mob auf. Sie nahm 16 Deutsche, jedoch auch vier Algerier, vorläufig fest. Nach einer Befragung ließ man sie wieder auf freien Fuß.

Rund 60 Personen versuchten, im Rieth die Wohnheime der Algerier anzugreifen, wurden jedoch im Vorfeld durch die Volkspolizei aufgehalten.

Die Algerier waren angesichts der Krawalle verängstigt und empört. In ihrer Unterkunft wurde am Abend ein Flugblatt mit dem Inhalt „DDR-Faschisten“, „Wir wollen wieder nach Hause“ aufgefunden. Außerdem äußerten sie verbal die Absicht, am folgenden Tag in den Streik zu treten. Daraufhin kam es am Montag, den 11. August, zu Arbeitsniederlegungen und Verweigerungen.

Die Gerüchteküche in der einheimischen Bevölkerung wurde durch die rassistischen Hetzjagden und eine fehlende mediale Berichterstattung weiter befeuert. So erzählte man sich auf den Straßen die Lüge, dass es bei den Ausschreitungen mehrere Tote auf beiden Seiten gegeben hätte, was die Lage weiter anheizte.

Deutsche Jugendliche provozierten auch am Montag im Stadtzentrum eine Gruppe Algerier. Am späten Abend sammelte sich eine Gruppe Algerier vor ihrem Wohnheim, bewaffnet mit „Messern, Stöcken und Drahtseilen“, um ins Stadtzentrum zu fahren. Sie hatten gehört, dass dort Landsleute zusammengeschlagen würden und wollten ihnen offenbar zu Hilfe eilen. Straßenbahnfahrer weigerten sich jedoch, sie zu befördern. Sicherheitsorgane, „gesellschaftliche Kräfte“ und Betreuer überredeten die Algerier schließlich, ins Wohnheim zurückzukehren (Information, 12.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 7–11 PDF).

Am späteren Abend machten sich erneut rund 60 Personen auf den Weg, die Wohnheime der Algerier zu attackieren. Ihr Vorhaben scheiterte wiederum im Vorfeld am Eingreifen der Volkspolizei.

Am folgenden Dienstag, den 12. August, kam es am späten Abend zu einem erneuten Ausbruch der Gewalt. Zuvor fand auf dem Anger eine demonstrationsartige Zusammenkunft mit bis zu 350 Teilnehmenden, gerichtet gegen die algerischen Arbeitsmigranten und die Volkspolizei statt. Um ca. 23 Uhr erschienen fünf bis zwölf Algerier vor Ort. In der Nähe des Hauptpostamtes wurden sie durch 50 bis 60 überwiegend jugendliche Deutsche lautstark und diskriminierend angepöbelt sowie körperlich angegriffen. Die Volkspolizei nahm vier Angreifende in Gewahrsam und führte die Algerier zu ihrem Schutz in den Innenhof der Post. Von dort wurden sie mit einem Postfahrzeug heimlich vor den Attackierenden in Sicherheit gebracht. Deren Menge erhöhte sich auf 150 Personen. Es fielen laute Äußerungen wie: „Algerier in Ketten, gebt sie uns heraus, wir wollen sie hängen“ sowie: „Schlagt die Algerier tot, jagt sie heim, sie sollen sich wieder in den Busch scheren“. Die Menge intonierte im Sprechchor „Deutsche raus! Algerier in Ketten!“ (gemeint waren Deutsche, die festgenommen worden waren). Außerdem sang sie die DDR-Nationalhymne, aber auch das Lied „Give Peace a Chance“, das durch den Film „Blutige Erdbeeren“ über die US-amerikanischen Studierendenbewegung populär geworden war (Zitate aus: HA VII: Bericht, 9.9.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 3 f.).

Anger in Erfurt. Im Vordergrund ist eine Brunnenanlage zu sehen, rechts das große Postgebäude mit Turm. Links ist der Platz durch Altstadthäuser begrenzt.
Anger mit Hauptpost (rechts), 1981. | BArch, Bild 183-Z1009-005, Fotograf: Hubert Link

Der Mob versuchte, die Post zu stürmen und warf mit Steinen das Fenster der Betriebswache ein. Die Polizei räumte den Platz schließlich unter Einsatz von Schlagstöcken und Diensthunden. Dabei nahm sie zehn besonders auffällige Jugendliche und junge Erwachsene fest (Information, 14.8.1975 BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 15–21 PDF). In einem anderen Dokument ist von mehr als 30 Festnahmen, darunter auch von einigen Algeriern, die Rede. 

