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Pfarrerin Ilse Härter (Bestand)
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Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (Archivtektonik) >> 7NL Nachlässe >> 7NL 112 Pfarrerin Ilse Härter
Bestandsbeschreibung: Pfarrerin Ilse Härter Ilse Härter (1912-2012) bestand 1939 das Zweite Theologische Examen, wurde aber erst 1943 von Kurt Scharf ordiniert. Nach Jahren des Gemeindedienstes in zahlreichen Pfarrvertretungen übernahm sie 1952 eine Berufsschulpfarrstelle in Elberfeld. 1972 trat sie in den Ruhestand, seither forschte sie über die Geschichte der Theologinnen im Kirchendienst und publizierte hierüber zahlreiche Beiträge. Inhalt: Sammlung zur Theologinnenfrage 1927-1985; Vortragsmanuskripte. Literatur: Hannelore Erhart/Heike Köhler: Ilse Härter, in: Dem Himmel so nah - dem Pfarramt so fern. Erste evangelische Theologinnen im geistlichen Amt, Neukirchen-Vluyn 1996, S. 53-58. Ergänzende Archivbestände: Pers. 52 H 399. Einlleitung des Findbuchs Biografie Ilse Härter Ilse Härter wurde am 12.1.1912 als Tochter des preußischen Telegraphen-Inspektors Alfred Härter und dessen Frau Flora (geb. Derksen) in Goch geboren. Sie war die zweite von drei Töchtern und besuchte die Mittelschule in Goch. Am 24.2.1931 legte I. Härter das Abitur am staatlichen Gymnasium mit Realgymnasium in Kleve ab. Ihr Interesse am Berufsbild einer Theologin wurde durch einen Artikel über die Hamburger Theologin Sophie Kunert geweckt, der in den Jahren 1925-1928 als „Fall Sophie Kunert“ heftige Grundsatzdiskussionen nach sich zog. Nichtsahnend vom „ Vikarinnengesetz“, das das Arbeitsgebiet der Theologinnen besonders einschränkte, begann sie Ihr Theologiestudium an den Universitäten Göttingen (1931), Tübingen, Königsberg, Bonn (1935) und Kirchliche Hochschule Wuppertal. Nach der Machtübernahme der NSDAP hörte Härter von der Barmer Theologischen Erklärung und wendete sich der Bekennenden Kirche zu. In Bonn wurde sie als Vertreterin der Studentinnen in den studentischen Bruderrat gewählt. Das 1. theol. Examen legte Härter im September 1936 in Wuppertal vor der Prüfungskommission der Bekennenden Kirche im Barmer Missionshaus ab. Nach einer Wartezeit von einem Vierteljahr wurde sie am 17.1.1937 in das Vikariat in Elberfeld eingewiesen und erfuhr erst in ihrer Arbeitspraxis von dem Problem um das Theologinnenamt. Trotz fehlender Anleitung ihres Mentors fand I. Härter ihre eigenen Methoden für die Leitung von Kindergottesdienten und 2 Mädchenkreisen bei Pfr. D. Hesse in der Elberfelder Nordstadt. Ferner leistete sie auch Haus- und Krankenbesuche, gab Bibelstunden sowie kirchlichen Gemeindeunterricht. Auch der "Himmlererlass", der die Ausbildung, Prüfungsämter, Arbeitsgemeinschaften, theologischen Kurse und Freizeiten der Bekennenden Kirche verbot, schreckte sie nicht vom Ausbildungsweg ab. Sie engagierte sich für die illegalen Wochenenden, illegale Jugendsonntage, "Notgemeinden" und die Betreuung jüdischer Menschen. In der 2. Hälfte des Vikariats wechselte Härter zu D. Hesse. Auch das 2 theol. Examen absolvierte sie im März 1939 vor derselben Kommission der Bekennenden Kirche, jedoch "illegal" im "Untergrund" und in Kleingruppen außerhalb Elberfelds im Haus der Anthroposophie. Statt einer Einladung zur Ordination erhielt I. Härter