Ritterschaft (Bestand)
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NLA ST, ARL 02
Nds. Landesarchiv, Abt. Stade (Archivtektonik) >> Gliederung >> 2 Nichtstaatliche Bestände >> 2.4 Ritterschaftliches Archiv
1517-1999
Bestandsgeschichte: Vorwort: Die bremische Ritterschaft
Die Stände vertraten als "meliores et majores terrae", als die politisch, wirtschaftlich, rechtlich und sozial bevorzugten, korporativ organisierten Gesellschaftsgruppen, das Land in seiner Gesamtheit und waren das Bindeglied zwischen Land und Landesherrn. Der bedeutendste Stand innerhalb der sich im späten Mittelalter ausbildenden landständischen Verfassung des Erzstifts Bremen war neben dem geistlichen Stand (Domkapitel und Prälaten) ohne Zweifel die bremische Ritterschaft. Seit der Säkularisisation der Herzogtümer Bremen und Verden bestand die Landschaft der weltlichen Herzogtümer nur noch aus den Landständen des Herzogtums Bremen, der bremischen Ritterschaft und den Städten Stade und Buxtehude, sowie den Landständen des Herzogtums Verden, der verdischen Ritterschaft und der Stadt Verden. Die Bedeutung und Vorrangstellung der bremischen Ritterschaft unter diesen spiegelt sich unter anderem darin, dass der Präsident der bremischen Ritterschaft zugleich Präsident der Landschaft der Herzogtümer Bremen und Verden war.
Die Ritter besaßen mit mehr oder weniger großen Privilegien und Herrschaftsrechten ausgestatteten Grundbesitz, darunter die Exemtion vom Landgericht, Abgabenfreiheit (bis auf den Roßdienst), Patromonialgerichtsbarkeit und Patronatsrechte. Die halbjährlichen Zusammenkünfte der Ritterschaft, die Rittertage, entwickelten sich im Laufe der Zeit zu Ritterund Landtagen, auf denen dann auch die allgemeinen Landesangelegenheiten zusammen mit den Mitständen, die bremischen Städte, und soweit betroffen auch die Stände des Herzogtums Verden und Deputierte der Marschländer beraten wurden. Die Protokolle der Ritter- und Landtage seit Beginn des 18. Jahrhunderts machen einen wesentlichen Teil des hier vorgelegten Bestandes aus und ergänzen die entsprechende Überlieferung im Archiv der Landschaft.
Der hier verzeichnete Bestand an Akten etc. umfaßt den gesamten erhalten gebliebenen schriftlichen Niederschlag der Aufgaben und Tätigkeiten in der Hand der über eigene Hoheits- und Herrschaftsrechte verfügenden adeligen Mediatgewalt der Ritterschaft. Darüber hinaus geben die Akten auch Auskunft über die Ritterfamilien selbst, ihre Herkunft, familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie ihr Agieren innerhalb der eigenen adligen Korporation. Neben besonders geführten Akten über die Immatrikulierungen und die Rittermatrikel selbst, die seit Beginn des 17.
Jahrhunderts fortlaufend ergänzt und fortgeführt wurden, enthält eine große Abteilung wichtiges Material über die Ritterpferde, Roßdienste und Roßdienstgelder der in sechs Zirkel eingeteilten Ritterschaft. Auch Unterlagen zu ritterschaftlichen Einrichtungen wie dem Kreditinstitut sowie zu Stiftungen zum Wohle der Ritterschaftsfamilien sind in diesem Bestand zu finden.
Das in den Jahren 1936 bis 1938 von dem deutsch-baltischen Archivar Dr. Granzin unter Verwendung älterer Findhilfsmittel erstmals in toto verzeichnete und geordnete Archiv der Ritterschaft war im Laufe der folgenden Jahre immer stärker durcheinander geraten, in erster Linie verursacht durch das unübersichtliche Signaturenschema. Im Zuge der 1994 angelaufenen Revision des Archivs wurden daher die Signaturen auf ein für jeden auf Anhieb verständliches Numerus-Currens-System umgestellt, während die Akten selbst geteilt wurden, wenn sie entweder zu dick waren oder ganz disparate Inhalte, die nur durch Zufall zusammenlagen, umfaßten. Die systematische Gliederung wurde im Kern zwar beibehalten, jedoch im Interesse einer tieferen Erschließung an vielen Stellen verfeinert; je ein geographischer, Personen- und Sachindex kam noch hinzu.
Die Verzeichnung des Bestandes unternahm unter Beratung und Betreuung des Staatsarchivs Stade Herr Thomas Fenner aus Stade.