Am Mittwoch, den 13. August, versammelten sich 150 Jugendliche im Stadtzentrum, offenbar auf der Suche nach Algeriern. Als die Volkspolizei eintraf, entstanden „lautstarke und provozierende Diskussionen“ mit den Polizisten (Zusammenfassende Einschätzung, 16.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 98). Der Mob löste sich anschließend auf. Um Mitternacht wurde eine Gruppe deutscher Jugendlicher, bewaffnet mit Latten, auf dem Weg zu den Wohnheimen der Algerier festgestellt. Die Volkspolizei stoppte die Gruppe und verhaftete fünf Personen. Eine weitere gewaltsuchende Gruppe zerstreute sich aufgrund der Polizeipräsenz.

Donnerstag, den 14. August, traf die Polizei einen 19-Jährigen mit einem Messer auf dem Anger an. Zur Begründung gab er an, „von den Algeriern die Schnauze voll zu haben.“ (Ebenda, Bl. 99).

Samstagmorgen, den 15. August, um 2:45 Uhr erschien bei der Kriminalpolizei ein Mann mit Schnittverletzungen am Arm. Er gab an, diese seien ihm durch Algerier beigebracht worden. Schließlich musste er zugeben, sich selbst verletzt zu haben, um gegen Algerier vorgehen zu können. Offenbar wollte er die Stimmung weiter anheizen.

Sonntag, den 16. August, hielten sich bis 22 Uhr vier männliche Jugendliche auf dem Anger auf, zwei von ihnen mit Messern. Ihr Ziel bestand darin, Algerier zu finden, zu provozieren und eine tätliche Auseinandersetzung zu beginnen. Aufgrund der Polizeipräsenz und fehlender potenzieller Opfer fuhr die Gruppe zum Platz der Jungen Pioniere (heute: Ilversgehofener Platz), um hier ihr Vorhaben umzusetzen – jedoch ohne Erfolg. Am nächsten Tag wurden die Jugendlichen aufgrund ihrer Absichten verhaftet.

Kerblochkarteikarte mit Eintragungen zu "Rowdytum" am 10. August und folgenden Tagen
Delikte-Kerblochkartei der MfS-Bezirksverwaltung Erfurt zu „Rowdytum“ am 10. August 1975 und folgenden Tagen. | BArch, MfS, BV Erfurt, Abt. IX, Nr. 355, Bl. 20. |

Betroffene

Die Sicherheitsorgane stellten über die Tage der pogromartigen Ausschreitungen eine ganze Reihe von Gewalttaten, meist Faustschläge gegen Algerier, fest. In den Berichten finden sich jedoch kaum Spuren von den Verletzten. Am ersten Tag der Krawalle registrierte die Stasi beispielsweise nur zwei leicht verletzte Algerier (die drei Verletzten durch Hundebisse wurden offiziell nicht erfasst) und einen Deutschen. Als am Dienstagabend Jugendliche versuchten, die Post zu stürmen, verletzten sie einen Polizisten leicht am Kopf.

Ali Seddiki, 1975 aus Algerien nach Erfurt gekommen, berichtete 2025 der taz, wie er am 10. August in einem Café von marodierenden Deutschen attackiert wurde: „Sie sind direkt auf mich los.“ Sie hätten ihn gegen eine Wand gedrückt und gewürgt. „Wenn Abbas und Manaa nicht gekommen wären, dann wäre ich tot.“ (Schulz; Fromm; Schuber, Rassistische Ausschreitungen, in: taz 9.8.2025).

Auf dem Foto ist ein Algerier zu sehen, der auf den Betrachter zugeht. Seine Hemd ist offen. Links sitzen Personen auf einer Bank und betrachten offenbar teilweise den algerischen Mann. Im Hintergrund sind drei hohe Neubaublöcke zu sehen.
Algerischer Arbeiter (rechts) auf dem Weg zu seinem Wohnheim in Erfurt am 12. August 1975 zwischen 16:30 und 17:00 Uhr – konspirativ fotografiert durch die Stasi. | BArch, MfS, BV Erfurt, Abt. XIV, Nr. 23, Bl. 6, Bild 2 |

Täter und Beteiligte

MfS und Volkspolizei konnten 132 Deutsche ermitteln, die an den Ausschreitungen beteiligt waren. Fast alle waren männlich.

