G 737 - Evangelisches Pfarramt Lutherhausgemeinde (Bestand)
Vollständigen Titel anzeigen
G 737
Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> G - Pfarrarchive >> Orte mit St >> Stuttgart: innere Stadtbezirke
1899-1993
Einleitung: ===== Pfarramt der Evangelischen Lutherhausgemeinde Stuttgart-Ost (Gaisburg) =====
===== Grußwort =====
Die Evangelische Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde Stuttgart freut sich, den historisch Interessierten dieses Findbuch für das Archiv der Lutherhausgemeinde vorlegen zu können. In ihm sind die Akten der Jahre 1927-1966 verzeichnet. Der Aktenbestand ist klein, aber hochinteressant, da in ihm wertvolle Akten aus der Zeit des Kirchenkampfes enthalten sind. Lange Jahre lagen die Akten in Bündeln geschnürt in den oberen Schrankteilen der Lutherstube des Lutherhauses. Der Initiative Dr. Blessings ist es zu verdanken, dass diese Akten nun geordnet und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sind. Unser herzlichster Dank gebührt Herrn Realschulkonrektor i.R. Dr. Elmar Blessing! Als Schüler des berühmten Landeshistorikers Prof. Dr. Decker-Hauff ist er seit Jahrzehnten der Landesgeschichte und dem Archivwesen verbunden. Mit seinem umfassenden Wissen der Geschichte des Stuttgarter Ostens hat er in akribischer Kleinarbeit dieses Archiv systematisch erschlossen.
Wir wünschen nun, dass das Archiv auch in Zukunft in einem guten Zustand verbleibt und freuen uns, wenn die Bestände der Nachwelt so erhalten bleiben und zu neuen Forschungen anregen.
Für den Kirchengemeinderat der Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde
Stuttgart, Lukaskirche, 12. Februar 2008.
Pfr. Dipl.-Päd. Eckart Schultz-Berg
===== Orts- und Ortskirchengeschichte =====
Die Anfänge Gaisburgs liegen im Dunkeln. Sicher ist, dass die Siedlung ursprünglich eng mit Berg verbunden war. Um 1140 schenkte Reginbert von Cannstatt dem Kloster Hirsau ein Gut zu Gaisburg. Die namensgebende Burg wird urkundlich nie erwähnt, sie stand aber auf der vorderen Kuppe des vom Klingenbach und Neckar gebildeten Bergsporns, wo heute die evangelische
Gaisburger Kirche steht. Die Burg wurde wahrscheinlich um 1286 in den Reichskriegen Rudolfs von Habsburg gegen Eberhard I. von Württemberg zerstört. Der an die Burg sich anlehnende Burgweiler ging bei der Zerstörung nicht unter, sondern entwickelte sich zu einem selbständigen Dorf mit eigener Markung und einer eigenen, der Hl. Barbara geweihten Kapelle.
Kirchlich gehörten die Einwohner zunächst zur St. Martinskirche auf der Altenburg (Hallschlag), spätestens seit dem 14. Jahrhundert nach Berg, dessen Marienkapelle zwischen 1375 und 1393 zur Pfarrkirche erhoben worden war. 1584 wurde der Pfarrsitz von Berg nach Gaisburg verlegt, neben Gaisburg (165 Seelen) gehörten Berg (ca. 30 Seelen) und Gablenberg (121) Seelen in das Gaisburger Kirchspiel.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Berg einige Industriebetriebe an. Immer mehr Arbeitsuchende fanden dort eine Beschäftigung. Da die Mieten in Gaisburg billiger waren als in Berg und in den benachbarten Städten Stuttgart und Cannstatt, zogen immer mehr Menschen hierher. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschränkte sich die Siedlung auf den Bergsporn zwischen Klingenbach- und Neckartal, und die Häuser zogen sich der Hauptstraße (heute Hornbergstraße) entlang. Im Tal, jenseits des Klingenbachs, standen 1825 nur drei Häuser. Gaisburg zählte damals 641 Einwohner. 1856 waren es bereits 911 und 1868 schon 1178. In derselben Zeit wurden im Tal, am Fuße des Bergsporns, mehrere Häuser gebaut und der Grundstein für das sogenannte Unterdorf gelegt. Das Wachstum der Gemeinde setzte sich rasant fort. Vor allem im „Unterdorf“ nahm die Bautätigkeit stetig zu und in die neu erbauten Häuser und Siedlungen zogen vorwiegend Arbeiter und Angestellte ein. Im „Oberdorf“ hingegen wohnten überwiegend Weingärtner und Handwerker. Als 1896 die vakante Pfarrstelle neu besetzt werden sollte, zählte die evangelische Gemeinde 2766 Mitglieder, welche größtenteils dem Arbeiterstand angehörten.
