Mariengymnasium Jever (Bestand)
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NLA OL, Rep 721
Nds. Landesarchiv, Abt. Oldenburg (Archivtektonik) >> Gliederung >> 2 Staatliches Archivgut, Neuere Bestände >> 2.7 Schulen / Museen / Kultur >> 2.7.1 Schulen
1699-2000
Enthält: Verwaltungssachen, Schulorganisation, Geschäftsführung 1679-1949 (35); Personalsachen der Lehrkräfte und sonstigen Bediensteten 1701-1949 (24); Finanz- und Rechnungswesen, Schulgeld 1844-1924 (62); Schulreglement, Schülermatrikel, Schuldisziplin, Schülerverbindungen 1750-1944 (15); Hilfsverein, Stipendien, Eltern- und Schülervertretung 1776-1869 (6); Schulreformen, Lehrpläne, Zusammenarbeit mit anderen Schulen 1850-1950 (10); Konferenzen 1871-1950 (4); Gutachten über Schüler, Zensurenlisten 1909-1945 (8); Schulisches Leben, Schulgeschichte 1700-1889 (18); Bibliothek und Lehrmittel 1826-1967 (19); Ältere Maturitätsexamen 1722-1875 (57); Abiturprüfungen 1977-1979 (58); Abiturprüfungen 1990
Beschreibung: Rep 721 Mariengymnasium Jever
Zeit: 1679-2000
Geschichte des Bestandsbildners: Die Regentin des Jeverlandes, Fräulein Maria, stiftete durch ihr Testament vom 22. April 1573 eine Lateinschule in Jever. In ihren letzten beiden Lebensjahren betrieb sie die Umsetzung ihrer testamentarischen Verfügung, der Schulbetrieb wurde aufgenommen und als erster Rektor Henricus Libertinus (Heinrich Frey) berufen. Er war vorher Pfarrer in Waddewarden; ferner wurde ein Kantor bestellt. Der Unterricht fand zunächst im Privathaus des Rektors statt, 1593 fand die Schule ihr Domizil in dem Haus Kirchplatz 3. Nach dem Tode des Fräuleins Maria 1575 fiel die Herrschaft Jever an die Grafen von Oldenburg. Rektor Libertinus wurde von dem Oldenburger Superintendenten Hamelmann wegen des Verdachts, er sei ein Krypto-Calvinist, abgesetzt. Als neuer Rektor wurde Jacobus Hellmann 1578 eingesetzt. Das Oldenburger Grafenhaus war der Schule zwar wohlgesonnen, zu einer umfangreichen Förderung ist es aber nicht gekommen, da die Folgen der großen Sturmfluten, der umfassende Deichbau und nicht zuletzt der Dreißigjährige Krieg viele Gelder verschlangen.
Mit dem Tod des Oldenburger Grafen Anton Günther 1667 fiel die Herrschaft Jever an das Fürstenhaus Anhalt-Zerbst. Die Lateinschule wurde zu einer Provinzialschule umstrukturiert und umbenannt. Der Plan des Fürsten Johann August von Anhalt-Zerbst, die Provinzialschule in ein Gymnasium mit erweitertem Bildungsangebot umzuwandeln, konnte 1736 nicht verwirklicht werden; ein gewisser Niedergang der Schule wurde zunächst nicht aufgefangen. Zwischen 1783 und 1792 reformierte aber der Rektor Johann Christian Heinrich Krause, aus dem Schülerkreis des Göttinger Altphilologen Christian Gottlob Heyne kommend, die Schule im Sinne des neuhumanistischen Bildungsideals, welches auch der Pflege der deutschen Sprache im Unterricht mehr Gewicht verlieh. Unter Krauses Nachfolger, Rektor Hermann Friedrich Hollmann, stieg das Ansehen der Schule zwischen 1792 und 1825 deutlich, nicht zuletzt wegen des Emporkommens der musikalischen Bildung durch den Lehrer und Kantor Gottlob Friedrich Schönherr.
Geschichte des Bestandsbildners: Die Herrschaft Jever war inzwischen durch Erbgang an die russische Kaiserin Katharina die Große gefallen. Unter den Folgen der napoleonischen Kriegszüge und der holländischen sowie später französischen Besatzung geriet die Provinzialschule in eine äußerst schwierige Situation. Da die staatliche Besoldung aufgrund der politischen Verhältnisse ausfiel, wanderten Lehrer ab, ihre Stellen blieben unbesetzt. Nach der Besitzergreifung der Herrschaft Jever durch russische Kosaken erhielt Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg von Kaiser Alexander I. den Auftrag, das Jeverland zu verwalten und in Nießbrauch zu nehmen. Herzog Peter Friedrich Ludwig nahm sich der Provinzialschule in Jever an, ließ Gehälter nachzahlen und sorgte für den Umbau des vormaligen Drostenhauses zur Nutzung als Schulgebäude für die Provinzialschule. 1818 überließ er der Schule die wertvolle Büchersammlung im Schloss aus dem Besitz Remmers von Seediek, des Fürsten Johann Ludwig von Anhalt-Zerbst und anderer. Da sich die Provinzialschule als reine "Gelehrtenschule" verstand, verschloss sie sich der Forderung nach einer zeitgemäßen, bürgernahen Ausbildung. Die Schülerzahlen gingen erneut zurück, die Schule fiel in eine Existenzkrise. Zwei Jahre später wurde ein "Schulhülfsverein" gegründet und die Leistungsbewertung durch Zensuren eingeführt. 1841 folgte die Einführung des Turnunterrichts.
