Afrikahaus J. K. Vietor (Bestand)
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7.2001
Staatsarchiv Bremen (Archivtektonik) >> Gliederung >> 7. Nichtamtliche Überlieferung >> 7.3. Wirtschaftsarchive >> 7.3.3. Handel
1862-1932
Enthält: Geschäftspapiere vor dem Ersten Weltkrieg, insbesondere Landkäufe, Inventuren, Versicherung der Faktoreien in Togo (Anedlo, Palime, Lomé), in Ghana (Keta) und in Dahomey (Porto Novo) - Gesamte Firmenregistratur nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere Reichsentschädigung für Kriegs- und Kolonialschäden, Korrespondenz mit anderen Firmen und eigenen Niederlassungen - Liquidation
Geschichte des Bestandsbildners: Die Firma J.K. Vietor (in Bremen auch Afrikahaus genannt) war vor dem 1. Weltkrieg mitsamt ihren Schwester- und Tochterfirmen eine der bedeutendsten deutschen Afrika-Firmen. Die Handelsgebiete des Unternehmens dehnten sich über Guinée Francaise (Hans Weber), Liberia (Huber & Vietor), Goldküste (Fr. M. Vietor Söhne, Dietrich & Co., Augener & Mau), Togo (Fr. M. Vietor Söhne, J. K. Vietor, Vietor & Freese), Dahomey (Vietor & Freese, Vietor & Cie/Lohmann), Kamerun (Vietor & Freese) und Südwestafrika (J.K. Vietor) aus.
Durch den 1. Weltkrieg wurde die Firma ihres gesamten überseeischen Besitzes in Höhe von ca. 3,5 Millionen Reichsmark beraubt. Nach dem Kriege wurden ihr ca. 500.000 Reichsmark als Entschädigung ausgezahlt. Hierdurch wurde es J. K. Vietor ermöglicht, sein Westafrikaunternehmen in Übersee wieder aufzubauen. Nach Friedensschluß eröffnete er 1921 mit zwei seiner früheren Angestellten unter der Firma Maier & Jürgensmeyer ein Geschäft in Liberia (Grand Bassa und Sinoe). Im gleichen Jahr gelang es auch, an der Goldküste in Keta ein weiteres Handelsgeschäft unter dem Namen Bremer Faktorei Ltd. zu gründen. Veranlasst durch die Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amtes dehnte sich die Firma im Jahre 1927 nach dem französischen Mandatsgebiet von Togo aus. Niederlassungen entstanden in Lome und später in Palime (Bremer Faktorei S.A.). Bereits im Oktober des vorausgegangenen Jahres 1926 war unter der Firma Nicolaus Vietor Ltd. ein weiteres Geschäft in Accra eröffnet worden, das sich in der Folge mit Zweigniederlassungen in Ho und Kumasi (Vietors Ashanti Company) zum erfolgreichsten Vietor-Unternehmen in Westafrika entwickelte. Auch mit Südwest-Afrika hatte J.K. Vietor unmittelbar nach Kriegsende wieder Beziehungen aufgenommen. Die Kontaktfirma in Lüderitzbucht blieb aber Zeit ihres Bestehens (1920-1929) unbedeutend.
Geschichte des Bestandsbildners: Das Jahr 1930 leitete den Zusammenbruch der Firma J. K. Vietor ein. Eine Wirtschaftskrise an der Goldküste, verbunden mit einem Einkaufsboykott der schwarzen Bevölkerung, kostete das Unternehmen den Verlust des halben Geschäftskapitals, d. i. 300.000 Reichsmark. Im Juli 1931 setzte dann verstärkt die deutsche Finanzkrise ein. In Bremen brach mit der J. F. Schröder Bank die Hauptgeldgeberin J. K. Vietors zusammen. Hinzu kam der allgemeine Run auf die Außenstände in Deutschland und Übersee. Mit dem Bankerott der Banque Francaise de l'Afrique in Paris und Lome mussten die Einlagen, die Eingeborene bei J. K. Vietor hatten, zurückgezahlt werden. Die regelmäßigen Remissen aus Afrika blieben daher in diesem Jahre gänzlich aus. Einkäufe für die neue Saison konnten nicht mehr getätigt werden. Die Verschuldung von 812.000 Mark bei einem Aktivum von 486.500 Mark im September 1931 konnte bei der vorherrschenden Finanz- und Weltwirtschaftskrise nicht wieder wettgemacht werden. J. K. Vietor ging einschließlich aller Geschäfte in Übersee in Liquidation. 1932 erlosch die Firma.
