SA-Einheiten in Württemberg (Bestand)
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Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, PL 505
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik) >> Deposita, nichtstaatliche Archive und Nachlässe >> Nichtstaatliche Archive (ohne Deposita) >> Nationalsozialistische (NS-)Organisationen
1920-1945
Inhalt und Bewertung
Der Bestand PL 505 enthält das vom US-Militär erbeutete Schriftgut verschiedener SA-Einheiten in Württemberg.
Vorbemerkung: Die Sturmabteilung (SA) der NSDAP, 1921 als Ordnertruppe zum Versammlungsschutz, zum Einsatz bei Werbeaufmärschen und bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner gegründet, entwickelte sich während der "Kampfzeit" vor 1933 zur entscheidenden Propaganda- und Terrortruppe, die während der Endphase der Weimarer Republik Massenzulauf insbesondere von Arbeitslosen erhielt. Auch nach der Machtübernahme Hitlers bewährte sie sich als zentrales Terrorinstrument gegen politische Gegner, obendrein bei der Gleichschaltung der Länder und Kommunen und bei der Unterwanderung der Polizei durch Hunderttausende von SA-Männern als "Hilfspolizisten". Parallel dazu schwoll die SA zunächst durch Neueintritte weiter an; auch hatte sie ab Sommer 1933 die Mitglieder des Stahlhelm und anderer nationaler Verbände in die eigenen Reihen zu integrieren. Dies geschah mittels der Einstufung als SA-Reserve I (Jüngere) und II (Veteranen). Die zunehmenden Macht- und Versorgungsansprüche der Massenorganisation schnitt das Regime im Zuge der Röhm-Affäre Ende Juni 1934 ab. Der Ausschaltung als Machtfaktor folgte eine radikaler Schrumpfungsprozess, bedingt unter anderem durch die Ausgliederung inaktiver Teile und die Massenentlassung von Mitläufern und Versorgungssuchenden, die Einschmelzung der Motor-SA in das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps und die Eingliederung des SA Feldjägerkorps in die Schutzpolizei. Ein neuerlicher Zustrom von SA-Bewerbern wurde dadurch unterbunden, dass der Neuaufnahme nun die Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend oder in der Wehrmacht vorgeschaltet war. Nach ihrer Entwaffnung zugunsten der Reichswehr behielt die SA lediglich Bedeutung im Bereich der vormilitärischen Wehrerziehung. Das SA-Sportabzeichen (seit 1939 SA-Wehrabzeichen) konnte seit 1935 auch von Nichtmitgliedern der SA erworben werden; als Nachweis der Systemkonformität, der keine größeren Aktivitäten in der NS-Bewegung voraussetzte, verschaffte es der SA nochmals beträchtliche Attraktivität. Gleichwohl zeigte die maßgebliche Beteiligung der SA am Pogrom vom 9. November 1938 (Kristallnacht) zeigen, dass ihre terroristische Energie nach wie vor vorhanden und abrufbar blieb. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm die SA die Ausbildung zurückgestellter Wehrpflichtiger in SA- Wehrmannschaften. Im übrigen nahm die SA Hilfsaufgaben wahr, unter anderem auch als Polizeiverstärkung. Gegliedert war die SA in Gruppen, deren Gebiet sich in der Regel mit dem staatlicher Verwaltungsbezirke oder von NS-Gauen deckte. Die Gruppen ihrerseits bestanden aus verschiedenen Brigaden, diese wiederum aus regimentsstarken Standarten, die Sturmbanne umfassten, in denen die einzelnen SA-Stürme zusammengefasst waren; am unteren Ende der SA-Gliederungen standen Trupp und Schar. Umstrukturierungen wurden wiederholt vorgenommen. Als Sonderformationen bestanden innerhalb der SA Reiter-, Pionier-, Nachrichten-, Sanitäts- und Marineeinheiten. Vom US-Militär erbeutetes Schriftgut verschiedener SA-Einheiten in Württemberg gelangte über das Befreiungsministerium/Staatsministerium ins Staatsarchiv Ludwigsburg und wurde dort unter der Signatur PL 505 zu einem eigenen Bestand formiert. Ordnung und Verzeichnung des Bestandes erfolgten zwischen Mai 2004 und Februar 2007 durch Dr. Carl-Jochen Müller im Zuge eines von der Stiftung Kulturgut finanzierten Projekts zur Erschließung der Beständegruppe PL 501-523. Der Bestand umfasst 976 Einheiten = 12,3 lfd. m. Ludwigsburg, im Februar 2007 Dr. Müller
Der Bestand PL 505 enthält das vom US-Militär erbeutete Schriftgut verschiedener SA-Einheiten in Württemberg.
