Verhör des Urban Helbling
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A 2 f (Hexenprozesse) Nr. A 2 f (Hexenprozesse) Nr. 7883
A 2 f (Hexenprozesse) Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 23-25)
Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 23-25) >> Bd. 25 Hexenprozesse
1666 Februar 19
Regest: Anwesend:
Herr Syndicus Georg Friedrich Jung,
Herr Johann Bihler,
Herr Schultheiß Josua Hohloch.
Helbling sagt:
Vergangenen Mittwoch nachts um 12 Uhr sei der böse Geist in Gestalt eines schwarzen Metzgerhunds zu ihm auf das Tor gekommen, zu ihm hingesessen, habe ihn mit einem Dorn 1/4 Stund gehauen, wie der Augenschein seiner Krätze (= Kratzwunden) und Striemen bezeuge, habe ihm in einem Briefle (= Papiertütchen) Pulver geben wollen und gesagt, er solle es Leuten, die heraufkommen in das Gesicht blasen. Aber er habe den Namen Jesu in seinem Herzen gehabt. Da sei der böse Geist verschwunden.
Jüngstvergangenen Samstag nachts seien die Cron, die Schmehr-Ursel und das Knorrle zu ihm gekommen, haben mit einem Schlüssel das Schloß, woran er angelegt sei, aufgetan, ihn losgemacht, ihn dann auf eine Gabel in die Mitte gesetzt. Die Schmehr-Ursel sei vorne, das Knorrle hinten und zwar rückwärts gesessen, die Cron aber allein gefahren. Diese Weiber haben ihn oben bei der Glocke hinaus auf die Hexenzusammenkunft auf die Scheibe geführt. Dort habe der böse Geist ihm zugesprochen, er solle den Schelmen, die zu ihm kommen, nicht glauben. Darauf habe er sich dem Teufel von neuem verschrieben. Der Teufel habe ihm Blut zwischen seinem großen Zehen am rechten Fuß herausgelassen mit einer Glufe (= Nadel). Der Teufel habe selbst auf ein Papierle geschrieben. Auf die Hexenzusammenkunft seien der Bantlin, der Apotheker, seine Kinder, der Bürgermeister Schmidt, das Weib des Friedrich Engel, das kleine Bärbele und ihr Mädle, seine Buhle, gekommen. Mit seiner Buhle habe er Unzucht getrieben. Sie haben getanzt, gegessen und getrunken in dem Schloß an einer langen Tafel in einer Stube, in der eingeheizt war. Wie die Unholden ihn wieder heimführten, haben sie ihn oben im Turm, wo er gefangen gelegen, auf den Schirm herabfallen lassen. Das habe der Wächter gehört, sei mit einem Licht gekommen, habe aber diese Weiber, obwohl sie in der Stube waren, nicht gesehen. Bis er heimkam, sei der Teufel an seiner Kette gelegen.
Der Bantlin sei nicht recht. Er habe ihn oft in sein Haus kommen lassen und ihm immer geboten, ihn nicht zu verraten. Wenn er zu ihm auf das Tor kam, habe er zwar mit ihm gebetet in Beisein der Wächter. Wenn diese aber vor das Stüblein hinausgegangen waren, habe er gesagt, er dürfe nicht glauben, was er mit ihm gebetet habe. Er solle an den König, den Teufel glauben. Er sei Gott. An den droben solle er nicht glauben.
Wie der Bantlin vor 8 Tagen in seinem Kirchenrock zu ihm kam, habe er gesagt, daß er damals auf der Hexenzusammenkunft ein Kindlein getauft habe. Als aber in der vergangenen Nacht die Weiber zu ihm kamen, haben sie ihm angezeigt, daß das Kind des Erhart Kurtz getauft worden sei.
Der Herzog sei auch jüngst draußen gewesen und habe ihm verweisen wollen, daß er vom Tor herab über ihn hinausgeschrien habe. Aber der König habe es nicht zugelassen.
Der König sei draußen gesessen, habe 7 Köpf und auf jedem eine Krone. Des Teufels Weib habe 3 Köpf gehabt.
Vergangenen Samstag nachts sei der Bantlin draußen gewesen, habe sein Röcklein angehabt.
Vergangenen Mittwoch nachts habe die Cron erzählt, wie sie so brav durchgekommen sei. Urban solle nichts sagen, wenn er auch wieder herauskomme. Die Schmehr-Ursel habe gesagt, sie wolle auch nichts gestehen, das Knorrle, sie wolle es schon machen, daß man sie nicht hole.
