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187 - Nachlass Marie-Elisabeth Klee (geb. v.
Heyl) (Bestand)
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Stadtarchiv Worms (Archivtektonik) >> Familienarchive/Nachlässe von Heyl
1926 - 2017
Verwaltungsgeschichte/biografische Angaben:
Vorwort: Abt. 187 Nachlass Marie-Elisabeth Klee (geb. v. Heyl)
Umfang: 108 Archivkartons (= 623 Verzeichnungseinheiten + 32 VE Ebene 2) + zwei Rollen + ca. 5000 Fotografien/1600 Diapositive = 11 lfm (Stand 07/2019)
Laufzeit: 1926 - 2017
Zur Person
Marie Elisabeth Klee geb. Freiin von Heyl zu Herrnsheim wurde am 13.1.1922 in Worms in die bekannte Industriellenfamilie von Heyl hineingeboren, besuchte die Schule u.a. in Heiligengrabe (Mark Brandenburg) und machte an der Eleonorenschule in Worms ihr Abitur. Ab 1942 (- 1945) gehörte sie der Archivkommission des Auswärtigen Amtes an, zunächst in Paris, wo sie auch ihren späteren Ehemann, den Diplomaten Dr. Dr. Eugen Klee (* 1887 in Cochem; kath.), kennenlernte (Heirat 1945). Klee wurde 1947 Landrat in Alzey, wohin sie ihn begleitet hat. 1952 ging Klee wieder in den diplomatischen Dienst und wurde deutscher Botschafter in einer Reihe von Republiken Zentralamerikas. Bis 1955 war Frau Klee in Lateinamerika und nahm ein Jahr nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes (+ 1956) ein Sprachenstudium auf. Ende der 1950er Jahre begann die politische Tätigkeit von Elisabeth Klee in der CDU, für die sie 1961 als jüngste Abgeordnete in den Deutschen Bundestag einzog (bis 1972). Tätigkeitsschwerpunkte waren dabei Lateinamerika, Spanien und die Jugendarbeit sowie die Arbeit in zahlreichen internationalen Organisationen. Ab 1985 übernahm sie für acht Jahre den Vorsitz des deutschen Komitees von UNICEF. 1994 wurde sie mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet, weitere Ehrungen national und international wurden ihr zuteil. Frau Klee wohnte seit 2004 im Nonnenhof bei Bobenheim unweit von Worms. Sie starb am 11.02.2018.
Erste Übernahme und Verzeichnung
Der erste Teil der Unterlagen wurde zu Lebzeiten von Frau Marie-Elisabeth Klee im Oktober 2003 und im April 2004 dem Stadtarchiv übergeben und der Bestand "Abt. 187 Nachlass Marie-Elisabeth Klee (geb. v. Heyl)" eingerichtet. Nach den Bestimmungen des damals abgeschlossenen Deposital-Vertrags sollte das Eigentumsrecht beim Ableben von Frau Klee auf die Stadt Worms übergehen. Für die Nutzung des Schriftgutes wurden die Bestimmungen der Satzung des Stadtarchivs als geltend vereinbart. Das Schriftgut wurde im Juli/August 2005 durch einen studentischen Praktikanten unter fachlicher Anleitung der Archivmitarbeiter*innen verzeichnet. Eine Klassifikation, die die thematischen Schwerpunkte des damaligen Archivbestandes widerspiegelte, wurde dabei zugrunde gelegt.
Nachlassübernahme 2018
Nach dem Ableben von Frau Klee konnte das Stadtarchiv am 11.07.2018 in Absprache mit ihrem Neffen Herrn Dr. Ludwig von Heyl vom Nonnenhof die laut testamentarischer Verfügung der Stadt schenkungsweise überlassenen Unterlagen des eigentlichen Nachlasses (einschl. umfangreichem Sammlungs-, d.h. fotografischem Material) übernehmen. In 36 Archivboxen (= ca. 15 lfm,) wurden die Unterlagen, nachdem vor Ort ein vorläufiges Verzeichnis erstellt worden war, in das Stadtarchiv verbracht. Die Verzeichnung fand zwischen August 2018 und Februar 2019 statt. Eine Angleichung der Verzeichnungstiefe der 2005 durchgeführten Titelaufnahmen erfolgte im Anschluss unter Verwendung der für den Gesamtbestand erstellten neuen Klassifikation, in der die aktuellen inhaltlichen / thematischen Aspekte des Bestandes berücksichtigt wurden.
Zum Bestand
Der Teilnachlass im Stadtarchiv Worms ist zu ergänzen um Unterlagen, die Frau Klee im Frühjahr 1996 an das Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. in Sankt Augustin (Bestand 01 - 654) abgegeben hat. Dabei sind durch Kopien Doppelüberlieferungen in beiden Einrichtungen vorhanden. Im Stadtarchiv liegt ein Findbuch des Stiftungs-Archivs vor (StadtA Wo Abt. 187 Nr. 107).
