Kriegsgericht Neubreisach (Bestand)
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Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 456 F 157
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Neuere Bestände (vornehmlich ab ca. 1800) >> Krieg >> XIV. (Badisches) Armeekorps >> Sonstige Formationen
1914-1922
Überlieferungsgeschichte
Nach der Verhängung des Kriegszustandes nahmen auf der Grundlage des preußischen Belagerungsgesetzes die Kriegsgerichte ihre Tätigkeit auf. Im Gegensatz zu den ordentlichen Kriegsgerichten, die den einzelnen Truppenteilen angegliedert und dort für die Übertretungen der Militärangehörigen zuständig waren, befassten sich die außerordentlichen Kriegsgerichte mit den Verfehlungen von Zivilpersonen gegen die militärischen Gesetze und Verordnungen.
Weitere Unterlagen der außerordentlichen Kriegsgerichte Neubreisach und Mülhausen befinden sich im Bestand 456 F 10.
Inhalt und Bewertung
Strafakten
Vorbemerkung: Mit der Verhängung des Kriegszustandes am 31. Juli 1914 und auf der Grundlage des § 11 des preußischen Belagerungsgesetzes aus dem Jahre 1851 nahmen auch im linksrheinischen Teil des Zuständigkeitsgebietes des XIV. Armeekorps außerordentliche Kriegsgerichte ihre Tätigkeit auf. Es waren dies die Kriegsgerichte in Neubreisach, Colmar und Mülhausen. Letzteres tagte bis Januar 1915 in Neubreisach, da Mülhausen zu Kriegsbeginn zeitweilig von französischen Truppen eingenommen war und lange Zeit ein erneuter Verstoß gegen die Stadt zu befürchten stand. Während die Ordentlichen Kriegsgerichte den einzelnen Truppenteilen angegliedert und dort für die Übertretungen und Verfehlungen der Militärpersonen zuständig waren, befaßten sich die Außerordentlichen Kriegsgerichte mit allen durch Zivilpersonen begangenen Übertretungen von militärischen Verordnungen und Vorschriften. Im Reichsland Elsaß-Lothringen kam der Tätigkeit der Außerordentlichen Kriegsgerichte eine besondere Bedeutung und Tragweite zu. Sie hatten es mit einer Bevölkerung zu tun, die in der öffentlichen Meinung des wilhelminischen Deutschland als national höchst unzuverlässig galt und der man mit unnachsichtiger Härte die Unzuverlässigkeiten austreiben wollte. Besonders energisch wurden daher die Delikte verfolgt, die unterden weiten Sammelbegriff der "deutschfeindlichen Gesinnung" fielen. Diese Gesinnungsjustiz, die auch den größten Teil des vorliegenden Bestandes umfasst, war es, die den Unwillen und den Hass der elsässischen Zivilbevölkerung auf die außerordentlichen Kriegsgerichte lenkten, zumal sich die dort tätigen Kriegsgerichtsräte in der Regel als wenig sensibel gegenüber den Empfindlichkeiten und Mentalitäten der elsässischen Bevölkerung erwiesen. Vorliegender Bestand gelangte 1965 aus dem Landgericht Freiburg in das dortige Staatsarchiv. Wie die Akten in das Landgericht kamen, in dem sie seit mindestens September 1919 lagerten, ist von hier aus nicht mehr zu klären. Im Zuge der Beständebereinigung zwischen dem Generallandesarchiv Karlsruhe und dem Staatsarchiv Freibug kam der 1981 durch Walter Dehnert geordnete und verzeichnete Bestand "Kriegsgericht Neubreisach" 1990 ins Generallandesarchiv und wurde hier als Bestand 456 F 157 der Beständegruppe 456 - XIV. (badisches) Armeekorps angegliedert. Gleichzeitig erfolgte die Umsignierung der Akten sowie die Übertragung der "handgestrickten" Titelaufnahmen auf die in der Zwischenzeit eingeführten landeseinheitlichen Erfassungsblätter für Strafakten. Diese Arbeit wurde im März 1990 vom Archivangestellten Wolfgang Müller unter Anleitung des Unterzeichneten durchgeführt. Weitere Unterlagen der außerordentlichen Kriegsgerichte Neubreisach und Mülhausen befinden sich im Bestand 456 F 10. Das Repertorium wurde im Rahmen des MIDOSA-Projektes der Landesarchivverwaltung angefertigt. Die Titelaufnahmen und Korrekturen besorgte Frau L. Hessler. Karlsruhe, im März 1990 Kurt Hochstuhl
Nachtrag: Bei den im Jahr 1992 durchgeführten Abschlussarbeiten zum Beständeaustausch mit dem Staatsarchiv Freiburg gelangten weitere 8 Strafakten im Umfang von 0,2 m des Außerordentlichen Kriegsgerichts Neubreisach in das Generallandesarchiv. Sie wurdem dem vorliegenden Bestand angegliedert. Karlsruhe, im September 1993 Kurt Hochstuhl
Konversion: Im Jahr 2008 wurden die Erschließungsdaten zum vorliegenden Findmittel im Rahmen des Projektes "Konversion von Findmittel-Altdaten" des Generallandesarchivs Karlsruhe in die neue Erschließungs-Software ScopeArchiv konvertiert. Die technische Durchführung des Gesamtprojektes "Konversion von Findmittel-Altdaten" lag bei Herrn Guido Fögler, die Betreuung bei Alexander Hoffmann. Die redaktionelle Endbearbeitung der Online-Fassung übernahm der Unterzeichnende. Karlsruhe, im Januar 2009 Martin Stingl
Nach der Verhängung des Kriegszustandes nahmen auf der Grundlage des preußischen Belagerungsgesetzes die Kriegsgerichte ihre Tätigkeit auf. Im Gegensatz zu den ordentlichen Kriegsgerichten, die den einzelnen Truppenteilen angegliedert und dort für die Übertretungen der Militärangehörigen zuständig waren, befassten sich die außerordentlichen Kriegsgerichte mit den Verfehlungen von Zivilpersonen gegen die militärischen Gesetze und Verordnungen.