Die Modistin (= Frau des Schreiblehrers) habe ihm in der Schule immer verboten, sie zu verraten. Des Stadtmaurers großer Bub habe es gehört. Mit dem wolle er's beweisen. Die Modistin und das Weib des Greilen seien jüngst auch draußen gewesen, sowie weitere Personen:
1. Johannes Schelling,
2. Hans Martin Fuchs, der draußen aufspielte,
3. Bartle Hildner und sein ganzes Hausgesind,
4. die Magd des Müelin,
5. des Baises Bellins Näherin,
6. die Malerin und ihr Mädle, das krumm gehe,
7. der Michel Zeih, sei der Buhl der Malerin, die Tochter habe einen fremden Buhlen.
8. des Michel Zeih kleiner Bub,
9. sein Weib,
10. das Weib des Jacob Waidmann mit ihren 2 Töchtern.
Der Bantlin habe auf der Hexenzusammenkunft mit fremden Männern Sodomiterei getrieben. Die Männer seien auf den Bauch auf den Boden hingelegen, nackend, der Bantlin aber auf sie hingelegen und habe sein männlich Glied ihnen in den Hintern getan. Er habe auch mit der Apothekerin und der Englerin (Engel) Unzucht getrieben.
(11.) Hans Jacob Engel,
(12.) die Finckhen-Marei,
(13.) der Onamusen (= Frau des Hieronymus?) Mädle,
(14.) der Kindsvatterin Mädle,
(15.) das Weib des Urban Ammer mit 3 Töchtern,
(16.) das Weib des Michel Huet und 2 Kinder; das Büble mit weißem Haar singe im kleinen Feuerlaihen ( = ?).
Bei Tag könne er gut beten, aber bei Nacht sei es ihm immer so schwer auf seinem Herzen. Den Namen Jesu und den heil. Geist könne er bei Nacht wohl nennen. Es gehe ihm aber nicht von Herzen. Seit 3 Wochen habe er bei Nacht nicht mehr recht beten können.
Des Teufels Diener haben ihn mit der Glufe (= Nadel) in den Fuß gestochen, das Blut in die Feder gelassen und solches dem König gebracht. Der Teufel habe Helblings Namen auf ein 2 Finger breites Papier geschrieben. Es sei verhackt (= in kleine Stücke zerschnitten) gewesen.
Vor der Abendglock könne er recht beten, aber nach der Glock nicht mehr. Es gehe ihm nicht von Herzensgrund.
Die übrigen Kinder sagen auch insgemein, daß sie den Bantlin auf der Hexenzusammenkunft gesehen haben, woselbst er nicht allein sie, sondern auch andere Kinder mit dem Teufel getauft habe. Der Bantlin habe immer Wasser auf sie gegossen.
Herr Syndicus Georg Friedrich Jung,
Herr Johann Bihler,
Herr Schultheiß Josua Hohloch.
Helbling sagt:
Vergangenen Mittwoch nachts um 12 Uhr sei der böse Geist in Gestalt eines schwarzen Metzgerhunds zu ihm auf das Tor gekommen, zu ihm hingesessen, habe ihn mit einem Dorn 1/4 Stund gehauen, wie der Augenschein seiner Krätze (= Kratzwunden) und Striemen bezeuge, habe ihm in einem Briefle (= Papiertütchen) Pulver geben wollen und gesagt, er solle es Leuten, die heraufkommen in das Gesicht blasen. Aber er habe den Namen Jesu in seinem Herzen gehabt. Da sei der böse Geist verschwunden.
Jüngstvergangenen Samstag nachts seien die Cron, die Schmehr-Ursel und das Knorrle zu ihm gekommen, haben mit einem Schlüssel das Schloß, woran er angelegt sei, aufgetan, ihn losgemacht, ihn dann auf eine Gabel in die Mitte gesetzt. Die Schmehr-Ursel sei vorne, das Knorrle hinten und zwar rückwärts gesessen, die Cron aber allein gefahren. Diese Weiber haben ihn oben bei der Glocke hinaus auf die Hexenzusammenkunft auf die Scheibe geführt. Dort habe der böse Geist ihm zugesprochen, er solle den Schelmen, die zu ihm kommen, nicht glauben. Darauf habe er sich dem Teufel von neuem verschrieben. Der Teufel habe ihm Blut zwischen seinem großen Zehen am rechten Fuß herausgelassen mit einer Glufe (= Nadel). Der Teufel habe selbst auf ein Papierle geschrieben. Auf die Hexenzusammenkunft seien der Bantlin, der Apotheker, seine Kinder, der Bürgermeister Schmidt, das Weib des Friedrich Engel, das kleine Bärbele und ihr Mädle, seine Buhle, gekommen. Mit seiner Buhle habe er Unzucht getrieben. Sie haben getanzt, gegessen und getrunken in dem Schloß an einer langen Tafel in einer Stube, in der eingeheizt war. Wie die Unholden ihn wieder heimführten, haben sie ihn oben im Turm, wo er gefangen gelegen, auf den Schirm herabfallen lassen. Das habe der Wächter gehört, sei mit einem Licht gekommen, habe aber diese Weiber, obwohl sie in der Stube waren, nicht gesehen. Bis er heimkam, sei der Teufel an seiner Kette gelegen.
