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D 86 - Nachlass Lenore Volz (1913-2009) (Bestand)
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Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> D - Private Nachlässe und Sammlungen
1880-2009
Einleitung: Biografische Informationen
Lenore Volz wurde am 16.03.1913 als drittes Kind von Amalie Volz, geb. Sixt, und Hugo Volz in Waiblingen geboren. Ihr Vater, Finanzrat in Esslingen, ermöglichte Lenore eine gute schulische Ausbildung, unter anderem im Königin-Katharina-Stift in Stuttgart. Die Mutter Amalie war mit ihrem sozialen Engagement ein großes Vorbild. Sie gründete 1928 in Esslingen die erste Mütterschule Württembergs und amtierte als Bezirksvertreterin der Frauenabteilung des Evangelischen Volksbundes.
Lenore Volz studierte von 1933 an Theologie in Tübingen und wechselte 1935 nach Greifswald. In Tübingen engagierte sie sich neben ihrem Studium als Leiterin der Deutschen Christlichen Studentinnenbewegung. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 begann ihr theologisches Praktikum in Münsingen. Bereits ein halbes Jahr später wurde Lenore Volz nach Cannstatt versetzt, wo sie im April 1940 eine Anstellung als "Pfarrgehilfin" bekam. Aufgrund der zum Kriegsdienst eingezogenen Pfarrer gehörte zu den Aufgaben von Lenore Volz das Predigen in den Gemeindegottesdiensten, wobei ihr die Vornahme von Trauungen und Beerdigungen nicht gestattet war, ebenso wenig das Tragen eines Talars. Kindergottesdienste, Mädchen- und Frauenkreisarbeit waren die typisch "weiblichen Aufgabengebiete", Besuchsdienste bei Alten und Kranken kamen hinzu. Die Krankenhausseelsorge wurde nach dem Einzug des Krankenhauspfarrers zum Militärdienst ebenso ihr übertragen.
Im Frühjahr 1943 absolvierte Lenore Volz die 2. Theologische Dienstprüfung und erhielt nun die Amtsbezeichnung "Pfarrvikarin" [LKAS, D 86, Nr. 64]. Nach Kriegsende und der Rückkehr der Pfarrer aus der Kriegsgefangenschaft wurde ihr und den anderen Theologinnen das Predigtamt vor der gesamten Gemeinde wieder entzogen. [Maria Hermann, Frauen auf der Kanzel? - Lenore Volz, in: Erika Stöffler, Initiativen - Lebensbilder evangelischer Frauen, S. 137-144, Stuttgart 1984, hier S. 139.] Es blieben ihnen der Religionsunterricht und die Arbeit mit Kindern, Mädchen und Frauen. Allerdings wurden die Theologinnen 1948 in den ständigen Pfarrdienst der Evangelischen Landeskirche übernommen, was zumindest eine rechtliche und finanzielle Verbesserung mit sich brachte.
Lenore Volz begann Anfang der 1950er Jahre, sich mit Psychotherapie und Seelsorge auseinanderzusetzen. [LKAS, D 86, Nr. 115] Sie erkannte die Notwendigkeit, dass sich Pfarrer in ihrer Funktion als Seelsorger auch die Grundlagen der Psychologie zu eigen machen sollten, um adäquat auf Menschen in seelischen Nöten reagieren zu können. Lenore Volz begann Vorlesungen in Psychologie zu besuchen und lernte bei Fortbildungen der Gemeinschaft "Arzt und Seelsorger" Prof. Otto Haendler kennen, Professor für Praktische Theologe an der Humbold-Universität zu Berlin und Psychotherapeut. Haendler war der Mentor ihrer tiefenpsychologischen Studien und erstellte auf Lenore Volz' Bitte Studienpläne und Literaturempfehlungen. [LKAS, D 86, Nr. 96] Zur ihrer persönlichen psychologischen Ausbildung setzte sich Lenore Volz mit Dr. Jutta von Graevenitz in Verbindung, bei der sie sich einer Lehranalyse unterzog. [LKAS, D 86, Nr. 100]
