NL Bachér, HHI.2015.G.4000.11
HHI.NLBachér Vorlass Ingrid Bachér
Vorlass Ingrid Bachér >> Druck- und Schriftgut – Buch (gedruckt)
1993
"Als er diesmal in die Stadt kam, die er wie jeden Sommer auf seiner Fahrt nach Siena besuchte, fand er sie fremd vor. Nicht wie sonst nur stickig, bedrängt von den sie im üblichen Gleichmaß durchziehenden Touristen, sondern im Aufruhr, wie nach einem Attentat. Das Ungeheuerliche, sonst wohl verborgen, trat hervor als Unordnung und Chaos. Schon auf der einzigen breiten Zufahrtstraße nach Assisi hügelaufwärts stockte die Prozession der Privatwagen und Überlandbusse. Sie standen in der Glut der nachmittäglichen Hitze, bis das drückende Feuer nachließ, das die Äcker zu beiden Seiten der Straße längst verbrannt hatte."
In diesen gediegen-rhythmisierten Sätzen, plastisch, fast wie gestanzt, beginnt die Erzählung Bachérs. Der alternde Kunsthistoriker Felix Murnau kommt, wie jedes Jahr, aber nun zum letzten Mal vor seiner Emeritierung, nach Asissi, um Bilder Giottos und Cimabues mit seinen Schülern zu analysieren. Doch der Ort ist in Aufruhr: Der Sarkophag des heiligen Franziskus, der in der dortigen Basilika San Francesco ruht, ist aufgebrochen, unklar, was vorgefallen ist – ist es das Werk von Räubern oder hat der Heilige selbst seine Grabstätte verlassen?
Murnau indes ist an diesem Spektakel nicht sehr interessiert. Leider stellt sich heraus, dass seine Hotelreservierung vergessen wurde, nun sind alle Zimmer vergeben. Ziellos streift er durch den Ort, der aufgrund des sensationellen Ereignisses vollkommen überfüllt ist, die Restaurants platzen aus allen Nähten, selbst die öffentlichen Trinkbrunnen werden von Menschentrauben belagert. Mitten im Chaos, angeregt von einer Flagellantengruppe, streift ihn ein Strahl der Erkenntnis. Ihm wird klar, dass er in seiner kunsthistorischen Betätigung immer nur Beobachter geblieben ist, nie unmittelbar am Leben teilhatte: "Er, immer ein Eiferer für die Kunst, hinter der Deckung von Kunst, war nie radikal genug gewesen, um teilzunehmen an dem, wovon sie Zeugnis gab."
Am Ende sinkt er kraftlos an einer Hauswand nieder, es ist nicht klar, ob dies nur dem Erkennen der Wahrheit geschuldet ist oder ob es sich um einen Herzanfall handelt, ob er hinübergleitet in den Tod oder nur in ein meditatives Nichts: "Später spürte er, daß man ihm die Jacke auszog. Er wollte etwas sagen, aber es gelang ihm nicht. Der Raum, zu dem er gehörte, dehnte sich aus. Er nahm etwas wahr und dann noch etwas und dann nichts Bekanntes mehr."
Erschienen in der Eremitenpresse, Düsseldorf 1993.
In diesen gediegen-rhythmisierten Sätzen, plastisch, fast wie gestanzt, beginnt die Erzählung Bachérs. Der alternde Kunsthistoriker Felix Murnau kommt, wie jedes Jahr, aber nun zum letzten Mal vor seiner Emeritierung, nach Asissi, um Bilder Giottos und Cimabues mit seinen Schülern zu analysieren. Doch der Ort ist in Aufruhr: Der Sarkophag des heiligen Franziskus, der in der dortigen Basilika San Francesco ruht, ist aufgebrochen, unklar, was vorgefallen ist – ist es das Werk von Räubern oder hat der Heilige selbst seine Grabstätte verlassen?
Murnau indes ist an diesem Spektakel nicht sehr interessiert. Leider stellt sich heraus, dass seine Hotelreservierung vergessen wurde, nun sind alle Zimmer vergeben. Ziellos streift er durch den Ort, der aufgrund des sensationellen Ereignisses vollkommen überfüllt ist, die Restaurants platzen aus allen Nähten, selbst die öffentlichen Trinkbrunnen werden von Menschentrauben belagert. Mitten im Chaos, angeregt von einer Flagellantengruppe, streift ihn ein Strahl der Erkenntnis. Ihm wird klar, dass er in seiner kunsthistorischen Betätigung immer nur Beobachter geblieben ist, nie unmittelbar am Leben teilhatte: "Er, immer ein Eiferer für die Kunst, hinter der Deckung von Kunst, war nie radikal genug gewesen, um teilzunehmen an dem, wovon sie Zeugnis gab."
Am Ende sinkt er kraftlos an einer Hauswand nieder, es ist nicht klar, ob dies nur dem Erkennen der Wahrheit geschuldet ist oder ob es sich um einen Herzanfall handelt, ob er hinübergleitet in den Tod oder nur in ein meditatives Nichts: "Später spürte er, daß man ihm die Jacke auszog. Er wollte etwas sagen, aber es gelang ihm nicht. Der Raum, zu dem er gehörte, dehnte sich aus. Er nahm etwas wahr und dann noch etwas und dann nichts Bekanntes mehr."
Erschienen in der Eremitenpresse, Düsseldorf 1993.
Ulrich Erben
Buch
Druck- und Schriftgut – Buch (gedruckt)
Deutsch
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
11.11.2025, 11:59 MEZ
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