den Beschluss des Presbyteriums zur "Einsegnung", die sie aufgrund der Bestrebung zur vollen pfarramtlichen Tätigkeit ablehnte. Bis Februar 1941 blieb I. Härter in der Wuppertaler Arbeit, dann folgte sie dem Ruf von Superintendent Albertz, der ihr den Aufbau einer BK-Gemeinde in Berlin Wannsee und eine Ordination und in Aussicht stellte. Letztere verzögerte sich jedoch um weitere 2 Jahre, weil führende BK-Leute dort wegen theologischer Prüfungen verhaftet und die Ordination von Vikarinnen eingestellt wurden. Aufgrund Härters Verweigerung des Hitlereides und des Ariernachweises fand hier die Gemeindearbeit nach einem Jahr ihr Ende. Der Brandenburger Bruderrat betraute sie mit dem Pfarramt Fehrbellin/ Mark in Vertretung des verhafteten Superintendenten lic. Dr. Harder. Nach seiner Rückkehr erhielt Härter eine Berufung nach Ebersbach/ Fils (Württemberg) und führte diese von April 1942 bis August 1944 als Kriegsstellvertreterin für Professor D. Diem durch. Als Protest gegen die Beschlüsse der 11. BK-Synode der Altprotestantischen Union (APU) vom Oktober 1942, ordinierte Präses Kurt Scharf I. Härter zum uneingeschränkten Pfarramt im Januar 1943, am Tag ihres 31. Geburtstags. Nachdem die Gemeinde Ebersbach durch einen früheren Vikar weiter versorgt werden konnte, wurde I. Härter 1944, wegen dringender Notstände, nach Brandenburg in die Pfarrstelle Meinsdorf zurückgerufen. Ihr Arbeitsgebiet umfasste sieben Gemeinden in der Südmark, d.h. die gesamte pfarramtliche Arbeit im Bärwalder Ländchen. Nach ½ Jahr erkrankte I. Härter schwer und war für 1 ½ Jahre dienstunfähig. In dieser Interimszeit hielt sie sich bei Angehörigen in Niedersachsen auf. Ab 1.7.1946 übernahm sie die Schulpfarrstelle (mit Predigtdienst) am Mädchengymnasium in Leverkusen, bis sie am 1.9.1952 in die Berufschulspfarrstelle in Wuppertal-Elberfeld wechselte. I. Härter war in vielfältigen kirchlichen Tätigkeiten aktiv, wie in der Schul- und Jugendarbeit, im Gottesdienstunterausschuss EKiR bis 1972, im Kuratorium Jugendakademie Radevormwald und im Sozialethischen Ausschuss unter der Leitung von Friedrich Karrenberg. Sie reiste gern in die Schweiz (CVJT), Jugendlager in Braunwald und hielt Vorträge (Basel, Riehen, Balsthal, Grabs, St. Gallen) im Ökumenisches Institut u.a. über "Humanismus und Christentum". Auch nach England und Schottland knüpfte sie Kontakte: Clovenfords by Galashiel (Schott-land), Glasgow (Iona Community); Ilkley / Yorkshire (Wesleyan Deaconess College, Sheffield (Industriearbeit der Church of England) und Hertford (Teachers Training College). Sie interessierte sich für die Arbeit verschiedener Kirchen in anderen Ländern und hielt einzelne Vorträge zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Kirchen (Ökumene). Hierzu zählen ihr Engagement für die Jugendbewegungen mit Großbritannien und den von ihr gegründeten ökumenischen Jugendkreis mit Kontakten in die Niederlande und die USA. Mit dem Pastorinnengesetz der EKiR 1963 wurde die Amtsbezeichnung von Vikarin zur "Pastorin" abgeändert, ihre Personalakte jedoch weiterhin als Vikarinnenakte weitergeführt. Im Jahr 1972 wurde I. Härter emeritiert. Seither forschte sie über die Geschichte der Theologinnen im Kirchendienst und publizierte hierüber zahlreiche Beiträge. 