Beleidigung des Pfarrers Winterschmidt durch die Müllersfrau Margaretha Bruckner von Enzendorf
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E 49/II Nr. 927
E 49/II Holzschuher/Akten und Rechnungen
Holzschuher/Akten und Rechnungen
1781 - 1782
Enthält:
(1.) 1782 März 1: Anzeige des Pfarrers (Matthäus Friedrich) Winterschmidt bei der Verwaltung in Artelshofen.
Das Pflegamt Hersbruck hat in Enzendorf 2 Untertanen, nämlich den Müller Gerhard Wilhelm Bruckner und seine Frau Margaretha. Die beiden besuchen Beichte und Abendmahl sehr unregelmäßig. Verweis auf Dekret von 1781 und weitere Beschlüsse und Mandate, wonach solche Personen von der Teilnahme an öffentlichen kirchlichen Ereignissen auszuschließen sind.
Bei einer kürzlich stattgefundenen Beerdigung in Artelshofen hat der Pfarrer die Frau beiseite genommen und ihr diesbezügliche Vorhaltungen gemacht. Die Frau entgegnete, er habe ihr nichts zu befehlen - ihre Herrschaft sei in Hersbruck. Sie bezeichnete den Pfarrer als dummen Mann, und äußerte, "er habe ihr hier / sit venia verbis / einen Dreck zu befehlen." Darauf ging sie den Beerdigungsteilnehmern nach und begab sich ins Wirtshaus, von wo aus man ihre Stimme bis in den Pfarrhof hören konnte; allerdings nicht, was sie sagte. Dem Pfarrer wurde aber hinterbracht, es seien Worte gefallen, wie "Säuschwanz", und der Pfarrer hätte besser Säue hüten, als Pfarrer werden sollen.
Diese Anzeige war als Beilage gedacht zu folgendem:
(2.) 1782 März 8: Schreiben eines Ungenannten aus Henfenfeld an seinen Bruder, den Pfleger Haller zu Hersbruck, mit Darstellung des Falles, sowie mit Bitte um Bestrafung, sowie Satisfaktion für den Pfarrer. Darauf Vermerk, dass dieses Schreiben nicht abgeschickt, sondern der Pfarrer gleich an das Landpflegamt verwiesen worden ist.
(3.) 1782 März 25: Schreiben des Pfarrers an den Hieronymus-Wilhelm-Ebnerschen Fideikommiss in Nürnberg, mit Darstellung des Falls und Bitte um Gerechtigkeit.
(4.) 1782 April 18: Schreiben des Pfrarrers an den Administrator der Ebnerstiftung, Ulrich Nikolaus Volland in Nürnberg. Der Pfarrer fiel bei Herrn Obrist-Leutnant (= Johann Georg Haller) in Ungnade. (Weitläufige Beschwerde.)
(5.) 1782 April 24: Volland an den Pfarrer. Entschuldigung, dass der durch den Leipold übermittelte Bericht des Pfarrers nicht gleich beantwortet werden konnte. Schreiber begab sich aber ins Rathaus zu Herrn Kriegsrat Haller und Herrn Kress, der Leipold hingegen war schon wieder fortgegangen. Anbei der Bericht als Retoure. Die Herrschaft war ungehalten, da bei der schon geschehenen Zusammenkunft in Hersbruck die Müllerin Abbitte geleistet hatte. Der Pfarrer hätte abwarten müssen, ob und wie die Strafe ausfallen würde, denn eine solche, so versicherte der Pfleger, werde jedenfalls erfolgen. Wenn dem Pfarrer dann die Strafe als nicht genügend erschienen wäre, so hätte er danach mit besserem Erfolg ans Landpflegamt appellieren können.
Entweder läßt der Pfarrer die Sache auf sich beruhen, oder er schickt einen kurzen Bericht, der ohne Weitläufigkeit lediglich die Äußerungen der Eheleute Bruckner mitteilt, welche sie in Hersbruck von sich gegeben haben sollen. Dann könnte das Landpflegamt tätig werden.
(1.) 1782 März 1: Anzeige des Pfarrers (Matthäus Friedrich) Winterschmidt bei der Verwaltung in Artelshofen.
Das Pflegamt Hersbruck hat in Enzendorf 2 Untertanen, nämlich den Müller Gerhard Wilhelm Bruckner und seine Frau Margaretha. Die beiden besuchen Beichte und Abendmahl sehr unregelmäßig. Verweis auf Dekret von 1781 und weitere Beschlüsse und Mandate, wonach solche Personen von der Teilnahme an öffentlichen kirchlichen Ereignissen auszuschließen sind.
