Guts- und Familienarchiv von Mengersen, Rittergut Helpensen (Bestand)
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NLA HA, Dep. 152
Nds. Landesarchiv, Abt. Hannover (Archivtektonik) >> Gliederung >> 2 Nichtstaatliche Bestände >> 2.2 Familien- und Gutsarchive
1452-1983
Geschichte des Bestandsbildners: Das Adelsgeschlecht der von Mengersen (frühneuhochdeutsch auch „Mengersheim(b)“) stammt aus dem Fürstbistum Paderborn und war der Ministerialität oder dem Dienstadel zugehörig. Die sichere Stammfolge des Rittergeschlechts, aus dem 1273 erstmals Hermann (I.) von Mengersen urkundlich erwähnt wird, beginnt mit Heinrich (II.) von Mengersen (1342-1383) aus Brakel. Stammgut des gesamten Geschlechts war vom Anfang des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts das Gut Rheder (Paderborn). Danach verzweigte sich die Familie in mehrere Haupt- und Teillinien, die auf verschiedenen Erbgütern ansässig wurden, zu denen neben Rheder unter anderem Reelkirchen (Lippe), Helpensen sowie Hülsede und Oldendorf (Schaumburg) gehörten.
Das an der Weser zwischen Hessisch Oldendorf und Hameln gelegene Rittergut Helpensen gehörte ursprünglich zur Grafschaft Schaumburg. Graf Otto IV. von Holstein-Schaumburg gab 1576 den vom Kloster Fischbeck erworbenen Meierhof Helpensen seinem Drosten zu Rodenberg und Sachsenhagen, Hermann (XI.) von Mengersen, zu Lehen, der in den folgenden Jahren die Berechtigungen und Besitzungen seines so entstandenen Adelssitzes arrondierte. Dieser verfügte unter anderem über Mast-, Bau- und Brennholzberechtigungen in der Lachemer Börde sowie über eine Schäferei- und Fischereigerechtigkeit. Nach dem Aussterben der Schaumburger Grafen kam das Gut Helpensen mit dem Amt bzw. der Vogtei Lachem 1649 an das Braunschweig-Lüneburgische Fürstentum Calenberg, dessen Herzöge seit 1665 die Lehnsbriefe über Helpensen ausstellten. Der Gutsbesitz umfasste – unter anderem durch vielfache Belehnung Hermann von Mengersens und durch wechselnde Lehnshoheiten – gleichwohl nicht nur Hannoversche (Calenbergische), sondern auch Paderborner, Mindensche (brandenburg-preußische), Schaumburg-Lippische (bückeburgische), Schaumburgische (hessische), Lippische (Detmold), Spiegelbergische (Coppenbrüggesche) und Fischbecker Lehen.
Aufschluss über die Geschichte von Helpensen bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt insbesondere das in den Jahren von 1711 bis 1739 geführte Hausbuch (Nr. 267 im Bestand) Cord Philipps (IV.) von Mengersen (1678-1743), der 1732 auch ein massives Gebäude, das sogenannte „Archiv“, auf dem Gutsgelände errichten ließ. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem Kurt Philipp (V.) von Mengersen (1800-1851) und sein Sohn Hermann (XVIII.) von Mengersen (1826-1897), die das noch bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts zeitweilig immer wieder in Pacht gegebene Gut ausbauten. Unter ihrer Bewirtschaftung wurde Helpensen zunächst zum Fideikommiss und schließlich zum Stammgut. Kurt Philipp von Mengersen ließ 1832 das heutige Herrenhaus erbauen. Hermann von Mengersen gründete 1853 aus mehreren Bauernhöfen das Vorwerk Herkendorf, das bis zu seinem Verkauf 1930 zum Gutsbesitz gehörte. Bestandteil der Gutswirtschaft war lange Zeit auch eine Ziegelei.
