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Fotografie einer zu Musterung in Trauerkleidung erschienenen Person (1)
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Ganzkörperliche Schwarz-Weiß-Fotografie einer Person, die Trauerkleidung trägt. Die Person ist halb seitlich aufgenommen und steht in einem Raum vor einem dunklen Vorhang. Sie trägt einen dunklen langen Rock, eine dunkle lange Bluse, einen dunklen Hut mit einem nach hinten gelegtem Schleier auf dem Kopf und dunkle Schuhe. Ihre beiden Hände stecken vermutlich in einem Muff. Sie blickt direkt in die Kamera.
Kontext:
Das Bild ist Teil einer Serie aus mindestens drei Fotos, die von der Person angefertigt wurden.
In der Publikation „Sexualpathologie, Teil 2“ berichtet der Sexualwissenschaftler und Sexualreformer Magnus Hirschfeld von Personen, die zu ihrer militärischen Musterung im Zuge des Ersten Weltkriegs in weiblicher Kleidung erschienen. Die hier abgebildete soll eine von ihnen sein (vgl. Hirschfeld, Magnus (1918): Sexualpathologie. Ein Lehrbuch für Ärzte und Studierende. Zweiter Teil. Sexuelle Zwischenstufen. Das männliche Weib und der weibliche Mann, A. Marcus & E. Webers, S. 145).
Viele dieser im damaligen Sprachgebrauch als „Transvestiten“ bezeichneten Personen, so Hirschfeld weiter, hätten auch nur Fotografien von sich in weiblicher Kleidung bei der Militärbehörde eingereicht. In einigen dieser Fälle hatte Hirschfeld selbst zusätzlich ein Gutachten verfasst, von denen er auf S. 145ff. einige Beispiele veröffentlicht. Hirschfeld gibt an, dass die meisten „Transvestiten“ mit dem Hinweis „‚U 18’ (Nervenleiden ernsterer Art), ‚U15’ (überstandene oder noch bestehende geistige Erkrankung […])“ als kriegsuntauglich erklärt wurden (vgl. ebd., S. 159). Auch spielte wohl die Angst vor einer Verführung der Soldaten durch „feminine Männer“ eine Rolle bei der Ausmusterung (vgl. hierzu Herrn, Rainer (2005): Schnittmuster des Geschlechts. Transvestitismus und Transsexualität in der frühen Sexualwissenschaft, Gießen, S. 97).
Zu dem hier gezeigten Foto ließen sich außer der Bildunterschrift bislang keine näheren Informationen finden.
Militär
Erster Weltkrieg
Wehrdienst
Transgender
Geschlechtsidentität
Medical photography
Bildunterschrift in Hirschfeld: Sexualpathologie, Teil 2: Feminismus beim Manne (vgl. S. 145)
Der Fall stellt einen der häufigen Verbindungen von Androgynie, Transvestitismus und Homosexualität dar. Die Androgynie (Bild 14) tritt besonders in der Becken-, Brust- und Kehlkopfbildung sowie im Gesichtsausdruck, Gestik und Mimik des 30jährigen Patienten zutage. Bild 13 zeigt ihn, wie er bei der Kriegsmusterung erschien. Er trägt Trauer, weil seine Mutter gestorben ist; ein Zeichen, wie ernst er seinen Transvestitismus nimmt. Dem weiblichen Geschlecht gegenüber besteht völlige Indifferenz, dagegen reagiert er auf männliche Personen positiv lustbetont.
Hirschfeld, Magnus, 1918: Sexualpathologie. Ein Lehrbuch für Ärzte und Studierende. Zweiter Teil. Sexuelle Zwischenstufen. Das männliche Weib und der weibliche Mann., Bonn, Seite 145
Herrn, Rainer, 2005: Schnittmuster des Geschlechts. Transvestitismus und Transsexualität in der frühen Sexualwissenschaft, Gießen, Seite 93ff.
Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin
FSIFS-074_a
Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
Fotografische Sammlung des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft