Briefe des stud. jur. Georg Christoph Karl Sigmund von Tucher aus Berlin, Dänemark, Norwegen und Schweden (4)
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E 29/II Nr. 2751
E 29/II Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen
26.05.1845 - 02.07.1845
1845 Mai 26: Brief des Georg (Christoph Karl Sigmund von Tucher) (16/5; 1824 - 1846; JL / 1.A) aus Berlin an seine Eltern (Johann Sigmund Karl und Maria Magdalena Karoline Katharina von Tucher) in Nürnberg.
Entschuldigt sein langes Stillschweigen, für welches er einen Rüffel von der Mutter erteilt bekam. Es ist hier sehr viel los, das Alte hat seine Autorität verloren; Alles wankt und will brechen. Man rührt an die altehrwürdigen Gebäude der Religion und des Staates. - In den Pfingstferien wollte (Gustav) Heim nach Kopenhagen reisen und Schreiber mitnehmen. Manuel (= Immanuel Hegel) konnte dies aber verhindern. Vielleicht kann man im Herbst reisen. Dafür wurde mit einem Bekannten aus Kiel eine kleinere Reise unternommen. Am Montag, dem 18. war man wieder in Berlin. - (Gustav Friedrich) Waagen, bei dem Schreiber praktische Kunstgeschichte hört, fragte nach einem Herrn von Tucher, in dem Schreiber bald den Onkel (Christoph Karl) Gottlieb (Sigmund) erkannte. Mit diesem ist Waagen oft zusammen gewesen, auch hat er einmal 14 schöne Tage mit ihm bei der Großmutter verbracht. Er lässt den Onkel herzlich grüßen.- Schreiber hörte den 'Tell' von Rossini sowie zweimal die 'Hugenotten' von Meyerbeer. - Im Tiergarten ist ein Corso à la italienne errichtet worden, man sieht viele Equipagen, aber das Wetter ist nicht italienisch und der Platz zu eng. Schreiber kann nicht begreifen, wie die Prinzen an derlei Späßen Vergnügen finden. - Schreiber soll im Herbst Onkel Friedrich zu Hause antreffen. Von den Glockenhöfern (= Familie Grundherr) hat E(duard) Wiß schon erzählt. Onkel Gottlieb soll nach seiner Aussage momentan in Auerbach sein. - Schreiber politisiert jetzt sehr viel, wozu die hier vorrätigen vielen Zeitungen die beste Voraussetzung liefern. Nach Bayern gelangen sie meist gar nicht. Sie sind auch auf Bayern oft nicht gut zu sprechen. - Schreiber will aber die Eltern nicht beunruhigen, besonders nicht die Mutter, die im letzten Brief nach den Kirchenbesuchen des Schreibers fragte. Diese finden statt, und in der Person des Dr. (?) (Ludwig) Jonas, Schwiegersohns (Friedrich) Schleiermachers, hat Schreiber einen guten Prediger gefunden.
1845 Juni 2: Brief des Georg (Christoph Karl Sigmund von Tucher) aus Berlin an seine Eltern in Nürnberg.
In Kürze soll die Hochzeit Manuels und Friederikes stattfinden. Flottwells reisen danach nach Bad Colberg (= Kolberg?) an der Ostsee, die jungen Leute bleiben zunächst noch hier, reisen dann aber den Eltern nach. - Die Tante ( Maria Helena Susanna Hegel) möchte diesen Herbst die Verwandten in Nürnberg besuchen. Sie verspricht sich davon einige Stärkung, wie sie sie schon bei einem Besuch in Nürnberg vor 2 Jahren erfahren hatte (siehe Nr. 2743 Prod 5). Frage, ob die Tante die Abreise Manuels im August abwarten, oder schon eher abreisen soll. - Die Eltern des Schreiber sind zur Hochzeit geladen, und Schreiber rät ihnen, die Gelegenheit zu ergreifen. Dabei könnten sie dann auch die Tante mitnehmen. Außerdem könnten die Eltern von Berlin aus u.a. Dresden besuchen. Was man da sehen kann, könnte sich als gewinnbringend für den Simmelsdorfer Garten erweisen. Außerdem würde sich Schreiber selbst auch über den Besuch freuen. Im Hause des Ministers (Flottwell) ist alles sehr einfach gehalten, sodass die Mutter nicht befürchten muss, sie müsse mit großem Putz anreisen. Onkel Benoit (von Schwarz) soll ja nach Ostende gehen, sodass er ebenfalls die Hochzeit besuchen könnte.
