Autobiografie von Heinrich Wiens
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 50 Bü 416
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 50/1.33 1.33 Bericht von Heinrich Wiens
1.33 Bericht von Heinrich Wiens >> Unterlagen
Enthält:
Heinrich Wiens wurde am 21. März 1931 in Chortiza in der Ukraine geboren. Seine Familie stammte ursprünglich aus Danzig und hatte sich im Jahr 1789 in Chortiza angesiedelt. Sein Vater Johan Wiens (1885-1962) war in der Landwirtschaft und in einer Fabrik der Vorfahren tätig. Seine Mutter Anganeta Wiens, geborene Jawazky (*1890), war Hausfrau und Mutter von 7 Kindern. Die Familie war mennonitischen Glaubens und so wurde Heinrich Wiens trotz des Kirchenverbotes sehr gläubig erzogen. Vor dem zweiten Weltkrieg war die Familie gut in die Ortsgemeinschaft integriert und ihre deutschen Wurzeln stellten keine Barriere dar. Als jedoch im Jahre 1939 der Krieg zwischen Deutschland und Polen ausbrach, kamen viele polnische Flüchtlinge in die Ukraine, deren große Abneigung gegen Deutsche bald Einfluss auf das tägliche Leben nahm. So verlor der Vater der Familie, Johan Wiens, die Arbeit in der Fabrik und Heinrich Wiens, der am 1. September 1939 in die Schule kam, musste russisch-sprachigen Unterricht besuchen. Im Jahre 1941, als der Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion begann, wurden die Einwohner Chortizas weiter nach Osten gedrängt. Bei der Überquerung des Stromes Dnepr ertranken viele Menschen, woraufhin der Vater beschloss, dass die Familie nicht weiter nach Osten gehen solle, sondern sich in Chortiza verstecken und auf die deutsche Armee warten solle, die sie von der Sowjetunion befreien würde. Am 18. August 1941 kamen sie unter deutsche Besatzung, was die Lebensumstände verbesserte: der Vater fand Arbeit, die Kinder konnten deutschsprachigen Unterricht besuchen und sie erhielten Ausweise. Jedoch mussten die Kinder der HJ beitreten und Heinrich Wiens erkannte, dass auch bei den Deutschen nicht alles gerecht war. Als im Jahre 1943 die Front wieder zurückkehrte, musste die Familie Wiens vor der sowjetischen Armee nach Westen fliehen und fand Unterschlupf in einem Flüchtlingslager in Warthegau bei Stargard. Jedoch gerieten sie Ende des Jahre 1944 wieder in die Hände der Sowjetarmee und die Familie wurde 1945 vom Familienoberhaupt, Johan Wiens, getrennt und nach Kasachstan in die Stadt Akmolinsk vertrieben, wo sie unter miserablen Bedingungen leben mussten, sodass Heinrich vorübergehend an Skorbut erkrankte. Er arbeitete in der Landwirtschaft, als Tischler und Schuster. Im Jahre 1947 fand der Vater zurück zu seiner Familie und lebte dort mit seiner Familie, bis er im Jahre 1962 an einer Hirnhautentzündung starb. Heinrich Wiens heiratete 1956 Nina Mayer und bekam drei Söhne und zwei Töchter. 1982 kehrt er mit seiner Frau und seinen Kindern in seine Heimat, die Ukraine, zurück und lebte dort in einem Haus in Nowoe Saporoskje. Heinrich erkrankte häufig schwer und musste immer wieder einige Wochen oder Monate im Krankenhaus verbringen. Im Jahre 1986 erhielt er einen Invalidenschein und musste deshalb nicht mehr in der Kolchose arbeiten, sondern konnte in seiner selbst eingerichteten Schusterei zu Hause arbeiten. 1989 bildete sich eine deutsche Gesellschaft, die "Wiedergeburt", welcher Heinrich sich anschloss.
Heinrich Wiens hat seinem Lebenslauf ein kurzes Vorwort vorangestellt und viele Bilder beigefügt. Außerdem beschränkt sich sein Lebenslauf nicht nur auf seine eigene Lebensgeschichte, sondern beinhaltet auch die Geschichte seiner Vorfahren und nähere Informationen zu seinen Kindern.