Der Bantlin sei nicht recht. Er habe ihn oft in sein Haus kommen lassen und ihm immer geboten, ihn nicht zu verraten. Wenn er zu ihm auf das Tor kam, habe er zwar mit ihm gebetet in Beisein der Wächter. Wenn diese aber vor das Stüblein hinausgegangen waren, habe er gesagt, er dürfe nicht glauben, was er mit ihm gebetet habe. Er solle an den König, den Teufel glauben. Er sei Gott. An den droben solle er nicht glauben.
Wie der Bantlin vor 8 Tagen in seinem Kirchenrock zu ihm kam, habe er gesagt, daß er damals auf der Hexenzusammenkunft ein Kindlein getauft habe. Als aber in der vergangenen Nacht die Weiber zu ihm kamen, haben sie ihm angezeigt, daß das Kind des Erhart Kurtz getauft worden sei.
Der Herzog sei auch jüngst draußen gewesen und habe ihm verweisen wollen, daß er vom Tor herab über ihn hinausgeschrien habe. Aber der König habe es nicht zugelassen.
Der König sei draußen gesessen, habe 7 Köpf und auf jedem eine Krone. Des Teufels Weib habe 3 Köpf gehabt.
Vergangenen Samstag nachts sei der Bantlin draußen gewesen, habe sein Röcklein angehabt.
Vergangenen Mittwoch nachts habe die Cron erzählt, wie sie so brav durchgekommen sei. Urban solle nichts sagen, wenn er auch wieder herauskomme. Die Schmehr-Ursel habe gesagt, sie wolle auch nichts gestehen, das Knorrle, sie wolle es schon machen, daß man sie nicht hole.
Die Modistin (= Frau des Schreiblehrers) habe ihm in der Schule immer verboten, sie zu verraten. Des Stadtmaurers großer Bub habe es gehört. Mit dem wolle er's beweisen. Die Modistin und das Weib des Greilen seien jüngst auch draußen gewesen, sowie weitere Personen:
1. Johannes Schelling,
2. Hans Martin Fuchs, der draußen aufspielte,
3. Bartle Hildner und sein ganzes Hausgesind,
4. die Magd des Müelin,
5. des Baises Bellins Näherin,
6. die Malerin und ihr Mädle, das krumm gehe,
7. der Michel Zeih, sei der Buhl der Malerin, die Tochter habe einen fremden Buhlen.
8. des Michel Zeih kleiner Bub,
9. sein Weib,
10. das Weib des Jacob Waidmann mit ihren 2 Töchtern.
Der Bantlin habe auf der Hexenzusammenkunft mit fremden Männern Sodomiterei getrieben. Die Männer seien auf den Bauch auf den Boden hingelegen, nackend, der Bantlin aber auf sie hingelegen und habe sein männlich Glied ihnen in den Hintern getan. Er habe auch mit der Apothekerin und der Englerin (Engel) Unzucht getrieben.
(11.) Hans Jacob Engel,
(12.) die Finckhen-Marei,
(13.) der Onamusen (= Frau des Hieronymus?) Mädle,
(14.) der Kindsvatterin Mädle,
(15.) das Weib des Urban Ammer mit 3 Töchtern,
(16.) das Weib des Michel Huet und 2 Kinder; das Büble mit weißem Haar singe im kleinen Feuerlaihen ( = ?).
Bei Tag könne er gut beten, aber bei Nacht sei es ihm immer so schwer auf seinem Herzen. Den Namen Jesu und den heil. Geist könne er bei Nacht wohl nennen. Es gehe ihm aber nicht von Herzen. Seit 3 Wochen habe er bei Nacht nicht mehr recht beten können.
Des Teufels Diener haben ihn mit der Glufe (= Nadel) in den Fuß gestochen, das Blut in die Feder gelassen und solches dem König gebracht. Der Teufel habe Helblings Namen auf ein 2 Finger breites Papier geschrieben. Es sei verhackt (= in kleine Stücke zerschnitten) gewesen.
Vor der Abendglock könne er recht beten, aber nach der Glock nicht mehr. Es gehe ihm nicht von Herzensgrund.
Die übrigen Kinder sagen auch insgemein, daß sie den Bantlin auf der Hexenzusammenkunft gesehen haben, woselbst er nicht allein sie, sondern auch andere Kinder mit dem Teufel getauft habe. Der Bantlin habe immer Wasser auf sie gegossen.
6 S.
Beschreibstoff: Pap.
Archivale
Bemerkungen: vgl. dazu Gayler, Denkwürdigkeiten II S. 157 ff.
Genetisches Stadium: Or.
Genetisches Stadium: Or.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
20.03.2025, 11:14 AM CET