Familie Wilhelm Sauer (Bestand)
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StAFF 6-027
Stadtarchiv Frankfurt (Oder) (Archivtektonik) >> Vor- und Nachlässe
Bestandsbeschreibung: Tektonikgruppe:
4. Vor- und Nachlässe
Bestandsnummer:
StAFF 6-027
Laufzeit:
1852-1952
Bestandsart:
Schriftgut und Fotografien
Wilhelm Sauer war am 23. März 1831 im mecklenburgischen Schönbeck als Sohn eines Orgelbauers geboren worden. Nachdem er u. a. bei seinem Vater eine Ausbildung zum Orgelbauer absolviert hatte, stieg er in den Betrieb ein und gründete weitere Niederlassungen, darunter am 1. März 1856 in der Frankfurter Dammvorstadt. Im Jahr 1866 erwarb Wilhelm Sauer das Grundstück Park 13 (heute Paul-Feldner-Straße 13) in der Gubener Vorstadt mit einer um das Jahr 1785 erbauten Fabrikantenvilla. Auf dem Grundstück errichtete er Werkstätten und ein Vorführsaal. Frankfurt (Oder) entwickelte sich damit zum Hauptstandort des Betriebs. Die "Sauer-Orgeln" galten als die hochwertigsten in Preußen und wurden weithin exportiert. 1884 wurde Wilhelm Sauer zum Königlichen Hoforgelbauer ernannt. Am 1. Oktober 1910 verkaufte Wilhelm Sauer die Firma an seinen Geschäftsführer und Stellvertreter Paul Walcker. Er starb am 9. April 1916 in Frankfurt (Oder).
Der Frankfurter Firmensitz wurde auch nach dem Inhaberwechsel bis 1994 beibehalten, danach nach Müllrose verlegt, wo das Unternehmen noch heute besteht. Der Name "Wilhelm Sauer" blieb als Teil des Firmennamens erhalten, so dass der Begriff "Sauer-Orgel" auch durch die gesellschaftlichen Umbrüche während der DDR, einschließlich der Verstaatlichung zum VEB, der Reprivatisierung nach der Wiedervereinigung sowie nach mehreren Gesellschafterwechseln bis heute als Qualitätsmarke besteht. Das ehemalige Betriebsgelände in Frankfurt (Oder) wird heute vom Märkischen Medienhaus genutzt.
Wilhelm Sauer war zweimal verheiratet. Im Jahr 1859 ehelichte er die Kantorstochter Minna Auguste Penske, die im Jahr 1876 verstarb. Aus dieser Ehe entstammte die Tochter Johanna (1859-1887), die mit dem Professor für Mathematik, Dr. Oswald Marbach, verheiratet war. 1878 heiratete Wilhelm Sauer in zweiter Ehe die Tochter eines Brauereibesitzers und Potsdamer Stadtrats Henriette Anna Elisabeth Bauer (18.01.1848-11.08.1924). Mit ihr zeugte er die Söhne Wilhelm (1879-1962) und Franz (geb. 1883). Beide Söhne studierten Rechtswissenschaften. Wilhelm war zuletzt Juraprofessor an der Universität Münster. Franz gilt seit 1945 verschollen, zuletzt war er Reichsgerichtsrat. Franz Sauer hatte zwei Kinder. Sein Sohn Wolfgang Sauer (1920-1989) wurde Professor für deutsche Geschichte an der University of California Berkeley, seine Tochter Barbara Lohnert lebt in Edingen. Sie unternahm genealogische Forschungen und verwahrte den schriftlichen Nachlass der Familie Sauer. Sie übergab das Familienarchiv einschließlich der genealogischen Auswertungen dem Stadtarchiv in mehreren Teilen. Die größte Übergabe erfolgte im Jahr 1997. In den Jahren 2005 und 2006 folgten die Übernahme von weiteren Briefen, Postkarten und Fotografien.