Die Verbindung von Psychologie und Theologie, vor allem auch im Blick auf die Geschlechterverhältnisse, war ihr ein Herzensanliegen. Im Dezember 1961 hielt sie in der kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaft des Dekanats Bad Cannnstatt ein für die evangelische Landeskirche folgenreiches Referat: "Ist die Theologinnen-Ordnung von 1948 revisionsbedürftig?" [LKAS, D 86, Nr. 57] Mit dieser Frage brachte sie einen Stein ins Rollen. Die nächsten Jahre widmete sich Lenore Volz der Gleichberechtigung von Theologinnen. Unter der Mitarbeit des Konvents der evangelischen Theologinnen, deren Vorsitzende sie seit 1965 war, gab sie die Studie "Frauen auf der Kanzel? Eine brennende Frage unserer Kirchen" 1967 heraus. Diese Studie diente als Vorlage für ein neues Theologinnengesetz, das am 15. November 1968 von der Synode verabschiedet wurde. [Hermann, Frauen auf der Kanzel, S. 141]
Trotzdem "dauerte es noch bis Frühjahr 1970, ehe die erste Theologin als Gemeindepfarrerin investiert wurde" [Hermann, Frauen auf der Kanzel, S. 141]. Ein großer Meilenstein war erreicht, ein anderes Aufgabenfeld, die Klinikseelsorge wartete noch darauf, von Lenore Volz reformiert zu werden. Seit 1970 war sie Krankenhauspfarrerin in Bad Cannstatt und für evangelische Patienten in vier Krankenhäusern zuständig. Dieser Aufgabe widmete sie sich mit großer Hingabe und erwirkte bis zu ihrem Ruhestand 1978, auch durch ihre Studie "Reform der Krankenhausseelsorge", den finanziellen und personellen Ausbau der Klinikseelsorge. [LKAS, D 86, Nr. 65] Lenore Volz blieb bis ins hohe Alter als Theologin und Seelsorgerin aktiv und war an allen Fragen, die die Kirche, die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche und die Psychologie betraf, zeitlebens interessiert. Sie starb am 26. September 2009 in Stuttgart.
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Bestandsgeschichte
Der Nachlass von Lenore Volz kam über die Evangelischen Frauen Württembergs im Herbst 2017 in das Landeskirchliche Archiv. Die Geschäftsführerin der EFW, Dina Maria Dierssen, nahm Kontakt zu Hans-Martin Volz auf, einem Großneffen von Lenore Volz, in dessen Besitz sich der Nachlass befand. In Anbetracht des 50 jährigen Jubiläums der Frauenordination 2018 war es den Evangelischen Frauen wichtig, dass Unterlagen und Dokumente, die über den langen Weg der Emanzipation der württembergischen Theologinnen Aufschluss geben können, der Kirchengeschichtsforschung zugänglich gemacht werden, zumal der Konvent evangelischer Theologinnen in Württemberg im Dachverband der Evangelischen Frauen Mitglied ist.
Einzelne Druckschriften von Lenore Volz wurden an die Landeskirchliche Zentralbibliothek abgegeben.
Zum Nachlass gehören auch einige Fotos, die in Fotoalben im Bildarchiv des Landeskirchlichen Archivs gelagert werden, gleichwohl aber im Bestand verzeichnet sind.
Der gesamte Nachlass umfasst 133 Verzeichnungseinheiten, ca. 1,1 lfd. Meter.
Der Bestand wurde 2018 von Dorothea Besch erschlossen.
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Charakter des Bestands
Der Nachlass von Lenore Volz gibt einen guten Einblick in die Arbeitswelt von württembergischen Theologinnen der ersten Generation. Erhalten sind ihre Predigten von 1940 bis in die 1980er Jahre, die zum Teil getippt aber auch handschriftlich und stenografisch abgefasst wurden. Ihre umfangreiche Korrespondenz mit kirchlichen Amtsträgern zeigt ihr Engagement für die Gleichberechtigung der Theologinnen, vor allem während ihrer Zeit als Mitarbeiterin und Vorsitzende des Konvents evangelischer Theologinnen in Württemberg 1965 bis 1972.
Die Bedeutung ihres anderen Lebensthemas, die Auseinandersetzung mit Psychologie und Seelsorge, kann vor allem in der Korrespondenz mit ihrem Mentor Prof. Otto Haendler, [LKAS, D 86, Nr. 96] aber auch in ihrer Funktion als Klinikseelsorgerin erfasst werden. [LKAS, D 86, Nr. 82-86] Ihre umfangreiche Korrespondenz mit Kolleginnen und Kollegen, sowie Familienangehörigen und FreundInnen, zeigen Lenore Volz als interessierte Frau, die nicht nur an beruflichen Themen der Theologie und Seelsorge interessiert war, sondern an allen Fragen des menschlichen Daseins. Da Lenore Volz bis ins hohe Alter zu korrespondieren pflegte, unterliegen manche Schreiben noch den archivischen Sperrfristen.
