Rechnungen des Dürrhofs (Bestand)
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Abt. Staatsarchiv Wertheim, R-R 125
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1749/50-1798/99
Einleitung: Am 24. Mai 1178 nahm Papst Alexander III. das Kloster Bronnbach in seinen Schutz und bestätigte die zisterzienische Observanz sowie die Besitzungen dieser Zisterze, darunter auch den Besitz in Dürrberg ("Durreberch cum agris et suis pertinentiis"; heute Dürrhof Gde Rauenberg Main-Tauber-Kr.) (Druck: Wertheimisches Urkundenbuch, hrsg. von Joseph Aschbach. Frankfurt a.M. 1843 S. 18 ff Nr. 13; Regest zuletzt: Leonhard Scherg, Die Zisterzienserabtei Bronnbach im Mittelalter. Würzburg 1976 S. 248 Nr. 10). Der hier erstmals genannte Besitz in Dürrberg - noch im Privileg Kaiser Friedrichs I. vom 14. Juni 1165 wird Dürrberg nicht erwähnt (vgl. Scherg a.a.O. S. 246 f. Nr. 4) - sollte, zusammen mit dem 1178 ebenfalls erstmals erwähnten Mainbullau ("Bula"), die Verbindung zu den Bronnbacher Besitzungen in Vielbrunn i.O. sichern (Scherg a.a. O. S. 113). Wahrscheinlich schuf das Kloster aus seinen Dürrberger Gütern eine Grangie (Scherg a.a.O. S. 114). Spätestens zu Ende des 16. Jh. war Dürrberg, wie auch die meisten anderen großen Klosterhöfe (Ernsthof, Mittelhof, Schafhof, Wagenbuch), an einen Hofbauern verpachtet. 1592 hatte der Beständer Hans Steinbacher Gülten von 26 Malter Roggen, 10 Malter Dinkel und 24 Malter Hafer an das Kloster zu entrichten. Allerdings war er zehntfrei, hatte, wie auch der Wagenbucher Hofbauer, keine Gerstengült zu liefern und besaß, wie der Ernsthofbauer, das Recht, die Schäferei Dürrberg zu beschlagen, d.h. dort eigene Schafe weiden zu lassen (StAWt-R R 79 1592/93). 1609/10 waren die Schäfereien auf dem Dürr-und dem Er nsthof wieder getrennt in Bestand gegeben; die Pächter hatten ein Drittel des Ertrags in Geld zu zahlen. Trotzdem war die vom Dürrhof zu entrichtende Gült nicht ermäßigt worden (StAWt-R R 79 1609/10). Die Gültlieferungen aus dem Dürrhof lassen sich bis 1632 nachweisen (StAWt-R R 79 1632/33). 1638 heißt es dann lapidar: "Ernsthoff, Breitenaw und Dorrhoff ohnverlihen und ohngebauet" (StAWt-R R 79 1637/38). Erst 1649 begann sich der Dürrhof von den Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs zu erholen und brachte wieder Bestandsgülten (StAWt-R R 79 1649/50 fol. 17 und fol. 20). Er blieb bis 1748/49 Bestandshof. Der letzte Pächter, Bastian Weydinger (StAWt-R R 79d 1748/49 S. 125), hatte jährlich zu entrichten: 58 fl. Baugeld, 8 fl. Viehsatz, 12 fl. Frongeld, 15 fl. für 8 1/2 Morgen Wiesenzins aus der "Küheruhe", 3 fl. Gartenzins von der Hälfte des neuen Gartens, 13 fl. statt der sommers 10, winters 6 Stück Rindvieh, die er früher zu füttern gehabt hatte, 66 Malter Roggen, 12 Malter Dinkel, 47 Malter Hafer, 2 Gänse, 2 Hühner und 100 Eier (StAWt-R R 79d 1749/50). In den Bursariatsrechnungen, welche die Abrechnungen mit den Bestandsbauern enthalten (StAWt-R R 79d), findet sich ab 1750/51 beim Dürrhof der Vermerk "vacat"; kurz darauf wird der Hof überhaupt nicht mehr erwähnt. Gleichzeitig, 1749/50, setzt der Bestand StAWt-R R 125, Dürrhof, ein. Der Hof war also, wie die Pachtlieferungen zeigen, auf ein hohes Ertragsniveau gebracht worden und wurde nunmehr vom Kloster in Eigenbewirtschaftung übernommen. Aufgabe des jeweiligen Pater oeconomus war die Einziehung der Geld- und Naturalgefälle der Abtei Bronnbach in Dürrberg, Ebenheid und Rauenberg, die Verwaltung des Hofs, die Aufsicht über die 6 Knechte, 1 Köchin, 2 Mägde, 1 Schäfer, 1 Hirten und 1 Jäger sowie die Entrichtung der Geldgefälle an den Abt und der Naturalgefälle an den Bodenmeister in Bronnbach (vgl. z.B. StAWt- R 125 1757/58). Zwischen 1787 und 1791 wurde der Hof von einem Laien, einem sog. Hofmeister, geleitet. Nur aus diesen Jahren finden sich Revisionsvermerke des Abts P. Heinrich Göbhard. Neben den Rechnungen enthält der Bestand StAWt-R R 125 vier Manuale (1749/50, 1759/60-1760/61, 1789/90) und ein Faszikel Rechnungsurkunden (1790/91). Die Jahrgänge 1789/90-1790/91 wurden aufgrund