Kirchliche Hilfsstelle München (Bestand)
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BArch Z 18
call number: Z 18
Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Bundesrepublik Deutschland mit westalliierten Besatzungszonen (1945 ff) >> Organisationen und Verbände >> Soziales, Gesundheit, Sport
1945-1950
Geschichte des Bestandsbildners: 1. Gründung und Aufgaben
„Die Kirchliche Hilfsstelle war bereits im Jahre 1943 als Nebenorganisation des Reichsverbandes für das katholische Deutschtum im Ausland und Sekretariat des Bistums Osnabrück gegründet und mit der Betreuung des katholischen Klerus in den besetzten Ostgebieten beauftragt worden.
Um den veränderten Nachkriegsverhältnissen Rechnung zu tragen, wurde durch den Auftrag der Fuldaer Bischofskonferenz 1945 am 6.10.1945 die Kirchliche Hilfsstelle München als Zweigstelle der Zentrale der Kirchlichen Hilfsstelle in Frankfurt/Main unter dem Protektorat dese Erzbischofs von Osnabrück, Berning, eingerichtet.
Die Kirchliche Hilfsstelle München stand unter der Leitung von Dr. Richard Mai, Pater Dr. Paulus Sladek und des jetzigen Bundestagsabgeordneten Hans Schütz (CSU). Die Tätigkeit der Münchener Stelle - die auch eine enge Zusammenarbeit mit der Evgl. Kirche in Deutschland einbezog - war erheblich umfangreicher als die der Zentrale in Frankfurt/Main und lag auf folgenden Gebieten:
1. Organisierung, Erfassung und Betreuung des Flüchtlings- und Ostklerus, Aufbau der Flüchtlingsseelsorge und des Laienpostolats, Durchführung von Tagungen und Kursen;
2. Volkssoziale Arbeit zur Lösung des Flüchtlingsproblems, Hilfe und Beratung in allen Fragen, Durchsetzung der Gleichberechtigung der Vertriebenen, Einglieder in den Arbeitsprozeß der Aufnahmeländer;
3. Volksgruppenarbeit auf landsmannschaftlicher Basis mit sachkundiger Beratung, Aufbau eines Suchdienstes;
4. Literarische Produktion zur kulturellen und seelsorgerischen Betreuung der Flüchtlinge (Theologen und Laien).
Im Jahre 1950 wurde die Kirchliche Hilfsstelle aufgelöst. Die Registratur der Frankfurter Zentrale ging an das Katholische Auslandssekretariat in Bonn-Beuel über. Dagegen verblieb von den Einrichtungen der Kirchlichen Hilfsstelle in München als Rechtsnachfolger der Verlag „Christ unterwegs" bestehen. Inhaber desselben wurde Dr. Richard Mai, der auch die Abwicklung und die Registratur der Münchener Dienststelle übernahm".
(aus: Vorbemerkung des 1960 vorgelegten Findbuches).
Bestandsbeschreibung: „Unter Berücksichtigung der Qualität des Papiers und der Bürohilfsmittel der Zeit vor der Währungsreform wurden die Akten in einem relativ guten, wenn auch sehr ungeordneten Zustand befunden. Die Ordnungsarbeiten gestalteten sich dementsprechend schwierig, zumal ein Aktenplan nicht mehr vorhanden war. Die frühere Registraturordnung konnte jedoch an Hand der auf einzelnen Aktenbündeln festgestellten Signaturen in zeitraubender Kleinarbeit rekonstruiert werden. Bei der Herstellung der endgültigen Aktenordnung wurde - soweit irgend möglich bzw. erkennbar - der ehemalige Registraturaufbau berücksichtigt und das Schriftgut in diesem Sinne wieder zusammen gefügt" (aus: Vorbemerkung des 1960 vorgelegten Findbuches).
Die erste archivische Bearbeitung der Unterlagen erfolgte Ende der 1950er Jahre bis 1960. Das Findbuch wurde im Dezember 1960 vorgelegt. Die Aktenbände waren darin nach nummerus currens aufgeführt und nicht klassifiziert. In den Jahren 2013/2014 sind die Erschließungsinformationen in die Datenbank BASYS-S übertragen und dabei den geltenden Richtlinien für die archivarische Erschließung angepasst worden. Der Bestand ist inzwischen klassifiziert worden.
Inhaltliche Charakterisierung: „Der Wert des Bestandes (umfassend die Zeit von Ende 1945 bis Mitte 1950) besteht darin, daß er in jeder Hinsicht die allgemeine Situation Deutschlands während der ersten Nachkriegsjahre treffend widerspiegelt. Die Akten enthalten insbesondere Berichte aus den Vertreibungsgebieten und über die Vertreibungen selbst, weiter Nachrichten über Ankunft und Aufnahme der Vertriebenen in Westdeutschland und in der sowjetischen Besatzungszone, sowie erste Eingliederungsfragen. Einen breiten Raum nimmt der Schriftwechsel mit den hilfesuchenden Heimatvertriebenen aller Stände ein, der reiches unmittelbares Quellenmaterial über die ungeheueren sozialen Probleme der Nachkriegszeit bietet.