Bei einer kürzlich stattgefundenen Beerdigung in Artelshofen hat der Pfarrer die Frau beiseite genommen und ihr diesbezügliche Vorhaltungen gemacht. Die Frau entgegnete, er habe ihr nichts zu befehlen - ihre Herrschaft sei in Hersbruck. Sie bezeichnete den Pfarrer als dummen Mann, und äußerte, "er habe ihr hier / sit venia verbis / einen Dreck zu befehlen." Darauf ging sie den Beerdigungsteilnehmern nach und begab sich ins Wirtshaus, von wo aus man ihre Stimme bis in den Pfarrhof hören konnte; allerdings nicht, was sie sagte. Dem Pfarrer wurde aber hinterbracht, es seien Worte gefallen, wie "Säuschwanz", und der Pfarrer hätte besser Säue hüten, als Pfarrer werden sollen.
Diese Anzeige war als Beilage gedacht zu folgendem:
(2.) 1782 März 8: Schreiben eines Ungenannten aus Henfenfeld an seinen Bruder, den Pfleger Haller zu Hersbruck, mit Darstellung des Falles, sowie mit Bitte um Bestrafung, sowie Satisfaktion für den Pfarrer. Darauf Vermerk, dass dieses Schreiben nicht abgeschickt, sondern der Pfarrer gleich an das Landpflegamt verwiesen worden ist.
(3.) 1782 März 25: Schreiben des Pfarrers an den Hieronymus-Wilhelm-Ebnerschen Fideikommiss in Nürnberg, mit Darstellung des Falls und Bitte um Gerechtigkeit.
(4.) 1782 April 18: Schreiben des Pfrarrers an den Administrator der Ebnerstiftung, Ulrich Nikolaus Volland in Nürnberg. Der Pfarrer fiel bei Herrn Obrist-Leutnant (= Johann Georg Haller) in Ungnade. (Weitläufige Beschwerde.)
(5.) 1782 April 24: Volland an den Pfarrer. Entschuldigung, dass der durch den Leipold übermittelte Bericht des Pfarrers nicht gleich beantwortet werden konnte. Schreiber begab sich aber ins Rathaus zu Herrn Kriegsrat Haller und Herrn Kress, der Leipold hingegen war schon wieder fortgegangen. Anbei der Bericht als Retoure. Die Herrschaft war ungehalten, da bei der schon geschehenen Zusammenkunft in Hersbruck die Müllerin Abbitte geleistet hatte. Der Pfarrer hätte abwarten müssen, ob und wie die Strafe ausfallen würde, denn eine solche, so versicherte der Pfleger, werde jedenfalls erfolgen. Wenn dem Pfarrer dann die Strafe als nicht genügend erschienen wäre, so hätte er danach mit besserem Erfolg ans Landpflegamt appellieren können.
Entweder läßt der Pfarrer die Sache auf sich beruhen, oder er schickt einen kurzen Bericht, der ohne Weitläufigkeit lediglich die Äußerungen der Eheleute Bruckner mitteilt, welche sie in Hersbruck von sich gegeben haben sollen. Dann könnte das Landpflegamt tätig werden.
Archivale
Indexbegriff Person: Bruckner, Gerhard Wilhelm
Indexbegriff Person: Bruckner, Margaretha
Indexbegriff Person: Haller, Johann Georg
Indexbegriff Person: Haller, Johann Sigmund
Indexbegriff Person: Volland, Ulrich Nikolaus
Indexbegriff Person: Winterschmidt, Matthäus Friedrich
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Kirchengerechtigkeit
Indexbegriff Person: Bruckner, Margaretha
Indexbegriff Person: Haller, Johann Georg
Indexbegriff Person: Haller, Johann Sigmund
Indexbegriff Person: Volland, Ulrich Nikolaus
Indexbegriff Person: Winterschmidt, Matthäus Friedrich
Indexbegriff Sache: Klassifikation E/F-Bestände: Kirchengerechtigkeit
Artelshofen, Friedhof
Artelshofen, Kirche
Artelshofen, Pfarrhaus
Enzendorf
Enzendorf, Mühle
Henfenfeld
Hersbruck
Hersbruck, Pflegamt
Rathaus
Pfarrer, Artelshofen
Beerdigung
Beleidigung
Abendmahl
Beichte
Ratsverlass
Mandat
Kirchenstrafe
Müller
Untertan
Pflegamt Hersbruck
Pfleger
Landpflegamt
Verhör
Zitat der Beleidigung
Hieronymus Wilhelm Ebner'sche Fideikommiss-Administration
Administrator
Kriegsrat
Ungnade
Entschuldigung
Strafe
Appellation
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.06.2025, 1:01 PM CEST
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- Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik)
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- E 49/II - Familienarchiv Holzschuher / Akten und Rechnungen (Archival tectonics)
- Holzschuher/Akten und Rechnungen (Archival holding)