A Rep. 250-04-05 Löwenbrauerei-Böhmisches Brauhaus AG (Bestand)
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A Rep. 250-04-05
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> A Bestände vor 1945 >> A 6 Unternehmen der Wirtschaft >> A 6.2 Unternehmen der privaten Wirtschaft
1868 - 1945
Vorwort: A Rep. 250-04-05 Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG
1. Unternehmensgeschichte
Die Gründung der Vorläufer der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG fiel in eine Zeit allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs, die für das Berliner Brauereigewerbe zugleich eine Zeit zunehmender Neuorientierung war. Ursache dafür war die immer größere Beliebtheit bayerischer Biere in der werdenden Hauptstadt des Deutschen Reichs, die von den Brauereien eine Änderung ihrer Produktpalette erforderte.
Einer von ihnen war der Königliche Kammergerichts-Assessor a. D. Armand Knoblauch, der im Jahre 1868 die Firma A. Knoblauch'sche Lagerbier-Brauerei in Berlin gegründet hatte. [1] Sie wurde nur wenige Jahre später, zu Beginn des Jahres 1870, in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien unter der Bezeichnung Böhmisches Brauhaus KGaA mit einem Kapital von 3,3 Millionen Mark [2] umgewandelt. Ihr stand zunächst weiter Armand Knoblauch vor, ehe 1875 sein Bruder Bernhard Mitinhaber der Gesellschaft wurde. Ihm folgten die Söhne Armand Knoblauchs, Richard und Max, die 1893 ebenfalls zu persönlich haftenden Gesellschaftern wurden.
Seit dem 23. Mai 1910 firmierte das Unternehmen, das seinen Sitz in der Landsberger Allee 11 - 13 hatte, als Böhmisches Brauhaus Aktiengesellschaft. Im Februar 1922 schloss sich die Firma mit der in Berlin-Hohenschönhausen ansässigen Löwenbrauerei zusammen und nannte sich fortan Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG. Zu ihren bekanntesten Bieren gehörten das "Löwen-Böhmisch" und das "Pilsator".
Die Löwenbrauerei war 1895 als Actienbrauerei Hohen-Schönhausen gegründet und 1903 in Löwenbrauerei umbenannt worden. Mit der Fusion wurden ihre Immobilien in die Industriegebäude Berlin-Hohenschönhausen AG, eine Gebäudeverwertungsgesellschaft, überführt, die sich fast ausschließlich im Besitz der neuen Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG befand. [3]
Ende der 1930er Jahre verteilte sich das Aktienkapital der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG auf fünf Großaktionäre. Neben der Dresdner Bank, der zur reichseigenen Viag gehörenden Reichs-Kredit-Gesellschaft AG und dem Züricher Bankhaus Johann Wehrli & Co waren es der Bankier Bernard Randebrock und der Unternehmer Wilhelm Werhahn aus Neuss / Rhein. In diesen Jahren beschäftigte das Unternehmen rund 900 Mitarbeiter, davon über 700 Arbeiter. Der Ausstoß der Brauerei, die über eine Kapazität von 620.000 hl verfügte, erreichte etwa 388.000 hl. [4]
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die im Ostteil der Stadt liegenden Vermögenswerte der Aktiengesellschaft, darunter der Hauptsitz, 1947 sequestriert, unter Treuhandverwaltung gestellt und 1949 enteignet. Als "VEB Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus Berlin" produzierte der Betrieb bis 1952. In den folgenden Jahrzehnten bis 1992 wurde das Hauptgebäude an der zwischenzeitlich Leninallee genannten Landsberger Allee als Weingroßkellerei und Weinlager genutzt. [5] Eine zweite von der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG betriebene Braustätte im nunmehr West-Berliner Bezirk Neukölln, die so genannte Abteilung Bergschloss, wurde von der Schultheiß-Brauerei AG, Berlin, mehrheitlich übernommen.
Fußnoten:
[1] Vgl. A Rep. 250-04-05, Nr.1. Das Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften. Ein Hand- und Nachschlagebuch für Bankiers, Industrielle, Kapitalisten, Behörden etc, begr. V. Robert Thieme, Berlin, Leipzig 1941, S.1041, nennt dagegen das Jahr 1869. Im Folgenden: Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften. Beide Quellen liegen der einführenden Darstellung zugrunde.
