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Altbestand (16.-20. Jh.)-neu (Bestand)
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Bestandsbeschreibung: Findbuch zum Stadtarchiv Oldenburg (Bestand 262-1 A) - Akten der Stadtverwaltung 16. - 20. Jahrhundert,
bearbeitet von Joachim Schrape und Claus Ahrens
INHALT:
I.a) Vorbemerkung zur Veröffentlichung
b) Kurzer Abriss der Stadtgeschichte
c) Literaturauswahl zur Geschichte der Stadt Oldenburg
d) Geschichte des Stadtarchivs Oldenburg
e) Bemerkungen zum Bestand
f) Ergänzende Archivbestände
I.a) Vorbemerkung zur Veröffentlichung
Mit dem vorliegenden Bestandsverzeichnis des Stadtarchivs Oldenburg liegt nunmehr auch für die Stadt Oldenburg ein Verzeichnis des historischen Archivs in gedruckter Form vor. Diese Find¬buch¬pu¬bli¬ka¬ti¬on soll die Zugänglichkeit städtischer Geschichtsquellen und deren Benutzung im Archiv verbessern, aber auch die Arbeiten für die anläßlich der 650jährigen Wiederkehr der Verleihung der Stadt¬rech¬te am 6. Januar 1995 geplante Stadtgeschichtsveröffentlichung erleichtern.
Zu danken sei an dieser Stelle dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Oldenburg für die Unterstützung. Besonderer Dank gebührt Frau Edith Boecker für die Erstellung der Schreibmaschinenvorlagen, Herrn Dieter Patzelt für die Lektoratsarbeiten und Frau Gerda Schriefer für die der Druckvorlagen.
I.b) Kurzer Abriss der Stadtgeschichte
Älteste Siedlungsspuren für den stadtoldenburgischen Bereich ließen sich schon für das 7. Jahrhundert nachweisen. Aber erst um 1050 wurde eine "Omersburg" (Ammersche Burg), die Oldenburg sein kann, urkundlich erwähnt.
Ein bedeutender Einschnitt in der städtischen Entwicklung ist die Verleihung des bremischen Stadtrechtes durch Graf Konrad am 06.01.1345. Dieser Rechtsakt stellte den Schlusspunkt eines teil¬wei¬se bereits vorher vollzogenen Urbanisierungsprozesses dar. Die Selbstverwaltung führte auch zu einer wirtschaftlichen Blüte: In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gründeten sich Ämter (Zünf¬te) der Bäcker, Schmiede, Schneider und Schuhmacher. Nachteilig wirkte sich aus, dass die Stadt keinen Bündnissen beitreten durfte: Oldenburg wurde nie Mitglied der Hanse.
Nach dem Amtsantritt des der lutherischen Lehre gegenüber auf¬ge¬schlos¬se¬nen Grafen Anton I. im Jahre 1526 setzte sich die Re¬for¬ma¬ti¬on auch in Oldenburg durch. Ihren Abschluss bildete die 1573 ge¬schaf¬fe¬ne oldenburgische Kirchenordnung von Hermann Hamelmann, dem Verfasser der 1599 gedruckten Oldenburger Chronik. Blieb die Stadt, die nun schätzungsweise 3 100 Einwohner zählte (1630). Vom 30jäh¬ri¬gen Krieg blieb die Stadt weitgehend verschont. Den Feldherrn Tilly, der 1623 bei Wardenburg sein Lager aufgeschlagen hatte, konnte Graf Anton Günther durch geschickte Diplomatie zum Abzug bewegen. Inmitten dieser bewegten Zeit konnte 1635 das Rathaus errichtet werden. Allerdings wurde Oldenburg von zwei anderen Ereignissen schwer getroffen: 1667 kommt es zum Ausbruch einer Pestseuche, der viele Einwohner zum Opfer fallen, und ein großer Stadtbrand vernichtet am 27.07.1676 den größten Teil der Stadt mit Ausnahme des Schlossbereiches. Der Ort zählte jetzt nur noch etwa 2 200 Einwohner.