Der Nachlass umfasst zahlreiche Briefe, Urkunden und Fotografien der Familienmitglieder, auch einige Zeitungsartikel und Sammlungsgut zur Firmengeschichte ist enthalten. Hervorzuheben sind die Feldpostbriefe des Schwagers Franz Bauer an seine Mutter aus dem Deutsch-Dänischen Krieg sowie die Fotografien und Dokumente zur Kindheit und Schulzeit der Sauerkinder.
Der Bestand ist nach der Übernahme erfasst worden. Im Jahr 2022 verzeichnete Dr. Denny Becker den Bestand, Titel und Enthält-Vermerke sind neu gebildet worden, das Signaturenschema ist vervollständigt und der Bestand konservatorisch bearbeitet worden.
Im Bestand der Magistratsbauverwaltung sind die Baupolizeiakten zum Firmengrundstück überliefert. Im Bestand des Rates der Stadt befinden sich Akten über den Zustand des Betriebes im Jahr 1945 sowie dessen Verstaatlichung in den 1970er Jahren. Im Sammlungsbestand "StAFF StAFF 3-808 Dokumentation Wirtschaft, Kommunikation, Verkehr" befindet sich eine Handakte des Berliner Vertreters für Sauer-Orgeln, Julius Bruno Schmidt.
Wegen der hohen Bedeutung, die der Betrieb erlangte, sind Untersuchungen zur Geschichte des Unternehmens und zu den Sauer-Orgeln entstanden. Seit dem 19. Jahrhundert sind zudem zahlreiche Zeitungsartikel erschienen, allein in der Archivbibliothek sind in den regionalen Tageszeitungen knapp 300 Artikel verzeichnet.
Frankfurt (Oder), im August 2022
Dr. Denny Becker
(Wissenschaftlicher Archivar)
Literatur: - Hans Joachim von Falkenberg: Der Orgelbauer Wilhelm Sauer 1831 - 1916. Leben und Werk, Lauffen 1990
- Michael Schulz: Wilhelm Sauer - Königlicher Hoforgelbaumeister aus Frankfurt (Oder), in: Mitteilungen des Historischen Vereins 2016, Heft 2, S. 8-27
Zitierweise: Bestandsnummer zzgl. Archivaliensignatur, bspw.: StAFF 6-027 - BA VI 127
4. Vor- und Nachlässe
Bestandsnummer:
StAFF 6-027
Laufzeit:
1852-1952
Bestandsart:
Schriftgut und Fotografien
Wilhelm Sauer war am 23. März 1831 im mecklenburgischen Schönbeck als Sohn eines Orgelbauers geboren worden. Nachdem er u. a. bei seinem Vater eine Ausbildung zum Orgelbauer absolviert hatte, stieg er in den Betrieb ein und gründete weitere Niederlassungen, darunter am 1. März 1856 in der Frankfurter Dammvorstadt. Im Jahr 1866 erwarb Wilhelm Sauer das Grundstück Park 13 (heute Paul-Feldner-Straße 13) in der Gubener Vorstadt mit einer um das Jahr 1785 erbauten Fabrikantenvilla. Auf dem Grundstück errichtete er Werkstätten und ein Vorführsaal. Frankfurt (Oder) entwickelte sich damit zum Hauptstandort des Betriebs. Die "Sauer-Orgeln" galten als die hochwertigsten in Preußen und wurden weithin exportiert. 1884 wurde Wilhelm Sauer zum Königlichen Hoforgelbauer ernannt. Am 1. Oktober 1910 verkaufte Wilhelm Sauer die Firma an seinen Geschäftsführer und Stellvertreter Paul Walcker. Er starb am 9. April 1916 in Frankfurt (Oder).
Der Frankfurter Firmensitz wurde auch nach dem Inhaberwechsel bis 1994 beibehalten, danach nach Müllrose verlegt, wo das Unternehmen noch heute besteht. Der Name "Wilhelm Sauer" blieb als Teil des Firmennamens erhalten, so dass der Begriff "Sauer-Orgel" auch durch die gesellschaftlichen Umbrüche während der DDR, einschließlich der Verstaatlichung zum VEB, der Reprivatisierung nach der Wiedervereinigung sowie nach mehreren Gesellschafterwechseln bis heute als Qualitätsmarke besteht. Das ehemalige Betriebsgelände in Frankfurt (Oder) wird heute vom Märkischen Medienhaus genutzt.