1845 Juli 2: Gedicht (Georgs?) zum Polterabend des Brautpaars Immanuel Hegel und Friederike Flottwell.
Am Polterabend den 2 / 7 / 45 gesungen u. gesprochen zum Leierkasten u. mit lebenden Guckkastenbildern erklärt.
Vier Strophen.
Es war ein Jung am Pegnitzstrand,
Im. Hegel zubenannt.
Ein böser Bub mit langer Nas''
Er trieb gar manchen tollen Spaß.
Gleich sollt Ihr sehen sonnenklar
daß was ich sing, ist Alles wahr.
Am Weichselstrand ein Blümchen stand
Mit Namen Rickchen zubenannt
da blickte es gar still u. mild
bis kam mein junger Knabe wild.
Der riß es mit den Wurzeln aus
Und führt es jetzt mit sich nach Haus.
Entschuldigt sein langes Stillschweigen, für welches er einen Rüffel von der Mutter erteilt bekam. Es ist hier sehr viel los, das Alte hat seine Autorität verloren; Alles wankt und will brechen. Man rührt an die altehrwürdigen Gebäude der Religion und des Staates. - In den Pfingstferien wollte (Gustav) Heim nach Kopenhagen reisen und Schreiber mitnehmen. Manuel (= Immanuel Hegel) konnte dies aber verhindern. Vielleicht kann man im Herbst reisen. Dafür wurde mit einem Bekannten aus Kiel eine kleinere Reise unternommen. Am Montag, dem 18. war man wieder in Berlin. - (Gustav Friedrich) Waagen, bei dem Schreiber praktische Kunstgeschichte hört, fragte nach einem Herrn von Tucher, in dem Schreiber bald den Onkel (Christoph Karl) Gottlieb (Sigmund) erkannte. Mit diesem ist Waagen oft zusammen gewesen, auch hat er einmal 14 schöne Tage mit ihm bei der Großmutter verbracht. Er lässt den Onkel herzlich grüßen.- Schreiber hörte den 'Tell' von Rossini sowie zweimal die 'Hugenotten' von Meyerbeer. - Im Tiergarten ist ein Corso à la italienne errichtet worden, man sieht viele Equipagen, aber das Wetter ist nicht italienisch und der Platz zu eng. Schreiber kann nicht begreifen, wie die Prinzen an derlei Späßen Vergnügen finden. - Schreiber soll im Herbst Onkel Friedrich zu Hause antreffen. Von den Glockenhöfern (= Familie Grundherr) hat E(duard) Wiß schon erzählt. Onkel Gottlieb soll nach seiner Aussage momentan in Auerbach sein. - Schreiber politisiert jetzt sehr viel, wozu die hier vorrätigen vielen Zeitungen die beste Voraussetzung liefern. Nach Bayern gelangen sie meist gar nicht. Sie sind auch auf Bayern oft nicht gut zu sprechen. - Schreiber will aber die Eltern nicht beunruhigen, besonders nicht die Mutter, die im letzten Brief nach den Kirchenbesuchen des Schreibers fragte. Diese finden statt, und in der Person des Dr. (?) (Ludwig) Jonas, Schwiegersohns (Friedrich) Schleiermachers, hat Schreiber einen guten Prediger gefunden.