Mit dem Bau der Kolonie Ostheim (1892-1913) und der dort errichteten Lukasgemeinde, wurde eine Abgrenzung der beiden Kirchenbezirke im „Unterdorf“ zwischen Ostendstraße und Gaswerk notwendig. Die Abelsbergstraße wurde nach der politischen und kirchlichen Eingemeindung Gaisburgs nach Stuttgart als neue Grenze festgelegt, was westlich davon lag, gehörte zur Lukasgemeinde, was östlich lag nach Gaisburg. Etwa gleichzeitig wurde die Gaisburger Parochie in zwei Seelsorgebezirke aufgeteilt. Der kleinere Bezirk, begrenzt von Abelsberg-, Tal-, Wangener- und Hackstraße, wurde dem am 1. Oktober 1901 eingerichteten Parochialvikariat zugewiesen. Damit war im Grunde schon der Seelsorgebezirk der späteren Lutherhausgemeinde vorgegeben.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem wirtschaftlichen Aufstieg nach den Jahren der Inflation war es der Stadt möglich, ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm zu verwirklichen. So entstanden 1924 die Heimstättensiedlung an der Haußmannstraße, 1921-27 die Straßenbahner Siedlung Friedenau und 1926-1929 die Raitelsbergsiedlung. Eine seelsorgerliche Betreuung der Neuzugezogenen war dringend geboten. 1927 beschloss die Gesamtkirchengemeinde den Bau eines eigenen Gebäudes inmitten der neuen Siedlungen für den zweiten Gaisburger Seelsorgebezirk. Das Haus sollte nach Wunsch der beiden Gaisburger Geistlichen, Pfarrer Esenwein und Pfarrer Weiß ein Gemeindehaus für ganz Gaisburg sein. „Jedoch die alteingesessenen Gaisburger Bürger lehnten den Kontakt mit den in den neugegründeten Siedlungen wohnenden Arbeitern und Straßenbahnern ab, so daß die Lutherhausgemeinde von der Gaisburger Gemeinde abgetrennt wurde.“ Am 1. Juli 1928 konnte die Lutherhauskirche eingeweiht werden. Erster Pfarrer wurde Karl Weiß (1928-1947).
===== Bestandsbeschreibung =====
Die Bände und Akten des Evangelischen Pfarramtes bewahrte Pfarrer Weiß wahrscheinlich in seiner Wohnung oder im Pfarrbüro auf. 1966 ordneten und verzeichneten der kirchlichen Archivpfleger des Bezirks Stuttgart, Pfarrer i.R. Kiefer, die Archivalien und verwahrte sie in einem Wandschrank im „Lutherzimmer“. Besonders aufschlussreich sind die Akten zu dem sogenannten Kirchenkampf 1932-1942, unter dem Pfarrer Weiß besonders zu leiden hatte. Auffallend ist, dass in der Zeit nach Pfarrer Weiß, zwischen 1948 und 1966, verhältnismäßig wenige Akten vorhanden sind.
Nach der Ordnung des Lukasarchivs 2006 übernahm ich auch die Ordnung des Lutherhausarchivs. Die nur wenig geordneten Akten und Bände waren in verschiedenen Schränken im „Lutherzimmer“ verstaut. Die unzähligen kleinen Zettel und Konzepte von Pfarrer Weiß habe ich in den Unterlagen belassen, ebenso die Rechnungsbelege für die Jahre 1928-1950, da sie mir für die Jahre des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit wichtig erscheinen.