Zu 36 Tatausübenden, gegen die ein Ermittlungs- oder Ordnungsstrafverfahren eingeleitet wurde, ließen sich nähere Angaben finden. 31 von ihnen waren als Arbeiter oder Lehrlinge tätig, zumeist in Industriebetrieben. Zwei hatten kein Beschäftigungsverhältnis. Die Stasi bezeichnete sie in ihrem typischen Sprachduktus als „arbeitsscheue Elemente“ (Ohne Titel, 13.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 77). Ein Mädchen und ein Junge gingen noch zur Schule. Auffällig ist das junge Alter: Die jüngste Täterin war erst 14 Jahre alt. Sie war im Gegensatz zu den meisten anderen Tätern allerdings nur durch Sprechchöre hervorgetreten. Die größte Kohorte stellten 16-jährige Jungen.

21 der 36 Personen galten als kriminell vorbelastet, meist durch Diebstähle und „Rowdytum“, nur wenige politisch.

Bei den Tätern, gegen die ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, stellte das MfS fest, dass sie „nur eine geringe Schulbildung besitzen und meist aus gestörten Familienverhältnissen kommen“. Wichtig war es der Stasi auch, zu betonen, dass diese keinerlei gesellschaftliche Arbeit leisten und sich an westdeutschen Medien orientieren würden. „Ihr kulturelles Niveau wird deshalb wesentlich durch Einflüsse des kapitalistischen Vergnügungswesens bestimmt.“ (Information, 18.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 25). Damit schob das „Schild und Schwert der Partei“ die rassistischen Krawalle indirekt westlicher Beeinflussung zu – ein Muster des SED-Regimes, das sich bis zum Ende der DDR immer wieder bei der Beurteilung neonazistischer und rassistischer Taten zeigte.

Tatmotiv / Merkmale und Ideologie

In den Berichten von Volkspolizei und Staatssicherheit wird die überwiegend rassistische Motivation der pogromartigen Ausschreitungen kaum klar benannt. Dennoch bestehen angesichts der überlieferten herabwürdigenden rassistischen Äußerungen der deutschen Beteiligten hieran keine Zweifel.

Neid schien einen großen Faktor bei der Motivation der Ausschreitungen zu bilden – zum einen auf Erfolg von Algeriern bei Frauen (diese wurden dabei typischerweise rassistisch-sexualisiert betrachtet), zum anderen Sozialneid. Letzterer bezog sich unter anderem auf die Unterbringung der Algerier in neu errichten Wohnblöcken, die angesichts oft sehr schlechter Bedingungen in Altbauten und allgemeiner Wohnungsnot stark begehrt waren.

Bewusst lancierten Menschen mit rassistischen Einstellungen Gerüchte, die Vorurteile gegenüber Moslems, Afrikanern, Arabern und Berbern bestätigen sollten, wie erdachte Vergewaltigungen bis hin zu Morden, um andere aufzuwiegeln – was vielfach gelang.

Die Stasi glaubte, fünf „Rädelsführer“ der Krawalle identifiziert zu haben: Sie gaben in den Verhören zu Protokoll, den Gerüchten Glauben geschenkt zu haben. Demnach wollten sie zur Selbstjustiz greifen, da der Staat nichts gegen die angeblichen Täter unternommen habe. Darin dürfte ebenfalls eine zentrale Motivation der rassistischen Krawalle gelegen habe. Deutsche fühlten sich bemüßigt, ihre Ordnungsvorstellungen mit Gewalt gegenüber Ausländern durchzusetzen, deren Kultur sie als unterlegen und archaisch betrachteten. Die Stasi schätzte die fünf „Rädelsführer“ als notorische Gewalttäter („brutale Schlägertypen“) ein (Information, 18.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 23–25 PDF).

Ermittlungen und juristische Aufarbeitung

Schon als die ersten Ausschreitungen am Sonntag begannen, liefen im Hintergrund Maßnahmen der MfS-Bezirksverwaltung Erfurt an. Dazu gehörten konspirative Beobachtungen in den folgenden Tagen sowie Inoffizielle Mitarbeiter (IM) nach „Rädelsführern“ suchen zu lassen. Bei bekannten „negativen Personen“ unter DDR-Bürgern in Erfurt informierte die Stasi die entsprechenden Betriebe. Deren Leitungen sollten diese davon abhalten, sich an Ausschreitungen zu beteiligen. Außerdem wollte man unter anderem die algerischen Arbeitskräfte schützen (Bericht, 1.9.1975. BArch, MfS, HA XX, Nr. 11192, Bl. 4–18).

Von den 132 Deutschen, die die Sicherheitsorgane als Beteiligte an den Ausschreitungen feststellten, nahmen sie 57 vorläufig fest. Gegen 31 wurden Ermittlungsverfahren (meist mit Haft) eingeleitet, gegen 67 Ordnungsstrafverfahren – meist wegen „Rowdytums“ (§ 215 StGB DDR).