1845 Juni 2: Brief des Georg (Christoph Karl Sigmund von Tucher) aus Berlin an seine Eltern in Nürnberg.
In Kürze soll die Hochzeit Manuels und Friederikes stattfinden. Flottwells reisen danach nach Bad Colberg (= Kolberg?) an der Ostsee, die jungen Leute bleiben zunächst noch hier, reisen dann aber den Eltern nach. - Die Tante ( Maria Helena Susanna Hegel) möchte diesen Herbst die Verwandten in Nürnberg besuchen. Sie verspricht sich davon einige Stärkung, wie sie sie schon bei einem Besuch in Nürnberg vor 2 Jahren erfahren hatte (siehe Nr. 2743 Prod 5). Frage, ob die Tante die Abreise Manuels im August abwarten, oder schon eher abreisen soll. - Die Eltern des Schreiber sind zur Hochzeit geladen, und Schreiber rät ihnen, die Gelegenheit zu ergreifen. Dabei könnten sie dann auch die Tante mitnehmen. Außerdem könnten die Eltern von Berlin aus u.a. Dresden besuchen. Was man da sehen kann, könnte sich als gewinnbringend für den Simmelsdorfer Garten erweisen. Außerdem würde sich Schreiber selbst auch über den Besuch freuen. Im Hause des Ministers (Flottwell) ist alles sehr einfach gehalten, sodass die Mutter nicht befürchten muss, sie müsse mit großem Putz anreisen. Onkel Benoit (von Schwarz) soll ja nach Ostende gehen, sodass er ebenfalls die Hochzeit besuchen könnte.
1845 Juli 2: Gedicht (Georgs?) zum Polterabend des Brautpaars Immanuel Hegel und Friederike Flottwell.
Am Polterabend den 2 / 7 / 45 gesungen u. gesprochen zum Leierkasten u. mit lebenden Guckkastenbildern erklärt.
Vier Strophen.
Es war ein Jung am Pegnitzstrand,
Im. Hegel zubenannt.
Ein böser Bub mit langer Nas''
Er trieb gar manchen tollen Spaß.
Gleich sollt Ihr sehen sonnenklar
daß was ich sing, ist Alles wahr.
Am Weichselstrand ein Blümchen stand
Mit Namen Rickchen zubenannt
da blickte es gar still u. mild
bis kam mein junger Knabe wild.
Der riß es mit den Wurzeln aus
Und führt es jetzt mit sich nach Haus.
Umfang/Beschreibung: 3 Prod
Archivale
Bemerkungen: Acc.-Nr. D 2/2012
Bemerkungen: Aus dem Besitz von Frau Hildegard Erika Melitta von Schweinichen, geb. von Tucher (18/10
Bemerkungen: *1937
Bemerkungen: JL/1.A)
Bemerkungen: Prod. 1: Ludwig Jonas war Schüler Schleiermachers, aber nicht dessen Schwiegersohn
Bemerkungen: Prod 3: Allusion auf Goethes 'Heideröslein'
Indexbegriff Person: Flottwell, Eduard Heinrich (Berlin)
Indexbegriff Person: Flottwell, Familie (Berlin)
Indexbegriff Person: Flottwell, Friederike (Berlin)
Indexbegriff Person: Goethe, Johann Wolfgang von
Indexbegriff Person: Grundherr, Familie
Indexbegriff Person: Hegel, Immanuel
Indexbegriff Person: Hegel, Manuel = Immanuel
Indexbegriff Person: Hegel, Maria Helena Susanna, geb. von Tucher
Indexbegriff Person: Heim, Gustav (Bayreuth/Erlangen/Berlin)
Indexbegriff Person: Meyerbeer, Giacomo
Indexbegriff Person: Rossini, Gioacchino Antonio
Indexbegriff Person: Schleiermacher, Friedrich
Indexbegriff Person: Tucher, Christoph Karl Gottlieb Sigmund
Indexbegriff Person: Tucher, Friedrich