September 2007
Dr. Elmar Blessing
===== Ergänzung =====
Das Archiv befindet sich seit 2011 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.
Einleitung: Die Evangelische Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde Stuttgart freut sich, den historisch Interessierten dieses Findbuch für das Archiv der Lutherhausgemeinde vorlegen zu können. In ihm sind die Akten der Jahre 1927-1966 verzeichnet. Der Aktenbestand ist klein, aber hochinteressant, da in ihm wertvolle Akten aus der Zeit des Kirchenkampfes enthalten sind. Lange Jahre lagen die Akten in Bündeln geschnürt in den oberen Schrankteilen der Lutherstube des Lutherhauses. Der Initiative Dr. Blessings ist es zu verdanken, dass diese Akten nun geordnet und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sind. Unser herzlichster Dank gebührt Herrn Realschulkonrektor i.R. Dr. Elmar Blessing! Als Schüler des berühmten Landeshistorikers Prof. Dr. Decker-Hauff ist er seit Jahrzehnten der Landesgeschichte und dem Archivwesen verbunden. Mit seinem umfassenden Wissen der Geschichte des Stuttgarter Ostens hat er in akribischer Kleinarbeit dieses Archiv systematisch erschlossen.
Wir wünschen nun, dass das Archiv auch in Zukunft in einem guten Zustand verbleibt und freuen uns, wenn die Bestände der Nachwelt so erhalten bleiben und zu neuen Forschungen anregen.
Für den Kirchengemeinderat der Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde
Stuttgart, Lukaskirche, 12. Februar 2008.
Pfr. Dipl.-Päd. Eckart Schultz-Berg
Die Anfänge Gaisburgs liegen im Dunkeln. Sicher ist, dass die Siedlung ursprünglich eng mit Berg verbunden war. Um 1140 schenkte Reginbert von Cannstatt dem Kloster Hirsau ein Gut zu Gaisburg. Die namensgebende Burg wird urkundlich nie erwähnt, sie stand aber auf der vorderen Kuppe des vom Klingenbach und Neckar gebildeten Bergsporns, wo heute die evangelische
Gaisburger Kirche steht. Die Burg wurde wahrscheinlich um 1286 in den Reichskriegen Rudolfs von Habsburg gegen Eberhard I. von Württemberg zerstört. Der an die Burg sich anlehnende Burgweiler ging bei der Zerstörung nicht unter, sondern entwickelte sich zu einem selbständigen Dorf mit eigener Markung und einer eigenen, der Hl. Barbara geweihten Kapelle.
Kirchlich gehörten die Einwohner zunächst zur St. Martinskirche auf der Altenburg (Hallschlag), spätestens seit dem 14. Jahrhundert nach Berg, dessen Marienkapelle zwischen 1375 und 1393 zur Pfarrkirche erhoben worden war. 1584 wurde der Pfarrsitz von Berg nach Gaisburg verlegt, neben Gaisburg (165 Seelen) gehörten Berg (ca. 30 Seelen) und Gablenberg (121) Seelen in das Gaisburger Kirchspiel.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Berg einige Industriebetriebe an. Immer mehr Arbeitsuchende fanden dort eine Beschäftigung. Da die Mieten in Gaisburg billiger waren als in Berg und in den benachbarten Städten Stuttgart und Cannstatt, zogen immer mehr Menschen hierher. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschränkte sich die Siedlung auf den Bergsporn zwischen Klingenbach- und Neckartal, und die Häuser zogen sich der Hauptstraße (heute Hornbergstraße) entlang. Im Tal, jenseits des Klingenbachs, standen 1825 nur drei Häuser. Gaisburg zählte damals 641 Einwohner. 1856 waren es bereits 911 und 1868 schon 1178. In derselben Zeit wurden im Tal, am Fuße des Bergsporns, mehrere Häuser gebaut und der Grundstein für das sogenannte Unterdorf gelegt. Das Wachstum der Gemeinde setzte sich rasant fort. Vor allem im ”Unterdorf“ nahm die Bautätigkeit stetig zu und in die neu erbauten Häuser und Siedlungen zogen vorwiegend Arbeiter und Angestellte ein. Im ”Oberdorf“ hingegen wohnten überwiegend Weingärtner und Handwerker. Als 1896 die vakante Pfarrstelle neu besetzt werden sollte, zählte die evangelische Gemeinde 2766 Mitglieder, welche größtenteils dem Arbeiterstand angehörten.