Einleitung: Lenore Volz wurde am 16.03.1913 als drittes Kind von Amalie Volz, geb. Sixt, und Hugo Volz in Waiblingen geboren. Ihr Vater, Finanzrat in Esslingen, ermöglichte Lenore eine gute schulische Ausbildung, unter anderem im Königin-Katharina-Stift in Stuttgart. Die Mutter Amalie war mit ihrem sozialen Engagement ein großes Vorbild. Sie gründete 1928 in Esslingen die erste Mütterschule Württembergs und amtierte als Bezirksvertreterin der Frauenabteilung des Evangelischen Volksbundes.
Lenore Volz studierte von 1933 an Theologie in Tübingen und wechselte 1935 nach Greifswald. In Tübingen engagierte sie sich neben ihrem Studium als Leiterin der Deutschen Christlichen Studentinnenbewegung. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 begann ihr theologisches Praktikum in Münsingen. Bereits ein halbes Jahr später wurde Lenore Volz nach Cannstatt versetzt, wo sie im April 1940 eine Anstellung als "Pfarrgehilfin" bekam. Aufgrund der zum Kriegsdienst eingezogenen Pfarrer gehörte zu den Aufgaben von Lenore Volz das Predigen in den Gemeindegottesdiensten, wobei ihr die Vornahme von Trauungen und Beerdigungen nicht gestattet war, ebenso wenig das Tragen eines Talars. Kindergottesdienste, Mädchen- und Frauenkreisarbeit waren die typisch "weiblichen Aufgabengebiete", Besuchsdienste bei Alten und Kranken kamen hinzu. Die Krankenhausseelsorge wurde nach dem Einzug des Krankenhauspfarrers zum Militärdienst ebenso ihr übertragen.
Im Frühjahr 1943 absolvierte Lenore Volz die 2. Theologische Dienstprüfung und erhielt nun die Amtsbezeichnung "Pfarrvikarin" [LKAS, D 86, Nr. 64]. Nach Kriegsende und der Rückkehr der Pfarrer aus der Kriegsgefangenschaft wurde ihr und den anderen Theologinnen das Predigtamt vor der gesamten Gemeinde wieder entzogen. [Maria Hermann, Frauen auf der Kanzel? - Lenore Volz, in: Erika Stöffler, Initiativen - Lebensbilder evangelischer Frauen, S. 137-144, Stuttgart 1984, hier S. 139.] Es blieben ihnen der Religionsunterricht und die Arbeit mit Kindern, Mädchen und Frauen. Allerdings wurden die Theologinnen 1948 in den ständigen Pfarrdienst der Evangelischen Landeskirche übernommen, was zumindest eine rechtliche und finanzielle Verbesserung mit sich brachte.
Lenore Volz begann Anfang der 1950er Jahre, sich mit Psychotherapie und Seelsorge auseinanderzusetzen. [LKAS, D 86, Nr. 115] Sie erkannte die Notwendigkeit, dass sich Pfarrer in ihrer Funktion als Seelsorger auch die Grundlagen der Psychologie zu eigen machen sollten, um adäquat auf Menschen in seelischen Nöten reagieren zu können. Lenore Volz begann Vorlesungen in Psychologie zu besuchen und lernte bei Fortbildungen der Gemeinschaft "Arzt und Seelsorger" Prof. Otto Haendler kennen, Professor für Praktische Theologe an der Humbold-Universität zu Berlin und Psychotherapeut. Haendler war der Mentor ihrer tiefenpsychologischen Studien und erstellte auf Lenore Volz' Bitte Studienpläne und Literaturempfehlungen. [LKAS, D 86, Nr. 96] Zur ihrer persönlichen psychologischen Ausbildung setzte sich Lenore Volz mit Dr. Jutta von Graevenitz in Verbindung, bei der sie sich einer Lehranalyse unterzog. [LKAS, D 86, Nr. 100]
Die Verbindung von Psychologie und Theologie, vor allem auch im Blick auf die Geschlechterverhältnisse, war ihr ein Herzensanliegen. Im Dezember 1961 hielt sie in der kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaft des Dekanats Bad Cannnstatt ein für die evangelische Landeskirche folgenreiches Referat: "Ist die Theologinnen-Ordnung von 1948 revisionsbedürftig?" [LKAS, D 86, Nr. 57] Mit dieser Frage brachte sie einen Stein ins Rollen. Die nächsten Jahre widmete sich Lenore Volz der Gleichberechtigung von Theologinnen. Unter der Mitarbeit des Konvents der evangelischen Theologinnen, deren Vorsitzende sie seit 1965 war, gab sie die Studie "Frauen auf der Kanzel? Eine brennende Frage unserer Kirchen" 1967 heraus. Diese Studie diente als Vorlage für ein neues Theologinnengesetz, das am 15. November 1968 von der Synode verabschiedet wurde. [Hermann, Frauen auf der Kanzel, S. 141]
Trotzdem "dauerte es noch bis Frühjahr 1970, ehe die erste Theologin als Gemeindepfarrerin investiert wurde" [Hermann, Frauen auf der Kanzel, S. 141]. Ein großer Meilenstein war erreicht, ein anderes Aufgabenfeld, die Klinikseelsorge wartete noch darauf, von Lenore Volz reformiert zu werden. Seit 1970 war sie Krankenhauspfarrerin in Bad Cannstatt und für evangelische Patienten in vier Krankenhäusern zuständig. Dieser Aufgabe widmete sie sich mit großer Hingabe und erwirkte bis zu ihrem Ruhestand 1978, auch durch ihre Studie "Reform der Krankenhausseelsorge", den finanziellen und personellen Ausbau der Klinikseelsorge. [LKAS, D 86, Nr. 65] Lenore Volz blieb bis ins hohe Alter als Theologin und Seelsorgerin aktiv und war an allen Fragen, die die Kirche, die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche und die Psychologie betraf, zeitlebens interessiert. Sie starb am 26. September 2009 in Stuttgart.