Der Tod des Grafen Anton Günther am 19. Juni 1667 war ein weiterer bedeutender Einschnitt in der Stadtgeschichte. Da er keinen erblich legitimen Sohn hinterließ, fiel die Grafschaft Ol¬den¬burg-Del¬men¬horst vertraglich an die nächsten Verwandten, die Könige von Dä¬ne¬mark und Herzöge von Schleswig-Holstein. Oldenburg wurde von nun an von dänischen Statthaltern regiert. Der damit verbundene Verlust der Residenz wirkte sich wirtschaftlich nachteilig aus. Zumindest etwas ausgeglichen wurde dieser Umstand durch den Ausbau Oldenburgs zur Festung, insbesondere in den Jahren 1723 bis 1746. Die Dä¬nen¬zeit endete, als 1773 der russische Zar Paul III. mit der dänischen Krone einen Vergleich schloss, bei dem er das Dänemark zufallende Herzogtum Holstein gegen die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst eintauschte. Sie wurden dann Fürstbischof Friedrich August von Lübeck, einem Vertreter der jüngeren Gottorper Linie überlassen, der noch im gleichen Jahr in Oldenburg einzog. Hauptsitz des 1774 zum Herzogtum erhobenen Landes blieb aber der Bischofssitz Eutin. Erst der Nachfolger, Herzog Peter Friedrich Ludwig, verlegte 1785 die Residenz wieder in die Huntestadt und begann, diese im klas¬si¬zi¬sti¬schen Stil auszubauen. Im November 1806 rückten dann hol¬län¬di¬sche, mit Frankreich verbündete Truppen im Zuge der Durchführung der Kontinentalsperre Napoleons in die Stadt ein.
Durch das "Senats Consultum" vom 13. Dezember 1810 wurde das Her¬zog¬tum zum Kaiserreich Frankreich geschlagen. Die eigentliche Annexion erfolgte kurze Zeit später.
Peter Friedrich Ludwig emigrierte für diese Zeit nach Russland. Die französische Herrschaft endete mit dem Einrücken der Kosaken im Oktober 1813. Nach Rückkehr des Herzogs wurden die früheren Rechte, mit Ausnahme der Leibeigenschaft, wieder hergestellt. Dieser nahm auch den von seinem Vater abgelehnten Titel an. Unter seiner Herr¬schaft wurde im Februar 1832 das Theater eröffnet, das unter dem Dramaturgen Julius Mosen überregionale Bedeutung erlangt und 1841 das "Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital" an der Peterstraße nach dreijähriger Bauzeit errichtet, wohl eine der bedeutendsten klas¬si¬zi¬sti¬schen Bauten der Stadt.
Im Jahr 1833 erhielt die Stadt nach Vorarbeiten eine neue Stad¬tord¬nung, die den Bürgern mehr Mitspracherechte einräumte. Aber erst die deutsche Revolution von 1848 brachte den Oldenburgern mit der Verkündigung des Staatsgrundgesetzes (11. März 1849) eine Ver¬fas¬sung. Der erste Oldenburgische Landtag nahm im Rathaus seine Arbeit auf. Als 1853 der Großherzog starb, übernahm der Sohn Nikolaus Friedrich Peter die Herrschaft.
Auch die industrielle Revolution hinterließ ihre Spuren: 1845 wurde die oldenburgische Glashütte im Vorort Osternburg eröffnet sowie ein regelmäßiger Dampfschifffahrtsbetrieb auf der Hunte ein¬ge¬rich¬tet. 1856 ließ sich die Warpsspinnerei und -stärkerei ebenfalls in Osternburg nieder. Bereits 1850 hatte die Schiffswerft Brand ihren Betrieb von Edewecht an den Stau in Oldenburg verlegt. Dort befand sich ein gewerblicher Schwerpunkt mit Dampf-, Öl-, Säge- sowie Windmühlen, Kalkofen, Steinguttöpferei, Eisengießerei und Ze¬ment¬fa¬brik. Einhergehend mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wurde das Verkehrswesen ausgebaut. 1845/46 war die Torsperre - ein Relikt früherer Zeiten - aufgehoben worden. Nun erhielt die Huntestadt mit der Erstellung der Bahn Bremen-Oldenburg-Heppens (1867) Eisenbahnanschluss bis zum Ausbau als Verkehrsknotenpunkt mit den Linien nach Leer (1869), Osnabrück (1876) und Brake (1896) nebst Sitz der großherzoglich-oldenburgischen Eisenbahnverwaltung. 1893 - nach 40jähriger Bauzeit - konnte auch der Hunte-Ems-Kanal eingeweiht werden.