Die fünf „Rädelsführer“ standen schon sieben Tage nach ihren Taten am 19. August unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht. Es verurteilte sie wegen „Rowdytums“ zu zwei Jahren und drei Monaten bis vier Jahren und vier Monaten Haft. Die rassistische Motivation der Ausschreitungen fand dabei keine Erwähnung (Urteil, 28.8.1975. BArch, MfS, BV Erfurt, AU 1507/75, Bd. 1, Bl. 91–100 PDF).

Mindestens zwei Algerier wurden im Zusammenhang mit den Ausschreitungen abgeschoben. Dabei erhielten sie nicht die Chance, sich zu verteidigen und die Abschiebung damit zu verhindern (Schubert, Rassistische Ausschreitungen, S. 116).

Reaktionen

Bei den Algeriern in Erfurt und darüber hinaus herrschten nach den pogromartigen Ausschreitungen Unsicherheit und Angst. Ein Teil wollte in die Heimat zurückkehren, andere wünschten Gespräche mit den Einheimischen, um Vorurteile abzubauen und Lügen begegnen zu können. Die algerischen Arbeiter vernetzten sich zunehmend in der DDR und tauschten ihre oft schlechten Erfahrungen aus. So monierten sie unter anderem zurecht, dass die Öffentlichkeit nicht über ihren Einsatz informiert worden war. Das MfS notierte:

Die Grundeinstellung der meisten algerischen Staatsbürger wird als durchaus positiv eingeschätzt, sie kommen sich aber insbesondere nach den Vorfällen am 10. und 11.8.1975 als ‚Menschen zweiter oder dritter Klasse vor‘.
Information, 12.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 11

In der DDR existierte keine freie Medienlandschaft. Eine Berichterstattung über die pogromartigen Ausschreitungen fand nicht statt. Nur der besagte Prozess führte zu den einzigen DDR-Veröffentlichungen, so in der Thüringer Landeszeitung vom 22. August und in Das Volk vom 21. August, die sehr kurz und nichtssagend gehalten wurden. Wie ein Dokument des MfS zeigt, waren sie offenbar durch die Geheimpolizei vorbereitet oder redigiert worden (Entwürfe einer Presseveröffentlichung, o.D. BArch, MfS, BV Erfurt, AU 1507/75, Bd. 3, o. Bl. PDF).

Aufgrund der fehlenden Medienberichte konnten sich die Menschen kein differenziertes Bild von den Ereignissen machen und glaubten offenbar den kursierenden Gerüchten mit übertriebenem oder erfundenem Inhalt. Die Reaktionen in der Bevölkerung richteten sich vornehmlich gegen die Algerier, wie auch der Bericht eines IM zeigt (Bericht, 20.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 39 f. PDF).

Die Stasi schrieb von häufigen verbalen Angriffen „in gemeiner Weise“ gegen die algerischen Arbeitskräfte. So sei den Algeriern im Wohngebiet neben rassistischen Beleidigungen zugerufen worden, sie sollten „nach Hause“ abhauen. An den Arbeitsstellen wären sie verächtlich gemacht worden mit „alles faule Hunde“. In der Diskothek Freundschaft seien Algerier gezwungen worden, ihre Plätze für Deutsche frei zu machen (Information, 12.8.1975. Ebenda, Bl. 80).

In einem Herren-WC des VEB Verkehrskombinats Erfurt (in dem keine Algerier tätig waren) stellte die Stasi eine rassistisch motivierte Schrift fest. Die Stasi konnte den Urheber ermitteln und verhaften (Schmiererei, 20.8.1975. Ebenda, Bl. 131 f. PDF).

Die Staatssicherheit fasste schon nach den Ereignissen vom 12. August zusammen, dass es zweckmäßig sei, „innerhalb der Betriebe und besonders unter der DDR-Bevölkerung politisch-ideologisch stärker wirksam zu werden und den Einsatz dieser algerischen Staatsbürger entsprechend zu begründen.“ (Information, 14.8.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 2420, S. 21).

Die SED-Bezirksleitung Erfurt verteilte an ihre Betriebsparteileitungen ein Papier („Argumentation“) über den Hintergrund des Einsatzes der algerischen Arbeiter und die „Versuche rowdyhafter [DDR-]Elemente zur Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ (BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 35–37 PDF).

