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Säuberungsausschuss 1945 (Bestand)
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Eberhard Karls Universität Tübingen, UB - Universitätsarchiv
Bestand
UAT 172/
Universitätsarchiv Tübingen (Archivtektonik) >> B Akademische Zentralorgane >> Bb Vertretungs- und Beratungsorgane >> Bb 2 Senatsausschüsse und -beauftragte >> Säuberungsausschuss (1945)
1945
Bestandsbeschreibung: Vorwort
So gering an Umfang die überlieferten Akten des universitären »Säuberungsausschusses« aus dem Sommer 1945 sind, so groß ist das Gewicht dieser Dokumente für die Geschichte der Universität Tübingen in den Monaten des Neubeginns nach dem Ende des Zeiten Weltkrieges. Deshalb wird das bereits 1982 von Diplomarchivar stud. phil. et theol. Heinrich Graf erarbeitete Repertorium hier in einer geringfügig überarbeiteten Fassung neu vorgelegt. Die Einleitung sowie die Titelaufnahmen blieben dabei nahezu unverändert.
Hinzugefügt wurden jedoch ein Anhang mit kurzen biographischen Angaben zu den hier erwähnten Universitätsangehörigen sowie bibliographische Hinweise auf neuere Forschungsliteratur.
Tübingen, den 20.6.2001
Dr. Johannes Michael Wischnath
Übernommen: 1969.
Bestandsstruktur, -geschichte: Die Ausschussunterlagen wurden bis 1969 im Rektorat sekretiert.
Bearbeitung/Erschließung: Bei der Neuordnung 1987 wurden einzelne Schriftstücke ihrer Provenienz entsprechend den Beständen UAT 117 und UAT 149 zugewiesen.
Inhalt: Allgemeines und Einzelfälle.
Einleitung
1. Zur Geschichte des Säuberungsausschusses 1945
Der Säuberungsausschuss, in den Akten auch E[purations]-Ausschuss genannt, dessen sicherlich nicht lückenloses Schriftgut hier vorliegt, ist in seiner Entstehung, Tätigkeit und Wirksamkeit einmalig in der Geschichte der Universität Tübingen. Trotz der Schwierigkeit, verlässliche Fakten zu erheben, lassen die
schriftlichen Zeugnisse wenigstens die Konturen erkennen.
Professor Hermann Schneider (1886-1961), der am 19. Mai 1945 im großen Senat durch Akklamation als Rektor der Universität bestätigt worden war, nahm umgehend die Säuberung des Lehrkörpers in Angriff. Dies war ein Gebot der Stunde und geschah zunächst ohne erkennbares Drängen der französischen Besatzungsmacht. Zur Bewältigung dieses umfangreichen Vorhabens engagierte der neue Rektor eine Anzahl von Professoren-Kollegen. Die verfassungsmäßigen Organe der Universität musste er dabei notwendigerweise umgehen. Nach Ausweis der Akten gehörte diesem, im geheimen operierendem Ausschuss - ohne Gewähr der Vollständigkeit - die Professoren Hermann Knopp (1882-1957), Enno Littmann (1875-1958), Hanns Rückert (1901-1974), Rudolf Stadelmann (1902-1949), Theodor Steinbüchel (1888-1949), Hans Teschemacher (1884-1959), Georg Weise (1888-1978) und Walter Zimmermann (1892-1980) an. Sie sichteten das ihre Kollegen belastende Schrifttum, erstellten Dossiers, wobei »jeder Beteiligte sein Bestes getan und gewollt, um über das schematische Material hinaus dem Mann, der zu beurteilen war, und seiner Persönlichkeit gerecht zu werden« (Rektor Schneider in der Sitzung des Großen Senats vom 23.06.1945. Senatsprotokoll UAT 47/41 S. 6f.). Die Einstufung erfolgte in die Kategorien I bis III.