Lag auch die Militär- und Posthoheit nach Gründung des Nord¬deut¬schen Bundes bei Preußen, so entwickelte sich parallel zum Verkehr ein Gewerbe- und Dienstleistungszentrum mit Ansiedlung bzw. Ein¬rich¬tung von Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Land¬wirt¬schafts¬kam¬mer und anderen landwirtschaftlichen Ge¬nos¬sen¬schaft¬sein¬rich¬tun¬gen in der Stadt. Ein Spiegelbild dieser wirtschaftlichen Blüte war die "Landes-, Industrie- und Gewerbe-Ausstellung" von 1905 auf dem Dobbengelände. Diese Phase der Prosperität war be¬glei¬tet von bedeutsamen baulichen Veränderungen: 1867 eröffnete man das Augusteum für Kunstausstellungen, bald darauf wurde die Lam¬ber¬ti¬kir¬che umgebaut (1873 bis 1885), dann entstanden das Museum am Damm (1879), das neue Rathaus (1885 bis 1888), der Wiederaufbau des Theaters (1893) und das Elisa¬be¬th-An¬na-Pa¬lais (1894 bis 1896). Zeitgleich dazu wurden an der Don¬ner¬schweer ab 1873 und Nadorster Straße ab 1890 auch an Siedlungen der "Klävemann-Stiftung" für die wachsende Zahl von sozial Schwachen, insbesondere Arbeitern, er¬rich¬tet. 1900 hatte die Residenzstadt 26 797 Einwohner. In die Zeit des 1. Weltkrieges fiel die Er¬rich¬tung von Landtag und Ministerium am Dobben (1914 bis 1917), heute Sitz der Bezirksregierung Weser-Ems, und die Erstellung des Bahn¬ho¬fes (1912 bis 1915). Mit der Re¬vo¬lu¬ti¬on am Ende des Krieges dankt Großherzog Friedrich August am 10. November 1918 ab und verzichtete auf die Thronfolge. Wenige Tage später wurde der Freistaat Ol¬den¬burg ausgerufen, die Verabschiedung einer oldenburgischen Ver¬fas¬sung und erste Landtagswahlen fanden im folgenden Jahr statt. Der gemäßigte stadtoldenburgische Soldatenrat löste sich kurze Zeit später wieder auf.
Die Stadt war inzwischen längst über ihre engen Grenzen hin¬aus¬ge¬wach¬sen. Insbesondere in Osternburg hatte sich ein ge¬wer¬blich-in¬du¬stri¬el¬les Zentrum her¬aus¬ge¬bil¬det. Die neuen po¬li¬ti¬schen Ver¬hält¬nis¬se ermöglichten nun, was schon seit langem im Gespräch gewesen war: die Eingemeindung der Gemeinde Osternburg im Jahre 1922. Schon bald darauf folgte 1924 der städtische Teil der Gemeinde Eversten. Schlagartig erhöhte sich die Einwohnerzahl der Gesamtstadt auf über 50 000. Erst 1933 wurde der größte Teil von Ohmstede, wo große Vorbehalte gegen eine Ein¬ge¬mein¬dung vor¬herrsch¬ten, durch die 1932 gebildete erste na¬tio¬nal¬so¬zia¬li¬sti¬sche Lan¬des¬re¬gie¬rung in Deutsch¬land per Gesetz der Stadt Oldenburg einverleibt. Im Dezember 1932 erfolgte die Abwahl des liberalen Ober¬bür¬ger¬mei¬sters Dr. Görlitz durch die Na¬tio¬nal¬so¬zia¬li¬sten mit Unterstützung der Kommunisten. Auch die Huntestadt blieb von der na¬tio¬nal¬so¬zia¬li¬sti¬schen Ge¬walt¬herr¬schaft nicht verschont: Nach der "Macht¬er¬grei¬fung" begann eine systematische Verfolgung der Kommunisten, bald darauf auch anderer demokratisch gesinnter Bür¬ger. Die Ju¬den¬ver¬fol¬gung gipfelte in der Reichskristallnacht mit der brennenden Syn¬ago¬ge an der Peterstraße und der Plünderung jüdischer Geschäfte vom 09. November 1938. Zwei Jahre später wurde Oldenburg als "ju¬den¬frei" bezeichnet. Vom 2. Weltkrieg blieb Ol¬den¬burg bis auf einige Bombenangriffe und einen kurzen Artilleriebeschuss bei Kriegsende weitgehend verschont, musste aber nach Kriegs¬en¬de einen enormen Flüchtlingsstrom aufnehmen, der die Einwohnerzahl auf 122 000 (1948) anschnellen ließ. Die Stadt verlor nun zwar mit der Ein¬glie¬de¬rung in das Land Niedersachsen (01. November 1946) ihren Status als Landeshauptstadt, blieb aber Sitz des Ver¬wal¬tungs¬be¬zir¬kes Oldenburg (heute Regierungsbezirk Weser-Ems). Der Auf¬schwung