Geschichte des Bestandsbildners: Von grundlegender Bedeutung wurden die Veränderungen von 1853. Die Provinzialschule wurde zu einem "Gesamtgymnasium" mit einem humanistischen und einem neusprachlich-naturwissenschaftlichen Zweig umstrukturiert. 1853 wurde die Schule, bislang der Jeverschen Kirchenverwaltung zugeordnet, dem Oberschulkollegium in Oldenburg unterstellt; damit wurde die Schule zu einer staatlichen Einrichtung. 1872 wurde die Schule als "Gymnasium" bezeichnet, seit der 300-Jahrfeier im Jahre 1873 führt das Gymnasium in Jever den Namen "Mariengymnasium". In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Mariengymnasium zu einer "Deutschen Oberschule" umgewandelt. Jüdische Schüler wurden trotz bestandener Aufnahmeprüfung zurückgewiesen, "jüdisch versippte" Lehrer entlassen. 1939 wurde der Lateinunterricht für Mädchen zugunsten des Handarbeits- und Musikunterrichts abgeschafft.
Am 4.10.1945 begann am Mariengymnasium wieder der Unterricht, und im Juli 1946 konnte das 1900 neu errichtete Schulgebäude an der Terrasse wieder bezogen werden, das zeitweise Lazarett war. Anlässlich der 375-Jahrfeier wurde 1948 der "Verein ehemaliger Schülerinnen und Schüler" gegründet. 1954 ging die Schule in die Trägerschaft des Landkreises Friesland über.
Bestandsgeschichte: Zu verweisen ist auf die bedeutende Bibliothek der Schule, in der sich auch gebundenes Archivgut befindet.
Findmittel: Erschließung: Archivdatenbank
Zusatzinformationen: teilweise verzeichnet
Zusatzinformationen: Abgeschlossen: Nein
Beschreibung: Rep 721 Mariengymnasium Jever
Zeit: 1679-2000
Geschichte des Bestandsbildners: Die Regentin des Jeverlandes, Fräulein Maria, stiftete durch ihr Testament vom 22. April 1573 eine Lateinschule in Jever. In ihren letzten beiden Lebensjahren betrieb sie die Umsetzung ihrer testamentarischen Verfügung, der Schulbetrieb wurde aufgenommen und als erster Rektor Henricus Libertinus (Heinrich Frey) berufen. Er war vorher Pfarrer in Waddewarden; ferner wurde ein Kantor bestellt. Der Unterricht fand zunächst im Privathaus des Rektors statt, 1593 fand die Schule ihr Domizil in dem Haus Kirchplatz 3. Nach dem Tode des Fräuleins Maria 1575 fiel die Herrschaft Jever an die Grafen von Oldenburg. Rektor Libertinus wurde von dem Oldenburger Superintendenten Hamelmann wegen des Verdachts, er sei ein Krypto-Calvinist, abgesetzt. Als neuer Rektor wurde Jacobus Hellmann 1578 eingesetzt. Das Oldenburger Grafenhaus war der Schule zwar wohlgesonnen, zu einer umfangreichen Förderung ist es aber nicht gekommen, da die Folgen der großen Sturmfluten, der umfassende Deichbau und nicht zuletzt der Dreißigjährige Krieg viele Gelder verschlangen.
Mit dem Tod des Oldenburger Grafen Anton Günther 1667 fiel die Herrschaft Jever an das Fürstenhaus Anhalt-Zerbst. Die Lateinschule wurde zu einer Provinzialschule umstrukturiert und umbenannt. Der Plan des Fürsten Johann August von Anhalt-Zerbst, die Provinzialschule in ein Gymnasium mit erweitertem Bildungsangebot umzuwandeln, konnte 1736 nicht verwirklicht werden; ein gewisser Niedergang der Schule wurde zunächst nicht aufgefangen. Zwischen 1783 und 1792 reformierte aber der Rektor Johann Christian Heinrich Krause, aus dem Schülerkreis des Göttinger Altphilologen Christian Gottlob Heyne kommend, die Schule im Sinne des neuhumanistischen Bildungsideals, welches auch der Pflege der deutschen Sprache im Unterricht mehr Gewicht verlieh. Unter Krauses Nachfolger, Rektor Hermann Friedrich Hollmann, stieg das Ansehen der Schule zwischen 1792 und 1825 deutlich, nicht zuletzt wegen des Emporkommens der musikalischen Bildung durch den Lehrer und Kantor Gottlob Friedrich Schönherr.
