Staats- und Konferenzminister Graf Georg Ernst Levin von Wintzingerode (Bestand)
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 205 II
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Altwürttembergisches Archiv >> Weltliche Zentralbehörden >> Geheimer Rat
(1516, 1748, 1751, 1795-) 1801 - 1807
Inhalt und Bewertung
Der Bestand besteht aus einem kleineren aus der Kabinettsregistratur stammenden und einem größeren aus den verschiedenen Beständen des Außenministeriums stammenden Teil sowie einem kleineren Teilbestand aus dem Ludwigsburger Bestand E 19, Bau- und Gartendirektion. Wegen der Vielfalt der Tätigkeit und des Aufgabenspektrums Wintzingerodes enthält der Bestand Unterlagen aus nahezu allen staatlichen Bereichen, insbesondere aber zu den territorialen Veränderungen der Zeit, den Angelegenheiten des Hauses Württemberg,, der Organisation der Staatsverwaltung, den Beziehungen zum Reich sowie als Schwerpunkt zu den auswärtigen Angelegenheiten. Siehe auch E 51.
Kurzbiographie: Georg Ernst Levin Graf von Wintzingerode, geboren 1752 als Sohn eines hannoverschen Offiziers, hatte viele Jahre am Hof von Hessen-Kassel Dienst getan, bevor ihn Herzog Friedrich, mit dem er offenbar gut bekannt war, ab 1801 nach Württemberg holte. Nach dem Tod des Graf Karl von Zeppelin im Juni 1801 übernahm er dessen Funktion als Mitglied des Geheimen Rats und als Staats- und Konferenzminister. In einer Zeit des Umbruchs, in der der neue Staat sich erst allmählich ausdifferenzierte, war Wintzingerode zunächst Staats- und Konferenzminister, dann aber zugleich auch Aussenminister, Präsident bei der Straßenbaudeputation, Aufseher sämtlicher Hofstellen, der herzoglichen bzw. kurfürstlichen Schlösser und Gärten, der Stuttgarter Polizei sowie die "Oberintendance" der königlichen Theater sowie des Hofbaudepartements. Er blieb in allen diesen Funktionen im Amt bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1806. Danach zog er sich in seinen Stammsitz Schloss Bodenstein im Eichsfeld zurück und übernahm einige Funktionen im neuen Königreich Westfalen. 1815 wurde er erneut ins Amt eines württembergischen Staats- und Konferenzministers berufen. Zugleich wurde ihm das Departement des Auswärtigen übertragen, das zugleich als Kabinettsministerium fungierte. Die übrigen Zuständigkeiten waren nunmehr jedoch auf andere Ressorts aufgeteilt bzw. verselbständigt und anderen Personen unterstellt. Ende 1816 wurde er jedoch bereits wieder auf eigenen Wunsch pensioniert. 1820 wurde er noch einmal für 5 Jahre zum Gesandten in Berlin ernannt, womit zugleich die Vertretung in Hannover, Kassel und Dresden verbunden war. Er war außerdem Ordenskanzler bis zu seinem Tod im Jahre 1834.
