Stiftung Pamir und Passat (Bestand)
Show full title
7.5288
Staatsarchiv Bremen (Archivtektonik) >> Gliederung >> 7. Nichtamtliche Überlieferung >> 7.2. Vereine, Verbände, Stiftungen, Parteien >> 7.2.2. Wirtschaftliche Interessenvereine, Gewerkschaften
1951-1966
Enthält: Gründung - Vorstand - Mitglieder - Ankauf und Verkauf der Schulschiffe - Finanzen - Spenden - Pläne der Schiffe Pamir und Passat - Besatzungslisten - Reiseberichte - Korrespondenz zum Untergang der Pamir - Stenografische Protokolle der Seeamtsverhandlungen - Materialsammlungen des Stiftungsvorsitzenden Dr. Horst Willner
Geschichte des Bestandsbildners: Am 21. Dezember 1955 schlossen sich über 40 Firmen, vor allem Reedereien, zur Gründung der Stiftung "Pamir und Passat" zusammen. Ihren Sitz hat sie noch heute in Lübeck, sie ist als gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts anerkannt. Die Stiftung hatte sich zum Ziel gesetzt, die seemännische Ausbildung des Offiziersnachwuchses auf den beiden Laeisz-Seglern "Pamir" und "Passat" zu fördern. Sie erwarb die beiden Schiffe zu einem Gesamtpreis von DM 650.000. Das Segelschulschiff "Pamir" wurde als erstes bereits im Februar 1955 in Dienst gestellt. Auf seiner sechsten Reise kam es west-südwestlich der Azoren in dem schweren tropischen Wirbelsturm "Carrie" zu einer der größten Schiffskatastrophen der Nachkriegszeit: Nur sechs Mann der 86-köpfigen Besatzung konnten zwei bzw. drei Tage nach dem Untergang (21.9.1957) in schwer beschädigten Rettungsbooten völlig erschöpft geborgen werden. Alle übrigen sind auf See geblieben. Auch der Großeinsatz von ca. 50 Handelschiffen unter Leitung der US-Coast-Guard konnte daran nichts ändern. Der Untergang der "Pamir" hat eine außerordentlich große Anteilnahme in aller Welt gefunden. Noch heute bleibt die Katastrophe nicht unerwähnt in Dokumentationen über die Zeit der "Windjammer". Einer der Überlebenden veröffentlichte seine Erinnerungen. (Jochen Brennecke/Karl-Otto Dummer, Viermastbark Pamir. Ihr Schicksal im Zentrum des Hurrikans "Carrie", Herford 1986; siehe Dienstbibliothek: D-3294)
Geschichte des Bestandsbildners: Das Schwesterschiff "Passat" kam nur drei Monate später, am 8.12.1957, in schwere See. Die Ladung Getreide war verrutscht und die Besatzung entkam nur knapp einer zweiten Katastrophe. Die "Passat" liegt heute als Museumsschiff in Travemünde. Die Ausbildung des seemännischen Nachwuchses auf frachtfahrenden Segelschiffen hatte damit in Deutschland ihr Ende gefunden. Die Stiftung "Pamir und Passat" kümmerte sich umgehend um die Angehörigen und Hinterbliebenen. Es wurde jeder betroffenen Familie ein Soforthilfebetrag gezahlt und je nach Bedürftigkeit Renten oder sonstige Unterstützungen gewährt. Am 8.12.1957 fand eine Trauerfeier in der St. Katharinen-Kirche in Hamburg statt. Ein Jahr später wurde dort die von Prof. Gerhard Marcks geschaffene Gedenktafel angebracht.
