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Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,8/Nachlass Alfred Bozi
Biographie
Gustav Karl Alfred Bozi wurde am 26. Dezember 1857 als eines der acht Kinder von Carl Bozi (1809-1889), dem Gründer der Spinnerei Vorwärts, und Eleanor Bozi geb. Keith (1817-1904) in Bielefeld geboren. Nachdem er zunächst Privatunterricht genommen hatte, ging er 1867 an das Ratgymnasium in Bielefeld, 1869 an ein Gymnasium in Berlin. Ostern 1878 legte er die Reifeprüfung ab. 1878/79 leistete er Militärdienst in Marburg und zuletzt in Bielefeld beim Infanterieregiment 55. Nach dem, durch den Militärdienst unterbrochenen Studium, der Jurisprudenz an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Berlin legte er im Sommer 1881 das Referendarexamen ab. Im Anschluss an seine Assessorprüfung in Berlin-Mitte 1887 arbeitete er als Gerichtsassessor u. a. in Bottrop und wurde 1889 nach Bielefdeld versetzt. Am 1. Juni 1892 wurde er Amtsrichter am Landgericht in Leer, Ostfriesland. Nach einer Versetzung nach Bielefeld zum 1. Januar 1900 wurde er zum 1. Juni 1902 als Hilfsrichter an das OLG Hamm berufen und 1904 dort zum Oberlandesgerichtsrat ernannt.
Am 17. Februar 1893 heiratete er in Bochum Martha Adele Hermine Bozi geb. Frielinghaus (geb. 3. Januar 1872, Laer/Ümmingen/Kreis Bochum; gest. 25. Mai 1942, Bielefeld). Aus der Ehe gingen Alfred Karl Gustav Emil Bozi (geb. 19. Oktober 1896, Aurich; gest. 1. Februar 1933, Bielefeld) und Elisabeth ("Else") Agnes Anna Leonie Bozi verh. Noack (geb. 12. November 1900, Bielefeld; gest. 19. Juli 1976, Bielefeld) hervor.
Bozi engagierte sich früh für eine grundlegende Justizreform, die anfangs eher verhalten aufgenommen wurde. 1911 trat er dem Verein "Recht und Wirtschaft" bei und übernahm die Geschäftsführung der Ortsgruppe Bielefeld, wo er seit Februar 1911 Amtsrichter war. Im selben Jahr wurde er in Münster mit einer Dissertation in Münster "Untersuchung über die Prinzipien des Rechts" zum Dr. jur. promoviert.
Das vom SPD-Politiker Carl Severing (1875-1952) und Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) unterstützte "Bielefelder System der sozialen Gerichtshilfe" mit einer 1915 gegründeten Zentralstelle in Bielefeld wurde 1916/18 durch Ministerialerlasse anerkannt. Der Grundgedanke einer echten Wiedereingliederung und Rezosialisierung Verurteilter in die Gesellschaft auch durch Gnadenentscheidungen, die den Erziehungsgedanken und persönliche Verhältnisse würdigten, erhielt damit eine staatliche Bestätigung. Schon 1907 hatte er die Übertragung der bis dahin im Jugendstrafvollzug existierenden Gerichtshilfe auf die normale Gerichtsbarkeit gefordert. Nach Ende des Krieges warb er im Namen der "Deutschen Gesellschaft für soziales Recht", der die Nachfolge des aufgelösten Vereins "Recht und Wirtschaft" angetreten hatte, bei Behörden und Gerichten für seine Idee. Gleichzeitig engagierte er sich für das Volksbildungswesen, zog sich aber wegen Differenzen über Organisationsfragen unmittelbar vor Gründung der Volkshochschule Bielefeld 1920 aus dieser Tätigkeit zurück.
Im April 1924 hatte Bozi die Altersgrenze für den Staatsdienst erreicht, arbeitete aber anschließend als Rechtsanwalt. Gegen Lebensende schrieb er unveröffentlicht gebliebene "Lebenserinnerungen" (Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld, Sign.: L Boz 450 1), in der er seine politische Neutralität als Richter betonte, den Nationalsozialismus als überparteiliche Bewegung guthieß, während er dessen Rassenideologie allerdings ablehnte.
