Kurmainzische Hofkammer zu Mainz. Akten betr. das Eichsfeld (Bestand)
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A 39a (Benutzungsort: Wernigerode)
Landesarchiv Sachsen-Anhalt (Archivtektonik) >> 01. Territoriale Vorgänger der preußischen Provinz Sachsen (902 - 1807/16) >> 01.05. Kurmainzische Gebiete >> 01.05.03. Akten >> 01.05.03.01. Ober- und Mittelbehörden
1487 - 1829
Findhilfsmittel: Findbuch von 2005/06 (online recherchierbar)
Registraturbildner: Über die Organisation der zentralen Finanzverwaltung von Kurmainz im Mittelalter ist noch wenig bekannt. Wahrscheinlich war ein Kämmerer oder Kammermeister für diese Angelegenheiten zuständig.
Aus den verschiedenen Wahlkapitulationen geht hervor, dass das Domkapitel bei der Aufsicht über die Finanzen und insbesondere bei der Rechnungslegung durch seine Mitglieder entscheidende Rechte ausübte.
Eine verhältnismäßig subalterne Stellung nahm zunächst der Kammerschreiber ein. Erst die Hofordnung von Erzbischof Albrecht II. von 1552 lässt ihn als Rat an den Sitzungen des Hofrats teilnehmen, da diesem Kollegium zunächst auch die Finanzen unterstellt worden waren. Nachdem jene Unterstellung aufgehoben wurde, erhielt der Kammerschreiber eine selbständigere Position. 1584 wurde seine Mitwirkung auch auf Details der eigentlichen Hofverwaltung ausgeweitet, wozu ihm mehrere Hilfskräfte zugeteilt wurden. Die sich bildende Behörde bezeichnete man als Rechen- oder Rentkammer, später auch als Hofkammer.
Der Schwerpunkt der Kammer lag auf der Verwaltung der Domäne und der Einziehung der Gefälle. Später nahmen auch die Militärangelegenheiten einen wichtigen Platz ein, bis 1690 unter der Kriegskonferenz mehrere verhältnismäßig selbstständige Verwaltungen für dieses Gebiet ins Leben gerufen wurden. Inzwischen war die Kammer wegen der Notwendigkeit der Aufgliederung der Geschäfte bereits zwischen 1619 und 1625 in eine kollegiale Behörde umgewandelt worden. Der Kammerschreiber führte seit 1667 den Titel eines Direktors. An die Spitze des Kollegiums trat später ein Präsident, der dem Domkapitel angehörte. Außerdem gehörten ihm vier bis fünf Kammerräte sowie mehrere Unterbeamte an.
Abgesehen von der Abtrennung der Militärangelegenheiten kam es im 17. Jahrhundert auch zu einer vorübergehenden Loslösung der Forst- und Jagdsachen, die bereits bis 1680 dem Oberjägermeister allein unterstellt gewesen waren.
Im 18. Jahrhundert versuchte die Kammer auch auf eine Hebung der Wirtschaft im merkantilistischen Sinne einzuwirken. Die gemischten Deputationen, die von ihr zusammen mit dem Hofrat errichtet wurden, übernahmen später allein diese Aufgaben. Im übrigen blieben die Domänenverwaltung und die Einziehung der Gefälle auch in diesem Zeitraum die Hauptaufgabe des Kollegiums.
Eine besondere Abteilung bildete die Rechnungsrevision, die nach 1788 als Rechnungsrevisionskammer verselbständigt wurde. Nach der Verkleinerung des Mainzer Staates wurden 1802 die Hofkammer und die Landesregierung in Aschaffenburg zu einem Landesdirektorium vereinigt, das später vom Großherzogtum Frankfurt übernommen wurde.
Bestandsinformationen: Die Hofordnung von 1532 bestimmte noch, dass ein Registrator der Ratskanzlei dem Kammerschreiber nebenamtlich behilflich sein sollte. Außerdem wurde ein Rechenschreiber bestellt.
Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts wurden hauptamtliche Kammersekretäre eingesetzt. Damit kam es zur Ausblidung einer Kammerkanzlei, die anfangs in Kompetenzstreitigkeiten mit der Regierungskanzlei geriet. 1771 gründete man noch eine eigene Hofkammerbuchhaltung, welche die Führung der Hauptbücher und Abrechungen übernahm.
Anfänglich scheint auch das Schriftgut der Kammer wenigstens teilweise in das sich bildende Landesarchiv gelangt zu sein. Später entstand aber eine eigene Kammerregistratur, in der vor allem die Rechnungen, Hauptbücher und Belege einen großen Platz einnahmen.
Nach 1792 wurde auch dieses Verwaltungsarchiv zumindest zum Teil geflüchtet. Der Hauptteil gelangte nach Aschaffenburg, wo er als Finanzregistratur 1815 an Bayern kam. Diesem Bestand entnahmen die bayerischen Beamten 1819 die Erfurt und das Eichsfeld betreffenden Akten und lieferten sie an Preußen ab. Der in Bayern verbliebene Hauptteil des alten Mainzer Hofkammerarchivs ist in Würzburg später fast gänzlich kassiert worden. Die abgegebenen Akten bildeten den im Verzeichnis 10 und 11 der sogenannten Aschaffenburger Papiere offenbar in enger Anlehnung an die bisherige Gliederung festgehaltenen Bestand, der dem Regierungsarchiv Erfurt als Rep. 35 einverleibt wurde.
Bei der Auflösung des Erfurter Regierungsarchivs kamen die Akten im Jahr 1901 an das Staatsarchiv Magdeburg. Sie wurden hier unter Beibehaltung der alten Aschaffenburger Gliederung und des 1819 angelegten Verzeichnisses als Rep. 39a und b aufgestellt.
In den Jahren 2004/05 wurde das vorhandene handschriftliche Archivfindbuch des Bestandes in eine Access-Datei retrokonvertiert. 2006 erfolgten eine Revision des Bestandes und eine Überarbeitung der Aktentitel und der Klassifikation. Ebenso wurde eine Behörden- und Bestandsgeschichte erarbeitet.
Im September 2006 wurde die Access-Datei in das vorliegende Archivinformationssystem überführt.
Im Juni 2014 erfolgte eine abschließende inhaltlich/formale Überprüfung der Verzeichnungsinformationen des Bestandes.
Zusatzinformationen: Hinweise auf Literatur:
Falk, Otto Hans Ferdinand: Geschichte der kurmainzischen Behördenorganisation in Hessen und auf dem Eichsfeld vom 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, Marburg 1927.
Fruhmann, Theodor: Studien zur Kanzlei und zum Urkundenwesen der Erzbischöfe von Mainz im späten Mittelalter 1289-1373, Würzburg 1940.
Goldschmidt, F.: Zentralbehörden und Beamtentum im Kurfürstentum Mainz, Berlin/Leipzig 1908.
Haendly, Karl Paul: Das kurmainzische Fürstentum Eichsfeld im Ablauf seiner Geschichte, seine Wirtschaft und seine Menschen 897-1933, Duderstadt 1996.
Hensler, Erwin: Verfassung und Verwaltung von Kurmainz um das Jahr 1600 (Straßburger Beitrag zur neueren Geschichte, Bd. 2, Heft 1), Duderstadt 1909.
Jendorff, Alexander: Verwandte, Teilhaber und Dienstleute. Herrschaftliche Funktionsträger im Erzstift Mainz 1514-1647, Marburg 2003.
Kirn, Paul: Das Urkundenwesen und die Kanzlei der Mainzer Erzbischöfre im 15. Jahrhundert, in: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, Neue Folge, Bd. 15, Darmstadt 1927.
Wand, Arno: Das Eichsfeld als bischöflisches Kommissariat 1449-1999. Ein Amt macht Geschichte, Leipzig 2000.
Wolf, Johann/Löffler, Klemens: Politische Geschichte des Eichsfels, Duderstadt 1921.
Frühere Bezeichnung des Bestandes: Rep. A 39a.
