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Neue Berliner Musikzeitung 19 (Nr. 46, 15.11.1865), S. 370f.: "Bei dem unzweifelhaften Werthe, den das Werk eines jugendlichen vielversprechenden Componisten beansprucht, sei mir gestattet, mich über die Bruchsche Oper ein wenig weiter zu verbreiten. Betrachten wir zunächst den Geibel'schen, hier allerdings mehrfach veränderten Text, dessen Bekanntschaft wir voraussetzen, so müssen wir gestehn, so manches Schöne und poetisch Werthvolle derselbe auch bietet, dass derselbe kein recht dramatisches Kunstwerk ist. Dass der junge Componist (geb. 1838) demnach damit reussirt hat, giebt einen glänzenden Beweis, für die Grösse seines Talentes in Bezug auf dramatische Composition. Wir kennen zwar seine erste Oper, Scherz, List und Rache nicht näher, aber was er in der „Loreley" zu Tage fördert, ist viel versprechend für weitere Werke. Zu tadeln ist hin und wieder die zu dicke Instrumentation, namentlich bei den Solostimmen obwohl gerade diese Seite der Composition wieder sehr bedeutend ist. Die Einleitung ist ein weniger geschlossenes Stimmungsbild als z. B. Wagner's Einleitungen zu „Lohengrin" und „Tristan", aber schon hier documentirt sich des Componisten Streben auf den Zinnen der Gegenwart verständnissvoll zu sieben. Der weitere Verlauf der Oper offenbart, neben dem fleissigen Studium Wagner's, Beethoven's und Schumann's, dass für Bruch die alte Oper in ihren Schwächen nicht mehr existirt. Höbepuncte der Oper sind für uns der Gesang der Lorelei; „Siehst du ihn glühen im Brautpocall", sowie das 2. Finale. Das erwähnte Motiv der Loreley tritt noch einmal in erhöhter Tonlage am Ende der Oper und macht einen hinreissenden Eindruck, namentlich wusste die Trägerin der Titelparthie, Frau v. Milde, der „Doppelnatur" — das anfänglich einfache Landmädchen und die spätere dämonische Rheinfee — vortrefflich zur Anschauung zu bringen. Auch Herr Meffert wusste als Pfalzgraf Otto, trotzdem dieser Charakter sehr wenig Anziehendes besitzt, mehrfachen Hervorruf neben der schon erwähnten Künstlerin zu erzielen, wie denn der Erfolg des an und für sich, düstern Werkes ein glänzender war. Auch Herr v. Milde sang das Lied: „O Heil dem Herzen, das da liebt" vorzüglich schön. Besonders grossartig und wirkungsvoll sind die Chöre, namentlich originell und ergreifend sind die Parthien der Rheingeister im 2. Acte. Leider musste die heitere Scene des 4. Actes — Chor der Winzer und Winzerinnen — angeblich wegen scenischer Hindernisse wegbleiben. Im Uebrigen waren die Costüme von Prof. Döpler und die Scenerie von Herrn Händel sehr charakteristisch und wahr. Die religiösen Chöre (Ave Maria und Requiem) lassen die Begabung des Componisten auch in dieser Hinsicht als ungewöhnlich erscheinen." Weimarische Zeitung Nr. 264, 9. November 1865, S. 1f.