Das Schreiben der französischen Militärregierung vom 19. Juni 1945 an die Landesdirektoren gab der Entnazifizierung eine rechtliche Grundlage. Der Erlass sah vor, »daß die Ressortschefs gegen Angehörige ihres Geschäftsbereiches, deren politische Vergangenheit es nahelegte, gewisse abgestufte Sanktionen- wie
etwa die Zurückversetzung oder Versetzung - in eigener Verantwortung verhängen konnte. Die knappe Pflichtentlassungsliste, die anhand von vierzehn Belastungskriterien jene Personengruppe festlegte, die in der Regel nicht weiter beschäftigt werden sollte, orientierte sich an der einschlägigen »Liste D« aus dem SHAEF-Handbook vom Dezember 1944. Sie war geringfügig verschärft und um drei Kategorien aus dem Bereich des öffentlichen Dienstes erweitert worden. Danach sollten alle bis 1933 der NSDAP beigetretenen Mitglieder entlassen werden; ebenso SA-Mitglieder mit gleichem Beitrittsdatum sowie alle SA-Führer ab
»Unterscharführer«, sämtliche Angehörige der SS sowie alle Funktionäre der angeschlossenen Verbände.« (Klaus-Dietmar Henke, Politische Säuberung unter französischer Besatzung. Die Entnatifizierung in Württemberg-Hohenzollern. Stuttgart 1981, S. 24f.). Allerdings waren diese Richtlinien keine starre Regelung. Überhaupt kennzeichnete die französische Entnazifizierungspolitik, im Gegensatz zur amerikanischen, daß sie »den deutschen Stellen, die das politische Vertrauen der Besatzungsmacht genossen, von Beginn an eine zentrale Rolle bei der Aussonderung poilitisch kompromittierter Elemente zugestand.« (Henke S. 25.)
Dies war ein maßgeblicher Grund, weshalb sich der Ausschuss zunehmend in einer zwiespältigen Rolle sah. Er fürchtete den Verdacht, die Universität betreibe Erfüllungspolitik. Dieses Unbehagen konstatierte der Verhandlungsbericht des Ausschusses vom 13. Juni 1945. (UAT 172/1). Auch wollte man sich nicht in eine »quasi-richterliche Funktion« drängen lassen. Sie hätte nach einmütiger Auffassung des Ausschusses schlimme Auswirkungen auf die kollegiale Zusammenarbeit an der Universität gehabt. Andererseits war er darauf bedacht, nicht den Eindruck einer Resistenz gegenüber der Besatzungsmacht zu erwecken. Aus diesem Zwiespalt ergab sich folgende Vorgehensweise:
Das über die einzelnen Professoren zusammengestellte Material sollte der Militärregierung zwar vorgelegt, nicht aber überlassen werden. (UAT 172/1. Von folgenden Personen, mit denen sich der Ausschuss nachweislich befaßte, liegen im Bestand keine Unterlagen vor: Wilhelm Hauer (1881-1962), o. Prof. für Indologie und Vergleichende Religionsgeschichte 1927-1945, Carl Leonhardt (1886-1969), ao. Prof. für Musikwissenschaft und Universitätsmusikdirektor 1937-1951, und Hans-Adam Stolte (1888-1975), Prof. für Zoologie 1937-1945). Außerdem war die Tilgung der Einstufung in Kategorien vorgesehen. Die Militärregierung sollte aufgrund der ausgefüllten Fragebögen die gefährdeten Kollegen bezeichnen und dann der Universität Gelegenheit zur Äußerung geben. Man beabsichtigte also, den Franzosen den ersten Schritt im »Akt der Epuration« zuzuschieben. Dass innerhalb der Professorenschaft Gerüchte kursierten, Spannungen und Feindseligkeiten aufkamen, wird kaum verwundern. Das Agieren des Säuberungsausschusses konnte nicht verborgen bleiben. Rektor Schneider empfand eine zunehmende Entfremdung von einem großen Teil seiner Kollegen. Schließlich gab er am 23. Juni 1945 in der Sitzung des Großen Senats die Existenz des Säuberungsausschusses zu. Um Mißtrauen abzubauen, bekannte er, dass er sich »nicht als Richter, sondern als Staatsanwalt, zugleich aber als Verteidiger« betrachte. (Senatsprotokoll UAT 47/41, hier S. 7) Am 4. Juli 1945 kam es zur ersten Suspendierungswelle. Zwei weitere folgten am 19. Juli und am 4. September. Damit waren sämtliche, dem Lehrkörper noch angehörende ehemalige Parteigenossen von ihren
Ämtern vorläufig enthoben worden. Am 4. September 1945 endete die Tätigkeit des Säuberungsausschusses.