Bestandsgeschichte: Im 18. Jahrhundert entstanden einige Inventare zum Schriftgut der Archive von Helpensen sowie von Oldendorf und Hülsede (Nr. 85, Nr. 148 und Nr. 175 im Bestand). Eine erste Verzeichnung des Helpenser Archivs erfolgte im 19. Jahrhundert anscheinend durch Kurt Philipp (V.) von Mengersen, der sich dabei vor allem auf die Überlieferung zu Lehnssachen, Erbschafts-, Vermögens- und Familienangelegenheiten konzentrierte. Als Indizien der Verzeichnung erscheinen zahlreiche in die Akten(-deckel) eingeklebte Trennstreifen mit handschriftlichen Jahres- und Inhaltsangaben, die im Zuge der archivgerechten Verpackung entfernt wurden. Nach Kurt Philipp von Mengersens Tod 1851 wurde die Verzeichnung bis ins frühe 20. Jahrhundert fortgesetzt, von wem wird aus den Akten nicht ersichtlich. Auf manchen Trennstreifen, vor allem aber auf den alten Aktenmappen, die ebenfalls bei der Verpackung entfernt wurden, finden sich außerdem Signaturnummern, die mit Eintragungen aus einem undatierten Findbuch (Nr. 238) korrespondieren, das vermutlich im späten 19. Jahrhundert angelegt wurde. Sämtliche Signaturen zu diesem Findbuch sind, soweit vorhanden, als „Alte Archivsignaturen“ in die Verzeichnung aufgenommen worden. Sie beziehen sich jedoch vorrangig auf Akten zu Lehnssachen und Erbschaftsangelegenheiten, während andere Akten, z.B. zu Lizentsachen, völlig unverzeichnet geblieben waren. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Abschriften zu Archivalien und Aufzeichnungen zur Familiengeschichte (Nr. 239 und Nr. 266) angefertigt. Des Weiteren liegt ein undatiertes, wahrscheinlich aus demselben Zeitraum stammendes Verzeichnis solcher Abschriften (Nr. 238) vor.
Die oben genannten Inventare, Verzeichnisse und Notizen erwiesen sich aber letztlich aufgrund ihrer Unvollständigkeit, Ungenauigkeit und Unübersichtlichkeit als wenig brauchbar, so dass angesichts des offenbar verloren gegangenen Findbuches eine vollständige Neuverzeichnung des Helpenser Archivs erforderlich war. Die reichhaltige Urkundenüberlieferung wurde nicht zum Depositum gegeben. Das Archiv umfasst in seinem jetzigen Zustand die Aktenüberlieferung des Gutes Helpensen von etwa 1452 bis 1947. Es wurde von der Eigentümerfamilie Frhr. von Mengersen mit Vertrag vom 14. Oktober 2019 im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Hannover, deponiert und anschließend von Dr. Nicolas Rügge und Dr. Jonas Hübner verzeichnet.
Hannover, den 07.01.2021
gez. Dr. Jonas Hübner
Findmittel: EDV-Findbuch (2021)
Bearbeiter: Dr. Nicolas Rügge (2019/20)
Bearbeiter: Dr. Jonas Hübner (2020/21)
Das an der Weser zwischen Hessisch Oldendorf und Hameln gelegene Rittergut Helpensen gehörte ursprünglich zur Grafschaft Schaumburg. Graf Otto IV. von Holstein-Schaumburg gab 1576 den vom Kloster Fischbeck erworbenen Meierhof Helpensen seinem Drosten zu Rodenberg und Sachsenhagen, Hermann (XI.) von Mengersen, zu Lehen, der in den folgenden Jahren die Berechtigungen und Besitzungen seines so entstandenen Adelssitzes arrondierte. Dieser verfügte unter anderem über Mast-, Bau- und Brennholzberechtigungen in der Lachemer Börde sowie über eine Schäferei- und Fischereigerechtigkeit. Nach dem Aussterben der Schaumburger Grafen kam das Gut Helpensen mit dem Amt bzw. der Vogtei Lachem 1649 an das Braunschweig-Lüneburgische Fürstentum Calenberg, dessen Herzöge seit 1665 die Lehnsbriefe über Helpensen ausstellten. Der Gutsbesitz umfasste – unter anderem durch vielfache Belehnung Hermann von Mengersens und durch wechselnde Lehnshoheiten – gleichwohl nicht nur Hannoversche (Calenbergische), sondern auch Paderborner, Mindensche (brandenburg-preußische), Schaumburg-Lippische (bückeburgische), Schaumburgische (hessische), Lippische (Detmold), Spiegelbergische (Coppenbrüggesche) und Fischbecker Lehen.