Indexbegriff Person: Tucher, Georg Christoph Karl Sigmund von
Indexbegriff Person: Tucher, Johann Sigmund Karl von
Indexbegriff Person: Tucher, Maria Magdalena Karoline Katharina, geb. von Grundherr
Indexbegriff Person: Waagen, Gustav Friedrich
Indexbegriff Person: Wiß, Eduard
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Einzelne Personen (geordnet nach dem Stammbaum)
Bemerkungen: Aus dem Besitz von Frau Hildegard Erika Melitta von Schweinichen, geb. von Tucher (18/10
Bemerkungen: *1937
Bemerkungen: JL/1.A)
Bemerkungen: Prod. 1: Ludwig Jonas war Schüler Schleiermachers, aber nicht dessen Schwiegersohn
Bemerkungen: Prod 3: Allusion auf Goethes 'Heideröslein'
Indexbegriff Person: Flottwell, Eduard Heinrich (Berlin)
Indexbegriff Person: Flottwell, Familie (Berlin)
Indexbegriff Person: Flottwell, Friederike (Berlin)
Indexbegriff Person: Goethe, Johann Wolfgang von
Indexbegriff Person: Grundherr, Familie
Indexbegriff Person: Hegel, Immanuel
Indexbegriff Person: Hegel, Manuel = Immanuel
Indexbegriff Person: Hegel, Maria Helena Susanna, geb. von Tucher
Indexbegriff Person: Heim, Gustav (Bayreuth/Erlangen/Berlin)
Indexbegriff Person: Meyerbeer, Giacomo
Indexbegriff Person: Rossini, Gioacchino Antonio
Indexbegriff Person: Schleiermacher, Friedrich
Indexbegriff Person: Tucher, Christoph Karl Gottlieb Sigmund
Indexbegriff Person: Tucher, Friedrich
Indexbegriff Person: Tucher, Georg Christoph Karl Sigmund von
Indexbegriff Person: Tucher, Johann Sigmund Karl von
Indexbegriff Person: Tucher, Maria Magdalena Karoline Katharina, geb. von Grundherr
Indexbegriff Person: Waagen, Gustav Friedrich
Indexbegriff Person: Wiß, Eduard
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Einzelne Personen (geordnet nach dem Stammbaum)
Auerbach
Bayern
Berlin
Berlin, Tiergarten - Corso à la italienne
Dresden, Zwinger
Glockenhof
Kiel
Kolberg (Ostsee)
Kopenhagen
Ostende
Pegnitz
Simmelsdorf, Schlossgarten
Weichsel, Fluß
Briefwechsel Georg Christoph Karl Sigmund von Tucher
Studienaufenthalt
Tadel
Rüffel = Tadel
Kirchenstreit Preußen
Reiseplan
Reise
Kunstgeschichte
Wilhelm Tell (Rossini)
Die Hugenotten (Meyerbeer)
Corso à la italienne
Equipagen
Prinzen
Familiennachrichten
Politik
Politisieren
Zeitungen
Kirchenbesuch
Prediger
Hochzeit
Einladung zu Hochzeit
Verwandtenbesuch
Besichtigung
Garten
Lebensstil
Gedicht des Georg Christoph Karl Sigmund von Tucher
Polterabend
Leierkasten
Guckkastenbilder lebende
Allusion
Heideröslein (Goethe)
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 13:01 MESZ
Hierarchie
Hierarchie Detailansicht
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- Stadtarchiv Nürnberg (Tektonik)
- Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz (Tektonik)
- E 29 - Familienarchiv von Tucher (Tektonik)
- E 29/II - Familienarchiv Tucher / Gesamtgeschlecht und jüngere Linie / Akten und Rechnungen (Tektonik)
- Tucher/Gesamtgeschlecht und Jüngere Linie/Akten und Rechnungen (Bestand)