Sein Ende markierte zugleich den Beginn einer neuen Phase der politischen Säuberung. Rektor Schneider forderte wenige Tage später die von ihren Ämtern suspendierten auf, begründete Anträge auf Wiedereinstellung einzureichen. Doch diesen Gesuchen, die der Rektor, jeweils mit eigenem Votum versehen, an die
Militärregierung weiterleitete, war offensichtlich wenig Erfolg beschieden. Am 25. Oktober ordnete die Besatzungsmacht die Entlassung von 40 Universitätsprofessoren und Universitätsbeamten an.
In einer weiteren Phase der politischen Säuberung, die seit Mai 1946 Staatskommissar Anton Traber leitete, kam es zur Einrichtung von Kreisuntersuchungsausschüssen. Gegen Ende des Jahres 1946 wurde ein »Sonder-Untersuchungsausschuß« für den Lehrkörper der Universität eingerichtet, in dem neben der Universität unter anderem auch die politischen Parteien vertreten waren. Dieser Ausschuss freilich hatte mit dem »Geheimen Säuberungsausschuß« des Jahres 1945 nichts mehr gemeinsam.
2. Zur Ordnung und Verzeichnung
Die hier vorliegenden Unterlagen tragen den Charakter von Geheimakten. Wenngleich reguläres Verwaltungsschriftgut, wurde es offensichtlich wegen seiner politischen Brisanz mit Bedacht nie der Registratur einverleibt, sonden verblieb in einem Schrank des Rektorzimmers, bis es Ende 1969 direkt an das Universitätsarchiv abgegeben wurde. Bei der Neuordnung wurden einige wenige Unterlagen aus Sach- bzw. Provenienzgründen entnommen und in die Bestände Akademisches Rektoramt (117/1864, 117/1878-1879) und Rektor-Handakten (149/34-36, 39, 41) eingeordnet, welche das Schriftgut zur Entnazifizierung im vorliegenden Bestand ergänzen.
Der Bestand umfasst lediglich zwei Faszikel mit 0,05 lfm.
Tübingen, November 1987
Heinrich Graf
3. Literatur
Munro, Angus: The French occupation of Tübingen, 1945-1947. French policies and German reactions in the immediate post-war period. Warwick, Ph. D., 1978
Munro, Angus: The Universiy of Tübingen, 1945-1947. Reconstruction and Reorientiation in the Post-war Period of French Military Government. In: Bausteine zur Tübinger Universitätsgeschichte 2, Tübingen 1984, S. 179-230.
Cheval, Rene´: Die Universität Tübingen in der Besatzungsära. In: Französische Kulturpolitik in Deutschland 1945-1949. Konstanz 1984, S. 61-69.
Wiedergeburt des Geistes. Die Universität Tübingen im Jahre 1945. Eine Dokumentation, bearb. von Manfred Schmid und Volker Schäfer. Tübingen 1985 (=Werkschriften des Universitätsarchivs Tübingen, Reihe 2: Repertorien und Kataloge 13).
Cheval, Rene´: Die Universität Tübingen zwischen Vergangenheit und Zukunft in den Nachkriegsjahren. In: Frankreichs Kulturpolitik in Deutschland 1945-1950. Tübingen 1987, S. 247-264.
Wischnath, Johannes Michael: Eine Frage des Stolzes und der Ehre. Die politische Säuberung der Universität Tübingen und ihr letzter NS-Rektor Otto Stickl. In: Wolfgang Sannwald (Hg.), Persilschein, Käferkauf und Abschlachtprämie. Von Besatzern, Wirtschaftswunder und Reformen im Landkreis Tübingen. Tübingen
1998, S. 103-123.
Zauner, Stefan: Die Universität Tübingen 1945-1949. Aspekte der französischen Hochschulpolitik im besetzten Nachkriegsdeutschland. In: Bausteine zur Tübinger Universitätsgeschichte, Folge 9, Tübingen 1999, S. 101-145.