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Der Nachlass von Lenore Volz kam über die Evangelischen Frauen Württembergs im Herbst 2017 in das Landeskirchliche Archiv. Die Geschäftsführerin der EFW, Dina Maria Dierssen, nahm Kontakt zu Hans-Martin Volz auf, einem Großneffen von Lenore Volz, in dessen Besitz sich der Nachlass befand. In Anbetracht des 50 jährigen Jubiläums der Frauenordination 2018 war es den Evangelischen Frauen wichtig, dass Unterlagen und Dokumente, die über den langen Weg der Emanzipation der württembergischen Theologinnen Aufschluss geben können, der Kirchengeschichtsforschung zugänglich gemacht werden, zumal der Konvent evangelischer Theologinnen in Württemberg im Dachverband der Evangelischen Frauen Mitglied ist.
Einzelne Druckschriften von Lenore Volz wurden an die Landeskirchliche Zentralbibliothek abgegeben.
Zum Nachlass gehören auch einige Fotos, die in Fotoalben im Bildarchiv des Landeskirchlichen Archivs gelagert werden, gleichwohl aber im Bestand verzeichnet sind.
Der gesamte Nachlass umfasst 133 Verzeichnungseinheiten, ca. 1,1 lfd. Meter.
Der Bestand wurde 2018 von Dorothea Besch erschlossen.
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Der Nachlass von Lenore Volz gibt einen guten Einblick in die Arbeitswelt von württembergischen Theologinnen der ersten Generation. Erhalten sind ihre Predigten von 1940 bis in die 1980er Jahre, die zum Teil getippt aber auch handschriftlich und stenografisch abgefasst wurden. Ihre umfangreiche Korrespondenz mit kirchlichen Amtsträgern zeigt ihr Engagement für die Gleichberechtigung der Theologinnen, vor allem während ihrer Zeit als Mitarbeiterin und Vorsitzende des Konvents evangelischer Theologinnen in Württemberg 1965 bis 1972.
Die Bedeutung ihres anderen Lebensthemas, die Auseinandersetzung mit Psychologie und Seelsorge, kann vor allem in der Korrespondenz mit ihrem Mentor Prof. Otto Haendler, [LKAS, D 86, Nr. 96] aber auch in ihrer Funktion als Klinikseelsorgerin erfasst werden. [LKAS, D 86, Nr. 82-86] Ihre umfangreiche Korrespondenz mit Kolleginnen und Kollegen, sowie Familienangehörigen und FreundInnen, zeigen Lenore Volz als interessierte Frau, die nicht nur an beruflichen Themen der Theologie und Seelsorge interessiert war, sondern an allen Fragen des menschlichen Daseins. Da Lenore Volz bis ins hohe Alter zu korrespondieren pflegte, unterliegen manche Schreiben noch den archivischen Sperrfristen.
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Bestand
Lenore Volz (Hg.), Frauen auf der Kanzel? Eine brennende Frage unserer Zeit, Stuttgart 1967.
Maria Hermann, Frauen auf der Kanzel? Lenore Volz, in: Erika Stöffler (Hg.), Initiativen. Lebensbilder evangelischer Frauen, Stuttgart 1984, S. 137-144.
Lenore Volz, Der Pfarrverein und die Theologinnen, in: Hermann Mittendorf (Hg.), "Gottes gesammelte Stückwerke"- Hundert Jahre Evangelischer Pfarrverein in Württemberg, Stuttgart 1991, S. 113-121.
Lenore Volz, Talar nicht vorgesehen. Pfarrerin der ersten Stunde, Stuttgart 1994
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.