Nachlass Rudolf Kusel (1809-1890), Rechtsanwalt, Fiskalanwalt, bad. Landtagsabgeordneter (Bestand)
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Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, N Kusel
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Nichtstaatliches Archivgut >> Nachlässe >> Andere Nachlässe >> Kusel
1831-1881
Inhalt und Bewertung
Schriftgut aus seiner Tätigkeit als Fiskalanwalt und Landtagsabgeordneter.
1. Vorwort: Rudolf Kusel wurde am 9. Mai 1809 als Sohn des Bankiers Jakob Kusel in Karlsruhe geboren. Nach dem Besuch des Karlsruher Lyzeums studierte er ab 1827 Rechtswissenschaften in Heidelberg und München. 1832 wurde Kusel Rechtspraktikant und arbeitete während seiner Ausbildung in den Ämtern Durlach und Oberkirch. Da Juden der Eintritt in den badischen Staatsdienst zur damaligen Zeit noch verwehrt war, wurde Kusel 1835 Advokat und Prokurator beim Hofgericht in Rastatt, wo er sich schnell einen Namen machte. Mit der Verlegung des Gerichts nach Bruchsal übersiedelte Kusel dorthin. Nach dem Scheitern der Badischen Revolution verteidigte er 1849 mehrere Revolutionäre. Für den vor dem Militärgericht in Rastatt angeklagten Chef des Generalstabs der Aufständischen Otto von Corvin erreichte er die Umwandlung des Todesurteils in eine zehnjährige Zuchthausstrafe. Kusel war in Karlsruhe, wohin er 1864 Kanzlei und Wohnsitz verlegte, sowohl in der jüdischen Gemeinde wie im gesellschaftlichen Leben engagiert. Als die jüdischen Bürger 1862 in Baden volle staatsbürgerliche Rechte (Judenemanzipation) erhielten, wurde er für den Wahlkreis Karlsruhe Stadt I als erster jüdischer Abgeordneter in die Zweite Kammer des badischen Landtags gewählt und übte das Mandat bis 1870 aus. Seine politische Arbeit konzentrierte sich dabei vor allem auf die Beratung bürgerlicher und verfassungsrechtlicher Fragen. Zudem war er für die zweite Kammer Berichterstatter für Entwürfe zur Änderung der Verfassung. 1867 trat er der Nationalliberalen Partei bei. 1865 wurde Kusel Mitglied der Kreisversammlung und amtierte 1868-1871 als Vorsitzender des Kreisausschusses. 1871-1875 war er Mitglied im Bürgerausschuss. Danach zog er sich altershalber aus dem öffentlichen Leben zurück, wirkte aber weiter als Anwalt. Kusel war verheiratet mit Karoline Traumann, mit der er fünf Kinder hatte. Die Familie lebte im ehemaligen Bankhaus Kusel in der Karl-Friedrich-Straße 8 (heute Filiale der Sparkasse am Marktplatz). 1872 erhielt er das Ritterkreuz 1. Klasse des Zähringer Löwen-Ordens. Rudolf Kusel starb am 26. Januar 1890 in Karlsruhe.
2. Zur Ordnung: Der Nachlass besteht aus elf Faszikeln, darunter ein Faszikel zu Kusels Tätigkeit als Fiskalanwalt, drei Faszikel zu seiner Tätigkeit als Vetreter der jüdischen Gemeinde sowie sieben Faszikeln zu seiner Arbeit als Abgeordneter der zweiten Kammer des badischen Landtags. Die Erschließung des Nachlasses erfolgte 2017 durch René Gilbert im Rahmen eines von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg finanzierten Projekts. Zusätzlich versah Gilbert den Bestand mit einem Ortsindex.
3. Quellen und Literatur: Quellen: Foto des Abgeordneten Rudolf Kusel in: GLA 231 Nr. 2937 (402) Literatur: Heinsheimer, Max: Rudolf Kusel, in: Badische Biographien, Band 4 , hrsg. von Friedrich von Weech, Heidelberg 1891, S. 241 f. Kaller, Gerhard: Jüdische Abgeordnete im badischen Landtag, in: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, hrsg. von Bräunche, Ernst Otto/Koch, Manfred/Schmitt, Heinz, Karlsruhe 1988, 2. Aufl. 1990, S. 413-416 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 8)
Schriftgut aus seiner Tätigkeit als Fiskalanwalt und Landtagsabgeordneter.