Zauner, Stefan: Universität Tübingen und Leibniz-Kolleg in der französischen Besatzungszeit 1945-1949. Aspekte des akademischen Neubeginns im Nachkriegsdeutschland. In: Historisches Jahrbuch 119/1999, S. 209-231.
Fassnacht, Wolfgang: Universitäten am Wendepunkt? Die Hochschulpolitik der französischen Besatzungszone, 1945-1949. Freiburg 2000.
4. Anhang: Biogramme
Ernst Back (1881-1959)
1923 PDoz., 1926-1929 ao. Prof. in Tübingen, 1929 o. Prof. für Physik, Meteorologie und Klimatologie in Hohenheim, 1937-1945 o. Prof. für Physik und Direktor des Physikalischen Instituts in Tübingen, 1947 emeritiert.
Gustav Bebermeyer (1890-1975)
1921 PDoz., 1925-1933 ao. Prof. für deutsche Philologie, 1933-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt. 1945 entlassen) o. Prof. für deutsche Volkskunde und Direktor des Instituts für deutsche Volksforschung und Volkskunde in Tübingen, 1933 Staatskommissar an der Universität, 1937/38 Prorektor. 1949 i. R., 1954 Verleihung der akademischen Rechte eines Emeritus, 1958 emeritiert.
Heinrich Dannenbauer (1897-1961)
1926 PDoz., 1930 ao. Prof. für Geschichte, 1933-1946 (Mai 1946 entlassen) und 1949-1961 (1949 wieder eingesetzt) o. Prof. für mittelalterliche Geschichte und Direktor am Historischen Seminar in Tübingen.
Wahrhold Drascher (1892-1968)
1929 Lehrauftrag, 1938 Doz., 1939-1945 (Okt. 1945 entlassen) ao. Prof. für Weltpolitik, Auslandskunde und Kolonialwissenschaft und Direktor des Auslandskundlichen Seminars in Tübingen, 1949 i. R., 1951 Lehrauftrag für Überseekunde, 1954 emeritiert.
Georg Eisser (1898-1964)
1926 PDoz. in Gießen, 1928 ao. Prof., seit 1928 pers. Ord., 1939-1946 (Mai 1946 entlassen) und 1949-1964 (1949 wieder eingesetzt) o. Prof. für Bürgerliches Recht, Römisches Recht und Handelsrecht in Tübingen, 1955/56 Rektor.
Willy Engelhardt (1895-1977)
1928 PDoz. in Gießen. 1930 Oberarzt in Düsseldorf, 1934 apl. Prof. 1936-1945 (Okt. 1945 entlassen) o. Prof. und Direktor der Universitätshautklinik in Tübingen, 1950 z. Wv., 1962 emeritiert.
Hermann Faber (1888-1979)
1921 PDoz. und Pfarrer in Tübingen, 1923 ao. Prof. für Systematische Theologie in Marburg, 1923-1946 (Mai 1946 entlassen) und 1949-1956 (1949 wieder eingesetzt) o. Prof. für Praktische Theologie und Ethik (ev.) und geschäftsführender Direktor des Seminars der Evangelischen-theologischen Fakultät in Tübingen.
Erich Fechner (1903-1991)
1941 Habilitation in Bonn. 1941 ao. Prof., 1944-1969 (bis Nov. 1945 in Kriegsgefangenschaft, Juni 1946
wieder eingesetzt) o. Prof. für Wirtschafts-, Handels- und Arbeitsrecht in Tübingen.
Hans-Erich Feine (1890-1965)
1920-1922 PDoz. in Breslau, 1922-1931 o. Prof. in Rostock, 1931-1946 (Mai 1946 entlassen) o. Prof. für
Deutsches-, Bürgerliches-, Kirchen- und Handelsrecht und geschäftsführender Direktor des Juristischen
Seminars in Tübingen, 1949 i. R., 1949-1952 i. W., 1952 emeritiert, 1955-1958 o. Prof. für Deutsche
Rechtsgeschichte, Deutsches Privatrecht, Bürgerliches Recht und Rechtssoziologie.
Karl Fezer (1891-1960)
1926 PDoz., 1926 ao. Prof., 1930 pers. Ord., 1956-1959 o. Prof. für Praktische Theologie in Tübingen,
1930-1956 zugleich Ephorus des Evangelischen Stifts, 1933-1935 Rektor.