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Wormser Bestandes ist eine dichte Korrespondenz mit den Eltern über alle Stationen ihre Lebens, beginnend während ihrer Aufenthalte in Heiligengrabe (1934-1938), im Mädchenpensionat in Eberswalde (1937/38) und in der Frauenschule in Obernkirchen 1940/41. Sie wird fortgeführt in der Zeit, in der Marie-Elisabeth von Heyl verpflichtend den Reichsarbeitsdienst und den Kriegshilfsdienst ableistete, dann in der Studienzeit sowie im Dienst der Archivkommission des Auswärtigen Amtes. Ein großer Teil der Eltern-/Kind - Korrespondenz liegt im Bestand in maschinenschriftlichen Abschriften vor. Auch nach ihrer Eheschließung mit Dr. Dr. Eugen Klee, als dessen Ehefrau sie zunächst in Großschwaig, dann in Alzey und über mehrere Jahre in Mittelamerika lebte, pflegte Frau Klee regen Schriftverkehr mit ihren Eltern. Ebenso intensiv korrespondierte sie mit ihrem (späteren) Ehemann in Zeitabschnitten, in denen das Paar durch äußere Umstände getrennt war. Die frühe familiäre, private Korrespondenz Frau Klees zeichnet sich insbesondere durch detailreiche Schilderungen der eigenen jeweiligen Lebenswelt aus, gleichzeitig erhält man als Leser*in Einblicke in die Verhältnisse der Adressaten, auf deren Briefe sie Bezug nimmt. Verschiedene VE weisen Einzelkorrespondenzen mit Wegbegleiter*innen aus, bei anderen VE handelt es sich um Glückwunsch- und Grußpost (Weihnachten "Xmas", Jahreswechsel, Geburtstage).Die zunächst fragliche Kennzeichnung "YO" auf verschiedenen Ordnern entpuppte sich dabei als Bezeichnung für "ich" (spanisch), d.h. eigene Post.
Korrespondenzen (u. a. Dr. Heinrich von Brentano, Dr. Bernhard Vogel, Prof. Dr. Horst Ferdinand, Dr. Richard von Weizsäcker) finden sich außerdem in dem Teil der Unterlagen, die ihren politischen Werdegang in der CDU auf Landes- und auf Bundesebene sowie ihre Tätigkeit in der Westeuropäischen Union (WEU) im Europaparlament und weiteren politischen Gremien betreffen. Ihr außerordentliches gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement wird vorwiegend durch Kontakte, Veranstaltungen (Reden, Organisatorisches etc.), Initiativen in Ausübung ihres Amtes als Vorsitzende von UNICEF Deutschland und als Präsidentin der Stresemann-Gesellschaft geprägt. Ihr vielfältiger beruflicher und ehrenamtlicher Einsatz wurde durch zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen auf nationaler und internationaler Ebene anerkannt, der im Bestand durch entsprechende Korrespondenzen, Orden, Medaillen und Urkunden dokumentiert wird.
In vorliegendem Nachlass befinden sich auch Unterlagen von Dr. Dr. Eugen Klee (Notizhefte, Ausweise, Papiere zum Entnazifizierungsverfahren, Familienkorrespondenz etc.), der kurze Zeit nach der Rückkehr aus Mittelamerika verstarb. Frau Klee stand ab Ende der 1990er Jahre noch in Kontakt mit den letzten in Frankreich lebenden Familienangehörigen ihres Ehemanns. Zu den Fotoalben Eugen Klees s.u.
In der Klassifikation werden diejenigen Materialien in eigenen Kapiteln berücksichtigt, die sich mit der Familie von Heyl (Vorfahren, Geschwister und deren Familien) und deren Wirken in Worms befassen. Dabei bildet die Stiftung Kunsthaus Heylshof mit der Sammlung Klee "Barock aus den Anden" einen besonderen Schwerpunkt. Auch der mütterliche Familienzweig ‚von der Marwitz' aus Friedersdorf und Groß Kreutz sowie die verwandtschaftlich verbundene Familie von Falkenhausen werden mit verschiedenen Unterlagen und Korrespondenzen belegt.
Für die heterogenen Unterlagen zum Klosterstift Heiligengrabe, die Niederschlag in verschiedenen Informationsschriften und Schriften des Vereins zur Förderung des ev. Klosters Stift zum Heiligengrabe e.V. und durch Aktivitäten des Hilfsbundes ehemaliger Heiligengraberinnen (Korrespondenzen, Chronikerstellung) finden, wurde eine eigene Klassifikationsgruppe eingerichtet.
Auch die im Nachlass überaus zahlreich vorhandenen diversen eigenen Lebenserinnerungen und Vorträge/Abhandlungen der Nachlassgeberin wurden zusammen mit von anderen Personen (Familienmitglieder, fremde Personen) verfassten Werken und weiteren vorliegenden Schriften in einem besonderen Abschnitt erfasst. Die persönlichen Erinnerungen spiegeln dabei in Korrespondenzen ihre Zeit in Zietenfelde/Westpreußen und an der Seite ihres Ehemanns als Gesandter in Mittelamerika wieder. Reden, Vorträge und sonstige Ausführungen beleuchten verschiedene persönliche, politische und ehrenamtliche Bereiche.