Daneben machen sich auch die ersten politischen Regungen unter den Heimatvertriebenen bemerkbar. Nach der kirchlichen Seite hin sind die Bemühungen um die Erfassung und Zusammenführung heimatvertriebener Priester und die Behandlung der Frage des Zusammenlebens von Einheimischen und Vertriebenen, sowie einschlägige Predigttexte erwähnenswert. Dazu kommen vervielfältigte Rundbriefe verschiedener Art an Theologen und Laien, zumeist apokryphes Schrifttum ohne Lizenz der Besatzungsmächte.
Den Akten angegliedert ist eine Sammlung von Rundschreiben heimatvertriebener Geistlicher an ihre verstreuten früheren Gemeindemitglieder in Westdeutschland, ebenfalls aus der Zeit von 1945-1950. Diese Veröffentlichungen sind deshalb bemerkenswert, weil allen Vertriebenen bis zur Errichtung der Bundesrepublik die Koalitions- und Pressefreiheit vorenthalten war und daher die Kirche für den Zusammenschluß und die publizistischen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe gewisse Ersatzfunktion ausübte. In diesen Pfarr-Rundbriefen findet die große seelische und materielle Notlage der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen gleichfalls einen deutlichen Niederschlag" (aus: Vorbemerkung des 1960 vorgelegten Findbuches).
Im Einzelnen handelt es sich um: Verwaltung (10); Schriftwechsel mit Einzelpersonen und Bearbeitung von Bittgesuchen (65); Schriftwechsel mit ostdeutschen Theologen (27); Rundbriefe heimatvertriebener Seelsorger (13); Rundschreiben, Mitteilungen, Zeitungsbeiträge (16); Flüchtlingsbetreuung (31); Lage Im Osten (9); Tagungen (5); Tätigkeit des Suchdienstes (10); Zusammenarbeit und Schriftwechsel mit anderen Organisationen (39).
Erschließungszustand: Findbuch 1960, Datenbankerfassung 2014
Umfang, Erläuterung: 225 AE
Zitierweise: BArch Z 18/...
„Die Kirchliche Hilfsstelle war bereits im Jahre 1943 als Nebenorganisation des Reichsverbandes für das katholische Deutschtum im Ausland und Sekretariat des Bistums Osnabrück gegründet und mit der Betreuung des katholischen Klerus in den besetzten Ostgebieten beauftragt worden.
Um den veränderten Nachkriegsverhältnissen Rechnung zu tragen, wurde durch den Auftrag der Fuldaer Bischofskonferenz 1945 am 6.10.1945 die Kirchliche Hilfsstelle München als Zweigstelle der Zentrale der Kirchlichen Hilfsstelle in Frankfurt/Main unter dem Protektorat dese Erzbischofs von Osnabrück, Berning, eingerichtet.
Die Kirchliche Hilfsstelle München stand unter der Leitung von Dr. Richard Mai, Pater Dr. Paulus Sladek und des jetzigen Bundestagsabgeordneten Hans Schütz (CSU). Die Tätigkeit der Münchener Stelle - die auch eine enge Zusammenarbeit mit der Evgl. Kirche in Deutschland einbezog - war erheblich umfangreicher als die der Zentrale in Frankfurt/Main und lag auf folgenden Gebieten:
1. Organisierung, Erfassung und Betreuung des Flüchtlings- und Ostklerus, Aufbau der Flüchtlingsseelsorge und des Laienpostolats, Durchführung von Tagungen und Kursen;
2. Volkssoziale Arbeit zur Lösung des Flüchtlingsproblems, Hilfe und Beratung in allen Fragen, Durchsetzung der Gleichberechtigung der Vertriebenen, Einglieder in den Arbeitsprozeß der Aufnahmeländer;
3. Volksgruppenarbeit auf landsmannschaftlicher Basis mit sachkundiger Beratung, Aufbau eines Suchdienstes;
4. Literarische Produktion zur kulturellen und seelsorgerischen Betreuung der Flüchtlinge (Theologen und Laien).
Im Jahre 1950 wurde die Kirchliche Hilfsstelle aufgelöst. Die Registratur der Frankfurter Zentrale ging an das Katholische Auslandssekretariat in Bonn-Beuel über. Dagegen verblieb von den Einrichtungen der Kirchlichen Hilfsstelle in München als Rechtsnachfolger der Verlag „Christ unterwegs" bestehen. Inhaber desselben wurde Dr. Richard Mai, der auch die Abwicklung und die Registratur der Münchener Dienststelle übernahm".