Geschichte des Bestandsbildners: Die Herrschaft Jever war inzwischen durch Erbgang an die russische Kaiserin Katharina die Große gefallen. Unter den Folgen der napoleonischen Kriegszüge und der holländischen sowie später französischen Besatzung geriet die Provinzialschule in eine äußerst schwierige Situation. Da die staatliche Besoldung aufgrund der politischen Verhältnisse ausfiel, wanderten Lehrer ab, ihre Stellen blieben unbesetzt. Nach der Besitzergreifung der Herrschaft Jever durch russische Kosaken erhielt Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg von Kaiser Alexander I. den Auftrag, das Jeverland zu verwalten und in Nießbrauch zu nehmen. Herzog Peter Friedrich Ludwig nahm sich der Provinzialschule in Jever an, ließ Gehälter nachzahlen und sorgte für den Umbau des vormaligen Drostenhauses zur Nutzung als Schulgebäude für die Provinzialschule. 1818 überließ er der Schule die wertvolle Büchersammlung im Schloss aus dem Besitz Remmers von Seediek, des Fürsten Johann Ludwig von Anhalt-Zerbst und anderer. Da sich die Provinzialschule als reine "Gelehrtenschule" verstand, verschloss sie sich der Forderung nach einer zeitgemäßen, bürgernahen Ausbildung. Die Schülerzahlen gingen erneut zurück, die Schule fiel in eine Existenzkrise. Zwei Jahre später wurde ein "Schulhülfsverein" gegründet und die Leistungsbewertung durch Zensuren eingeführt. 1841 folgte die Einführung des Turnunterrichts.
Geschichte des Bestandsbildners: Von grundlegender Bedeutung wurden die Veränderungen von 1853. Die Provinzialschule wurde zu einem "Gesamtgymnasium" mit einem humanistischen und einem neusprachlich-naturwissenschaftlichen Zweig umstrukturiert. 1853 wurde die Schule, bislang der Jeverschen Kirchenverwaltung zugeordnet, dem Oberschulkollegium in Oldenburg unterstellt; damit wurde die Schule zu einer staatlichen Einrichtung. 1872 wurde die Schule als "Gymnasium" bezeichnet, seit der 300-Jahrfeier im Jahre 1873 führt das Gymnasium in Jever den Namen "Mariengymnasium". In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Mariengymnasium zu einer "Deutschen Oberschule" umgewandelt. Jüdische Schüler wurden trotz bestandener Aufnahmeprüfung zurückgewiesen, "jüdisch versippte" Lehrer entlassen. 1939 wurde der Lateinunterricht für Mädchen zugunsten des Handarbeits- und Musikunterrichts abgeschafft.
Am 4.10.1945 begann am Mariengymnasium wieder der Unterricht, und im Juli 1946 konnte das 1900 neu errichtete Schulgebäude an der Terrasse wieder bezogen werden, das zeitweise Lazarett war. Anlässlich der 375-Jahrfeier wurde 1948 der "Verein ehemaliger Schülerinnen und Schüler" gegründet. 1954 ging die Schule in die Trägerschaft des Landkreises Friesland über.
Bestandsgeschichte: Zu verweisen ist auf die bedeutende Bibliothek der Schule, in der sich auch gebundenes Archivgut befindet.
Findmittel: Erschließung: Archivdatenbank
Zusatzinformationen: teilweise verzeichnet
Zusatzinformationen: Abgeschlossen: Nein
4,5; 331 Verzeichnungseinheiten (Stand Juni 2015)
Bestand
Literatur: Hugo Harms, Geschichte des Mariengymnasiums, bearbeitet von Dr. Remy Petri, hg. vom Verein ehemaliger Schüler, Jever 1973; 425 Jahre Mariengymnasium Jever 1573-1998. Beiträge zur Vergangenheit und Gegenwart der Schule, Jever 1998; Friedrich-Wilhelm Schaer, Mariengymnasium Jever, Handschriftensammlung (16.-20. Jh.), Oldenburg 1993; Matthias Bollmeyer, Ein frühes Dokument zum Schulleben an der Lateinschule in Jever: Ein lateinisches Zeugnis aus dem Jahre 1587, in: Oldenburger Jahrbuch 108 (2008), S. 85-93.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
16.06.2025, 10:42 AM CEST