Friedrich Focke (1890-1970)
1919 PDoz. in Göttingen, 1923 in Breslau. 1925 ao. Prof., 1933-1946 (Mai 1946 entlassen) o. Prof. für
Klassischen Philologie und Direktor am Philologischen Seminar in Tübingen, 1935-1937 Rektor. 1949 i. R.,
1950 z. Wv., 1951 i. W., 1952 emeritiert.
Felix Genzmer (1878-1959)
Germanist und Jurist. 1920 o. Prof. für Öffentliches Recht in Rostock, 1922 in Marburg, 1934-1945 (Sept.
1945 emeritiert) in Tübingen.
Wilhelm Gieseler (1900-1976)
1925-1930 PDoz. in München, 1930-1934 PDoz. in Tübingen mit Lehrauftrag für Rassenkunde, 1933 tit.
ao. Prof., 1930-1934 Assistent am Anatomischen Institut, 1934 ao., 1938-1945 (Okt. 1945 entlassen) o.
16 Anhang 1: Biogramme A-Z
Prof. für Rassenkunde bzw. für Rassenbiologie und Direktor des Rassenbiologischen Instituts in Tübingen,
1949 z. Wv., 1950 ao., 1962-1969 o. Prof. für Anthropologie und Humangenetik.
Theodor Haering (1884-1964)
1913 PDoz., 1919 tit. ao., 1928-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt. 1945 entlassen) o. Prof. der Philosophie
und Direktor am Philosophischen Seminar, 1949 i. R., 1951 emeritiert, Ehrenbürger der Stadt Tübingen.
Edwin Hennig (1882-1977)
1913 PDoz., 1916 apl. Prof. in Berlin, 1917-1945 o. Prof. für Geologie und Paläontologie und Direktor des
Geologisch-oaläontologischen Instituts in Tübingen, 1951 emeritiert, 1929/30 Rektor.
Eduard Kern (1887-1972)
1919 ao. Prof., 1923-1936 o. Prof. in Freiburg/Br., 1934-1936 Rektor. 1936-1956 o. Prof. für Straf- und
Prozeßrecht und Direktor des Kriminalistischen Seminars in Tübingen.
Gerhard Kittel (1888-1948)
1917 PDoz., 1921 ao. Prof. in Leipzig, 1921 o. Prof. in Greifswald, 1926-1940, 1943-1945 (Juli 1945
suspendiert, Okt. 1945 entlassen) o. Prof. für neutestamentliche Exegese (ev.) in Tübingen. 1940-1943 nach
Wien abgeordnet.
Helmut Kneser (1898-1973)
1922 PDoz. in Göttingen, 1925-1937 o. Prof. der Mathemaktik in Greifswald, 1937-1966 in Tübingen und
Direktor am Mathematischen Instiut.
Ludwig Kohl-Larsen (1884-1969)
Regierungsarzt im Kolonialdienst, 1919-1926 Amtsarzt in Norwegen (Lappland), 1932-1939 als Pflanzer
und zu völkerkundlichen und paläonthologischen Forschungen in Ostafrika, 1942-1945 (Juli 1945 suspen-
diert) ao. Prof. für Völkerkunde in Tübingen, 1949 i.R., 1953 Verleihung der akademischen Rechte eines
Emeritus, 1963 emeritiert.
Gustav Kortüm (1904-1990)
1938 Habilitation, 1942 ao. Prof., 1942-1945 (Okt. 1945 entlassen) und 1947-1971 (1947 wieder einge-
setzt) o. Prof. für Physikalische Chemie und Direktor des Physikalisch-chemischen Instituts in Tübingen.
Ernst Lehmann (1880-1957)
1911 Assistent am Botanischen Institut und PDoz., 1913 ao., 1922-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt. 1945
entlassen) o. Prof. für Botanik in Tübingen, 1949 i. R., 1950/52 emeritiert.
August Mayer (1876-1968)
1907-1917 Oberarzt, 1908 PDoz., 1913 tit. ao. Prof., 1917-1949 o. Prof. für Gynäkologie und Geburtshilfe
und Direktor der Universitätsfrauenklinik in Tübingen.