Bestandsgeschichte und Bearbeiterbericht: Aufgrund der Vielfalt seiner Tätigkeit und der um 1800 noch wenig differenzierten Behördenstruktur hat Wintzingerode eine eigene Kanzlei geführt, die für die verschiedensten Bereiche zuständig war; bei seiner Verabschiedung im Jahre 1806/7 und 1816 wurden die darin verwahrten Papiere jedoch in die Kabinettsregistratur bzw. die Registratur des Außenministeriums abgegeben. Der aus der Kabinettsregistratur stammende kleinere Teil der Unterlagen wurden zwischen 1937 und 1940 vermutlich nach dem Vorbild des damals bereits vorhandenen Bestands A 205 Handakten von Normann-Ehrenfels als Handakten Wintzingerode diesem Bestand angefügt und zusammen mit weiteren Handakten anderer Minister 1940 von O. Leybold in einem Repertorium erschlossen. Diese Akten umfassten, bezogen auf Wintzingerode, ursprünglich den Zeitraum bis 1807 und wurden später ergänzt durch Kabinettsakten gleicher Provenienz, die bis 1816 reichten. Hinzu kamen im Zuge der Neuverzeichnung der Akten des Außenministeriums einige wenige weitere Akten aus der Zeit bis 1806 sowie eine Aussonderung aus dem Ludwigsburger Bestand E 19, Bau- und Gartendirektion aus dem Zeitraum bis 1806, als diese Wintzingerode unterstand. Im Zuge der weiteren Neuverzeichnung der Akten des Außenministeriums in 1970er Jahren , während der eine genaue Unterscheidung und Trennung zwischen Archivalien vor dem 1. Januar 1806 und danach vorgenommen wurde, wurden weitere umfangreiche Handakten Wintzingerodes festgestellt, wobei die Akten aus der Zeit 1806 dem Bestand A 205 zugewiesen wurden, während sämtliche Handakten nach 1806 in einem neuen Bestand E 51 vereinigt wurden. Gleichzeitig wurde ein Bestand "Kurfürstliches Staatsministerium (Kabinettsministerium)" gebildet, der heute die Signatur A 205a trägt und im Jahre 2002 abschließend erschlossen wurde. Er umfasst den gleichen Zeitraum wie der nachfolgend verzeichnete Bestand und überschneidet sich auch in den Betreffen; eine exakte Trennung der Provenienz ist nicht immer möglich. Im Jahre 2004 wurden die Ordnungsarbeiten an den Handakten der Staatsminister aus der Zeit Herzog bzw. Kurfürst Friedrichs wieder aufgenommen. Der besseren Übersicht halber wurden sie in drei Bestände aufgeteilt: A 205 I Handakten des Staatsministers Graf Philipp von Normann-Ehrenfels, A 205 II Handakten des Staats- und Konferenzministers Georg Ernst Levin von Wintzingerode, A 205 III Handakten Graf Ferdinand Ludwig von Zeppelin; A 205 II ist dabei der weitaus umfangreichste Bestand. Seine Gliederung erfolgte in freier Anlehnung an die Gliederung der Ablieferungen (Verzeichnisse) 2 und 3 des Bestands E 36, Württembergisches Außenministerium, aus denen der weitaus größte Teil der Akten stammt. Insbesondere der Abschnitt "Auswärtige Beziehungen, Gesandtschaftsakten" konnte ziemlich genau die Gliederung der entsprechenden Akten aus E 36 einhalten. Er wies bei der Rubrik "Fremde Gesandtschaften in Württemberg" eine Untergliederung mit römischen Zahlen auf, auch die folgenden Rubrik "württembergische Gesandtschaften" konnte im großen ganzen erhalten bleiben. Beim dritten Unterabschnitt "Sonstige Korrespondenz außer Landes" gab es dagegen zahlreiche Überschneidungen mit anderen Abschnitten, die teilweise korrigiert werden konnten. Ausgesondert wurden dagegen Reinschriften von Berichten Wintzingerodes an den Herzog bzw. Kurfürsten Friedrich sowie zugehörige Konzepte von Reskripten Friedrichs , die sich im alten Bestand A 205 befanden; sie wurden dem Bestand A 12, Kabinett untere Friedrich zugewiesen. Aufgrund des langen Zeitraums, in dem die Verzeichnung erfolgte, musste eine gewisse Uneinheitlichkeit der Titelaufnahmen in Kauf genommen werden, die im Jahre 2006 durch den Unterzeichneten nur leicht überarbeitet werden konnten. Neu erstellt wurde jedoch Orts- und Personenindex sowie eine Konkordanz, die die neuen mit den alten Signaturen verknüpft. Der Bestand umfasst 603 Büschel (= 6,0 lfd. m.) Stuttgart, im Mai 2006 Bernhard Theil
604 Büschel
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 14:39 MEZ