Geschichte des Bestandsbildners: Erster Vorsitzender der Stiftung war Dr. Otto Wachs von der Hamburg-Amerika-Linie, Ballindamm 25. Die Abteilung Inspektion leitete Kapitän Dominik in der Reederei Zerssen & Co., Ballindamm 8 in Hamburg, von der die Schiffe auch bereedert wurden. Teilweise ist vorliegendes Schriftgut in Doppelüberlieferung vorhanden. Zusammengetragen, bzw. zusammengehalten und ergänzt hat es der spätere Vorsitzende der Stiftung Dr. Horst Willner. Der Bremer Rechtsanwalt und langjährige Präses der Handelskammer hatte während der Seeamtsverhandlung vor dem Seeamt Lübeck die Interessen der Kapitänswitwe Diebitsch vertreten. Mit dem am 20.1.1958 gefällten Seeamtsspruch konnte er sich nie abfinden. Er erwirkte später einen Spruch des Bundesoberseeamtes. Dr. Willner veranlasste, dass jedes Wort der Seeamtsverhandlung durch Parlamentsstenographen mitgeschrieben wurde. Diese Protokolle sind in dem vorliegenden Verzeichnis unter Nr. 51-56 zu finden. 1991 veröffentlichte er das Buch "Pamir, ihr Untergang und die Irrtümer des Seeamtes" das 1997 eine dritte überarbeitete und erweiterte Auflage erfuhr (siehe Dienstbibliothek: D-3518). Die darin veröffentlichten Schriftstücke sind auch im vorliegenden Bestand enthalten. Sie liegen an verschiedenen Stellen in den Korrespondenzakten. 1960 bemühte sich die Stiftung um einen weiteren Schulschiffankauf. Wegen zu hoher Preisforderung scheiterte der Kauf der "Lilla Dan"; 1961 ebenso der Ankauf des schwedischen Schulschiffs "Flying Clipper". Erst 1963 gelang der Kauf der Motor Ketch "Noona Dan", die bei der Lürssen Werft in Bremen umgebaut wurde. Die Stiftung "Pamir und Passat" schloss sich mit dem Deutschen Schulschiffverein zusammen und änderte ihren Stiftungsnamen am 14.5.1964 in "Stiftung für Ausbildungsschiffe".
Bestandsgeschichte: Das im August 1999 angebotene Schriftgut "Pamir und Passat" umfasste mehrere Aktenschränke und Umzugskartons voller Stehordner. Hauptsächlich handelte es sich um Abrechnungen und Kassenbelege. Diese habe ich als nicht archivwürdig unberücksichtigt gelassen und mich auf die Übernahme des Schriftguts konzentriert, das den Untergang der "Pamir" dokumentiert. Insgesamt wurden 23 Aktenordner übernommen und diverses loses Material, hauptsächlich zur Seeamtsverhandlung. Insgesamt umfasst der Bestand nun 13 Archivkartons, die 61 Verzeichnungseinheiten enthalten. Nachkassiert wurde nur wenig.
Der Bestand ließ sich relativ gut strukturieren. Die Korrespondenzen überschneiden sich teilweise und liegen in Doppelüberlieferung vor. Eine strenge Trennung der Provenienzen der Vorsitzenden Dr. Wachs, dem Leiter der Abteilung Inspektion Kapitän Dominik und Dr. Willner erschien nicht sinnvoll. Der Bestand gibt einen guten Einblick in die Tätigkeit der Stiftung, zumal die Bilanzen von 1955 - 1965 geschlossen vorliegen.
Bestandsgeschichte: Im Juli 2009 gab ein früheres Besatzungsmitglied persönlich ein Reisetagebuch und ein Fotoalbum im Staatsarchiv Bremen ab. Er hatte auf seiner zweiten Reise auf der "Pamir" ausführlich Tagebuch geführt. Es handelte sich um die 4. Reise der "Pamir", die von Hamburg, über Teneriffa bis Buenos Aires führte und vom 4. Juni 1956 bis 13. November 1956 dauerte. Seine offenen Schilderungen der Dienste an Bord, dem Bordalltag und den Landgängen geben ein beeindruckendes Bild von der Schifffahrt auf einem Großsegler. Mögen die Schilderungen von Karl-Heinz Müller sehr subjektiv sein, er war damals 20-jährig, so kann man sie im Nachhinein als allgemeingültig bezeichnen. Auf der übernächsten Fahrt, der sechsten, sank die "Pamir". Für die siebente hatte Müller vorgehabt, in der Stammbesatzung mitzufahren, wozu es nicht mehr kommen konnte. Er fuhr weiterhin auf Frachtschiffen des Norddeutschen Lloyds. 1962 gab er die Seefahrt auf.
Sein Hobby war das Fotografieren. In dem Album sind nicht nur beeindruckende Bilder von der "Pamir" ( u. a. Landausflug Teneriffa, Äquatortaufe, Begegnung mit der "Passat" auf der Rückreise nach Europa usw.), sondern auch exzellente Fotos von Wellengang und anderen Schiffen. Das Originalalbum ist von der Bildsammlung bearbeitet worden. Im vorliegenden Bestand ist lediglich eine CD und ein Ausdruck der Fotos die 4. Pamirreise betreffend enthalten unter der Verzeichnungsnummer 63.