(aus: Vorbemerkung des 1960 vorgelegten Findbuches).
Bestandsbeschreibung: „Unter Berücksichtigung der Qualität des Papiers und der Bürohilfsmittel der Zeit vor der Währungsreform wurden die Akten in einem relativ guten, wenn auch sehr ungeordneten Zustand befunden. Die Ordnungsarbeiten gestalteten sich dementsprechend schwierig, zumal ein Aktenplan nicht mehr vorhanden war. Die frühere Registraturordnung konnte jedoch an Hand der auf einzelnen Aktenbündeln festgestellten Signaturen in zeitraubender Kleinarbeit rekonstruiert werden. Bei der Herstellung der endgültigen Aktenordnung wurde - soweit irgend möglich bzw. erkennbar - der ehemalige Registraturaufbau berücksichtigt und das Schriftgut in diesem Sinne wieder zusammen gefügt" (aus: Vorbemerkung des 1960 vorgelegten Findbuches).
Die erste archivische Bearbeitung der Unterlagen erfolgte Ende der 1950er Jahre bis 1960. Das Findbuch wurde im Dezember 1960 vorgelegt. Die Aktenbände waren darin nach nummerus currens aufgeführt und nicht klassifiziert. In den Jahren 2013/2014 sind die Erschließungsinformationen in die Datenbank BASYS-S übertragen und dabei den geltenden Richtlinien für die archivarische Erschließung angepasst worden. Der Bestand ist inzwischen klassifiziert worden.
Inhaltliche Charakterisierung: „Der Wert des Bestandes (umfassend die Zeit von Ende 1945 bis Mitte 1950) besteht darin, daß er in jeder Hinsicht die allgemeine Situation Deutschlands während der ersten Nachkriegsjahre treffend widerspiegelt. Die Akten enthalten insbesondere Berichte aus den Vertreibungsgebieten und über die Vertreibungen selbst, weiter Nachrichten über Ankunft und Aufnahme der Vertriebenen in Westdeutschland und in der sowjetischen Besatzungszone, sowie erste Eingliederungsfragen. Einen breiten Raum nimmt der Schriftwechsel mit den hilfesuchenden Heimatvertriebenen aller Stände ein, der reiches unmittelbares Quellenmaterial über die ungeheueren sozialen Probleme der Nachkriegszeit bietet.
Daneben machen sich auch die ersten politischen Regungen unter den Heimatvertriebenen bemerkbar. Nach der kirchlichen Seite hin sind die Bemühungen um die Erfassung und Zusammenführung heimatvertriebener Priester und die Behandlung der Frage des Zusammenlebens von Einheimischen und Vertriebenen, sowie einschlägige Predigttexte erwähnenswert. Dazu kommen vervielfältigte Rundbriefe verschiedener Art an Theologen und Laien, zumeist apokryphes Schrifttum ohne Lizenz der Besatzungsmächte.
Den Akten angegliedert ist eine Sammlung von Rundschreiben heimatvertriebener Geistlicher an ihre verstreuten früheren Gemeindemitglieder in Westdeutschland, ebenfalls aus der Zeit von 1945-1950. Diese Veröffentlichungen sind deshalb bemerkenswert, weil allen Vertriebenen bis zur Errichtung der Bundesrepublik die Koalitions- und Pressefreiheit vorenthalten war und daher die Kirche für den Zusammenschluß und die publizistischen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe gewisse Ersatzfunktion ausübte. In diesen Pfarr-Rundbriefen findet die große seelische und materielle Notlage der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen gleichfalls einen deutlichen Niederschlag" (aus: Vorbemerkung des 1960 vorgelegten Findbuches).
Im Einzelnen handelt es sich um: Verwaltung (10); Schriftwechsel mit Einzelpersonen und Bearbeitung von Bittgesuchen (65); Schriftwechsel mit ostdeutschen Theologen (27); Rundbriefe heimatvertriebener Seelsorger (13); Rundschreiben, Mitteilungen, Zeitungsbeiträge (16); Flüchtlingsbetreuung (31); Lage Im Osten (9); Tagungen (5); Tätigkeit des Suchdienstes (10); Zusammenarbeit und Schriftwechsel mit anderen Organisationen (39).
Erschließungszustand: Findbuch 1960, Datenbankerfassung 2014
Umfang, Erläuterung: 225 AE
Zitierweise: BArch Z 18/...
Kirchliche Hilfsstelle München, 1945-1950
224 Aufbewahrungseinheiten; 4,3 laufende Meter
Archivbestand
deutsch
Amtliche Druckschriften: Christ unterwegs, 1946 ff.
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
24.04.2026, 10:58 MESZ