Streit um eine Rentverschreibung (Appellationsverfahren)
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GerKer, 378
GerKer Schöffengericht Kerpen
Schöffengericht Kerpen >> 7 Prozesse anderer Gerichte >> 7.3 Prozesse der Appellationsinstanz unter Beteiligung des Schöffengerichts
1733 - 1736
Enthält: Bereits am 21.6.1732 hatten die beiden Damen ("Juffern") von Fabri wegen einer Rentverschreibung über 1000 Rtlr, die sie am 4.12.1720 mit Johann Müller und dessen Frau Eva Wirtz abgeschlossen hatten und die sie jetzt als angeblich rechtswidrig ansahen, gegen die Kinder von Johann Müller Klage erhoben und Einweisung in die Unterpfänder beantragt. Gegen das Urteil des Kerpener Gerichts über die juristische Korrektheit der Verschreibung im Juni 1733 appellierten die Jungfern von Fabri an das reichsgräfliche Kerpen-Lommersumer Appellationskommissariat in Düsseldorf, das am 23.12.1734 den Appellantinnen die Immission in das 1720 benannte Unterpfand zugesteht. Für die Exekution dieses Spruchs bevollmächtigten die Schwestern M. A. und A. M. von Fabri am 7.6.1735 Bernhard Heinrich Meinhoff. Zur weiteren Klärung des Sachverhalts wird am 14. Juli 1735 eine Liste zur Befragung von Zeugen eingereicht. Darin geht es auch um die Zurechnungsfähigkeit bzw. Rechtsfähigkeit Johann Müllers beim Abschluss des Obligationsvertrags. Er hatte nämlich im Jahr 1714 einen Schlaganfall erlitten, der nicht nur seine Bewegung sondern angeblich auch seinen Verstand behinderte. Auch der Schultheiß von Kerpen Johann Joseph Schreiber und der Gerichtsschreiberverwalter Johann Matthias Wolters sollen wegen ihrer Unterschrift unter die fragliche Obligation zur Verantwortung gezogen werden. Zur Unterstreichung des Anspruchs auf die Unterpfänder dient zudem eine Quittungsliste für die Pachtzahlungen Welter (!) Glasmachers zu Langenich an Johann Müller 1712-1720. Anscheinend lenken die Damen von Fabri schließlich doch ein, unter Aufrechterhaltung ihres Entschädigungsanspruchs das Verfahren einzustellen, denn zum 30. Juli 1736 befiehlt der Appellationskommissar die Zusammenfassung (Rotulus) der Akten.
Schriftstücke: 13
Archivale
Drossard, Peter
Fabri, von
Glasmacher, Welter, aus Langenich
Jaixen - Gerhard
Kux, Hermann
Meinhoff, Bernhard Heinrich, Advokat
Müller - Johann
Schreiber, Johann Joseph, Schultheiss
Schumacher, Jacob
Werres, Adam
Wirtz, Eva, Frau von Johann Müller
Wolters, Johann Matthias, Gerichtsschreiberverwalter
Appellation
Rentverschreibung
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
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Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
09.01.2026, 12:16 MEZ