Am Freitag den 24. November 1458 nach dem Schreibstil der Kölner Diözese erscheint der Notar vor Thilmann von Menckhusen, Kanoniker und Thesaurar von St. Walburgis und Pastor der Pfarrkirche von St. Marien und St. Johannes in Meschede, in der großen Kammer seines Hauses. Als seinen letzten Willen erklärt dieser zunächst alle seine früheren Testamente für ungültig. Er erbittet einen Begräbnisplatz in und bei der Mescheder Pfarrkirche vor dem Chore. Seine Beerdigung soll in beiden Mescheder Kirchen mit Vigilien, Messen und Fürbitten begangen werden. Dazu sind die Pastoren des Mescheder Dekanats, die Mitbrüder des Kalands, einzuladen. An sie sollen die Präsenzgelder, an Kanoniker, Vicare und Mitbrüder gleichmäßig, verteilt werden. Ebenso bittet der Testator, die Verwandten, Nachbarn, Pfarrangehörigen und Freunde zum Begräbnis und zu einem Frühstück einzuladen. Als Testamentsvollstrecker erwählt er sich den Propst Arnold von Berninckhusen, den Dekan Peter Ard, den mit einer Präbende in der Kirche St. Walburgis versehenen Kanoniker Jodocus Smyttemans, den Knappen Hennekin von Berninckhusen, den Johan Rarbeke, Pastor in Schmallenberg (Smalenberch), und den Matheus von Attendarn, Gerichtsschreiber (Scriptorem banckalem) des Kölner Hofes, den Verwandten des Testators und Kleriker der Kölner Diözese. All seine Schulden und das, was weniger auf rechte Weise erworben worden ist, soll, soweit es belegt werden kann, aus seinen flüssigen Mitteln (ex promptioribus bonis) erstattet werden. Der Kammer des apostolischen Stuhls vermacht er die Summe von 20 rheinischen Gulden, die ihm Gerwin Hunt gen. Holtforsten von Arnsberg (Arnsberch) laut eines auf Papier geschriebenen und besiegelten Chirographs schuldet. Die Summe, die ihm der Erzbischof laut eines Chirographs schuldet, teilt er in drei Teile. Den ersten Teil weist er der Kammer des Erzbischofs zu. Den zweiten und dritten Teil soll der Erzbischof für die Baukasse des Kölner Domes und für die Bestätigung seines Testaments erhalten. Das bessere, von ihm bewohnte Haus vermacht er mit der Hälfte des Hofes (curie) und des Gartens dem Mescheder Kanoniker Jodocus Smyttemans auf Lebenszeit. Nach dessen Tode soll es der Thesaurar und dessen Nachfolger als Wohnung erhalten. Der Kanoniker bzw. der jeweilige Thesaurar haben aber dafür an Dekan und Kapitel von St. Walburgis jährlich zu Martini zwei Mark zu entrichten für die von den Testamentsvollstreckern festzulegenden Memorien des Testators. Zu den zwei Mark kommt noch die Kornrente von drei Maltern, die Hennekin von Baldenborn dem Testator verkauft hat. Dafür sollen die Memorien und Feste für den Testator reichlicher und besser gehalten werden können. Sein anderes Haus vermacht der Testator mit der anderen Hälfte des Hofes und des Gartens dem Pastor der Pfarrkirche zu Meschede als Wohnung bzw. dem Kanoniker, der in der Kollegiatkirche zu Meschede die Stelle des Pastors versieht. Dafür hat der Inhaber des Hauses und des halben Hofes und Gartens an den Wochentagen einer jeden Woche zwei Messen für den Testator, seine Eltern und seine Freunde zu feiern. Davon soll eine Messe für die Verstorbenen sein, die andere von der Jungfrau Maria, vom hl. Kreuz oder vom Leib des Herrn. Wenn der Pastor der Pfarrkirche oder sein Vizerektor die Messe aus Nachlässigkeit nicht hält, dann hat bei erbrachtem Nachweis der Widerspenstigkeit der Inhaber des Hauses dem Thesaurar der Mescheder Kirche jährlich zu Martini zwei Mark zur Verbesserung von dessen Amt zu zahlen. Wenn der Pastor aber die Messen hält, dann soll er außerdem auch den Zehnten zu Nuttlar (Nuetteler) erhalten, den der Testator laut einer Urkunde von Hennekin Rump in Ostwig (Oestwich) gekauft hat. Seinem Onkel väterlicherseits gen. Stullen, zur Zeit Diener (servitori) des Drosten in Iserlohn (Yserenlon), und seinen beiden Mitbrüdern, wohnhaft zu Dorlar (Dorler), vermacht der Testator eine Rente von sechs Maltern Korn, die er von Heinrich von Cobbenrode für 52 rheinische Gulden gekauft hat. Seiner Magd und Nichte Hilleken vermacht er sein bestes Bett mit Zubehör, zwei bessere Kühe und gewisse Äcker zwischen Laer (Lare) und Enste (Ennest) in