2006 wurde I. Härter der Akademische Grad Dr. theol. H. c. von der kirchlichen Hochschule Wuppertal für ihre wissenschaftlichen Arbeiten über den gleichberechtigten Zugang der Frauen ins Pfarramt und den Kirchenkampf verliehen. Sie blieb unverheiratet und verstarb am 28. Dezember 2012 in Goch. Bestandsgeschichte und - struktur Der vorliegende Bestand gelangte in zwei Abgabeschüben, gemäß Verfügung von Pfarrerin Ilse Härter, in das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die erste Abgabe erfolgte vor 1985 als Vorlass und umfasste vier Archivkartons. Bei der vorläufigen Erfassung wurde die Ordnung beibehalten und das Schriftgut in Archivhefter umgebettet. Der zweite Abgabeschub erfolgte im Februar 2013 durch den Pfarrer Klaus Bender (Moyland) und umfasste 3 lfd. Meter. Die Überlieferung war in Stehordnern und teilweise in Mappen nach Sachbetreffen chronologisch abgeheftet und ordentlich geführt. Bei der Verzeichnung wurde die vorgefundene systematische Gliederung beibehalten und die vorgebildeten Titel übernommen. Hierbei wurden die Theologinnen der Rheinprovinz weitgehend ausführlich erfasst. Für die Recherche der Theologinnen anderer Landeskirchen sollte die Zugehörigkeit zur Landeskirchen und Ablage A-Z berücksichtigt werden. Umfangreiche Ablagen wurden in kleinere und zweckmäßige Einheiten gefasst (s. Bände a, b, c, d) und die innere Ordnung beibehalten. Materialsammlungen mit losen Blättern wurden in Archivmappen umgebettet und der besseren Benutzung wegen mit Stückzahlen versehen (Predigten und Aufsätze etc.). Die umfangreiche Sammlung von Druckschriften und Publikationen wurde nach einem Dublettenabgleich aus dem Bestand entnommen, kassiert bzw. in die Archivbibliothek integriert. Die jeweiligen Stellen wurden mit einem Signaturhinweis versehen. Das Konvolut der Grauen Literatur und Seminararbeiten wurden der archivfachlichen Lagerung willen sowie wegen einzelner Randbemerkungen und -notizen in ihrem Zusammenhang beim Bestand belassen. Insgesamt umfasst der Bestand 177 Verzeichnungseinheiten. Inhalt und Bedeutung Der Bestand gewährt einen Einblick in Härters persönliche Unterlagen. Hier sind Lebensdokumente, Tagebuchaufzeichnungen, Lebens- und Arbeitsberichte sowie Gratulationsschreiben und umfangreiche Fotodokumentationen vorzufinden. Aus der regen Korrespondenz werden ihre persönlichen Beziehungen und Netzwerke im Inn- und Ausland ersichtlich. Von Bedeutung ist auch die Überlieferung ihrer beruflichen Tätigkeit. Denn während die Verwaltung der Sakramente (Taufe und Abendmahl) offiziell nur Männern im Pfarramt vorbehalten war, hielt Härter 1943 als eine der ersten ordinierten Theologinnen Deutschlands in der Bekennenden Kirche bereits Predigten und führte Beerdigungen sowie Trauungen durch (Sig. 79-87). Für die Forschung dürfte zudem auch die umfangreiche Materialsammlung zur Theologinnenfrage von Interesse sein. Neben Datenerhebungen aller frühen Theologinnen Deutschlands (biografisches) ist hier auch der Schriftverkehr mit noch lebenden bzw. den Angehörigen der Verstorbenen überliefert. Ferner bietet die Einsichtnahme in diesen Teil einen umfassenden Überblick über Härters verwendete Literatur sowie auch die verfügbare Quellenlage. Der Nachlass bietet eine Fülle historischer Dokumente, die den Kampf der Theologinnen ins Pfarramt gegen die großen Widerstände der Amtskirche beleuchten. Er schließt Lücken in der sonst rudimentären Quellenlage der Frauen im Pfarramt. Dies liegt darin begründet, da der Beruf der Theologinnen erst 1975 die volle Anerkennung und Gleichberechtigung erlangte. Benutzungsbeschränkungen Der Bestand unterliegt der 10jährigen Sperrfrist und ist bis 2022 für die Benutzung und Onlinestellung nicht freigegeben. Verweise auf andere Bestände 1 OB 002 (Konsistorium der Rheinprovinz) 1 OB 017 (LKA Sachakten) 1OB 018 (Personalakten der Kandidaten), H399 7NL 038 ( Nachlass Pfarrer Wolfgang Scherffig) 7NL 084 (Nachlass Pfarrerin Änne Kaufmann) 7NL 011 (Nachlass Prof. Ernst Bammel), 64 6HA 002 Johannes Schlingensiepen OKR 8SL 045 (Biografische Sammlung) 8SL 005 (Kirchenkampfsammlung) 1OB 005 (Entnazifizierung), 33 div. Kirchenkampfakten und -Sammlungen Literatur Auf Gegenkurs: eine Fest- Dankesschrift zum 100. Geburtstag von Pfarrerin Dr. h. c. Ilse Härter für ihr kritisches Engagement in Kirche und Gesellschaft, die Gleichberechtigung der Frauen im Pfarramt, ihr ökumenisches Wirken, für Freundschaft und Partnerschaft. Berlin: Logos-Verl. 2011 Zuerst kamen die Brüder..! / Ilse Härter in: Predigtamt ohne Pfarramt? : die „Illegalen“ im Kirchenkampf.-Neukirchen-Vluyn. 1993, S.12-22; Der Streit um die Frauenordination in der Bekennenden Kirche: Quelltexte zu ihrer Geschichte im Zweiten Weltkrieg/Dagmar Herbrecht (Hg.), Ilse Härter, Hannelore Erhart; Gespräch mit Ilse Härter: "das wäre einem Pfarrer nicht passiert ..." / [das Gespräch führte Claudia Eliass], Frauen unterwegs : Zeitschrift der Evangelischen Frauenhilfe in Deutschland e.V . - Düsseldorf : Sutter. - 2001, April, S. 8-9 : Ill. Der Weg der Frauen zu Ordination und Pfarramt/ Ilse Härter, in: Schlangenbrut: Zeitschrift für feministisch und religiös interessierte Frauen/ Schlangenbrut e.V., Bonn: Bd.5 (1988) Aug., S. 4-7: Ill. Gemeindearbeit als Arbeitsfelder für Theologinnen in der Zeit des Nationalsozialismus/ Ilse Härter, in: „Darum wagt es Schwestern…“: Geschichte evangelischer Theologinnen in Deutschland. Neukirchen-Vluyn: (Historisch-theologische Studien zum 19. Und 20. Jahrhundert; 7).-1994, S. 447-459; 60 Jahre Kriegsende: „Zum Widerstand waren wir nicht erzogen“/ Ilse Härter. Interview: Petra Anna Siebert, 2005, 4 BL.: Ill., Printversion aus dem Internet http://www.ekir.de/www/service/4007.php (Zugriff 17.07.2015) Gespräch mit Zeitzeugen: zum Gedenken an die erste rheinische Landessynode vor 50 Jahren/ Ilse Härter in: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes. - Düsseldorf: Kirche in der Zeit [u.a.] Bd. 47/48 (1998), S. 149-153; Persönliche Erfahrungen mit der Ordination von Theologinnen in der Bekennenden Kirche des Rheinlandes und in Berlin-Brandenburg/ Ilse härter in: Zwischen Bekenntnis und Anpassung.-1985, S. 193-209; Pfarramt für Frauen: vom Pastorinnengesetz (1963) zur sog. „völligen Gleichstellung“ von Pfarrern und Pfarrerinnen (1975) / Ilse Härter: in: Verantwortung für Kirche und Staat: für Johannes Rau; Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland von 1965 bis 1999.-Düsseldorf: Evangelische Kirche im Rheinland.-2000, S. 28-31; Härter, Ilse: Art. „Ilse Härter“ in: Erhart, Hannelore (Hrsg.): Lexikon früher evangelischer Theologinnen. Biografische Skizzen, Neukirchen-Vluyn 2005, S. 205.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.