Da das Thema Religion für Marie-Elisabeth Klee in ihrem ganzen Leben eine sehr große Rolle gespielt hat, geprägt durch Erziehung, persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, stellt sie sich in der Schrift "Mein Weg als Christ" ihren Glaubensfragen, die sie letztendlich kurz vor ihrem 75. Geburtstag zur Konversion zur katholischen Konfession bewegten (StadtA Wo Abt. 187 Nr. 144).
Die überaus große Fülle an Fotomaterial, sei es in Fotoalben, als lose Fotografien, als Diapositive oder Foto-/Kleinbildnegative wurden in einer eigenen Gliederungsgruppe erfasst. Hier sind sowohl private, familiäre Alben hervorzuheben, als auch Alben aus ihrer Zeit als Mitglied des Bundestags und zu besonderen Anlässen. Eine große Serie von Fotoalben stammt von Eugen Klee (privat, beruflich) und dem gemeinsamen Aufenthalt des Ehepaares in El Salvador, Mittelamerika. Die losen Fotografien waren zu einem großen Teil jeweils thematisch zusammengefasst (Familie, Reisen, UNICEF etc.), ebenso auch die Diapositive.
Bei VE, in denen neben Schriftgut Fotografien enthalten waren, wurde in der Regel die ungefähre Anzahl festgehalten. In neuerer Zeit finden sich zahlreiche Digitalaufnahmen (vorwiegend in sog. "Grußpost"), die nicht in vollem Umfang ausgeworfen wurden. Grundsätzlich empfiehlt es sich zu allen Fragestellungen / Themenbereichen der Gesamtklassifikation (privat, familiär, politische und ehrenamtliche Aktivitäten) das gesondert erfasste Fotomaterial zu berücksichtigen.
Nutzung des Bestandes
Nach Absprache mit der Nachlassgeberin noch zu deren Lebzeiten und zuletzt mit Herrn Dr. Ludwig von Heyl soll das Schriftgut aus dem öffentlichen Wirken Frau Klees für die Benutzung zur Verfügung stehen. Bei frühen Korrespondenzen soll aus Datenschutzgründen die Sperrfrist auf zehn Jahre nach dem Tod (d.h. Februar 2028) und für jüngere Korrespondenzen mindestens eine Sperrfrist von weiteren zehn Jahren gelten. In Einzelfällen wurden weitere VE mit Sperrfristen versehen bzw. die Fristen erweitert. Zurzeit sind 159 VE (ca. 25 %) mit Sperrvermerk belegt und gehen aus dem analogen Findbuch hervor. Eine Ausnahme für die Einsichtnahme ist nur nach Rücksprache mit der Archivleitung und mit der Familie, d. h. Herrn Dr. Ludwig von Heyl möglich.
Worms, im März 2009
Dr. Gerold Bönnen
Margit Rinker-Olbrisch
Weitere Archivbestände:
- Archiv, Bestand: 01 - 654 Marie-Elisabeth Klee
- Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes: PA AA NL Klee [nur Briefe Marie-Elisabeth Klees an die Eltern aus Mittelamerika, 1951 - 1955, in Kopie; s. a. Kopien in: StadtA Wo Abt. 187 Nr. 45 - Nr. 48]
- Stadtarchiv Cochem (Abgabe durch Frau Klee von Material Eugen Klee betreffend)
- Die Heyl'schen Bestände im Stadtarchiv Worms (Abt. 185, Abt. 186)
Literatur zur Person und Familie:
Hedwig BRÜCHERT (Hg.), Rheinland-Pfälzerinnen. Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz 2001 (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 23), Artikel 'Marie-Elisabeth Klee', S. 241-243
Gerold BÖNNEN / Ferdinand WERNER (Hg.), Die Wormser Industriellenfamilie von Heyl. Öffentliches und privates Wirken zwischen Bürgertum und Adel, Worms 2010 (darin v.a.: Margit Rinker-Olbrisch, Zur archivischen Überlieferung der Heylschen Firmen- und Familiennachlässe, S. 21-33; Gerold Bönnen, Die Familie von Heyl und ihr Wirken (ca. 1850 bis 1980), S. 35-186
Jörg KOCH, Eine "Tochter Preussens" auf Spurensuche, in: Worms 2014 Heimatjahrbuch für die Stadt Worms, Worms 2013 S. 198-201.
Jörg KOCH, Marie Elisabeth Klee. Die Kunst der Diplomatie, in: Veronik Heimkreitner/Ulrike Schäfer (Hg.), Wormserinnen, Worms 2016, S. 170-176.
Jörg KOCH, Marie-Elisabeth Klee. Lebensbilder einer Europäerin aus Worms, Worms 2017
Zitierhinweis: Abt. 187
Erschließungszustand, Umfang: erster Teil: verzeichnet in Augias-Datei (Aug. 2005); eigentlicher Nachlass zwischen Aug. 2018 und März 2019 verzeichnet