der Nachkriegszeit dokumentierte sich in einem starken Ausbau der Stadt, wie beispielsweise durch die Er¬rich¬tung der Weser-Ems-Halle (1953 bis 1954), den Bau des Hallenbades am Schloss (1960), Hochlegung der Eisenbahn am Pfer¬de¬markt (1966) sowie vielen Schulbauten. Bereits 1967 wurde in der Innenstadt eine Fu߬gän¬ger¬zo¬ne eingerichtet. In den 70er und 80er Jahren baute man die "Um¬ge¬hungs¬stra¬ße" von 1940 zu einem Au¬to¬bahn¬ring aus, der die Hauptlast des Kraftfahrzeugverkehrs im Westen und Osten der Stadt trägt. Im Jahre 1974 wurde Oldenburg durch Er¬öff¬nung des Lehr¬be¬trie¬bes an der Universität mit inzwischen über 10 000 Studenten auch Uni¬ver¬si¬täts¬stadt mit einer Einwohnerzahl von über 143 000.
I. c) Literaturauswahl zur Geschichte der Stadt Oldenburg
Eine umfassende Stadtgeschichte von Oldenburg gibt es derzeit nicht. Die nachfolgend aufgeführten Veröffentlichungen decken deshalb entweder nur Teilbereiche ab oder sie befassen sich nur in gröberen Zügen mit der städt. Geschichte. Zum Teil sind auch lan¬des¬ge¬schicht¬li¬che Darstellungen genannt:
Crusius, Eberhard, Aus der Frühzeit der Kirche und Gemeinde Ostern¬burg, Oldenburg 1984,
Dede, Klaus, Oldenburg und Ammerland, Fischerhude 1977,
Dede, Klaus, Antisemitismus in Oldenburg, Oldenburg 1985, Eckhardt, Albrecht/Schmidt, Heinrich (Hrsg.), Geschichte des Landes Ol¬den¬burg, Oldenburg 1987,
Günther, Wolfgang, Die Revolution von 1918/1919 in Oldenburg, Oldenburg 1979,
Günther, Wolfgang, Parteien und Wahlen in Oldenburg, Oldenburg 1983,
Heckmann, Erich, Kleine Geschichte der Stadt Oldenburg, Oldenburg 1974,
Helmers, Hermann, Geschichte der Universität Oldenburg, Oldenburg 1983,
Knollmann, Wilhelm, Das Verfassungsrecht der Stadt Oldenburg im 19. Jahrhundert, Oldenburg 1969,
Kohl, Dietrich, Geschichte der Stadt Oldenburg. 1. Teil: Der Stadt¬kör¬per, Oldenburg 1925,
Krüger, Kersten (Hrsg.), Sozialstruktur der Stadt Oldenburg 1630 und 1678, Oldenburg 1986,
Lübbing, Hermann, Oldenburg, eine feine Stadt am Wasser Hunte, Oldenburg 1979,
Meyer, Karl Otto (Hrsg.), Bodenfunde in der Stadt Oldenburg, Ol¬den¬burg 1988,
Neidhardt, Horst, Baudenkmäler im Oldenburger Land, Oldenburg 1988,
Parisius, Bernhard, Vom Groll der "Kleinen Leute" zum Programm der kleinen Schritte. Arbeiterbewegung im Herzogtum Oldenburg 1840 bis 1890, Oldenburg 1985,
Schaap, Klaus, Oldenburgs Weg ins "3. Reich", Oldenburg 1983,
Schaub, Walter, Sozialgenealogie der Stadt Oldenburg 1743, Ol¬den¬burg 1979,
Schaub, Walter, Bürgerbuch der Stadt Oldenburg 1607 bis 1740, Hildesheim 1974,
Trepp, Leo, Die Oldenburger Judenschaft, Oldenburg 1973,
Vahlenkamp, Werner, Die Sozialdemokratie in der Gemeinde Ohmstede, Oldenburg 1989,
Wegmann-Fetsch, Monika, Die Revolution von 1848 im Großherzogtum Oldenburg, Oldenburg 1974
I. d) Geschichte des Stadtarchivs Oldenburg
Schon am Anfang des 16. Jahrhunderts bewahrte man "uffm Rathhuse" alle Privilegien und Briefe der Stadt in genau bezeichneten Schach¬teln auf. Im Jahre 1664 nahm man erstmals Nachrichten über eine Ordnung der Magistratsregistratur in die Bestallung für den Syn¬di¬kus der Stadt, Dr. Anton Günther Fritzius, auf. Ein Inventar aus dem Jahre 1725 lieferte genaue Hinweise, in welchen Schränken und Stuben des alten Rathauses von 1635 Urkunden, Bücher und die "alten abgetanen Akten" aufbewahrt wurden. Bei der Einführung der neuen Stadtordnung von 1833 veranlasste der damalige Stadtdirektor J. H. Carl Wöbcken, der alten und der laufenden Rathausregistratur eine Einteilung zu geben, die sich heute noch in den Abschnitten 1-20, 21, 22 und 23 des Altbestandes des Stadtarchivs wiederfindet.