Mit dem Bau der Kolonie Ostheim (1892-1913) und der dort errichteten Lukasgemeinde, wurde eine Abgrenzung der beiden Kirchenbezirke im ”Unterdorf“ zwischen Ostendstraße und Gaswerk notwendig. Die Abelsbergstraße wurde nach der politischen und kirchlichen Eingemeindung Gaisburgs nach Stuttgart als neue Grenze festgelegt, was westlich davon lag, gehörte zur Lukasgemeinde, was östlich lag nach Gaisburg. Etwa gleichzeitig wurde die Gaisburger Parochie in zwei Seelsorgebezirke aufgeteilt. Der kleinere Bezirk, begrenzt von Abelsberg-, Tal-, Wangener- und Hackstraße, wurde dem am 1. Oktober 1901 eingerichteten Parochialvikariat zugewiesen. Damit war im Grunde schon der Seelsorgebezirk der späteren Lutherhausgemeinde vorgegeben.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem wirtschaftlichen Aufstieg nach den Jahren der Inflation war es der Stadt möglich, ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm zu verwirklichen. So entstanden 1924 die Heimstättensiedlung an der Haußmannstraße, 1921-27 die Straßenbahner Siedlung Friedenau und 1926-1929 die Raitelsbergsiedlung. Eine seelsorgerliche Betreuung der Neuzugezogenen war dringend geboten. 1927 beschloss die Gesamtkirchengemeinde den Bau eines eigenen Gebäudes inmitten der neuen Siedlungen für den zweiten Gaisburger Seelsorgebezirk. Das Haus sollte nach Wunsch der beiden Gaisburger Geistlichen, Pfarrer Esenwein und Pfarrer Weiß ein Gemeindehaus für ganz Gaisburg sein. ”Jedoch die alteingesessenen Gaisburger Bürger lehnten den Kontakt mit den in den neugegründeten Siedlungen wohnenden Arbeitern und Straßenbahnern ab, so daß die Lutherhausgemeinde von der Gaisburger Gemeinde abgetrennt wurde.“ Am 1. Juli 1928 konnte die Lutherhauskirche eingeweiht werden. Erster Pfarrer wurde Karl Weiß (1928-1947).
Die Bände und Akten des Evangelischen Pfarramtes bewahrte Pfarrer Weiß wahrscheinlich in seiner Wohnung oder im Pfarrbüro auf. 1966 ordneten und verzeichneten der kirchlichen Archivpfleger des Bezirks Stuttgart, Pfarrer i.R. Kiefer, die Archivalien und verwahrte sie in einem Wandschrank im ”Lutherzimmer“. Besonders aufschlussreich sind die Akten zu dem sogenannten Kirchenkampf 1932-1942, unter dem Pfarrer Weiß besonders zu leiden hatte. Auffallend ist, dass in der Zeit nach Pfarrer Weiß, zwischen 1948 und 1966, verhältnismäßig wenige Akten vorhanden sind.
Nach der Ordnung des Lukasarchivs 2006 übernahm ich auch die Ordnung des Lutherhausarchivs. Die nur wenig geordneten Akten und Bände waren in verschiedenen Schränken im ”Lutherzimmer“ verstaut. Die unzähligen kleinen Zettel und Konzepte von Pfarrer Weiß habe ich in den Unterlagen belassen, ebenso die Rechnungsbelege für die Jahre 1928-1950, da sie mir für die Jahre des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit wichtig erscheinen.