Registraturbildner: Über die Organisation der zentralen Finanzverwaltung von Kurmainz im Mittelalter ist noch wenig bekannt. Wahrscheinlich war ein Kämmerer oder Kammermeister für diese Angelegenheiten zuständig.
Aus den verschiedenen Wahlkapitulationen geht hervor, dass das Domkapitel bei der Aufsicht über die Finanzen und insbesondere bei der Rechnungslegung durch seine Mitglieder entscheidende Rechte ausübte.
Eine verhältnismäßig subalterne Stellung nahm zunächst der Kammerschreiber ein. Erst die Hofordnung von Erzbischof Albrecht II. von 1552 lässt ihn als Rat an den Sitzungen des Hofrats teilnehmen, da diesem Kollegium zunächst auch die Finanzen unterstellt worden waren. Nachdem jene Unterstellung aufgehoben wurde, erhielt der Kammerschreiber eine selbständigere Position. 1584 wurde seine Mitwirkung auch auf Details der eigentlichen Hofverwaltung ausgeweitet, wozu ihm mehrere Hilfskräfte zugeteilt wurden. Die sich bildende Behörde bezeichnete man als Rechen- oder Rentkammer, später auch als Hofkammer.
Der Schwerpunkt der Kammer lag auf der Verwaltung der Domäne und der Einziehung der Gefälle. Später nahmen auch die Militärangelegenheiten einen wichtigen Platz ein, bis 1690 unter der Kriegskonferenz mehrere verhältnismäßig selbstständige Verwaltungen für dieses Gebiet ins Leben gerufen wurden. Inzwischen war die Kammer wegen der Notwendigkeit der Aufgliederung der Geschäfte bereits zwischen 1619 und 1625 in eine kollegiale Behörde umgewandelt worden. Der Kammerschreiber führte seit 1667 den Titel eines Direktors. An die Spitze des Kollegiums trat später ein Präsident, der dem Domkapitel angehörte. Außerdem gehörten ihm vier bis fünf Kammerräte sowie mehrere Unterbeamte an.
Abgesehen von der Abtrennung der Militärangelegenheiten kam es im 17. Jahrhundert auch zu einer vorübergehenden Loslösung der Forst- und Jagdsachen, die bereits bis 1680 dem Oberjägermeister allein unterstellt gewesen waren.
Im 18. Jahrhundert versuchte die Kammer auch auf eine Hebung der Wirtschaft im merkantilistischen Sinne einzuwirken. Die gemischten Deputationen, die von ihr zusammen mit dem Hofrat errichtet wurden, übernahmen später allein diese Aufgaben. Im übrigen blieben die Domänenverwaltung und die Einziehung der Gefälle auch in diesem Zeitraum die Hauptaufgabe des Kollegiums.
Eine besondere Abteilung bildete die Rechnungsrevision, die nach 1788 als Rechnungsrevisionskammer verselbständigt wurde. Nach der Verkleinerung des Mainzer Staates wurden 1802 die Hofkammer und die Landesregierung in Aschaffenburg zu einem Landesdirektorium vereinigt, das später vom Großherzogtum Frankfurt übernommen wurde.
Bestandsinformationen: Die Hofordnung von 1532 bestimmte noch, dass ein Registrator der Ratskanzlei dem Kammerschreiber nebenamtlich behilflich sein sollte. Außerdem wurde ein Rechenschreiber bestellt.
Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts wurden hauptamtliche Kammersekretäre eingesetzt. Damit kam es zur Ausblidung einer Kammerkanzlei, die anfangs in Kompetenzstreitigkeiten mit der Regierungskanzlei geriet. 1771 gründete man noch eine eigene Hofkammerbuchhaltung, welche die Führung der Hauptbücher und Abrechungen übernahm.
Anfänglich scheint auch das Schriftgut der Kammer wenigstens teilweise in das sich bildende Landesarchiv gelangt zu sein. Später entstand aber eine eigene Kammerregistratur, in der vor allem die Rechnungen, Hauptbücher und Belege einen großen Platz einnahmen.
