NL August Ertheiler (Bestand)
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E 10/96
Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik) >> Stadtarchiv Nürnberg >> Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz >> E 10 - Nachlässe >> E 10/96 - Nachlass / August Ertheiler
August Ertheiler, geb. 1863 Sept. 15, gest. 1960 Jan. 5 NürnbergZur Person:Loew Ertheiler aus Lenkersheim war der Vater von Abraham Ertheiler. Dieser heiratete Karoline Heilbronner. Er erwarb 1862 als Großhändler 'Anton' Ertheiler das Nürnberger Bürgerrecht und war der Vater von August Ertheiler (*1863, + 1960). August Ertheiler heiratet 1904 Elisabeth Friederike Höbel (* 1882, + 1913). Sie hatten zusammen die Söhne Anton Heinrich (* 1905), Engelberth (* 1909), Otto und Ralf; Otto und Ralf starben 1913 mit ihrer Mutter bei einem Eisenbahnunglück in Dänemark. 1949 heiratete August Ertheiler in zweiter Ehe Maria Schmitt.August Ertheiler wurde Handelsrichter, Mitglied im Reichsgesundheitsrat, Vorsitzender des Bundes deutscher Nahrungsmittelfabrikanten und -händler und Mitglied beim Grund- und Hausbesitzerverein Nürnberg e.V. Er besaß mehrere Grundstücke in Nürnberg sowie v.a. die Firma Vollrath & Co: 1855 hatten die beiden Hopfenhändler Anton Ertheiler und Eduard Vollrath die Spirituosen- und Likörfabrik E. Vollrath & Co gegründet. In den Alleinbesitz Ertheilers übergegangen, begann sie um 1880 mit der Kelterung von Heidelbeerwein, womit Vollrath der Aufstieg zum größten Produzenten Deutschlands gelang. Anton Ertheilers Sohn August erweiterte nach 1900 den Betrieb im Stammhaus Theresienstraße 9 um neue Keltereien und Brennereien am Webersplatz 4 und in der Wöhrder Hauptstraße 13-15. Das Sortiment bestand damals auch aus Likören, Spirituosen und Essig-Essenz. Der Zweite Weltkrieg zwang das Unternehmen aufgrund der weitgehenden Zerstörung der Produktionsanlagen zu einem Neuanfang in bescheidenem Rahmen. Nach dem Tod Ertheilers im Jahr 1960 übernahm es die Humbser-Bräu in Fürth, die später in der Patrizier-Bräu aufging. August Ertheiler musste Deutschland aufgrund seiner von den Nürnberger Gesetzen 1935 definierten Rassezugehörigkeit 1938 verlassen. Seine Wiedereinbürgerung erfolgte 1951. Er hatte auf Rückerstattung seiner Grundstücke, seines Hausrates und seiner Vollrath-Aktien (z.B. gegen die Wiedergutmachungskammer, gegen das Deutsche Reich und gegen die betreffenden Aktionäre) geklagt. Ertheilers zweite Frau überlebte ihn um ca. sieben Jahre.Zum Bestand:Der Bestand enthält u.a. Unterlagen der Vorfahren August Ertheilers, Urkunden seiner Familie, Unterlagen zur Verwaltung von Ertheilers Grundstücken und zur Fa. Vollrath (z.B. Geschäftskorrespondenz). Hervorzuheben sind die umfangreichen Rückerstattungsunterlagen. Diese geben einen guten Überblick, welcher Aufwand in Deutschland nach 1945 nötig war, um als Verfolgter des Naziregimes wieder zu seinem Besitz zu gelangen.Der Nachlass wurde im September 2004 von einem Antiquariatsbesitzer in Bamberg dem StadtAN übergeben. Dieser hatte in seinem Antiquariat nach dem Tod von Maria Ertheiler deren Hausrat aufgelöst. Verzeichnung und Datenbankeingabe 2005.
Einheiten: 125
Bestand
Deutsch
Arisierung
Bund deutscher Nahrungsmittelfabrikanten und -händler
Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie
Emigration
Ernährungsfragen
Ertheiler, Anton
Ertheiler, August (Nachlass)
Geheimrat
Geschäftskorrespondenzen
Handelsrichter
Heidelbeerwein
Hopfenhändler
Kelterei
Lebensmittelindustrie
Likörfabrik
München
Nachlässe (Einzelbestände)
Offizier
Reichsgesundheitsrat
Rückerstattung
Schweiz
Spirituosenbranche
Vollrath & Co
Weinbrennerei
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 11:18 MESZ