September 2007
Dr. Elmar Blessing
Das Archiv befindet sich seit 2011 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.
===== Grußwort =====
Die Evangelische Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde Stuttgart freut sich, den historisch Interessierten dieses Findbuch für das Archiv der Lutherhausgemeinde vorlegen zu können. In ihm sind die Akten der Jahre 1927-1966 verzeichnet. Der Aktenbestand ist klein, aber hochinteressant, da in ihm wertvolle Akten aus der Zeit des Kirchenkampfes enthalten sind. Lange Jahre lagen die Akten in Bündeln geschnürt in den oberen Schrankteilen der Lutherstube des Lutherhauses. Der Initiative Dr. Blessings ist es zu verdanken, dass diese Akten nun geordnet und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sind. Unser herzlichster Dank gebührt Herrn Realschulkonrektor i.R. Dr. Elmar Blessing! Als Schüler des berühmten Landeshistorikers Prof. Dr. Decker-Hauff ist er seit Jahrzehnten der Landesgeschichte und dem Archivwesen verbunden. Mit seinem umfassenden Wissen der Geschichte des Stuttgarter Ostens hat er in akribischer Kleinarbeit dieses Archiv systematisch erschlossen.
Wir wünschen nun, dass das Archiv auch in Zukunft in einem guten Zustand verbleibt und freuen uns, wenn die Bestände der Nachwelt so erhalten bleiben und zu neuen Forschungen anregen.
Für den Kirchengemeinderat der Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde
Stuttgart, Lukaskirche, 12. Februar 2008.
Pfr. Dipl.-Päd. Eckart Schultz-Berg
===== Orts- und Ortskirchengeschichte =====
Die Anfänge Gaisburgs liegen im Dunkeln. Sicher ist, dass die Siedlung ursprünglich eng mit Berg verbunden war. Um 1140 schenkte Reginbert von Cannstatt dem Kloster Hirsau ein Gut zu Gaisburg. Die namensgebende Burg wird urkundlich nie erwähnt, sie stand aber auf der vorderen Kuppe des vom Klingenbach und Neckar gebildeten Bergsporns, wo heute die evangelische
Gaisburger Kirche steht. Die Burg wurde wahrscheinlich um 1286 in den Reichskriegen Rudolfs von Habsburg gegen Eberhard I. von Württemberg zerstört. Der an die Burg sich anlehnende Burgweiler ging bei der Zerstörung nicht unter, sondern entwickelte sich zu einem selbständigen Dorf mit eigener Markung und einer eigenen, der Hl. Barbara geweihten Kapelle.
Kirchlich gehörten die Einwohner zunächst zur St. Martinskirche auf der Altenburg (Hallschlag), spätestens seit dem 14. Jahrhundert nach Berg, dessen Marienkapelle zwischen 1375 und 1393 zur Pfarrkirche erhoben worden war. 1584 wurde der Pfarrsitz von Berg nach Gaisburg verlegt, neben Gaisburg (165 Seelen) gehörten Berg (ca. 30 Seelen) und Gablenberg (121) Seelen in das Gaisburger Kirchspiel.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Berg einige Industriebetriebe an. Immer mehr Arbeitsuchende fanden dort eine Beschäftigung. Da die Mieten in Gaisburg billiger waren als in Berg und in den benachbarten Städten Stuttgart und Cannstatt, zogen immer mehr Menschen hierher. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschränkte sich die Siedlung auf den Bergsporn zwischen Klingenbach- und Neckartal, und die Häuser zogen sich der Hauptstraße (heute Hornbergstraße) entlang. Im Tal, jenseits des Klingenbachs, standen 1825 nur drei Häuser. Gaisburg zählte damals 641 Einwohner. 1856 waren es bereits 911 und 1868 schon 1178. In derselben Zeit wurden im Tal, am Fuße des Bergsporns, mehrere Häuser gebaut und der Grundstein für das sogenannte Unterdorf gelegt. Das Wachstum der Gemeinde setzte sich rasant fort. Vor allem im „Unterdorf“ nahm die Bautätigkeit stetig zu und in die neu erbauten Häuser und Siedlungen zogen vorwiegend Arbeiter und Angestellte ein. Im „Oberdorf“ hingegen wohnten überwiegend Weingärtner und Handwerker. Als 1896 die vakante Pfarrstelle neu besetzt werden sollte, zählte die evangelische Gemeinde 2766 Mitglieder, welche größtenteils dem Arbeiterstand angehörten.