Der beim Rathausbau in den Jahren 1885 bis 1888 ursprünglich vor¬ge¬se¬he¬ne Archivraum wurde kurz nach dem Einzug von der Verwaltung in Anspruch genommen, so dass Akten und Amtsbücher, aber auch die wertvollen Urkunden ungeordnet und ungesichert auf den Boden des Rathauses kamen. Erst auf Veranlassung des damaligen Oberlehrers und späteren, ersten, langjährigen Stadtarchivars Prof. Dr. Diet¬rich Kohl bewilligte der Magistrat am 29. März 1903 100 Goldmark, um die Archivalien in langwieriger Arbeit vom Rathausboden herunter zu transportieren, sie in einem ungeheizten Keller der damaligen Oberrealschule (des heutigen Herbart-Gymnasiums) vom Staub der Jahre zu befreien und sie nach und nach für eine wissenschaftliche Nutzung zu erschließen.
Diese notdürftige Unterbringung dauerte bis zum Jahr 1913, als die Bestände in das von der Spar- und Leihbank angekaufte Haus Markt 6 (früher Nr. 8) überführt wurden. Dort war es möglich, die besonders wertvollen Teile des Archivs in den ehemaligen Banktresoren feu¬er¬si¬cher unterzubringen. Erstmals gab es auch einen besonderen Raum für die Archivbenutzer. Doch Heizung und Belüftung waren noch immer unzureichend. Ab 1927 zog das Archiv in geräumige Zimmer im Keller der damaligen Knabenmittelschule Margaretenstraße 46 (der heutigen Paulusschule) um. Auch hier verfügte es über einen besonderen Arbeitsraum für die Benutzer.
Nachteilig wirkte sich die große Entfernung zum Rathaus am Markt, zum Landesarchiv und zur damaligen Lan¬des¬bi¬b¬lio¬thek am Damm aus. Die an¬fäng¬li¬che Freude über die angenommene bessere Unterbringung wich bald der Enttäuschung, weil die Räume viel zu feucht waren, um dort Ar¬chi¬va¬li¬en schadlos unterzubringen. Später brachte man das Archiv im Dachgeschoss des früheren Land¬tags¬ge¬bäu¬des am Dobbenteich unter. Am 20. November 1935 war dieser neue Aufenthaltsort für das Archiv eingerichtet. Keine drei Jahre blie¬ben die Bestände, soweit sie nicht in verschiedenen Schuppen und auf Schulböden lagerten, an diesem Ort. Die schon im Juni 1933 erstmals erwogene Übersiedlung ins Heimatmuseum Rosenstraße 33 ordnete der Oberbürgermeister Mitte 1938 an, wohin auch die Akten aus fast allen Außenlagern überführt wurden. Während des Krieges, am 8. April 1943, unternahm der da¬ma¬li¬ge Kreisleiter der NSDAP mit Unterstützung der Spitzen der Stadt¬ver¬wal¬tung den Versuch, das Gebäude des Heimatmuseums und der Theo¬dor-Francksen-Stif¬tung für sich als Dienstwohnung zu erhalten, was eine vollständige Räumung der Gebäude zur Folge gehabt hätte. Nur dem Verhandlungsgeschick des damaligen Archivleiters war es zu verdanken, dass niemand es wagte, eine solche dem Testament des Stifters zuwiderlaufende Nutzung durchzusetzen. Die ersten Bomben des 2. Weltkrieges waren schon am 18. Juni 1940 in der Umgebung des Pferdemarktes und damit in unmittelbarer Nähe des Archivs gefallen. Auf Weisung des Reichs¬mi¬ni¬sters des Innern begann das Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit dem Oldenburgischen Staatsarchiv, aus Si¬cher¬heits¬grün¬den seine wichtigen Bestände in weniger luf¬tan¬griff¬ge¬fähr¬de¬te Gebiete aus¬zu¬la¬gern. Von Januar 1943 bis Herbst 1944 wurden über 40 Kisten mit Archivalien in die Gaskammern der Ziegelei Scharrel, Kreis Clop¬pen¬burg, gebracht, deren starke Betondecken als genügend bombensicher angesehen wurden. Ab Januar 1944 gelangten mehr als 40 Kisten per Bahn in die Schächte des Kalibergwerkes der Gewerkschaft Braun¬schweig-Lü¬ne¬burg in Grasleben nördlich von Helm¬stedt. Weitere Kisten wurden bei den Volksbanken in Pösneck, Kreis Saalfeld, und in Waltershausen/Thüringen sowie bei den Com¬merz¬bank-Fi¬lia¬len in Plauen und in Zeulenroda/Thüringen deponiert.