Nach 1792 wurde auch dieses Verwaltungsarchiv zumindest zum Teil geflüchtet. Der Hauptteil gelangte nach Aschaffenburg, wo er als Finanzregistratur 1815 an Bayern kam. Diesem Bestand entnahmen die bayerischen Beamten 1819 die Erfurt und das Eichsfeld betreffenden Akten und lieferten sie an Preußen ab. Der in Bayern verbliebene Hauptteil des alten Mainzer Hofkammerarchivs ist in Würzburg später fast gänzlich kassiert worden. Die abgegebenen Akten bildeten den im Verzeichnis 10 und 11 der sogenannten Aschaffenburger Papiere offenbar in enger Anlehnung an die bisherige Gliederung festgehaltenen Bestand, der dem Regierungsarchiv Erfurt als Rep. 35 einverleibt wurde.
Bei der Auflösung des Erfurter Regierungsarchivs kamen die Akten im Jahr 1901 an das Staatsarchiv Magdeburg. Sie wurden hier unter Beibehaltung der alten Aschaffenburger Gliederung und des 1819 angelegten Verzeichnisses als Rep. 39a und b aufgestellt.
In den Jahren 2004/05 wurde das vorhandene handschriftliche Archivfindbuch des Bestandes in eine Access-Datei retrokonvertiert. 2006 erfolgten eine Revision des Bestandes und eine Überarbeitung der Aktentitel und der Klassifikation. Ebenso wurde eine Behörden- und Bestandsgeschichte erarbeitet.
Im September 2006 wurde die Access-Datei in das vorliegende Archivinformationssystem überführt.
Im Juni 2014 erfolgte eine abschließende inhaltlich/formale Überprüfung der Verzeichnungsinformationen des Bestandes.
Zusatzinformationen: Hinweise auf Literatur:
Falk, Otto Hans Ferdinand: Geschichte der kurmainzischen Behördenorganisation in Hessen und auf dem Eichsfeld vom 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, Marburg 1927.
Fruhmann, Theodor: Studien zur Kanzlei und zum Urkundenwesen der Erzbischöfe von Mainz im späten Mittelalter 1289-1373, Würzburg 1940.
Goldschmidt, F.: Zentralbehörden und Beamtentum im Kurfürstentum Mainz, Berlin/Leipzig 1908.
Haendly, Karl Paul: Das kurmainzische Fürstentum Eichsfeld im Ablauf seiner Geschichte, seine Wirtschaft und seine Menschen 897-1933, Duderstadt 1996.
Hensler, Erwin: Verfassung und Verwaltung von Kurmainz um das Jahr 1600 (Straßburger Beitrag zur neueren Geschichte, Bd. 2, Heft 1), Duderstadt 1909.
Jendorff, Alexander: Verwandte, Teilhaber und Dienstleute. Herrschaftliche Funktionsträger im Erzstift Mainz 1514-1647, Marburg 2003.
Kirn, Paul: Das Urkundenwesen und die Kanzlei der Mainzer Erzbischöfre im 15. Jahrhundert, in: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, Neue Folge, Bd. 15, Darmstadt 1927.
Wand, Arno: Das Eichsfeld als bischöflisches Kommissariat 1449-1999. Ein Amt macht Geschichte, Leipzig 2000.
Wolf, Johann/Löffler, Klemens: Politische Geschichte des Eichsfels, Duderstadt 1921.
Frühere Bezeichnung des Bestandes: Rep. A 39a.
Laufmeter: 5.5
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
14.04.2025, 8:12 AM CEST
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- Landesarchiv Sachsen-Anhalt (Archivtektonik)
- 01. Territoriale Vorgänger der preußischen Provinz Sachsen (902 - 1807/16) (Archival tectonics)
- 01.05. Kurmainzische Gebiete (Archival tectonics)
- 01.05.03. Akten (Archival tectonics)
- 01.05.03.01. Ober- und Mittelbehörden (Archival tectonics)
- Kurmainzische Hofkammer zu Mainz. Akten betr. das Eichsfeld (Archival holding)