Bestandsgeschichte: Die Akten der Firmenregistratur J. K. Vietors waren im August 1937 dem Staatsarchiv Bremen durch die Witwe J. K. Vietors Frau Hedwig Vietor / Huder Grashof zu dauerndem Besitz übergeben worden (vgl. Registratur 752-05). Nach Auslagerung im Zweiten Weltkrieg gelangten die Akten vermischt mit Torsen verschiedener anderer Firmenregistraturen und völlig ungeordnet, zudem verschmutzt und beschädigt durch Löschwasser, an das Staatsarchiv zurück.
Aus Provenienzgründen schien es empfehlenswert, die Firmenregistratur J. K. Vietors aus dem Mischbestand herauszuschälen und die annexen, aber provenienzfremden Teile zu gesonderten Beständen zu formieren. So entstanden die Bestände 7,73 J. K. Vietor; 7,2016 Togo Baumwollgesellschaft mbH; Togo Palmölwerke GmbH; 7,2017 Deutsche Südseephosphat AG; 7,2018 Siedlungsgesellschaft "Neuland"; 7,2019 Deutsch-Spanische Handelsgesellschaft mbH und 7,2020 Joao de Freitas Martins GmbH.
Eine Kassation von Teilen der Firmenregistratur wurde nicht vorgenommen. Durche eine möglichst weitgehende Rekonstruktion der alten Registratur sollten Struktur, Gesamtbild und Arbeit einer bremischen Übersee- Export- und Importfirma zwischen den beiden Weltkriegen in dem Beispiel J. K. Vietors dokumentiert und überliefert werden.
Hartmut Müller
Bremen, 1970
Geschichte des Bestandsbildners: Die Firma J.K. Vietor (in Bremen auch Afrikahaus genannt) war vor dem 1. Weltkrieg mitsamt ihren Schwester- und Tochterfirmen eine der bedeutendsten deutschen Afrika-Firmen. Die Handelsgebiete des Unternehmens dehnten sich über Guinée Francaise (Hans Weber), Liberia (Huber & Vietor), Goldküste (Fr. M. Vietor Söhne, Dietrich & Co., Augener & Mau), Togo (Fr. M. Vietor Söhne, J. K. Vietor, Vietor & Freese), Dahomey (Vietor & Freese, Vietor & Cie/Lohmann), Kamerun (Vietor & Freese) und Südwestafrika (J.K. Vietor) aus.
Durch den 1. Weltkrieg wurde die Firma ihres gesamten überseeischen Besitzes in Höhe von ca. 3,5 Millionen Reichsmark beraubt. Nach dem Kriege wurden ihr ca. 500.000 Reichsmark als Entschädigung ausgezahlt. Hierdurch wurde es J. K. Vietor ermöglicht, sein Westafrikaunternehmen in Übersee wieder aufzubauen. Nach Friedensschluß eröffnete er 1921 mit zwei seiner früheren Angestellten unter der Firma Maier & Jürgensmeyer ein Geschäft in Liberia (Grand Bassa und Sinoe). Im gleichen Jahr gelang es auch, an der Goldküste in Keta ein weiteres Handelsgeschäft unter dem Namen Bremer Faktorei Ltd. zu gründen. Veranlasst durch die Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amtes dehnte sich die Firma im Jahre 1927 nach dem französischen Mandatsgebiet von Togo aus. Niederlassungen entstanden in Lome und später in Palime (Bremer Faktorei S.A.). Bereits im Oktober des vorausgegangenen Jahres 1926 war unter der Firma Nicolaus Vietor Ltd. ein weiteres Geschäft in Accra eröffnet worden, das sich in der Folge mit Zweigniederlassungen in Ho und Kumasi (Vietors Ashanti Company) zum erfolgreichsten Vietor-Unternehmen in Westafrika entwickelte. Auch mit Südwest-Afrika hatte J.K. Vietor unmittelbar nach Kriegsende wieder Beziehungen aufgenommen. Die Kontaktfirma in Lüderitzbucht blieb aber Zeit ihres Bestehens (1920-1929) unbedeutend.