Die Deponierung von Beständen außerhalb des Archivgebäudes erwies sich später als wirksame Vorsichtsmaßnahme. Bei der Beschießung der Stadt im April 1945 wurde das Gebäude Rosenstraße 33 mehrfach von Artilleriegeschossen getroffen. Die nach Scharrel ausgelagerten Bestände kamen im Juni 1946 zwar geplündert, aber noch weitgehend vollständig wieder zurück. Die ins Salzbergwerk verbrachten Kisten waren zum Glück gerade noch - nur 2 000 m von der Demarkationslinie entfernt - in der damaligen britischen Zone verblieben. Auch sie kamen - mit Unterstützung der britischen Besatzungsmacht - bis auf eine Kiste im Sommer 1946 wieder nach Oldenburg zurück. Was mit den Deposita bei den verschiedenen Banken geschah, ließ sich aus den noch vorhandenen Akten nicht entnehmen.
Kaum waren die Archivalien wieder in Oldenburg, begann der nächste Umzug. Von Anfang 1948 bis zum Beginn des kommenden Jahres trans¬por¬tier¬te man sie in Erdgeschossräume der früheren Kaserne Pfer¬de¬markt 16, wo auch sonstige städtische Dienststellen untergebracht waren.
Doch als die Bundeswehr die Kasernen wieder benötigte, musste das Stadtarchiv erneut weichen. Das Bundesvermögensamt vermietete der Stadt ab 1956 Räume im 1. Stock des entfestigten Hochbunkers an der Moslestraße, wo die Archivalien nur auf dem Betonboden lagerten und später, als die Fensterscheiben weitgehend eingeworfen waren, dem Wetter zumeist ungeschützt ausgesetzt waren. Als der Direktor des Niedersächsischen Staatsarchivs, das die Aufgaben des Ar¬chiv¬pfle¬gers für die Kommunalarchive wahrnahm, im Januar 1962 zufällig die schlechte Unterbringung des städtischen Archivs feststellte, bot der Staat der Stadt an - wie schon 1936 -, ihre Archivbestände in den Neubau des Staatsarchivs Oldenburg am Damm zu überführen, dort kostenlos zu deponieren und sie der wissenschaftlichen Nutzung zugänglich zu machen. Der mit der Stadt am 3. September 1962 ge¬schlos¬se¬ne und bald danach auch vollzogene Depositalvertrag ver¬hin¬der¬te, dass die städtischen Archivalien, für die die Lagerung im Hochbun¬ker vom Bund schon für Ende Juni 1962 gekündigt war, erneut nur provisorisch untergebracht wurden. Nach fast 60 Jahren endete damit eine ständige Wanderschaft des Archivs und seiner Bestände.