Weiterhin fanden in Erfurt am 18. und 19. August „Aktivtagungen“ der SED und ihrer Massenorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) (Monatliche persönliche Information [Auszug], 4.9.1975. BArch, DY 24/9236 unpag. PDF) sowie Gespräche mit Funktionsträgern statt, um Multiplikatoren für die eigene Sichtweise zu schulen. Hier wurden westliche Einflüsse auf die Tatausübenden betont, der Rassismus also externalisiert. Die Stasi glaubte danach erkennen zu können, dass die folgenden Betriebsversammlungen einen „grundlegenden Stimmungsumschwung“ gebracht hätten (HA VII: Bericht, 9.9.1975. BArch, MfS, ZAIG, Nr. 30554, Bl. 22). Weitere rassistische Vorfälle in Thüringen und darüber hinaus, weisen, wenn überhaupt, jedoch auf einen nur begrenzten Erfolg hin.

Auswirkungen

Das Ministerium für Staatssicherheit verschärfte seine Maßnahmen, auch gegenüber den algerischen Arbeitsmigranten, um weitere Ausschreitungen zu unterbinden. Offenbar wollte die SED-Geheimpolizei Schaden von der DDR und ihrem Ansehen in der „sozialistischen Welt“ abwenden. So versuchte die Stasi, unter den Dolmetschern IM zu werben. Weiterhin verwanzte sie illegal die Telefonanschlüsse in den Unterkünften der Algerier. Auch wollte die Stasi die Post der Algerier heimlich und ebenfalls illegal kontrollieren, jedoch mangelte es hierfür in der zuständigen Abteilung M an Französisch- und Arabischkenntnissen.

Andererseits nahm sich das MfS vor, künftig Gerüchten offensiv zu begegnen und stellte fest, dass es notwendig sei, Bevölkerung und ausländische Arbeitskräfte in Zukunft besser aufeinander vorzubereiten.

Die Volkspolizei verstärkte ihre Präsenz im Erfurter Stadtzentrum. Trotzdem kam es in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren immer wieder zu „Vorkommnissen“ zwischen Deutschen und Algeriern, bei denen häufig Gewalt ausgeübt wurde. Beteiligte Algerier schob man dabei oft schnell ab.

Streiks der algerischen Beschäftigten gegen schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen führten zu einem vorübergehenden Aussetzen des Arbeitskräfteabkommens. Denkbar ist, dass hierbei auch die rassistischen Übergriffe auf Algerier eine Rolle spielten. Der Einsatz „algerischer Werktätiger“ blieb letztlich nur eine relativ kurze Episode. Nach dem Ende ihrer Verträge mussten sie 1979 aus Erfurt abreisen. Dies betraf auch die vielen, die eine feste Beziehung zu deutschen Frauen unterhielten, oft gar heiraten wollten, was staatlicherseits behindert wurde, oder Kinder gezeugt hatten. 1981 kündigte Algerien, unzufrieden mit der Behandlung der Arbeitskräfte, das Abkommen mit der DDR auf.

Zu sehen ist Menschengruppe von Deutschen und Algeriern vor einem Eckgebäude in der Innenstadt von Erfurt. Im Gebäude ist die "Milchbar".
Überwachungsfoto des MfS. Algerier und Deutsche an der Milchbar „Angereck“ in Erfurt, 12. August 1975 (zwischen 17:00 und 19:30 Uhr). | BArch, MfS, BV Erfurt, Abt. XIV, Nr. 23, Bl. 15 |

Gedenken und Erinnerungskultur

Die pogromartigen Ausschreitungen von Erfurt fielen nach 1975 zunächst dem öffentlichen Vergessen anheim. Das SED-Regime ließ keine offene kritische Aufarbeitung zu, eine Auseinandersetzung mit Rassismus in der Gesellschaft fand nicht statt.

Erst mit dem Ende der Diktatur konnte offen und kritisch über solche Ereignisse gesprochen werden. In einzelnen wissenschaftlichen Publikationen fanden die rassistischen Ausschreitungen von Erfurt jedoch erst seit den 2010er Jahren Erwähnung. 2018 beschäftigte sich der Historiker Rainer Erices explizit und ausführlicher mit der „Hetzjagd im August 1975 in Erfurt“. Im Jahr darauf ließ die Heinrich-Böll-Stiftung mit einem schwarzen Obelisken auf dem Anger ein temporäres Denkmal errichten. Im Jahr 2026 veröffentlichte Jan Schubert eine Masterarbeit an der Universität Erfurt, in die erstmals breit Betroffeneninterviews einflossen. Kurz darauf brachte die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen eine Broschüre von Harry Waibel über die pogromartigen Ausschreitungen heraus.