Armand Knoblauch entstammte der Berliner Familie Knoblauch, deren Haus ("Knoblauchhaus") als ältestes erhaltenes Gebäude des Nicolaiviertels nunmehr von der Stiftung Stadtmuseum Berlin genutzt wird.
[2] Vgl. A Rep. 250-04-05, Nr.1.
[3] Vgl. Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften, 1941, S.923.
[4] Vgl. Die Brauereien und Mälzereien im Deutschen Reich 1939-1940. Handbuch der Wirtschaftsgruppe Brauereien und Mälzereien und des Reichsinnungsverbandes des Brauer- und Mälzer-Handwerks, hrsg. vom Nachrichtendienst Spezialarchiv der deutschen Wirtschaft, Berlin 1939, S.93.
[5] Vgl. Chod, Kathrin / Schwenk, Herbert / Weißpflug, Hainer: Berliner Bezirkslexikon Friedrichshain-Kreuzberg, hrsg. v. Hans-Jürgen Mende und Kurt Wernicke, Berlin 2003, S.102.
2. Bestandsgeschichte
Die Unterlagen der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG wurden zunächst im Stadtarchiv Berlin verwahrt und gelangten mit der 1991 vollzogenen Fusion mit dem West-Berliner Landesarchiv ins neu gebildete Landesarchiv Berlin. Eine aus der Zeit vor der Fusion bestehende Verzeichnung auf Karteikarte wurde im Jahre 2003 durch eine Neuerschließung mit der Verzeichnungssoftware Augias ersetzt.
Insgesamt umfasst der Bestand A Rep. 250-04-05 Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG 46 AE (ca. 0,75 lfm). Seine Laufzeit reicht von 1883 bis 1954 (- 1956).
Der Bestand der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG ist wie folgt zu zitieren: Landesarchiv Berlin, A Rep. 250-04-05, Nr. ...
3. Korrespondierende Bestände
A Rep. 249: Vereinigte Industrie-Unternehmungen Aktiengesellschaft (Viag)
C Rep 105: Magistrat von Berlin / Finanzen (Nrn.: 1671, 25379, 28167)
Berlin, im Dezember 2003 Michael Klein
1. Unternehmensgeschichte
Die Gründung der Vorläufer der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG fiel in eine Zeit allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs, die für das Berliner Brauereigewerbe zugleich eine Zeit zunehmender Neuorientierung war. Ursache dafür war die immer größere Beliebtheit bayerischer Biere in der werdenden Hauptstadt des Deutschen Reichs, die von den Brauereien eine Änderung ihrer Produktpalette erforderte.
Einer von ihnen war der Königliche Kammergerichts-Assessor a. D. Armand Knoblauch, der im Jahre 1868 die Firma A. Knoblauch'sche Lagerbier-Brauerei in Berlin gegründet hatte. [1] Sie wurde nur wenige Jahre später, zu Beginn des Jahres 1870, in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien unter der Bezeichnung Böhmisches Brauhaus KGaA mit einem Kapital von 3,3 Millionen Mark [2] umgewandelt. Ihr stand zunächst weiter Armand Knoblauch vor, ehe 1875 sein Bruder Bernhard Mitinhaber der Gesellschaft wurde. Ihm folgten die Söhne Armand Knoblauchs, Richard und Max, die 1893 ebenfalls zu persönlich haftenden Gesellschaftern wurden.
Seit dem 23. Mai 1910 firmierte das Unternehmen, das seinen Sitz in der Landsberger Allee 11 - 13 hatte, als Böhmisches Brauhaus Aktiengesellschaft. Im Februar 1922 schloss sich die Firma mit der in Berlin-Hohenschönhausen ansässigen Löwenbrauerei zusammen und nannte sich fortan Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG. Zu ihren bekanntesten Bieren gehörten das "Löwen-Böhmisch" und das "Pilsator".
