Interview über den Nationalsozialismus und den Umgang mit dem Holocaust in der Nachkriegszeit und Hörfunksendung
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 20/005 23 A130066/104
J 25_G002_037
CA 173
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 20/005 23 J 25 Sammlung Knilli: Ton- und Filmdokumente
J 25 Sammlung Knilli: Ton- und Filmdokumente >> Tondokumente >> Interviews
Enthält:
0:00:00 - 0:45:29
Interview von Friedrich Knilli, Professor für Allgemeine Literaturwissenschaft an der TU Berlin, mit einem Ehepaar. Der Herr ist Sozialarbeiter, stammt aus Pommern und siedelte ca. 1946 in den Westen über. Die Dame stammt ebenfalls aus dem Osten. Die Fragen drehen sich um Biografisches, die Erfahrung mit Juden und deren Diskriminierung, Deportation, Vernichtung während des Nationalsozialismus ("Haben Sie davon gewusst?") und den Umgang mit dem Holocaust nach dem Krieg.
Auf die Frage, inwiefern man von der Diskriminierung und Verfolgung von Juden in der Zeit des Nationalsozialismus Kenntnis hatte, antwortet der Herr: Er habe Arbeiter in Sträflingsklamotten gesehen, bei denen es sich, wie man munkelte, um Juden aus dem "Konzertlager" handelte. Die Frau erzählt von Sträflingen, die Panzergräben ausheben mussten und mit denen sie ins Gespräch kam. Knilli fragt nach Schuldgefühlen. Der Bischof von Hessen-Waldeck, Martin Niemöller [Niemöller war tatsächlich Bischof von Hessen-Nassau], so die Dame, habe zwar sehr großen Mut bewiesen. Dass er aber ein Schuldbekenntnis für alle Deutschen ablegte [Stuttgarter Schuldbekenntnis], fand sie nicht in Ordnung, denn sie persönlich fühle sich nicht schuldig. Sie sei evangelisch, gehöre der evangelischen Arbeiternehmerschaft an, fühle sich als evangelische Christin. Durch ihre Arbeit als Sekretärin eines Pfarrers der Landeskirche Braunschweig kam sie mit der kirchlichen Arbeit in Kontakt, von der sie geprägt worden sei.
Der Mann verweist darauf, es habe Täter gegeben und man könne nicht jeden, der deutsch spreche, für die Verbrechen in Haftung nehmen. Man könne sich dennoch von der "Kollektivschuld" nicht ganz frei machen, habe er 1956 beim Sehen eines Filmes eingestanden. Im weiteren Verlauf behandelt das Gespräch sehr stark den Umgang mit dem Holocaust nach dem Krieg. Auch das Leugnen des Holocausts ist Thema. Die Frau spricht diesbezüglich von "zweispältiger Berichterstattung" und fragt sich, was man da glauben solle.
Schließlich geht es um den Einmarsch der Roten Armee in Ostdeutschland und die Flucht in den Westen.
0:45:34 - 1:33:52
Hörfunksendung über den Film "Jud Süß"
Die Dokumentation versucht durch Gespräche und Interviews mit Beteiligten und Zeugen der Zeit, die Situation der Filmschaffenden im Dritten Reich darzustellen.
Darin:
Ausschnitte aus dem Film
O-Töne von:
- Joseph Goebbels (aus seiner Rede auf der Jahrestagung der Reichskulturkammer, 1936)
- Adolf Hitler, Diktator des Deutschen Reiches
- Gespräch nach der Aufführung des Films mit den Schauspielern Rudolf Fernau, Paul Dalke, Dirksen(?) und Hans Söhnker
- Kristina Söderbaum, Schauspielerin
- Fritz Rasp, Schauspieler
- Malte Jaeger, Schauspieler
0:00:00 - 0:45:29
Interview von Friedrich Knilli, Professor für Allgemeine Literaturwissenschaft an der TU Berlin, mit einem Ehepaar. Der Herr ist Sozialarbeiter, stammt aus Pommern und siedelte ca. 1946 in den Westen über. Die Dame stammt ebenfalls aus dem Osten. Die Fragen drehen sich um Biografisches, die Erfahrung mit Juden und deren Diskriminierung, Deportation, Vernichtung während des Nationalsozialismus ("Haben Sie davon gewusst?") und den Umgang mit dem Holocaust nach dem Krieg.
Auf die Frage, inwiefern man von der Diskriminierung und Verfolgung von Juden in der Zeit des Nationalsozialismus Kenntnis hatte, antwortet der Herr: Er habe Arbeiter in Sträflingsklamotten gesehen, bei denen es sich, wie man munkelte, um Juden aus dem "Konzertlager" handelte. Die Frau erzählt von Sträflingen, die Panzergräben ausheben mussten und mit denen sie ins Gespräch kam. Knilli fragt nach Schuldgefühlen. Der Bischof von Hessen-Waldeck, Martin Niemöller [Niemöller war tatsächlich Bischof von Hessen-Nassau], so die Dame, habe zwar sehr großen Mut bewiesen. Dass er aber ein Schuldbekenntnis für alle Deutschen ablegte [Stuttgarter Schuldbekenntnis], fand sie nicht in Ordnung, denn sie persönlich fühle sich nicht schuldig. Sie sei evangelisch, gehöre der evangelischen Arbeiternehmerschaft an, fühle sich als evangelische Christin. Durch ihre Arbeit als Sekretärin eines Pfarrers der Landeskirche Braunschweig kam sie mit der kirchlichen Arbeit in Kontakt, von der sie geprägt worden sei.
Der Mann verweist darauf, es habe Täter gegeben und man könne nicht jeden, der deutsch spreche, für die Verbrechen in Haftung nehmen. Man könne sich dennoch von der "Kollektivschuld" nicht ganz frei machen, habe er 1956 beim Sehen eines Filmes eingestanden. Im weiteren Verlauf behandelt das Gespräch sehr stark den Umgang mit dem Holocaust nach dem Krieg. Auch das Leugnen des Holocausts ist Thema. Die Frau spricht diesbezüglich von "zweispältiger Berichterstattung" und fragt sich, was man da glauben solle.
Schließlich geht es um den Einmarsch der Roten Armee in Ostdeutschland und die Flucht in den Westen.
0:45:34 - 1:33:52
Hörfunksendung über den Film "Jud Süß"
Die Dokumentation versucht durch Gespräche und Interviews mit Beteiligten und Zeugen der Zeit, die Situation der Filmschaffenden im Dritten Reich darzustellen.
Darin:
Ausschnitte aus dem Film
O-Töne von:
- Joseph Goebbels (aus seiner Rede auf der Jahrestagung der Reichskulturkammer, 1936)
- Adolf Hitler, Diktator des Deutschen Reiches
- Gespräch nach der Aufführung des Films mit den Schauspielern Rudolf Fernau, Paul Dalke, Dirksen(?) und Hans Söhnker
- Kristina Söderbaum, Schauspielerin
- Fritz Rasp, Schauspieler
- Malte Jaeger, Schauspieler
1'33
Audio-Visuelle Medien
Herkunft: Sammlung Knilli
Bild-/Tonträger: Kopie von Kompaktkassette
Bild-/Tonträger: Kopie von Kompaktkassette
Supper, Karl; Landesvorsitzender des Verbandes der Heimkehrer Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen B.-W. e.V., Architekt
Flucht und Vertreibung
Nationalsozialismus: Kollektivschuld
Nationalsozialismus; Judenverfolgung
Stuttgarter Schuldbekenntnis
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
21.11.2025, 15:29 MEZ
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