Mit dem Bau der Kolonie Ostheim (1892-1913) und der dort errichteten Lukasgemeinde, wurde eine Abgrenzung der beiden Kirchenbezirke im „Unterdorf“ zwischen Ostendstraße und Gaswerk notwendig. Die Abelsbergstraße wurde nach der politischen und kirchlichen Eingemeindung Gaisburgs nach Stuttgart als neue Grenze festgelegt, was westlich davon lag, gehörte zur Lukasgemeinde, was östlich lag nach Gaisburg. Etwa gleichzeitig wurde die Gaisburger Parochie in zwei Seelsorgebezirke aufgeteilt. Der kleinere Bezirk, begrenzt von Abelsberg-, Tal-, Wangener- und Hackstraße, wurde dem am 1. Oktober 1901 eingerichteten Parochialvikariat zugewiesen. Damit war im Grunde schon der Seelsorgebezirk der späteren Lutherhausgemeinde vorgegeben.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem wirtschaftlichen Aufstieg nach den Jahren der Inflation war es der Stadt möglich, ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm zu verwirklichen. So entstanden 1924 die Heimstättensiedlung an der Haußmannstraße, 1921-27 die Straßenbahner Siedlung Friedenau und 1926-1929 die Raitelsbergsiedlung. Eine seelsorgerliche Betreuung der Neuzugezogenen war dringend geboten. 1927 beschloss die Gesamtkirchengemeinde den Bau eines eigenen Gebäudes inmitten der neuen Siedlungen für den zweiten Gaisburger Seelsorgebezirk. Das Haus sollte nach Wunsch der beiden Gaisburger Geistlichen, Pfarrer Esenwein und Pfarrer Weiß ein Gemeindehaus für ganz Gaisburg sein. „Jedoch die alteingesessenen Gaisburger Bürger lehnten den Kontakt mit den in den neugegründeten Siedlungen wohnenden Arbeitern und Straßenbahnern ab, so daß die Lutherhausgemeinde von der Gaisburger Gemeinde abgetrennt wurde.“ Am 1. Juli 1928 konnte die Lutherhauskirche eingeweiht werden. Erster Pfarrer wurde Karl Weiß (1928-1947).
===== Bestandsbeschreibung =====
Die Bände und Akten des Evangelischen Pfarramtes bewahrte Pfarrer Weiß wahrscheinlich in seiner Wohnung oder im Pfarrbüro auf. 1966 ordneten und verzeichneten der kirchlichen Archivpfleger des Bezirks Stuttgart, Pfarrer i.R. Kiefer, die Archivalien und verwahrte sie in einem Wandschrank im „Lutherzimmer“. Besonders aufschlussreich sind die Akten zu dem sogenannten Kirchenkampf 1932-1942, unter dem Pfarrer Weiß besonders zu leiden hatte. Auffallend ist, dass in der Zeit nach Pfarrer Weiß, zwischen 1948 und 1966, verhältnismäßig wenige Akten vorhanden sind.
Nach der Ordnung des Lukasarchivs 2006 übernahm ich auch die Ordnung des Lutherhausarchivs. Die nur wenig geordneten Akten und Bände waren in verschiedenen Schränken im „Lutherzimmer“ verstaut. Die unzähligen kleinen Zettel und Konzepte von Pfarrer Weiß habe ich in den Unterlagen belassen, ebenso die Rechnungsbelege für die Jahre 1928-1950, da sie mir für die Jahre des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit wichtig erscheinen.
September 2007
Dr. Elmar Blessing
===== Ergänzung =====
Das Archiv befindet sich seit 2011 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.