Die Löwenbrauerei war 1895 als Actienbrauerei Hohen-Schönhausen gegründet und 1903 in Löwenbrauerei umbenannt worden. Mit der Fusion wurden ihre Immobilien in die Industriegebäude Berlin-Hohenschönhausen AG, eine Gebäudeverwertungsgesellschaft, überführt, die sich fast ausschließlich im Besitz der neuen Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG befand. [3]
Ende der 1930er Jahre verteilte sich das Aktienkapital der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG auf fünf Großaktionäre. Neben der Dresdner Bank, der zur reichseigenen Viag gehörenden Reichs-Kredit-Gesellschaft AG und dem Züricher Bankhaus Johann Wehrli & Co waren es der Bankier Bernard Randebrock und der Unternehmer Wilhelm Werhahn aus Neuss / Rhein. In diesen Jahren beschäftigte das Unternehmen rund 900 Mitarbeiter, davon über 700 Arbeiter. Der Ausstoß der Brauerei, die über eine Kapazität von 620.000 hl verfügte, erreichte etwa 388.000 hl. [4]
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die im Ostteil der Stadt liegenden Vermögenswerte der Aktiengesellschaft, darunter der Hauptsitz, 1947 sequestriert, unter Treuhandverwaltung gestellt und 1949 enteignet. Als "VEB Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus Berlin" produzierte der Betrieb bis 1952. In den folgenden Jahrzehnten bis 1992 wurde das Hauptgebäude an der zwischenzeitlich Leninallee genannten Landsberger Allee als Weingroßkellerei und Weinlager genutzt. [5] Eine zweite von der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG betriebene Braustätte im nunmehr West-Berliner Bezirk Neukölln, die so genannte Abteilung Bergschloss, wurde von der Schultheiß-Brauerei AG, Berlin, mehrheitlich übernommen.
Fußnoten:
[1] Vgl. A Rep. 250-04-05, Nr.1. Das Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften. Ein Hand- und Nachschlagebuch für Bankiers, Industrielle, Kapitalisten, Behörden etc, begr. V. Robert Thieme, Berlin, Leipzig 1941, S.1041, nennt dagegen das Jahr 1869. Im Folgenden: Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften. Beide Quellen liegen der einführenden Darstellung zugrunde.
Armand Knoblauch entstammte der Berliner Familie Knoblauch, deren Haus ("Knoblauchhaus") als ältestes erhaltenes Gebäude des Nicolaiviertels nunmehr von der Stiftung Stadtmuseum Berlin genutzt wird.
[2] Vgl. A Rep. 250-04-05, Nr.1.
[3] Vgl. Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften, 1941, S.923.
[4] Vgl. Die Brauereien und Mälzereien im Deutschen Reich 1939-1940. Handbuch der Wirtschaftsgruppe Brauereien und Mälzereien und des Reichsinnungsverbandes des Brauer- und Mälzer-Handwerks, hrsg. vom Nachrichtendienst Spezialarchiv der deutschen Wirtschaft, Berlin 1939, S.93.
[5] Vgl. Chod, Kathrin / Schwenk, Herbert / Weißpflug, Hainer: Berliner Bezirkslexikon Friedrichshain-Kreuzberg, hrsg. v. Hans-Jürgen Mende und Kurt Wernicke, Berlin 2003, S.102.
2. Bestandsgeschichte
Die Unterlagen der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG wurden zunächst im Stadtarchiv Berlin verwahrt und gelangten mit der 1991 vollzogenen Fusion mit dem West-Berliner Landesarchiv ins neu gebildete Landesarchiv Berlin. Eine aus der Zeit vor der Fusion bestehende Verzeichnung auf Karteikarte wurde im Jahre 2003 durch eine Neuerschließung mit der Verzeichnungssoftware Augias ersetzt.
Insgesamt umfasst der Bestand A Rep. 250-04-05 Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG 46 AE (ca. 0,75 lfm). Seine Laufzeit reicht von 1883 bis 1954 (- 1956).
Der Bestand der Löwenbrauerei - Böhmisches Brauhaus AG ist wie folgt zu zitieren: Landesarchiv Berlin, A Rep. 250-04-05, Nr. ...
3. Korrespondierende Bestände
A Rep. 249: Vereinigte Industrie-Unternehmungen Aktiengesellschaft (Viag)
C Rep 105: Magistrat von Berlin / Finanzen (Nrn.: 1671, 25379, 28167)
Berlin, im Dezember 2003 Michael Klein
Bestand
Verwandte Verzeichnungseinheiten: LAB A Rep. 249 Vereinigte Industrie-Unternehmungen Aktiengesellschaft (Viag)
LAB C Rep 105 Magistrat von Berlin / Finanzen (Nrn.: 1671, 25379, 28167)
LAB C Rep 105 Magistrat von Berlin / Finanzen (Nrn.: 1671, 25379, 28167)
Zugangsbestimmungen: Zahlreiche Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesar
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
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Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Für nähere Informationen zu Nutzungs- und Verwertungsrechten kontaktieren Sie bitte info@landesarchiv.berlin.de.
22.08.2025, 11:21 MESZ