Sammlung Familie Marseille / Ausstellung Macat 1993 (Bestand)
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Na 061
Stadtarchiv Solingen (Archivtektonik) >> Bestände nichtstädtischer Provenienz >> Nachlässe und Sammlungen
1664 - 1993
Vorwort Wie die Bestandsbezeichnung andeutet, besteht die Überlieferung aus zwei Teilen. Die Familie Marseille war von 1714 bis 1975 als Pächter der Grafen Westerholt-Gysenberg auf Haus Nesselrath an der Wupper ansässig. Im Nachlass Marseille finden sich Verträge, persönliche Dokumente und Sammlungen der Leichlinger Bauernfamilie Marseille, die vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis 1975 Teile des Gräflich Westerholtschen Gutes Nesselrath an der Wupper als Pächter bewirtschaftete. Die Dokumente geben Einblick in die Pachtbeziehungen, die Hofbewirtschaftung und Lösungen bei der Hofnachfolge und Elternversorgung. In kleinem Umfang sind persönliche Dokumente wie Zeugnisse, Briefe oder Urkunden überliefert. Durch Maria Marseille, die letzte Marseille-Bäuerin auf Nesselrath, kamen zusätzlich einige Dokumente aus ihrer mütterlichen Linie, der Odenthaler Familie Hölzer, in den Nachlass. Herausragender Teil der Sammlungen ist neben einigen religiösen Stücken (Totenzettel, Kirchen- und Messbücher, Glaswandbilder mit biblischen Motiven) der Fotonachlass mit etwa 1 500 Bildabzügen und vielen weiteren Fotonegativen. Dieser Nachlassteil hat einen eigenen Abschnitt erhalten. Neben Portraitfotos aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wächst seit den 1920-er Jahren der Anteil an Bildern aus dem Familien- und Arbeitsleben bis zur Bilderflut seit der Jahrhundertmitte. In dieser Bildersammlung stellt sich geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung an Posen, Mode und Lebensbedingungen interessant und eindrucksvoll dar. Eine chronologische Anordnung der Bilder wurde nicht vorgenommen, da Andreas Macat sie bei seiner für das Verzeichnis übernommenen Bildregistrierung nicht versucht hat. Sein Name führt zum zweiten Teil der Überlieferung: seiner Bearbeitung und Ausgestaltung des Nachlasses Marseille. Die besondere Leistung Andreas Macats ist die Aufbereitung des Nachlasses zu einer Ausstellung, die er im Juli 1993 in der Sparkasse Solingen unter dem Titel NESSELRATH - Lebensbilder einer Pächterfamilie präsentierte. Er wollte die Menschen lebendig machen "... die in Nesselrath lebten, den Hof bewirtschafteten, die Äcker bestellten" - hineinschauen lassen in bäuerliches Leben vergangener Jahre, das nur selten öffentliche Aufmerksamkeit findet. Textdokumentation und Ausstellungsanordnung (in Nr. 32) zeigen die Schwerpunkte der Auswertung: Pachtwesen, Leben und Wohnen auf dem Hof, Landarbeit und Wandel der Produktion, Religion und Gebräuche werden anschaulich dargeboten. Mit viel Engagement hat Macat über die Familiengeschichte der Marseilles und die Vergangenheit des Gutes Nesselrath geforscht, die Bedingungen der Landwirtschaft im Rheinland und im Bergischen untersucht und durch umfangreiche Interviews mit dem letzten Pächterehepaar Franz und Maria Marseille und ihrem Sohn Karl neue Quellen erschlossen. Von besonderem Nutzen ist das Bildregister (Nr. 19), in dem er die Fülle der Fotos geordnet und beschrieben hat. Es ist der unersetzliche Zugang zur Fotosammlung und des-halb auch unverändert übernommen worden. Wohl sind Nachlass und Ausstellungsarbeit zwei Einheiten, aber doch sehr eng miteinander verbunden. Macats Arbeit hat den Nachlass so viel zugänglicher und reicher gemacht, dass es nicht richtig scheint, die Teile zu trennen. Der Nachlass wurde im Sommer 2008 von Hartmut Roehr erschlossen. Pächter der Familie Marseille auf Nesselrath (Aufstellung von Andreas Macat. Weitere genealogische Angaben zur Familie Marseille in Nr. 33). 