Hero Moeller (1892-1974)
1921 PDoz. in Kiel, 1923 ao., 1926 o. Prof. in Erlangen, 1938-1946 (Mai 1946 entlassen, 1950 z. Wv.) und
1951-1960 o. Prof. für Volkswirtschaftslehre und Statistik in Tübingen.
Peter Neber (1883-1960)
1921 PDoz., 1924 tit. ao. Prof., 1938-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt. 1945 entlassen) beamteter ao. Prof.
für organische Chemie in Tübingen, 1949 i. R., 1952 emeritiert.
Gerhard Pfahler (1897-1976)
1924 Assistent, 1928 PDoz. in Tübingen. 1929-1934 Prof. an den Pädagogischen Akademien in Rostock,
Altona und Frankfurt/Main. 1934 o. Prof. in Gießen, 1938 in Göttingen, 1938-1945 (Juli 1945 suspendiert,
Okt. 1945 entlassen) o. Prof. für Pädagogik und Psychologie und Direktor des Instituts für Psychologie und
Erziehungswissenschaft in Tübingen, 1949 i. R., 1952 Wiederzuerkennung der Lehrbefugnis, 1953 z. Wv.,
1955 Rechtsstellung eines Emeritus, 1956 Lehrauftrag für Entwicklungspsychologie, 1959 emeritiert.
Hans Reihlen (1892-1950)
PDoz. in Greifswald, 1924 ao. Prof. in Karlsruhe, 1928-1950 ao. Prof. für anorganische und analytische
Chemie in Tübingen.
Gustav Riek (1900-1976)
1928 Assistent am Urgeschichtlichen Institut, 1934 PDoz., 1935-1945 (Okt. 1945 entlassen) ao. Prof. in der
Philolophischen Fakultät und Direktor des Urgeschichtlichen Instituts, 1949 i. R., 1953 z. Wv., 1953 Wie-
dererteilung der Lehrbefugnis, 1953-1956 Lehrauftrag für Urgeschichte, 1953-1956 Lehrauftrag, 1956 ao.
Prof., 1966-1968 o. Prof für Urgeschichte in Tübingen.
Anhang 1: Biogramme A-Z 17
Otto Rössler (1907-1991)
1940-1942 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arischen Seminar, 1941 Habilitation (Orientalische Philo-
logie), 1942-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt. 1945 entlassen) Doz., 1949-1964 Doz., 1954 apl. Prof. in
Tübingen. 1964-1975 o. Prof. für Semitistik in Marburg.
Walter Schönfeld (1888-1958)
1922 PDoz. in Breslau, 1922 o. Prof. der Rechte in Königsberg, 1925 in Greifswald. 1928-1946 (Mai 1946
entlassen) und 1949-1954 (1949 wieder eingesetzt) o. Prof. für deutsches, bürgerliches und Handelsrecht in
Tübingen. 1948-1949 Pfarrer in Kilchberg.
Erwin Schwegler (1909-1995)
1937-1943 Assistent am Geologisch-Paläontologischen Institut, 1943 Habilitation, 1944-1945 (Juli 1945
suspendiert, Okt. 1945 entlassen) und 1952-1960 Doz. für Geologie und Paläontologie in Tübingen. 1960-
1977 Lehrauftrag für Geologie, 1961 HonProf. 1947-1975 im Schuldienst, zuletzt Gymnasialprof. am
Seminar für Studienrefendare in Tübingen.
Ernst Sittig (1887-1955)
1923 PDoz. in Berlin, 1926 o. Prof. in Königsberg, 1927-1945 (Okt. 1945 entlassen) o. Prof. für Indoger-
manistik und Slavistik und Direktor des Indogermanisch-slawischen Seminars in Tübingen, 1952 emeritiert.
Otto Stickl (1897-1951)
1928 PDoz., 1934 o. Prof. in Greifswald, 1936-1946 (Mai 1946 entlassen) und 1949-1951 o. Prof. für
Hygiene und Direktor des Hygieneinstituts in Tübingen, 1939-1945 Rektor.