2024 begann ein Oral-history-Projekt an der Universität Erfurt über „Algerische Arbeitsmigranten in der DDR“, womit erstmals, auch in nachfolgenden Veranstaltungen, öffentlich Betroffene zu Wort kamen.

Zum 50. Jahrestag der rassistischen Krawalle 2025 fanden zum ersten Mal verschiedene größere Veranstaltungen statt, die sich dem Gedenken und der Aufarbeitung des Ereignisses widmeten. 

Die Veranstaltungen führten zum Erscheinen einer ganzen Reihe von Medienberichten. Insgesamt sind die pogromartigen Ausschreitungen von Erfurt erst spät ins breite öffentliche Bewusstsein gerückt.

Kontroversen und Diskussionen

Die Ereignisse von Erfurt im August 1975 werden unterschiedlich bezeichnet. Der Historiker Harry Waibel und die Bundeszentrale für politische Bildung sprechen beispielsweise von einem „rassistischen Pogrom“, Rainer Erices hingegen von „Hetzjagden“ und Jan Schubert von „rassistischen Ausschreitungen“ Letzterer diskutierte den Begriff Pogrom in seiner Masterarbeit im Bezug auf die Ereignisse von Erfurt 1975 erstmals kritisch.

Leerstellen und offene Fragen

Anhand der in deutschen Archiven vorliegenden Dokumente ist die Perspektive der Betroffenen der pogromartigen Ausschreitungen von Erfurt kaum zu rekonstruieren. So vernahm das Ministerium für Staatssicherheit nach Aktenlage keine Algerier zeugenschaftlich und nannte sie nicht namentlich. Hierin kann eine teils rassistisch motivierte Geringschätzung der Arbeitsmigranten abgelesen werden.

Offen blieben in der Forschung und für den Artikel aus arbeitsökonomischen Gründen Recherchen in algerischen Archiven.

 

HM

(Erst-)Veröffentlicht am: 22.4.2026

Zuletzt redaktionell aktualisiert am: 22.4.2026

Weiterführende Informationen

Medien (Auswahl)

Zeitzeugenberichte

  • Jadla, Rashid: „ich bin deutsch / aber mein ganzes leben lang / von deutschen verfolgt“, in: Gegen uns. Rassismus, rechte Gewalt und Migrantifa in Erfurt auf gegenuns.de
  • Tautz, Lothar: August 1975: Pogromstimmung in Erfurt. Eine persönliche Erinnerung von Lothar Tautz, 2017.
  • Zeitzeugenprojekt der Universität Erfurt „Algerische Arbeitsmigranten in der DDR“, 2024.

Literatur und Artikel (Auswahl)

Zuordnungen

Rassismus Selbstjustiz Thüringen Erfurt

Bestandsübersicht

Folgend finden Sie Archivbestände, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Bundesarchiv

Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO)



Bestandssignatur:
DY 30
Archivaliennummern:
2220
Inhalt:

Informationen an Erich Honecker über regionale Probleme in den Monatsberichten des Ersten Bezirkssekretärs der SED in Erfurt; Enthält u.a.: Hinweise über den Einsatz von Bürgern aus Algerien in Betrieben (Archivportal D)


Bestandssignatur:
DY 34
Archivaliennummern:
10236
Laufzeit:
1974–1975
Inhalt:

Abteilung Organisation; Enthält u.a.: Einsatz von algerischen Werktätigen in Betrieben der DDR (Archivportal D)


Bestandssignatur:
DY 24
Archivaliennummern:
9236
Laufzeit:
1975
Inhalt:

Enthält u.a.: Monatliche persönliche Information, FDJ-BL Erfurt, 4.9.1975

Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv (Zentral)



Bestandssignatur:
MfS, HA XVIII
Archivaliennummern:
21411
Laufzeit:
1975
Inhalt:

Informationen der Hauptabteilung XVIII [...]; Enthält u.a.: Situation zu Vorkommnissen beim Einsatz von algerischen Werktätigen in der DDR, insbesondere zu Auseinandersetzungen mit DDR-Bürgern in Erfurt


Bestandssignatur:
MfS, HA XX
Archivaliennummern:
11192
Laufzeit:
1975
Inhalt:

Rowdyhafte Ausschreitungen zwischen algerischen und DDR-Bürgern in Erfurt; Enthält u. a.: Ergebnis der Prüfung der eingeleiteten Maßnahmen, Hinweise zu IM-Berichten, Anklageschrift


Bestandssignatur:
MfS
Archivaliennummern:
AIM 15252/78 Bd. 20
Laufzeit:
1975
Inhalt:

Ohne Titel; Enthält u.a.: IM-Berichte über die Ausschreitungen und zur Stimmung gegenüber den Algeriern in Erfurt


Bestandssignatur:
MfS, ZAIG
Archivaliennummern:
2420; 2424; 20640; 30554
Laufzeit:
1975–1976
Inhalt:
  • Informationen des MfS (Ifo MfS) Nr. 561/75, 573/75 und 574/75 über tätliche Auseinandersetzungen zwischen algerischen Staatsbürgern und DDR-Bürgern in Erfurt (2420)
  • Information des MfS (Ifo MfS) Nr. 592/75 über weitere Vorkommnisse im Zusammenhang mit ausländischen Arbeitskräften im Bezirk Erfurt (2424)
  • Informationen des Ministeriums für Staatssicherheit über einige Probleme im Zusammenhang mit dem Einsatz und dem Aufenthalt algerischer Werktätiger (20640)
  • Materialsammlung über den Einsatz ausländischer Werktätiger in Betrieben der DDR; Enthält u.a.: Bericht über Ausschreitungen zwischen algerischen Vertragsarbeitern und Bürgern der DDR, Informationen über tätliche Auseinandersetzungen zwischen algerischen und ungarischen Staatsbürgern (30554)

Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv Erfurt



Bestandssignatur:
MfS, BV Erfurt, Abt. IX
Archivaliennummern:
355; 538
Inhalt:
  • Deliktekartei über Zusammenrottung von Jugendlichen; Enthält u.a.: Treffen von Jugendlichen am Erfurter Anger – Rowdyhaftes Verhalten § 215, Ausschreitungen gegen algerische Bürger (355)
  • Deliktekartei über Rowdytum; Enthält u.a.: Rowdytum durch ungarische Staatsbürger, Ausschreitungen gegen algerische Bürger (538)

Bestandssignatur:
MfS, BV Erfurt, Abt. XIV
Archivaliennummern:
18; 23
Laufzeit:
1975
Inhalt:
  • Vernehmungsprotokolle und Abschlussberichte zu Ermittlungsverfahren wegen rowdyhafter Handlungen gegenüber algerischen Bürgern (18)
  • Vorkommnisse mit algerischen Staatsbürgern; Enthält u.a.: Fotodokumentation, Vernehmungsprotokolle, Ermittlungsberichte (23)

Bestandssignatur:
MfS, BV Erfurt, AKG
Archivaliennummern:
292
Laufzeit:
1975
Inhalt:

Plan der politisch-operativen Maßnahmen zur Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit im Zusammenhang des Einsatzes von algerischen Arbeitskräften im Bezirk Erfurt; Enthält u.a.: Treffen von Jugendlichen am Erfurter Anger – Rowdyhaftes Verhalten § 215, Ausschreitungen gegen algerische Bürger


Bestandssignatur:
MfS, BV Erfurt, BdL
Archivaliennummern:
1423
Umfang:
1975
Inhalt:

Plan der politisch-operativen Maßnahmen zur Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit im Zusammenhang mit dem Einsatz von algerischen Arbeitskräften im Bezirk Erfurt


Bestandssignatur:
MfS, BV Erfurt
Archivaliennummern:
AIM 1229/87 Bd. 1; AOP 1889/75; AU 1507/75; AU 1633/75
Laufzeit:
1975
Umfang:
AU 1507/75: 20 Bände;
AU 1633/75: 3 Bände
Inhalt:
  • Ohne Titel; Enthält u.a.: Urteil gegen drei Beteiligte der Ausschreitungen wegen Rowdytums (AIM 1229/87 Bd. 1)
  • Operativer Vorgang (OV) „Unruhe“; Enthält: Ermittlungen gegen einen deutschen Teilnehmer der Ausschreitungen vom 10. und 12 August 1975 (Weiterbearbeitung in AU 1633/75) (AOP 1889/75)
  • Ohne Titel; Enthält: Ermittlungsverfahren zu fünf Tätern bei den Ausschreitungen ab dem 10. August (AU 1507/75)
  • Ohne Titel; Enthält: Ermittlungsverfahren zu zwei Tätern der Ausschreitungen am 10. August 1975 (AU 1633/75)

Bestandssignatur:
MfS, BV Erfurt, Tb
Archivaliennummern:
421
Laufzeit:
1975
Inhalt:

Protokollmitschnitt des Telefonverkehrs beim Operativen Diensthabenden (ODH) der Bezirksverwaltung Erfurt; Enthält u.a.: Meldung einer Staatsverleumdung einer Messerattacke auf einen DDR-Bürger durch einen Algerier