I.e) Bemerkungen zum Bestand
Das vorliegende Findbuch erschließt den historischen Altbestand des Oldenburger Stadtarchivs. Die Aktenüberlieferung setzt bruch¬stück¬haft im 16. Jahrhundert ein und verdichtet sich im darauffolgenden Jahrhundert. Für das 18. und 19. Jahrhundert ist die Quellenlage als gut zu bezeichnen. In der Regel bricht die Laufzeit der Un¬ter¬la¬gen in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts ab; einzelne Stücke gehen jedoch darüber hinaus. Spätere Ablieferungen sind noch nicht endgültig verzeichnet, sondern lediglich durch Abgabelisten er¬schlos¬sen. Die Ordnung des Bestandes, die oft bis auf den ersten Stadtarchivar Prof. Dr. Dietrich Kohl zurückgeht, wurde im we¬sent¬li¬chen beibehalten. Dadurch entstandene Unzulänglichkeiten wurden durch Verweise gemindert. Ansonsten sei auf den sehr ausführlichen Personen-, Orts- und Sachindex verwiesen. Die Aktentitel und die Laufzeiten wurden von Joachim Schrape überprüft; der Index wurde von Claus Ahrens erstellt.
Die Grenzen zu den ergänzenden Beständen des Stadtarchivs (vgl. I f), von denen sich auch etliche Stücke, vornehmlich älteren Datums, im vorliegenden Bestand befinden, sind fließend.
Das Stadtarchiv Oldenburg befindet sich als Depositum im Nie¬der¬säch¬si¬schen Staatsarchiv in Oldenburg. Für die Benutzung gilt zur Zeit die Benutzungsordnung für die Nds. Staatsarchive vom 29.11.1971 (Nds. Ministerialblatt Nr. 1/1972, S. 3-8; siehe auch Hartmann, Stefan, Das Niedersächsische Staats¬ar¬chiv in Oldenburg - Eine Einführung für Archivbenutzer, Inventare und kleinere Schriften des Staatsarchivs in Oldenburg Heft 2, Göttingen 1978).
Die Archivalien des vorliegenden Bestandes sind wie folgt zu zi¬tie¬ren: Bestand 262-1 A Nr. ...
I.f) Ergänzende Archivbestände (im Nds. Staatsarchiv in Ol¬den¬burg)
Heranzuziehen sind zunächst folgende Bestände des Stadtarchivs Oldenburg:
Best. 262-1 Urkunden (über 600 Urkunden)
Best. 262-1 Ab Amtsbücher (über 7 000 Bände)
Best. 262-1 F Gemeindearchive von Osternburg, Eversten und Ohm¬ste¬de
Best. 262-1 G Polizei und Ordnungsamt
Best. 262-1 H Akten der Krankenhäuser
Best. 262-1 J Kriegswirtschaftsverwaltung des 1. Weltkrieges
Best. 262-1 K Baupolizei und Bauamt
Best. 262-1 L Mairie
Best. 262-1 M Theater in Oldenburg
Best. 262-1 N Amt für Verteidigungslasten
Best. 262-1 P Amt Oldenburg für den Bereich der Stadt
Best. 262-1 R Zentralviehmarkt
Zu nennen ist ferner der allerdings noch unverzeichnete Bestand "Stadtgericht Oldenburg".
Bei der staatlichen Überlieferung seien nur die wichtigsten Be¬stän¬de genannt. Da Oldenburg auch Residenzstadt war, finden sich dort häu¬fig stadtoldenburgische Betreffe:
Best. 20 (Grafschaft Oldenburg, 13. Jahrhundert bis 1773)
Best. 31 (Kabinettsministerium, 1774 bis 1868)
Best. 70 (Regierung Oldenburg, 1814 bis 1867)
Best. 71 (Kammer Oldenburg, 1591 bis 1868)
Best. 76 A 9 und B 9 (Amt Oldenburg, 1814 bis 1879)
Best. 130 bis 137 (Oldenburgische Ministerialbehörden, ab 1868)
Best. 160 (Oberschulkollegium, 1855 bis 1933)
Best. 230-1 (Amt Oldenburg, 1879-1933)
Best. 270-1 ff. (Nachlässe, hier insbesondere von den Stad¬tar¬chi¬va¬ren Prof. Dr.
Dietrich Kohl, Bestand 271 - 22 und Dr. Karl Hoyer, Bestand 271 - 18),
Best. 273-1 ff. (Firmen- und Familienarchive)
Best. 274 A (Handwerksämter, Innungen, Zünfte, Gilden)
Best. 278-1 ff. (Vereine für Handel, Gewerbe, Landwirtschaft)
Best. 279-1 ff. (Vereine für Wissenschaft und Kultur)
Best. 280-1 ff. (Zeitungen)
Best. 298 OL und 298 C/Vororte (Kartensammlung für den Bereich der Stadt Ol¬den¬burg)
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.