Walter Theilacker (1903-1988)
1926-1929 Assistent am Chemischen Institut, 1934 PDoz., 1940 apl. Prof. für Chemie, 1944-1945 (Juli
1945 suspendiert, Okt. 1945 entlassen) ao. Prof. für Strukturchemie in Tübingen. 1949-1968 o. Prof. für
Organische Chemie an der Technischen Hochschule Hannover.
Willy Usadel (1894-1952)
1927-1933 Assistenzarzt, 1928 PDoz., 1933 ao. Prof. an der Chirurgischen Universitätsklinik in Tübingen,
1933-1934 Ärztlicher Direktor des Rudolf-Virchowkrankenhauses und Prof. in Berlin, 1934-1945 (Juli
1945 suspendiert und mit der kommissarischen Leitung der Chirurgischen Universitätsklinik beauftragt,
Okt. 1945 entlassen) o. Prof. für Chirurgie und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in Tübingen,
1946-1949 Leiter, 1949 Leiter und Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Freuden-
stadt. 1950 z. Wv.
Heinz Verleger (1908-1988)
1936-1938 Wissenschaftlicher Angestellter, 1938-1943 (seit 1941 beurlaubt) Regierungsrat bei der Phy-
sikalisch-technischen Reichsanstalt, seit 1937 zugleich Doz. an der Universität Berlin. 1941 Oberassistent
am Physikalischen Institut, 1943-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt. 1945 entlassen) ao. Prof. für Angewand-
te Physik in Tübingen, 1950 z. Wv., um 1950 o. Prof. in Pretoria (Südafrika).
Carl-August Weber (1895-1955)
1935 Habilitation in Göttingen, 1936-1937 Lehrstuhlvertreter, 1938-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt. 1945
entlassen) und 1949-1955 o. Prof. für Englische Literatur und Sprache und Direktor des Englischen Se-
minars in Tübingen.
Otto Weinreich (1886-1972)
1914 PDoz. in Halle, 1916-1918 ao. Prof. in Tübingen, 1918 o. Prof. für Klassische Philologie in Jena,
1918-1921 in Heidelberg, 1921-1951 in Tübingen und Direktor am Philologischen Seminar.
Arthur Weiser (1893-1978)
1922 PDoz. in Heidelberg. 1928 ao. Prof. und pers. Ord., 1937-1946 (Mai 1946 entlassen, 1949 i.R.) o.
Prof., 1951 ao. Prof. und pers. Ord., 1961-1962 o. Prof. für Altes Testament in Tübingen.
Robert Wetzel (1898-1962)
1926 Prosektor und Doz., 1932 ao. Prof. für Anatomie in Würzburg, 1936-1945 (Juli 1945 suspendiert, Okt.
1945 entlassen) o. Prof. für Anatomie und Direktor des Anatomischen Instituts in Tübingen, 1938 NS-
Dozentenführer, 1951 z. Wv., 1961 emeritiert.
Julius Wilhelm (1896-1983)
1920 Mitglied des amtlichen Stenografenbüros des Bayerischen Landtags, 1931-1942 Regierungsrat am
Landesamt für Kurzschrift in München. 1932 PDoz., 1937 nb. ao. Prof., 1940 apl. Prof. in München,
1942-1964 o. Prof. für Romanistik und Direktor des Romanischen Seminars in Tübingen.
18 Anhang 1: Biogramme A-Z
Hermann von Wissmann (1895-1979)
1931-1937 Prof. für Geographie in Nanking, 1935 PDoz. in Wien, 1938-1958 o. Prof. für Geographie und
Direktor des Geographischen Instituts in Tübingen.
Georg Wittig (1897-1987)
1926 PDoz., 1932 apl. Prof. in Marburg, 1932-1937 Abteilungsleiter an der Technischen Hochschule Braun-
schweig, 1937-1944 ao. Prof. in Freiburg/Br., 1944-1956 o. Prof. und Direktor des Chemischen Instituts in
Tübingen, 1956-1967 in Heidelberg.
Max Wundt (1879-1963)
1907 PDoz. in Straßburg, 1918 ao. Prof. in Marburg, 1920 o. Prof. in Jena, 1929-1945 (Sept. 1945 eme-
ritiert) o. Prof. für Philosophie und Direktor am Philosophischen Seminar in Tübingen.
2 Nrn; 0,10 lfm
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.