Einleitung: Die Evangelische Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde Stuttgart freut sich, den historisch Interessierten dieses Findbuch für das Archiv der Lutherhausgemeinde vorlegen zu können. In ihm sind die Akten der Jahre 1927-1966 verzeichnet. Der Aktenbestand ist klein, aber hochinteressant, da in ihm wertvolle Akten aus der Zeit des Kirchenkampfes enthalten sind. Lange Jahre lagen die Akten in Bündeln geschnürt in den oberen Schrankteilen der Lutherstube des Lutherhauses. Der Initiative Dr. Blessings ist es zu verdanken, dass diese Akten nun geordnet und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sind. Unser herzlichster Dank gebührt Herrn Realschulkonrektor i.R. Dr. Elmar Blessing! Als Schüler des berühmten Landeshistorikers Prof. Dr. Decker-Hauff ist er seit Jahrzehnten der Landesgeschichte und dem Archivwesen verbunden. Mit seinem umfassenden Wissen der Geschichte des Stuttgarter Ostens hat er in akribischer Kleinarbeit dieses Archiv systematisch erschlossen.
Wir wünschen nun, dass das Archiv auch in Zukunft in einem guten Zustand verbleibt und freuen uns, wenn die Bestände der Nachwelt so erhalten bleiben und zu neuen Forschungen anregen.
Für den Kirchengemeinderat der Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde
Stuttgart, Lukaskirche, 12. Februar 2008.
Pfr. Dipl.-Päd. Eckart Schultz-Berg
Die Anfänge Gaisburgs liegen im Dunkeln. Sicher ist, dass die Siedlung ursprünglich eng mit Berg verbunden war. Um 1140 schenkte Reginbert von Cannstatt dem Kloster Hirsau ein Gut zu Gaisburg. Die namensgebende Burg wird urkundlich nie erwähnt, sie stand aber auf der vorderen Kuppe des vom Klingenbach und Neckar gebildeten Bergsporns, wo heute die evangelische
Gaisburger Kirche steht. Die Burg wurde wahrscheinlich um 1286 in den Reichskriegen Rudolfs von Habsburg gegen Eberhard I. von Württemberg zerstört. Der an die Burg sich anlehnende Burgweiler ging bei der Zerstörung nicht unter, sondern entwickelte sich zu einem selbständigen Dorf mit eigener Markung und einer eigenen, der Hl. Barbara geweihten Kapelle.
Kirchlich gehörten die Einwohner zunächst zur St. Martinskirche auf der Altenburg (Hallschlag), spätestens seit dem 14. Jahrhundert nach Berg, dessen Marienkapelle zwischen 1375 und 1393 zur Pfarrkirche erhoben worden war. 1584 wurde der Pfarrsitz von Berg nach Gaisburg verlegt, neben Gaisburg (165 Seelen) gehörten Berg (ca. 30 Seelen) und Gablenberg (121) Seelen in das Gaisburger Kirchspiel.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Berg einige Industriebetriebe an. Immer mehr Arbeitsuchende fanden dort eine Beschäftigung. Da die Mieten in Gaisburg billiger waren als in Berg und in den benachbarten Städten Stuttgart und Cannstatt, zogen immer mehr Menschen hierher. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschränkte sich die Siedlung auf den Bergsporn zwischen Klingenbach- und Neckartal, und die Häuser zogen sich der Hauptstraße (heute Hornbergstraße) entlang. Im Tal, jenseits des Klingenbachs, standen 1825 nur drei Häuser. Gaisburg zählte damals 641 Einwohner. 1856 waren es bereits 911 und 1868 schon 1178. In derselben Zeit wurden im Tal, am Fuße des Bergsporns, mehrere Häuser gebaut und der Grundstein für das sogenannte Unterdorf gelegt. Das Wachstum der Gemeinde setzte sich rasant fort. Vor allem im ”Unterdorf“ nahm die Bautätigkeit stetig zu und in die neu erbauten Häuser und Siedlungen zogen vorwiegend Arbeiter und Angestellte ein. Im ”Oberdorf“ hingegen wohnten überwiegend Weingärtner und Handwerker. Als 1896 die vakante Pfarrstelle neu besetzt werden sollte, zählte die evangelische Gemeinde 2766 Mitglieder, welche größtenteils dem Arbeiterstand angehörten.