der vom Hofmeister Georg Dorbath übergebenen Monatsrechnungen erstellt. Der Verbleib der Abrechnungen mit den Dürrhöfer Beständern vor 1748/49 ist nur teilweise bekannt. Erwähnt werden diese Rechnungen im "Repertorium Documentorum & Actorum Cancellariae Bronnbacensis" Bd. I (1755) unter den Lokaturen D.28.C, Abrechnung mit Hans Fiederlichen auf dem Dürrhof (a.a.O. S. 391) sowie D27.U, Bastian Weydinger, gewesener Hofbauer auf dem Dürrhof, und die bei seinem Abzug mit ihm vorgenommene Abrechnung (a.a.O. S. 396). D 28.SS, Abrechnungen mit den Dürrhöfer Beständern (a.a.O. S. 1031) bildet heute die Nr. 995 des Bestands Lit. St. Unter D. 28.S. werden Zettel, also Rechnungsurkunden, von allerhand Handwerkern zu Freudenberg, den Dürrhof betr., genannt (a.a.O. S. 394). Es fällt auf, dass die im Bestand StAWt-R R 125 erhaltenen Rechnungen im Bronnbacher Repertorium nicht erwähnt sind. Dies bedeutet, dass die Rechnung von 1749/50 und die folgenden - verlorenen - Rechnungen 1755 noch nicht in der Kanzlei verwahrt wurden. Damit stimmt überein, dass keiner der Bände eine bronnbachische Kanzleisignatur trägt. Im "Repertorium der Rechnungen und Rechnungsurkunden des Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Rosenbergischen Archivs" (2. Hälfte 19. Jh.) erscheinen die Dürrhöfer Rechnungen erstmals als Rechnungsbestand 125. Zum Bestand hinzugekommen sind gegenüber damals das Manual 1749/50 und die Rechnungsurkunden 1790/91. Der Bestand wurde im 19. Jh. "im Zimmer hinter der Revision", also in der Wertheimer Hofhaltung, aufbewahrt. Dort, im Obergeschoss des Ostflügels, befand er sich auch noch 1977 bei der Übernahme durch das Land Baden-Württemberg. Im Zusammenhang mit der Verzeichnung aller Rechnungen Bronnbacher Provenienz wurden die Rechnungen des Dürrhofs im Juli 1983 durch die Angestellte Annemarie Spieler verzeichnet. Anschließend wurde der Bestand durch den Archivangestellten Manfred Sziele verpackt. Die Reinschrift des Repertoriums besorgte die Angestellte Liselotte Goldschmitt. Der Bestand StAWt-R R 125, Rechnungen der Abtei Bronnbach: Dürrhof, umfasst nunmehr ca. 0,2 lfd. m in 42 Einheiten. Wertheim, August 1983 Dr. Norbert Hofmann
Oeconomi und Hofmeister des Dürrhofs: 1749 Jan. 28 - [u, 1752]: P. Ambrosius Balbus 1757 Feb. 22 - 1760 Feb. 22: P. Nivardus Biber 1766 Feb. 22 - 1769 Feb. 22: P. Aquilinus Gros 1769 Feb. 22 - 1772 Apr. 12: P. Mauritius Fortenbach 1772 Feb. 22 - 1781 Apr. 8: P. Thaddäus Balbus 1781 Apr. 11 - 1787 Feb. 22: P. Robertus Appelius 1787 Aug. 9 - 1791 Feb. 22: Georg Dorbath, Hofmeister 1791 Juni - 1793 Feb. 22: P. Aloysius Stader 1793 Feb. 22 - 1799 Feb. 22: P. Malachias Gros
Literatur: Konrad Mülbert, Rauenberg 1379-1979. Materialien für eine Ortschronik. (Rauenberg) 1979; dort S. ff.: Ein Vorspiel: Der Dürrhof Leonhard Scherg, Die Zisterzienserabtei Bronnbach im Mittelalter. Studien zur Geschichte der Abtei von der Gründung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Würzburg 1976 (=Mainfränkische Studien ; 14)
Oeconomi und Hofmeister des Dürrhofs: 1749 Jan. 28 - [u, 1752]: P. Ambrosius Balbus 1757 Feb. 22 - 1760 Feb. 22: P. Nivardus Biber 1766 Feb. 22 - 1769 Feb. 22: P. Aquilinus Gros 1769 Feb. 22 - 1772 Apr. 12: P. Mauritius Fortenbach 1772 Feb. 22 - 1781 Apr. 8: P. Thaddäus Balbus 1781 Apr. 11 - 1787 Feb. 22: P. Robertus Appelius 1787 Aug. 9 - 1791 Feb. 22: Georg Dorbath, Hofmeister 1791 Juni - 1793 Feb. 22: P. Aloysius Stader 1793 Feb. 22 - 1799 Feb. 22: P. Malachias Gros
Literatur: Konrad Mülbert, Rauenberg 1379-1979. Materialien für eine Ortschronik. (Rauenberg) 1979; dort S. ff.: Ein Vorspiel: Der Dürrhof Leonhard Scherg, Die Zisterzienserabtei Bronnbach im Mittelalter. Studien zur Geschichte der Abtei von der Gründung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Würzburg 1976 (=Mainfränkische Studien ; 14)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
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Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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13.11.2025, 14:40 MEZ