1. Vorwort: Rudolf Kusel wurde am 9. Mai 1809 als Sohn des Bankiers Jakob Kusel in Karlsruhe geboren. Nach dem Besuch des Karlsruher Lyzeums studierte er ab 1827 Rechtswissenschaften in Heidelberg und München. 1832 wurde Kusel Rechtspraktikant und arbeitete während seiner Ausbildung in den Ämtern Durlach und Oberkirch. Da Juden der Eintritt in den badischen Staatsdienst zur damaligen Zeit noch verwehrt war, wurde Kusel 1835 Advokat und Prokurator beim Hofgericht in Rastatt, wo er sich schnell einen Namen machte. Mit der Verlegung des Gerichts nach Bruchsal übersiedelte Kusel dorthin. Nach dem Scheitern der Badischen Revolution verteidigte er 1849 mehrere Revolutionäre. Für den vor dem Militärgericht in Rastatt angeklagten Chef des Generalstabs der Aufständischen Otto von Corvin erreichte er die Umwandlung des Todesurteils in eine zehnjährige Zuchthausstrafe. Kusel war in Karlsruhe, wohin er 1864 Kanzlei und Wohnsitz verlegte, sowohl in der jüdischen Gemeinde wie im gesellschaftlichen Leben engagiert. Als die jüdischen Bürger 1862 in Baden volle staatsbürgerliche Rechte (Judenemanzipation) erhielten, wurde er für den Wahlkreis Karlsruhe Stadt I als erster jüdischer Abgeordneter in die Zweite Kammer des badischen Landtags gewählt und übte das Mandat bis 1870 aus. Seine politische Arbeit konzentrierte sich dabei vor allem auf die Beratung bürgerlicher und verfassungsrechtlicher Fragen. Zudem war er für die zweite Kammer Berichterstatter für Entwürfe zur Änderung der Verfassung. 1867 trat er der Nationalliberalen Partei bei. 1865 wurde Kusel Mitglied der Kreisversammlung und amtierte 1868-1871 als Vorsitzender des Kreisausschusses. 1871-1875 war er Mitglied im Bürgerausschuss. Danach zog er sich altershalber aus dem öffentlichen Leben zurück, wirkte aber weiter als Anwalt. Kusel war verheiratet mit Karoline Traumann, mit der er fünf Kinder hatte. Die Familie lebte im ehemaligen Bankhaus Kusel in der Karl-Friedrich-Straße 8 (heute Filiale der Sparkasse am Marktplatz). 1872 erhielt er das Ritterkreuz 1. Klasse des Zähringer Löwen-Ordens. Rudolf Kusel starb am 26. Januar 1890 in Karlsruhe.
2. Zur Ordnung: Der Nachlass besteht aus elf Faszikeln, darunter ein Faszikel zu Kusels Tätigkeit als Fiskalanwalt, drei Faszikel zu seiner Tätigkeit als Vetreter der jüdischen Gemeinde sowie sieben Faszikeln zu seiner Arbeit als Abgeordneter der zweiten Kammer des badischen Landtags. Die Erschließung des Nachlasses erfolgte 2017 durch René Gilbert im Rahmen eines von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg finanzierten Projekts. Zusätzlich versah Gilbert den Bestand mit einem Ortsindex.
3. Quellen und Literatur: Quellen: Foto des Abgeordneten Rudolf Kusel in: GLA 231 Nr. 2937 (402) Literatur: Heinsheimer, Max: Rudolf Kusel, in: Badische Biographien, Band 4 , hrsg. von Friedrich von Weech, Heidelberg 1891, S. 241 f. Kaller, Gerhard: Jüdische Abgeordnete im badischen Landtag, in: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, hrsg. von Bräunche, Ernst Otto/Koch, Manfred/Schmitt, Heinz, Karlsruhe 1988, 2. Aufl. 1990, S. 413-416 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 8)
11 Akten
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:03 MESZ