Stade, im Oktober 2000
Dr. Jan Lokers
Zusatzinformationen: Abgeschlossen: Nein
vollständig verzeichnet
Die Stände vertraten als "meliores et majores terrae", als die politisch, wirtschaftlich, rechtlich und sozial bevorzugten, korporativ organisierten Gesellschaftsgruppen, das Land in seiner Gesamtheit und waren das Bindeglied zwischen Land und Landesherrn. Der bedeutendste Stand innerhalb der sich im späten Mittelalter ausbildenden landständischen Verfassung des Erzstifts Bremen war neben dem geistlichen Stand (Domkapitel und Prälaten) ohne Zweifel die bremische Ritterschaft. Seit der Säkularisisation der Herzogtümer Bremen und Verden bestand die Landschaft der weltlichen Herzogtümer nur noch aus den Landständen des Herzogtums Bremen, der bremischen Ritterschaft und den Städten Stade und Buxtehude, sowie den Landständen des Herzogtums Verden, der verdischen Ritterschaft und der Stadt Verden. Die Bedeutung und Vorrangstellung der bremischen Ritterschaft unter diesen spiegelt sich unter anderem darin, dass der Präsident der bremischen Ritterschaft zugleich Präsident der Landschaft der Herzogtümer Bremen und Verden war.
Die Ritter besaßen mit mehr oder weniger großen Privilegien und Herrschaftsrechten ausgestatteten Grundbesitz, darunter die Exemtion vom Landgericht, Abgabenfreiheit (bis auf den Roßdienst), Patromonialgerichtsbarkeit und Patronatsrechte. Die halbjährlichen Zusammenkünfte der Ritterschaft, die Rittertage, entwickelten sich im Laufe der Zeit zu Ritterund Landtagen, auf denen dann auch die allgemeinen Landesangelegenheiten zusammen mit den Mitständen, die bremischen Städte, und soweit betroffen auch die Stände des Herzogtums Verden und Deputierte der Marschländer beraten wurden. Die Protokolle der Ritter- und Landtage seit Beginn des 18. Jahrhunderts machen einen wesentlichen Teil des hier vorgelegten Bestandes aus und ergänzen die entsprechende Überlieferung im Archiv der Landschaft.
Der hier verzeichnete Bestand an Akten etc. umfaßt den gesamten erhalten gebliebenen schriftlichen Niederschlag der Aufgaben und Tätigkeiten in der Hand der über eigene Hoheits- und Herrschaftsrechte verfügenden adeligen Mediatgewalt der Ritterschaft. Darüber hinaus geben die Akten auch Auskunft über die Ritterfamilien selbst, ihre Herkunft, familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie ihr Agieren innerhalb der eigenen adligen Korporation. Neben besonders geführten Akten über die Immatrikulierungen und die Rittermatrikel selbst, die seit Beginn des 17.
Jahrhunderts fortlaufend ergänzt und fortgeführt wurden, enthält eine große Abteilung wichtiges Material über die Ritterpferde, Roßdienste und Roßdienstgelder der in sechs Zirkel eingeteilten Ritterschaft. Auch Unterlagen zu ritterschaftlichen Einrichtungen wie dem Kreditinstitut sowie zu Stiftungen zum Wohle der Ritterschaftsfamilien sind in diesem Bestand zu finden.
Das in den Jahren 1936 bis 1938 von dem deutsch-baltischen Archivar Dr. Granzin unter Verwendung älterer Findhilfsmittel erstmals in toto verzeichnete und geordnete Archiv der Ritterschaft war im Laufe der folgenden Jahre immer stärker durcheinander geraten, in erster Linie verursacht durch das unübersichtliche Signaturenschema. Im Zuge der 1994 angelaufenen Revision des Archivs wurden daher die Signaturen auf ein für jeden auf Anhieb verständliches Numerus-Currens-System umgestellt, während die Akten selbst geteilt wurden, wenn sie entweder zu dick waren oder ganz disparate Inhalte, die nur durch Zufall zusammenlagen, umfaßten. Die systematische Gliederung wurde im Kern zwar beibehalten, jedoch im Interesse einer tieferen Erschließung an vielen Stellen verfeinert; je ein geographischer, Personen- und Sachindex kam noch hinzu.
Die Verzeichnung des Bestandes unternahm unter Beratung und Betreuung des Staatsarchivs Stade Herr Thomas Fenner aus Stade.
Stade, im Oktober 2000
Dr. Jan Lokers
Zusatzinformationen: Abgeschlossen: Nein
vollständig verzeichnet
Bestand
Literatur: Otto M e r k e r, Die Ritterschaft des Erzstifts Bremen im Spätmittelalter. Herrschaft und politische Stellung als Landstand (1300 - 1550), Stade (Einzelschriften des Stader Geschichts- und Heimatvereins, 16) 1962.
Literatur: Hans Georg Trüper, Ritter und Knappen zwischen Weser und Elbe: Die Ministerialität des Erzstifts Bremen, Stade (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 12) 2000 (zugl. Vechta, Hochsch. Diss., 1998).
Literatur: Hans Georg Trüper, Ritter und Knappen zwischen Weser und Elbe: Die Ministerialität des Erzstifts Bremen, Stade (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 12) 2000 (zugl. Vechta, Hochsch. Diss., 1998).
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
16.06.2025, 12:45 MESZ