Landesarchiv Thüringen / Hauptstaatsarchiv Weimar



Bestandssignatur:
6-95-2016
Archivaliennummern:
IV C/2/6/334
Laufzeit:
1972–1976
Inhalt:

Arbeitskräfte, Informationen über den Einsatz ausländischer Werktätiger; Enthält u.a.: Einsatz von Angehörigen der Sowjet-Armee, algerische Werktätige


Bestandssignatur:
6-95-2116
Archivaliennummern:
IV C/2/3/124/1; IV C/5.01/137/1
Laufzeit:
1975
Inhalt:
  • Beschlussprotokoll Nr. 9 der Sekretariatssitzung vom 20. März 1975; Enthält u.a.: Information des Rates des Bezirkes Erfurt über den zeitweiligen Einsatz von algerischen Werktätigen in Betrieben des Bezirkes (IV C/2/3/124/1)
  • Protokoll der Stadtparteiaktivtagung am 18. August 1975 im Klubhaus Optima über Probleme der massenpolitischen Arbeit (algerische Werktätige); Enthält u.a.: Charakteristiken der Beschuldigten zu den Vorfällen vom 10. bis 13. August 1975, Diskussionsbeitrag Straßen- und Tiefbaukombinat Erfurt (IV C/5.01/137/1)

Bestandssignatur:
6-51-2001.1
Archivaliennummern:
277
Laufzeit:
1961–1975
Inhalt:

Pass- und Meldewesen: Arbeitstagungen; Enthält u.a.: Einschätzung über den Einsatz algerischer Werktätiger 1975


Bestandssignatur:
6-62-0001
Archivaliennummern:
Altregistratur Nr. 22543; Altregistratur Nr. 22547; Altregistratur Nr. 22548, Altregistratur Nr. 22550, Altregistratur Nr. 22551; Altregistratur Nr. 11120
Laufzeit:
1975–1980
Inhalt:
  • Ausländische Werktätige – Algerien: Schriftwechsel, Berichte (Altregistratur Nr. 22543)
  • Ausländische Werktätige – Algerische Werktätige: Straßen- und Tiefbaukombinat (Altregistratur Nr. 22547)
  • Ausländische Werktätige – Algerische Werktätige: VE Bau- und Reparaturkombinat Erfurt (Altregistratur Nr. 22548)
  • Ausländische Werktätige – Algerische Werktätige: Wohnheime (Altregistratur Nr. 22550)
  • Ausländische Werktätige – Algerische Werktätige: besondere Vorkommnisse (Altregistratur Nr. 22551)
  • Informationen über den Einsatz ausländischer Werktätiger im Bezirk Erfurt; Enthält u.a.: Information über den Einsatz algerischer Werktätiger (Altregistratur Nr. 11120)

Bestandssignatur:
6-95-5201
Archivaliennummern:
979; 1514; 1521; 2179
Laufzeit:
1977–1979
Inhalt:
  • Protokoll der 24. Sekretariatssitzung vom 30. Oktober 1978 (979)
  • Informationsberichte an den Bundesvorstand des FDGB Februar – März 1976; Enthält u.a.: Betreuung algerischer, polnischer und ungarischer Werktätiger in Einsatzbetrieben (1514)
  • Informationsberichte an den Bundesvorstand des FDGB Juli – September 1977; Enthält u.a.: Betreuung algerischer, polnischer und ungarischer Werktätiger in Einsatzbetrieben (1521)
  • Arbeit mit den im Bezirk Erfurt beschäftigten algerischen Werktätigen 12. August 1975 – 19. Januar 1977 (2179)

Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes



Bestandssignatur:
M 2
Archivaliennummern:
2671-77
Laufzeit:
1973–1975
Inhalt:

Verhandlungen und Abschluss eines Regierungsabkommens zwischen der DDR und Algerien über den Einsatz algerischer Werktätiger in sozialistischen Betrieben der DDR sowie Informationen und Einschätzungen zur Realisierung und zu Fragen der Betreuung algerischer Werktätiger (Direktlink mit Digitalisat)

Stadtarchiv Erfurt



Bestandssignatur:
1-5
Archivaliennummern:
25716
Laufzeit:
1975–1979
Inhalt:

Einsatz von ausländischen Werktätigen in Erfurt 1975–1979; Enthält u.a.: Protokolle von Beratungen der AG „Ausländische Werktätige“, Versorgung und Verpflegung von Werktätigen aus Algerien, Kuba und Polen, Freizeitgestaltung, Speisepläne

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026