März 2000
Dorothea Breitenfeldt
Geschichte des Bestandsbildners: Am 21. Dezember 1955 schlossen sich über 40 Firmen, vor allem Reedereien, zur Gründung der Stiftung "Pamir und Passat" zusammen. Ihren Sitz hat sie noch heute in Lübeck, sie ist als gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts anerkannt. Die Stiftung hatte sich zum Ziel gesetzt, die seemännische Ausbildung des Offiziersnachwuchses auf den beiden Laeisz-Seglern "Pamir" und "Passat" zu fördern. Sie erwarb die beiden Schiffe zu einem Gesamtpreis von DM 650.000. Das Segelschulschiff "Pamir" wurde als erstes bereits im Februar 1955 in Dienst gestellt. Auf seiner sechsten Reise kam es west-südwestlich der Azoren in dem schweren tropischen Wirbelsturm "Carrie" zu einer der größten Schiffskatastrophen der Nachkriegszeit: Nur sechs Mann der 86-köpfigen Besatzung konnten zwei bzw. drei Tage nach dem Untergang (21.9.1957) in schwer beschädigten Rettungsbooten völlig erschöpft geborgen werden. Alle übrigen sind auf See geblieben. Auch der Großeinsatz von ca. 50 Handelschiffen unter Leitung der US-Coast-Guard konnte daran nichts ändern. Der Untergang der "Pamir" hat eine außerordentlich große Anteilnahme in aller Welt gefunden. Noch heute bleibt die Katastrophe nicht unerwähnt in Dokumentationen über die Zeit der "Windjammer". Einer der Überlebenden veröffentlichte seine Erinnerungen. (Jochen Brennecke/Karl-Otto Dummer, Viermastbark Pamir. Ihr Schicksal im Zentrum des Hurrikans "Carrie", Herford 1986; siehe Dienstbibliothek: D-3294)
Geschichte des Bestandsbildners: Das Schwesterschiff "Passat" kam nur drei Monate später, am 8.12.1957, in schwere See. Die Ladung Getreide war verrutscht und die Besatzung entkam nur knapp einer zweiten Katastrophe. Die "Passat" liegt heute als Museumsschiff in Travemünde. Die Ausbildung des seemännischen Nachwuchses auf frachtfahrenden Segelschiffen hatte damit in Deutschland ihr Ende gefunden. Die Stiftung "Pamir und Passat" kümmerte sich umgehend um die Angehörigen und Hinterbliebenen. Es wurde jeder betroffenen Familie ein Soforthilfebetrag gezahlt und je nach Bedürftigkeit Renten oder sonstige Unterstützungen gewährt. Am 8.12.1957 fand eine Trauerfeier in der St. Katharinen-Kirche in Hamburg statt. Ein Jahr später wurde dort die von Prof. Gerhard Marcks geschaffene Gedenktafel angebracht.
Geschichte des Bestandsbildners: Erster Vorsitzender der Stiftung war Dr. Otto Wachs von der Hamburg-Amerika-Linie, Ballindamm 25. Die Abteilung Inspektion leitete Kapitän Dominik in der Reederei Zerssen & Co., Ballindamm 8 in Hamburg, von der die Schiffe auch bereedert wurden. Teilweise ist vorliegendes Schriftgut in Doppelüberlieferung vorhanden. Zusammengetragen, bzw. zusammengehalten und ergänzt hat es der spätere Vorsitzende der Stiftung Dr. Horst Willner. Der Bremer Rechtsanwalt und langjährige Präses der Handelskammer hatte während der Seeamtsverhandlung vor dem Seeamt Lübeck die Interessen der Kapitänswitwe Diebitsch vertreten. Mit dem am 20.1.1958 gefällten Seeamtsspruch konnte er sich nie abfinden. Er erwirkte später einen Spruch des Bundesoberseeamtes. Dr. Willner veranlasste, dass jedes Wort der Seeamtsverhandlung durch Parlamentsstenographen mitgeschrieben wurde. Diese Protokolle sind in dem vorliegenden Verzeichnis unter Nr. 51-56 zu finden. 1991 veröffentlichte er das Buch "Pamir, ihr Untergang und die Irrtümer des Seeamtes" das 1997 eine dritte überarbeitete und erweiterte Auflage erfuhr (siehe Dienstbibliothek: D-3518). Die darin veröffentlichten Schriftstücke sind auch im vorliegenden Bestand enthalten. Sie liegen an verschiedenen Stellen in den Korrespondenzakten. 1960 bemühte sich die Stiftung um einen weiteren Schulschiffankauf. Wegen zu hoher Preisforderung scheiterte der Kauf der "Lilla Dan"; 1961 ebenso der Ankauf des schwedischen Schulschiffs "Flying Clipper". Erst 1963 gelang der Kauf der Motor Ketch "Noona Dan", die bei der Lürssen Werft in Bremen umgebaut wurde. Die Stiftung "Pamir und Passat" schloss sich mit dem Deutschen Schulschiffverein zusammen und änderte ihren Stiftungsnamen am 14.5.1964 in "Stiftung für Ausbildungsschiffe".