1714 Johann Christoph Marseil (1673-1733), Dorsten 8Anna Schram (1691-1757), Bergerhof. Rentmeister und erster Pächter der Familie Marseille auf Nesselrath. Nach seinem Tode heiratet seine Frau Anna 1734 Adolphus Eygenberg (?-1756), der bis zu seinem Ableben den Hof als Pächter führt. Nachfolger wird einer der Söhne des Johann Christoph Marseil 1757 Joes Wernerus Marseil (um 1718-1775) 8 Agnes Trösser (um 1720-1794),Reusrath. Nach dem Tode des Pächters führt seine Frau den Hof bis zur Übernahme durch ihren Sohn 1792 Johannes Josephus Marseille (1755-1827) 8 Anna Catharina Jansen (1771-1833), Richrath. (Die Namensänderung, vielleicht unter dem Eindruck der französischen Besatzung erfolgt, ist ab 1818 feststellbar). Nachfolger wird der jüngste, noch unverheiratete Sohn 1827 Theodor Marseille (1806-1881) 8 Anna Gertrud Broßeder (1806-1890), Odenthal. Wann der Hof übergeben wurde, ist nicht überliefert, vermutlich mit Heirat des Nachfolgers 1878 Franz Carl Marseille (1846-1909) 8 Elisabeth Conrads (1854-1917), Vor-Meiswinkel. Möglich ist, daß die Übergabe erst 1890 mit dem Tode der Mutter erfolgte. Neuer Pächter wird der älteste Sohn 1913 Theodor Marseille (1884-1939) 8 Catharina Schlieper (1890-1924), Friedenbergerhof. Nach dem frühen Tod seiner Frau heiratet der Pächter Gertud Stamm (1892-1959) aus Lützenkirchen. Sie führt den Hof von 1939 bis zur Überschreibung auf den ältesten Sohn 1951 Franz Marseille (*1915) 8 Maria Weyler (*1919). Letzter Pächter des Marseilleschen Hofes. 1975 Aufgabe des Pachthofes.
Eingrenzung und Inhalt: Die Familie Marseille war von 1714 bis 1975 als Pächter der Grafen Westerholt-Gysenberg auf Haus Nesselrath an der Wupper ansässig. Der umfangreiche Nachlaß enthält u.a. Pachtverträge; Notizbücher; Urkunden; Briefe; Postkarten; geographische Karten; Pläne; Bücher und über 1.500 Fotografien. Hinzu kommen die Aufzeichnungen zahlreicher Interviews mit Mitgliedern der Familie Marseille und eine Sammlung einiger religiösen Stücken (Totenzettel, Kirchen- und Messbücher, Glaswandbilder mit biblischen Motiven). So bietet er wertvolle Informationen zum Leben einer bäuerlichen Pächterfamilie im Bergischen, den Familien Marseille, Conrads, Hölzer und Weyler, Haus Nesselrath und seinen Bewohnern bzw. dort Beschäftigten. Der Nachlaß wurde ergänzt durch die Sammlung von Andreas Macat, der im Jahre 1993 eine Ausstellung zur Familie kuratierte.
Eingrenzung und Inhalt: Die Familie Marseille war von 1714 bis 1975 als Pächter der Grafen Westerholt-Gysenberg auf Haus Nesselrath an der Wupper ansässig. Der umfangreiche Nachlaß enthält u.a. Pachtverträge; Notizbücher; Urkunden; Briefe; Postkarten; geographische Karten; Pläne; Bücher und über 1.500 Fotografien. Hinzu kommen die Aufzeichnungen zahlreicher Interviews mit Mitgliedern der Familie Marseille und eine Sammlung einiger religiösen Stücken (Totenzettel, Kirchen- und Messbücher, Glaswandbilder mit biblischen Motiven). So bietet er wertvolle Informationen zum Leben einer bäuerlichen Pächterfamilie im Bergischen, den Familien Marseille, Conrads, Hölzer und Weyler, Haus Nesselrath und seinen Bewohnern bzw. dort Beschäftigten. Der Nachlaß wurde ergänzt durch die Sammlung von Andreas Macat, der im Jahre 1993 eine Ausstellung zur Familie kuratierte.
Findbuch: 47 AE
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