Wilhelm Sauer war zweimal verheiratet. Im Jahr 1859 ehelichte er die Kantorstochter Minna Auguste Penske, die im Jahr 1876 verstarb. Aus dieser Ehe entstammte die Tochter Johanna (1859-1887), die mit dem Professor für Mathematik, Dr. Oswald Marbach, verheiratet war. 1878 heiratete Wilhelm Sauer in zweiter Ehe die Tochter eines Brauereibesitzers und Potsdamer Stadtrats Henriette Anna Elisabeth Bauer (18.01.1848-11.08.1924). Mit ihr zeugte er die Söhne Wilhelm (1879-1962) und Franz (geb. 1883). Beide Söhne studierten Rechtswissenschaften. Wilhelm war zuletzt Juraprofessor an der Universität Münster. Franz gilt seit 1945 verschollen, zuletzt war er Reichsgerichtsrat. Franz Sauer hatte zwei Kinder. Sein Sohn Wolfgang Sauer (1920-1989) wurde Professor für deutsche Geschichte an der University of California Berkeley, seine Tochter Barbara Lohnert lebt in Edingen. Sie unternahm genealogische Forschungen und verwahrte den schriftlichen Nachlass der Familie Sauer. Sie übergab das Familienarchiv einschließlich der genealogischen Auswertungen dem Stadtarchiv in mehreren Teilen. Die größte Übergabe erfolgte im Jahr 1997. In den Jahren 2005 und 2006 folgten die Übernahme von weiteren Briefen, Postkarten und Fotografien.
Der Nachlass umfasst zahlreiche Briefe, Urkunden und Fotografien der Familienmitglieder, auch einige Zeitungsartikel und Sammlungsgut zur Firmengeschichte ist enthalten. Hervorzuheben sind die Feldpostbriefe des Schwagers Franz Bauer an seine Mutter aus dem Deutsch-Dänischen Krieg sowie die Fotografien und Dokumente zur Kindheit und Schulzeit der Sauerkinder.
Der Bestand ist nach der Übernahme erfasst worden. Im Jahr 2022 verzeichnete Dr. Denny Becker den Bestand, Titel und Enthält-Vermerke sind neu gebildet worden, das Signaturenschema ist vervollständigt und der Bestand konservatorisch bearbeitet worden.
Im Bestand der Magistratsbauverwaltung sind die Baupolizeiakten zum Firmengrundstück überliefert. Im Bestand des Rates der Stadt befinden sich Akten über den Zustand des Betriebes im Jahr 1945 sowie dessen Verstaatlichung in den 1970er Jahren. Im Sammlungsbestand "StAFF StAFF 3-808 Dokumentation Wirtschaft, Kommunikation, Verkehr" befindet sich eine Handakte des Berliner Vertreters für Sauer-Orgeln, Julius Bruno Schmidt.
Wegen der hohen Bedeutung, die der Betrieb erlangte, sind Untersuchungen zur Geschichte des Unternehmens und zu den Sauer-Orgeln entstanden. Seit dem 19. Jahrhundert sind zudem zahlreiche Zeitungsartikel erschienen, allein in der Archivbibliothek sind in den regionalen Tageszeitungen knapp 300 Artikel verzeichnet.
Frankfurt (Oder), im August 2022
Dr. Denny Becker
(Wissenschaftlicher Archivar)
Literatur: - Hans Joachim von Falkenberg: Der Orgelbauer Wilhelm Sauer 1831 - 1916. Leben und Werk, Lauffen 1990
- Michael Schulz: Wilhelm Sauer - Königlicher Hoforgelbaumeister aus Frankfurt (Oder), in: Mitteilungen des Historischen Vereins 2016, Heft 2, S. 8-27
Zitierweise: Bestandsnummer zzgl. Archivaliensignatur, bspw.: StAFF 6-027 - BA VI 127
0,1 lfd. Meter, 6 AE
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
17.06.2025, 10:21 MESZ