Alfred Bozi starb am 5. Mai 1938 in Bielefeld und wurde auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. 1948 wurde in Bielefeld die vormalige Hindeburgstraße nach Alfred Bozi benannt.
Bestandsgeschichte
Der Bestand wurde überwiegend 1976 nach dem Tod der Tochter Dr. Else Noack-Bozi aus deren Nachlass an das Stadtarchiv Bielefeld abgegeben. Weitere Unterlagen (persönliche Dokumente, Fotos, Korrespondenz) gab die Pastorin Sabine Herbrechtsmeier, Barntrup, 2001 ab.
Der Bestand wurde 1996 durch die Archivarin Bärbel Sunderbrink verzeichnet, die 2001 auch die Ergänzungen erschloss. Die Systematik wurde 2021 angelegt.
Der 2017 übernommene separate Bestand 200,140/Nachlass Else Noack-Bozi enthält auch Korrespondenz zwischen Alfred Bozi und seiner Tochter Else.
Hinweise zur Benutzung
- Archivalienbestellungen: 200,8/Nachlass Bozi, Nr.
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Best. 200,8/Nachlass Dr. Alfred Bozi, Nr.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Weltanschauung der Jurisprudenz, Hannover 1907
- Untersuchungen über die Prinzipien des Rechtes, in: Annalen der Naturphilosophie 5 (1906), S. 216–261 (= Untersuchungen über die Prinzipien des Rechts, (Diss. Münster) Hannover 1911
- Im Kampfe um ein erfahrungswissenschaftliches Recht. Gemeinverständliche Aufsätze zur Justizreform, Leipzig 1917.
- Die Schule der Jurisprudenz. Eine Einführung in die Elemente der Rechtswissenschaft auf Grund der induktiven Methode, Hannover 1910
- Schriftenreihe: Einführung in das lebende Recht. Als Fortsetzung der Schule der Jurisprudenz. 1912 ff
- Soziale Rechtseinrichtungen in Bielefeld (Schriften der deutschen Gesellschaft für soziales Recht, Bd. 2), Stuttgart 1917
- Schöffen und Geschworene. 12 Einführungsvorträge auf der Grundlage des Entwurfs eines Gesetzes zur Neuordnung der Strafgerichte, Berlin 1923
- Das "Bielefelder System" in der sozialen Gerichtshilfe, in: Magistrat der Stadt Bielefeld (Hg.), Das Buch der Stadt, Bielefeld 1926, S. 241-243
Herausgeberschaft
- Recht, Verwaltung und Politik im Neuen Deutschland - Beiträge, Stuttgart 1916 (mit Hugo Heinemann)
- Die Einheit der nationalen Politik, Stuttgart 1925 (mit Alfred Niemann)
- Die deutsche Wirtschaft. Ein Handbuch zum Aufbau. Aus der Praxis - für die Praxis, Berlin 1926
Literatur
- Homburg, Heidrun/Josef Mooser, Michael Bozi (1775-1862), Carl Bozi (1809-1889) und Gustav Bozi (1819-1887), in: Jürgen Kocka/Reinhard Vogelsang (Hg.), Bielefelder Unternehmer des 18. bis 20. Jahrhunderts (Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Bd. 14), Münster 1991, S. 25-61, hier S. 60 f.
- Rath, Jochen, 8. Juli 1920: Gründung des Vereins „Volkshochschule Stadt- und Landkreis Bielefeld“ (online-Ressource: https://historischer-rueckklick-bielefeld.com/2020/07/01/01072020/) - mit ausführlicher Schilderung des Engagements Bozis
- Sundermann, Karl-Heinz, Dr. Alfred Bozi, in: Verein für Rechtsgeschichte im Gebiet des Oberlandesgerichts Hamm (Hg.), Rechtspflege zwischen Rhein und Weser. Festschrift zum 150 jährigen Bestehen des Oberlandesgerichts Hamm, Hamm 1970, S. 192
Dr. Jochen Rath
Stadtarchivdirektor
Bielefeld, Januar 2021
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.