Heinrich Wiens wurde am 21. März 1931 in Chortiza in der Ukraine geboren. Seine Familie stammte ursprünglich aus Danzig und hatte sich im Jahr 1789 in Chortiza angesiedelt. Sein Vater Johan Wiens (1885-1962) war in der Landwirtschaft und in einer Fabrik der Vorfahren tätig. Seine Mutter Anganeta Wiens, geborene Jawazky (*1890), war Hausfrau und Mutter von 7 Kindern. Die Familie war mennonitischen Glaubens und so wurde Heinrich Wiens trotz des Kirchenverbotes sehr gläubig erzogen. Vor dem zweiten Weltkrieg war die Familie gut in die Ortsgemeinschaft integriert und ihre deutschen Wurzeln stellten keine Barriere dar. Als jedoch im Jahre 1939 der Krieg zwischen Deutschland und Polen ausbrach, kamen viele polnische Flüchtlinge in die Ukraine, deren große Abneigung gegen Deutsche bald Einfluss auf das tägliche Leben nahm. So verlor der Vater der Familie, Johan Wiens, die Arbeit in der Fabrik und Heinrich Wiens, der am 1. September 1939 in die Schule kam, musste russisch-sprachigen Unterricht besuchen. Im Jahre 1941, als der Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion begann, wurden die Einwohner Chortizas weiter nach Osten gedrängt. Bei der Überquerung des Stromes Dnepr ertranken viele Menschen, woraufhin der Vater beschloss, dass die Familie nicht weiter nach Osten gehen solle, sondern sich in Chortiza verstecken und auf die deutsche Armee warten solle, die sie von der Sowjetunion befreien würde. Am 18. August 1941 kamen sie unter deutsche Besatzung, was die Lebensumstände verbesserte: der Vater fand Arbeit, die Kinder konnten deutschsprachigen Unterricht besuchen und sie erhielten Ausweise. Jedoch mussten die Kinder der HJ beitreten und Heinrich Wiens erkannte, dass auch bei den Deutschen nicht alles gerecht war. Als im Jahre 1943 die Front wieder zurückkehrte, musste die Familie Wiens vor der sowjetischen Armee nach Westen fliehen und fand Unterschlupf in einem Flüchtlingslager in Warthegau bei Stargard. Jedoch gerieten sie Ende des Jahre 1944 wieder in die Hände der Sowjetarmee und die Familie wurde 1945 vom Familienoberhaupt, Johan Wiens, getrennt und nach Kasachstan in die Stadt Akmolinsk vertrieben, wo sie unter miserablen Bedingungen leben mussten, sodass Heinrich vorübergehend an Skorbut erkrankte. Er arbeitete in der Landwirtschaft, als Tischler und Schuster. Im Jahre 1947 fand der Vater zurück zu seiner Familie und lebte dort mit seiner Familie, bis er im Jahre 1962 an einer Hirnhautentzündung starb. Heinrich Wiens heiratete 1956 Nina Mayer und bekam drei Söhne und zwei Töchter. 1982 kehrt er mit seiner Frau und seinen Kindern in seine Heimat, die Ukraine, zurück und lebte dort in einem Haus in Nowoe Saporoskje. Heinrich erkrankte häufig schwer und musste immer wieder einige Wochen oder Monate im Krankenhaus verbringen. Im Jahre 1986 erhielt er einen Invalidenschein und musste deshalb nicht mehr in der Kolchose arbeiten, sondern konnte in seiner selbst eingerichteten Schusterei zu Hause arbeiten. 1989 bildete sich eine deutsche Gesellschaft, die "Wiedergeburt", welcher Heinrich sich anschloss.
Heinrich Wiens hat seinem Lebenslauf ein kurzes Vorwort vorangestellt und viele Bilder beigefügt. Außerdem beschränkt sich sein Lebenslauf nicht nur auf seine eigene Lebensgeschichte, sondern beinhaltet auch die Geschichte seiner Vorfahren und nähere Informationen zu seinen Kindern.
3 cm
Akten
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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