der Nähe der Ruhr (prope Ruram) auf Lebenszeit. Diese Äcker heißen "dat Karol". Er hat sie für 40 rheinische Gulden gekauft. Nach dem Tode der Hilleken sollen die Äcker Reckhardus Schulte in Enste (Ennest), seine jetzige Frau und ihre Kinder für immer erhalten. Der Schulte und seine Frau, die Nichte des Testators, und ihre Kinder sollen auch die Wiese bzw. Weide und andere Äcker in der Nähe von Enste erhalten, an denen der Testator nur den Nieeßbrauch hatte. Seinem Onkel väterlicherseits Thilmann Brunhardes vermacht er den Zehnten zu Isingheim (Isinckhem), den er von Heinrich von Cobbenrode gekauft hat. Der Metten von Wormbach (de Wormbeke), seiner früheren Magd, die jetzt aussätzig ist, vermacht er wegen Gott einmalig einen halben Malter Korn, halb Roggen und halb Malz. Die Einkünfte und Renten aus dem nach seinem Tode folgenden Jahr, die aus den Heuwiesen und Weiden anfallen und zur Pfarrkirche von Meschede gehören, sollen als Beitrag für den Ankauf eines neuen Missale bestimmt sein. Dafür soll Hennekin von Berninckhusen sorgen. Die Utensilien seines Hauses vermacht der Testator dem Thilman Brunhardes, seiner Magd und Nichte Hilleken und seinen anderen nächsten ärmeren Verwandten. Dem Scholaren Matias Glasmans, seinem Verwandten, vermacht er seine Schulbücher. Jodocus Smittemans soll die Einkünfte des zweiten Gnadenjahres der Pfarrkirche zu Meschede erhalten. An diesen soll auch die Getreideabgabe (foderum), auf deutsch gen. Markenlehen (van marckelen) fallen. Der Notar soll als Gehalt für zwei nach dem Tode des Erblassers anzufertigende Notariatsinstrumente, nämlich das des letzten Willens und des Güterinventars, 15 Schillinge erhalten. Die Einkünfte des Gnadenjahres seines Kanonikats bzw. seiner Präbende sind für die Testamentsvollstrecker bestimmt, die dafür ein neues Anthiphonarium und ein Graduale zur Benutzung im Chor der Mescheder Kirche kaufen sollen. Der Elizabet Haken aus Eversberg (Euersberch), seiner Verwandten, überläßt er die Hälfte des Betrages, die ihr Schwestermann in Attendorn (Attendarn) dem Testator schuldet. Die andere Hälfte läßt er dem Schuldner und seinen Kindern nach. Für eine ewige Messe, die in Niederberndorf (Nederenberntorp) zu feiern ist, weist er dem Dekan in Wormbach (Wormbeke) ein Kapital von vier Gulden zu, die die Söhne des Diderich von Felbecke (Velbeke) bei Wormbach schulden. Seinem Verwandten Thilmann Brunhardes vermacht er den Acker bei den Dornen (iuxta spinas). Diesen hat er von Gotfrid Brullinckhusen gekauft. Von der Wiese sollen die Glöckner der Mescheder Kirche jährlich einen rheinischen Gulden erhalten. Dem Jodocus Smittemans überläßt er seinen größeren Doppeltisch. Die Schirmdächer bzw. Latten (plutei sive asseres) an seinen beiden Häusern sollen nicht entfernt werden. Den vier Mönchsorden vermacht der Testator jeweils drei rheinische Gulden, damit für seine Seele Messen gehalten und Gebete verrichtet werden. Die Klosterjungfrauen in Ölinghausen (Eulinckhusen) sollen 2 1/2 Mark erhalten. Davon schuldete eine halbe Mark der dortige Propst dem Erblasser aus den Guthaben der Mescheder Kellnerei. Dafür sind dort Memorien für die Seele des Testators zu feiern. Der Kochkessel und der dazugehörende Dreifuß, die ihm zum Nießbrauch von Thomas von Ruden aufgestellt wurden, sind diesem, der eine Tochter seines Bruders zur Frau hat, frei zurückzuerstatten. Jedem seiner Testamentsvollstrecker vermacht der Testator für ihre Mühe drei rheinische Gulden. Alles, was der Testator zu Lebzeiten sonst an Vermächtnissen und Geschenken festgelegt hat, soll gültig sein, wenn darüber Beweise vorgelegt werden können, als wenn diese in das vorliegende Testament aufgenommen wären. Das, was nach Befriedigung der Empfänger von Legaten noch übrig bleibt, sollen die Testamentsvollstrecker zum Lobe Gottes den Kirchen und Armen zuwenden. Aus der Ausführung des Testaments soll ihnen kein Schaden oder eine Verpflichtung erwachsen. Geschehen zu Meschede in der Kammer bzw. Wohnung des Testators. Zeugen: Johannes Curtis, Frühmeßner, und Johann Heinemanni, der die Messe für die Brüder und Schwestern von hl. Kreuz in der Kirche St. Walburgis feiert.