Vorbemerkung: Die Sturmabteilung (SA) der NSDAP, 1921 als Ordnertruppe zum Versammlungsschutz, zum Einsatz bei Werbeaufmärschen und bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner gegründet, entwickelte sich während der "Kampfzeit" vor 1933 zur entscheidenden Propaganda- und Terrortruppe, die während der Endphase der Weimarer Republik Massenzulauf insbesondere von Arbeitslosen erhielt. Auch nach der Machtübernahme Hitlers bewährte sie sich als zentrales Terrorinstrument gegen politische Gegner, obendrein bei der Gleichschaltung der Länder und Kommunen und bei der Unterwanderung der Polizei durch Hunderttausende von SA-Männern als "Hilfspolizisten". Parallel dazu schwoll die SA zunächst durch Neueintritte weiter an; auch hatte sie ab Sommer 1933 die Mitglieder des Stahlhelm und anderer nationaler Verbände in die eigenen Reihen zu integrieren. Dies geschah mittels der Einstufung als SA-Reserve I (Jüngere) und II (Veteranen). Die zunehmenden Macht- und Versorgungsansprüche der Massenorganisation schnitt das Regime im Zuge der Röhm-Affäre Ende Juni 1934 ab. Der Ausschaltung als Machtfaktor folgte eine radikaler Schrumpfungsprozess, bedingt unter anderem durch die Ausgliederung inaktiver Teile und die Massenentlassung von Mitläufern und Versorgungssuchenden, die Einschmelzung der Motor-SA in das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps und die Eingliederung des SA Feldjägerkorps in die Schutzpolizei. Ein neuerlicher Zustrom von SA-Bewerbern wurde dadurch unterbunden, dass der Neuaufnahme nun die Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend oder in der Wehrmacht vorgeschaltet war. Nach ihrer Entwaffnung zugunsten der Reichswehr behielt die SA lediglich Bedeutung im Bereich der vormilitärischen Wehrerziehung. Das SA-Sportabzeichen (seit 1939 SA-Wehrabzeichen) konnte seit 1935 auch von Nichtmitgliedern der SA erworben werden; als Nachweis der Systemkonformität, der keine größeren Aktivitäten in der NS-Bewegung voraussetzte, verschaffte es der SA nochmals beträchtliche Attraktivität. Gleichwohl zeigte die maßgebliche Beteiligung der SA am Pogrom vom 9. November 1938 (Kristallnacht) zeigen, dass ihre terroristische Energie nach wie vor vorhanden und abrufbar blieb. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm die SA die Ausbildung zurückgestellter Wehrpflichtiger in SA- Wehrmannschaften. Im übrigen nahm die SA Hilfsaufgaben wahr, unter anderem auch als Polizeiverstärkung. Gegliedert war die SA in Gruppen, deren Gebiet sich in der Regel mit dem staatlicher Verwaltungsbezirke oder von NS-Gauen deckte. Die Gruppen ihrerseits bestanden aus verschiedenen Brigaden, diese wiederum aus regimentsstarken Standarten, die Sturmbanne umfassten, in denen die einzelnen SA-Stürme zusammengefasst waren; am unteren Ende der SA-Gliederungen standen Trupp und Schar. Umstrukturierungen wurden wiederholt vorgenommen. Als Sonderformationen bestanden innerhalb der SA Reiter-, Pionier-, Nachrichten-, Sanitäts- und Marineeinheiten. Vom US-Militär erbeutetes Schriftgut verschiedener SA-Einheiten in Württemberg gelangte über das Befreiungsministerium/Staatsministerium ins Staatsarchiv Ludwigsburg und wurde dort unter der Signatur PL 505 zu einem eigenen Bestand formiert. Ordnung und Verzeichnung des Bestandes erfolgten zwischen Mai 2004 und Februar 2007 durch Dr. Carl-Jochen Müller im Zuge eines von der Stiftung Kulturgut finanzierten Projekts zur Erschließung der Beständegruppe PL 501-523. Der Bestand umfasst 976 Einheiten = 12,3 lfd. m. Ludwigsburg, im Februar 2007 Dr. Müller
976 Büschel (17,8 lfd. m)
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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13.11.2025, 2:40 PM CET
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