Aufschluss über die Geschichte von Helpensen bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt insbesondere das in den Jahren von 1711 bis 1739 geführte Hausbuch (Nr. 267 im Bestand) Cord Philipps (IV.) von Mengersen (1678-1743), der 1732 auch ein massives Gebäude, das sogenannte „Archiv“, auf dem Gutsgelände errichten ließ. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem Kurt Philipp (V.) von Mengersen (1800-1851) und sein Sohn Hermann (XVIII.) von Mengersen (1826-1897), die das noch bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts zeitweilig immer wieder in Pacht gegebene Gut ausbauten. Unter ihrer Bewirtschaftung wurde Helpensen zunächst zum Fideikommiss und schließlich zum Stammgut. Kurt Philipp von Mengersen ließ 1832 das heutige Herrenhaus erbauen. Hermann von Mengersen gründete 1853 aus mehreren Bauernhöfen das Vorwerk Herkendorf, das bis zu seinem Verkauf 1930 zum Gutsbesitz gehörte. Bestandteil der Gutswirtschaft war lange Zeit auch eine Ziegelei.
Bestandsgeschichte: Im 18. Jahrhundert entstanden einige Inventare zum Schriftgut der Archive von Helpensen sowie von Oldendorf und Hülsede (Nr. 85, Nr. 148 und Nr. 175 im Bestand). Eine erste Verzeichnung des Helpenser Archivs erfolgte im 19. Jahrhundert anscheinend durch Kurt Philipp (V.) von Mengersen, der sich dabei vor allem auf die Überlieferung zu Lehnssachen, Erbschafts-, Vermögens- und Familienangelegenheiten konzentrierte. Als Indizien der Verzeichnung erscheinen zahlreiche in die Akten(-deckel) eingeklebte Trennstreifen mit handschriftlichen Jahres- und Inhaltsangaben, die im Zuge der archivgerechten Verpackung entfernt wurden. Nach Kurt Philipp von Mengersens Tod 1851 wurde die Verzeichnung bis ins frühe 20. Jahrhundert fortgesetzt, von wem wird aus den Akten nicht ersichtlich. Auf manchen Trennstreifen, vor allem aber auf den alten Aktenmappen, die ebenfalls bei der Verpackung entfernt wurden, finden sich außerdem Signaturnummern, die mit Eintragungen aus einem undatierten Findbuch (Nr. 238) korrespondieren, das vermutlich im späten 19. Jahrhundert angelegt wurde. Sämtliche Signaturen zu diesem Findbuch sind, soweit vorhanden, als „Alte Archivsignaturen“ in die Verzeichnung aufgenommen worden. Sie beziehen sich jedoch vorrangig auf Akten zu Lehnssachen und Erbschaftsangelegenheiten, während andere Akten, z.B. zu Lizentsachen, völlig unverzeichnet geblieben waren. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Abschriften zu Archivalien und Aufzeichnungen zur Familiengeschichte (Nr. 239 und Nr. 266) angefertigt. Des Weiteren liegt ein undatiertes, wahrscheinlich aus demselben Zeitraum stammendes Verzeichnis solcher Abschriften (Nr. 238) vor.
Die oben genannten Inventare, Verzeichnisse und Notizen erwiesen sich aber letztlich aufgrund ihrer Unvollständigkeit, Ungenauigkeit und Unübersichtlichkeit als wenig brauchbar, so dass angesichts des offenbar verloren gegangenen Findbuches eine vollständige Neuverzeichnung des Helpenser Archivs erforderlich war. Die reichhaltige Urkundenüberlieferung wurde nicht zum Depositum gegeben. Das Archiv umfasst in seinem jetzigen Zustand die Aktenüberlieferung des Gutes Helpensen von etwa 1452 bis 1947. Es wurde von der Eigentümerfamilie Frhr. von Mengersen mit Vertrag vom 14. Oktober 2019 im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Hannover, deponiert und anschließend von Dr. Nicolas Rügge und Dr. Jonas Hübner verzeichnet.
Hannover, den 07.01.2021
gez. Dr. Jonas Hübner
Findmittel: EDV-Findbuch (2021)
Bearbeiter: Dr. Nicolas Rügge (2019/20)
Bearbeiter: Dr. Jonas Hübner (2020/21)
Bestand
Literatur: Ida von Holnstein, geb. von Mengersen, Die Geschichte der Familie von Mengersen, Paderborn 1903. August Herbert von Mengersen, Entwurf eines Stammbaums der Familie von Mengersen, Jena 1899. Johannes Meyer, Geschichte des Geschlechts v. Mengersen. Nach Vorarbeiten der Familie zusammengestellt, Leipzig 1937. > NLA-Dienstbibliothek, Abteilung Hannover, Signatur: 5822
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
16.06.2025, 12:45 MESZ