Mit dem Bau der Kolonie Ostheim (1892-1913) und der dort errichteten Lukasgemeinde, wurde eine Abgrenzung der beiden Kirchenbezirke im ”Unterdorf“ zwischen Ostendstraße und Gaswerk notwendig. Die Abelsbergstraße wurde nach der politischen und kirchlichen Eingemeindung Gaisburgs nach Stuttgart als neue Grenze festgelegt, was westlich davon lag, gehörte zur Lukasgemeinde, was östlich lag nach Gaisburg. Etwa gleichzeitig wurde die Gaisburger Parochie in zwei Seelsorgebezirke aufgeteilt. Der kleinere Bezirk, begrenzt von Abelsberg-, Tal-, Wangener- und Hackstraße, wurde dem am 1. Oktober 1901 eingerichteten Parochialvikariat zugewiesen. Damit war im Grunde schon der Seelsorgebezirk der späteren Lutherhausgemeinde vorgegeben.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem wirtschaftlichen Aufstieg nach den Jahren der Inflation war es der Stadt möglich, ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm zu verwirklichen. So entstanden 1924 die Heimstättensiedlung an der Haußmannstraße, 1921-27 die Straßenbahner Siedlung Friedenau und 1926-1929 die Raitelsbergsiedlung. Eine seelsorgerliche Betreuung der Neuzugezogenen war dringend geboten. 1927 beschloss die Gesamtkirchengemeinde den Bau eines eigenen Gebäudes inmitten der neuen Siedlungen für den zweiten Gaisburger Seelsorgebezirk. Das Haus sollte nach Wunsch der beiden Gaisburger Geistlichen, Pfarrer Esenwein und Pfarrer Weiß ein Gemeindehaus für ganz Gaisburg sein. ”Jedoch die alteingesessenen Gaisburger Bürger lehnten den Kontakt mit den in den neugegründeten Siedlungen wohnenden Arbeitern und Straßenbahnern ab, so daß die Lutherhausgemeinde von der Gaisburger Gemeinde abgetrennt wurde.“ Am 1. Juli 1928 konnte die Lutherhauskirche eingeweiht werden. Erster Pfarrer wurde Karl Weiß (1928-1947).
Die Bände und Akten des Evangelischen Pfarramtes bewahrte Pfarrer Weiß wahrscheinlich in seiner Wohnung oder im Pfarrbüro auf. 1966 ordneten und verzeichneten der kirchlichen Archivpfleger des Bezirks Stuttgart, Pfarrer i.R. Kiefer, die Archivalien und verwahrte sie in einem Wandschrank im ”Lutherzimmer“. Besonders aufschlussreich sind die Akten zu dem sogenannten Kirchenkampf 1932-1942, unter dem Pfarrer Weiß besonders zu leiden hatte. Auffallend ist, dass in der Zeit nach Pfarrer Weiß, zwischen 1948 und 1966, verhältnismäßig wenige Akten vorhanden sind.
Nach der Ordnung des Lukasarchivs 2006 übernahm ich auch die Ordnung des Lutherhausarchivs. Die nur wenig geordneten Akten und Bände waren in verschiedenen Schränken im ”Lutherzimmer“ verstaut. Die unzähligen kleinen Zettel und Konzepte von Pfarrer Weiß habe ich in den Unterlagen belassen, ebenso die Rechnungsbelege für die Jahre 1928-1950, da sie mir für die Jahre des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit wichtig erscheinen.
September 2007
Dr. Elmar Blessing
Das Archiv befindet sich seit 2011 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.
Evangelisches Pfarramt Lutherhausgemeinde
2 lfd. m
Bestand
Gaisburg, Stuttgart
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
11.08.2025, 11:05 MESZ