Bestandsgeschichte: Das im August 1999 angebotene Schriftgut "Pamir und Passat" umfasste mehrere Aktenschränke und Umzugskartons voller Stehordner. Hauptsächlich handelte es sich um Abrechnungen und Kassenbelege. Diese habe ich als nicht archivwürdig unberücksichtigt gelassen und mich auf die Übernahme des Schriftguts konzentriert, das den Untergang der "Pamir" dokumentiert. Insgesamt wurden 23 Aktenordner übernommen und diverses loses Material, hauptsächlich zur Seeamtsverhandlung. Insgesamt umfasst der Bestand nun 13 Archivkartons, die 61 Verzeichnungseinheiten enthalten. Nachkassiert wurde nur wenig.
Der Bestand ließ sich relativ gut strukturieren. Die Korrespondenzen überschneiden sich teilweise und liegen in Doppelüberlieferung vor. Eine strenge Trennung der Provenienzen der Vorsitzenden Dr. Wachs, dem Leiter der Abteilung Inspektion Kapitän Dominik und Dr. Willner erschien nicht sinnvoll. Der Bestand gibt einen guten Einblick in die Tätigkeit der Stiftung, zumal die Bilanzen von 1955 - 1965 geschlossen vorliegen.
Bestandsgeschichte: Im Juli 2009 gab ein früheres Besatzungsmitglied persönlich ein Reisetagebuch und ein Fotoalbum im Staatsarchiv Bremen ab. Er hatte auf seiner zweiten Reise auf der "Pamir" ausführlich Tagebuch geführt. Es handelte sich um die 4. Reise der "Pamir", die von Hamburg, über Teneriffa bis Buenos Aires führte und vom 4. Juni 1956 bis 13. November 1956 dauerte. Seine offenen Schilderungen der Dienste an Bord, dem Bordalltag und den Landgängen geben ein beeindruckendes Bild von der Schifffahrt auf einem Großsegler. Mögen die Schilderungen von Karl-Heinz Müller sehr subjektiv sein, er war damals 20-jährig, so kann man sie im Nachhinein als allgemeingültig bezeichnen. Auf der übernächsten Fahrt, der sechsten, sank die "Pamir". Für die siebente hatte Müller vorgehabt, in der Stammbesatzung mitzufahren, wozu es nicht mehr kommen konnte. Er fuhr weiterhin auf Frachtschiffen des Norddeutschen Lloyds. 1962 gab er die Seefahrt auf.
Sein Hobby war das Fotografieren. In dem Album sind nicht nur beeindruckende Bilder von der "Pamir" ( u. a. Landausflug Teneriffa, Äquatortaufe, Begegnung mit der "Passat" auf der Rückreise nach Europa usw.), sondern auch exzellente Fotos von Wellengang und anderen Schiffen. Das Originalalbum ist von der Bildsammlung bearbeitet worden. Im vorliegenden Bestand ist lediglich eine CD und ein Ausdruck der Fotos die 4. Pamirreise betreffend enthalten unter der Verzeichnungsnummer 63.
März 2000
Dorothea Breitenfeldt
1,3
Bestand
Literatur: Willner, Horst, Pamir. Ihr Untergang und die Irrtümer des Seeamts, 3. Auflage, Hamburg 1997; Viermastbark Pamir. Die Geschichte eines legendären P-Liners, geschildert von einem Überlebenden des Untergangs, Hamburg 2001.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
30.06.2025, 11:55 AM CEST