Weitere Unterlagen der außerordentlichen Kriegsgerichte Neubreisach und Mülhausen befinden sich im Bestand 456 F 10.
Inhalt und Bewertung
Strafakten
Vorbemerkung: Mit der Verhängung des Kriegszustandes am 31. Juli 1914 und auf der Grundlage des § 11 des preußischen Belagerungsgesetzes aus dem Jahre 1851 nahmen auch im linksrheinischen Teil des Zuständigkeitsgebietes des XIV. Armeekorps außerordentliche Kriegsgerichte ihre Tätigkeit auf. Es waren dies die Kriegsgerichte in Neubreisach, Colmar und Mülhausen. Letzteres tagte bis Januar 1915 in Neubreisach, da Mülhausen zu Kriegsbeginn zeitweilig von französischen Truppen eingenommen war und lange Zeit ein erneuter Verstoß gegen die Stadt zu befürchten stand. Während die Ordentlichen Kriegsgerichte den einzelnen Truppenteilen angegliedert und dort für die Übertretungen und Verfehlungen der Militärpersonen zuständig waren, befaßten sich die Außerordentlichen Kriegsgerichte mit allen durch Zivilpersonen begangenen Übertretungen von militärischen Verordnungen und Vorschriften. Im Reichsland Elsaß-Lothringen kam der Tätigkeit der Außerordentlichen Kriegsgerichte eine besondere Bedeutung und Tragweite zu. Sie hatten es mit einer Bevölkerung zu tun, die in der öffentlichen Meinung des wilhelminischen Deutschland als national höchst unzuverlässig galt und der man mit unnachsichtiger Härte die Unzuverlässigkeiten austreiben wollte. Besonders energisch wurden daher die Delikte verfolgt, die unterden weiten Sammelbegriff der "deutschfeindlichen Gesinnung" fielen. Diese Gesinnungsjustiz, die auch den größten Teil des vorliegenden Bestandes umfasst, war es, die den Unwillen und den Hass der elsässischen Zivilbevölkerung auf die außerordentlichen Kriegsgerichte lenkten, zumal sich die dort tätigen Kriegsgerichtsräte in der Regel als wenig sensibel gegenüber den Empfindlichkeiten und Mentalitäten der elsässischen Bevölkerung erwiesen. Vorliegender Bestand gelangte 1965 aus dem Landgericht Freiburg in das dortige Staatsarchiv. Wie die Akten in das Landgericht kamen, in dem sie seit mindestens September 1919 lagerten, ist von hier aus nicht mehr zu klären. Im Zuge der Beständebereinigung zwischen dem Generallandesarchiv Karlsruhe und dem Staatsarchiv Freibug kam der 1981 durch Walter Dehnert geordnete und verzeichnete Bestand "Kriegsgericht Neubreisach" 1990 ins Generallandesarchiv und wurde hier als Bestand 456 F 157 der Beständegruppe 456 - XIV. (badisches) Armeekorps angegliedert. Gleichzeitig erfolgte die Umsignierung der Akten sowie die Übertragung der "handgestrickten" Titelaufnahmen auf die in der Zwischenzeit eingeführten landeseinheitlichen Erfassungsblätter für Strafakten. Diese Arbeit wurde im März 1990 vom Archivangestellten Wolfgang Müller unter Anleitung des Unterzeichneten durchgeführt. Weitere Unterlagen der außerordentlichen Kriegsgerichte Neubreisach und Mülhausen befinden sich im Bestand 456 F 10. Das Repertorium wurde im Rahmen des MIDOSA-Projektes der Landesarchivverwaltung angefertigt. Die Titelaufnahmen und Korrekturen besorgte Frau L. Hessler. Karlsruhe, im März 1990 Kurt Hochstuhl
Nachtrag: Bei den im Jahr 1992 durchgeführten Abschlussarbeiten zum Beständeaustausch mit dem Staatsarchiv Freiburg gelangten weitere 8 Strafakten im Umfang von 0,2 m des Außerordentlichen Kriegsgerichts Neubreisach in das Generallandesarchiv. Sie wurdem dem vorliegenden Bestand angegliedert. Karlsruhe, im September 1993 Kurt Hochstuhl
Konversion: Im Jahr 2008 wurden die Erschließungsdaten zum vorliegenden Findmittel im Rahmen des Projektes "Konversion von Findmittel-Altdaten" des Generallandesarchivs Karlsruhe in die neue Erschließungs-Software ScopeArchiv konvertiert. Die technische Durchführung des Gesamtprojektes "Konversion von Findmittel-Altdaten" lag bei Herrn Guido Fögler, die Betreuung bei Alexander Hoffmann. Die redaktionelle Endbearbeitung der Online-Fassung übernahm der Unterzeichnende. Karlsruhe, im Januar 2009 Martin Stingl
52 Archivalieneinheiten
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
03.04.2025, 11:03 AM CEST
Hierarchy
Hierarchy detail view
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik)
- Neuere Bestände (vornehmlich ab ca. 1800) (Archival tectonics)
- Krieg (Archival tectonics)
- XIV. (Badisches) Armeekorps (Archival tectonics)
- Sonstige Formationen (Archival tectonics)
- Kriegsgericht Neubreisach (Archival holding)