Geschichte des Bestandsbildners: Das Jahr 1930 leitete den Zusammenbruch der Firma J. K. Vietor ein. Eine Wirtschaftskrise an der Goldküste, verbunden mit einem Einkaufsboykott der schwarzen Bevölkerung, kostete das Unternehmen den Verlust des halben Geschäftskapitals, d. i. 300.000 Reichsmark. Im Juli 1931 setzte dann verstärkt die deutsche Finanzkrise ein. In Bremen brach mit der J. F. Schröder Bank die Hauptgeldgeberin J. K. Vietors zusammen. Hinzu kam der allgemeine Run auf die Außenstände in Deutschland und Übersee. Mit dem Bankerott der Banque Francaise de l'Afrique in Paris und Lome mussten die Einlagen, die Eingeborene bei J. K. Vietor hatten, zurückgezahlt werden. Die regelmäßigen Remissen aus Afrika blieben daher in diesem Jahre gänzlich aus. Einkäufe für die neue Saison konnten nicht mehr getätigt werden. Die Verschuldung von 812.000 Mark bei einem Aktivum von 486.500 Mark im September 1931 konnte bei der vorherrschenden Finanz- und Weltwirtschaftskrise nicht wieder wettgemacht werden. J. K. Vietor ging einschließlich aller Geschäfte in Übersee in Liquidation. 1932 erlosch die Firma.
Bestandsgeschichte: Die Akten der Firmenregistratur J. K. Vietors waren im August 1937 dem Staatsarchiv Bremen durch die Witwe J. K. Vietors Frau Hedwig Vietor / Huder Grashof zu dauerndem Besitz übergeben worden (vgl. Registratur 752-05). Nach Auslagerung im Zweiten Weltkrieg gelangten die Akten vermischt mit Torsen verschiedener anderer Firmenregistraturen und völlig ungeordnet, zudem verschmutzt und beschädigt durch Löschwasser, an das Staatsarchiv zurück.
Aus Provenienzgründen schien es empfehlenswert, die Firmenregistratur J. K. Vietors aus dem Mischbestand herauszuschälen und die annexen, aber provenienzfremden Teile zu gesonderten Beständen zu formieren. So entstanden die Bestände 7,73 J. K. Vietor; 7,2016 Togo Baumwollgesellschaft mbH; Togo Palmölwerke GmbH; 7,2017 Deutsche Südseephosphat AG; 7,2018 Siedlungsgesellschaft "Neuland"; 7,2019 Deutsch-Spanische Handelsgesellschaft mbH und 7,2020 Joao de Freitas Martins GmbH.
Eine Kassation von Teilen der Firmenregistratur wurde nicht vorgenommen. Durche eine möglichst weitgehende Rekonstruktion der alten Registratur sollten Struktur, Gesamtbild und Arbeit einer bremischen Übersee- Export- und Importfirma zwischen den beiden Weltkriegen in dem Beispiel J. K. Vietors dokumentiert und überliefert werden.
Hartmut Müller
Bremen, 1970
20
Bestand
Literatur: Hartmut Müller, Bremen und Westafrika, in: Jahrbuch der Wittheit zu Bremen 15 (1971), S. 45-92, und 17 (1973), S. 75-148.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
30.06.2025, 11:55 MESZ