Zahlungsschulden der Vorfahren
Vollständigen Titel anzeigen
GerKer, 649
GerKer Schöffengericht Kerpen
Schöffengericht Kerpen >> 1 Zivilsachen >> 1.1 Forderungen - Geld / Sachen
1690 - 1691
Enthält: Peter Wirth fordert von Anna Becks, der Witwe Johann Vollers, die Rückzahlung von Schulden, die von ihrer beider Vorfahren stammen. Vor allem geht es um einen Betrag von 45 Rtlr den Conradt Voller 1671 dem +Giel Hamecher schuldig geblieben war. Er wendet sich nun an die Erben, neben der genannten Anna Becks noch Johann de Boy, Thoniß aufm Werth, Thoniß Beyenburg, Gerhard und Sebastian Maußbach, Hans Kurffgens Witwe und Mattheiß Wolff, die, weil Conradt ohne direkte Nachkommen verstorben war, dessen Hab und Gut an sich genommen hatten. Zum Beweis der Schuldsumme legt er Auszüge aus dem Rechnungsbuch von Michael Hamecher und Wilhelm Gülichs [seinen Schwiegerverwandten] vor. Der Betrag beläuft sich inzwischen mit Zinsen, einem Vorschuss an Johann Voller und 4 "Hammelschaafen", die er ihm über die Bürgermeister Schieffer und Krautz verkauft hatte, auf 64 Rtlr 27 Albus 6 Heller. Die Beklagte weist die Forderung als bereits bezahlt zurück. Sie stellt dagegen ihrerseits eine Forderung von 68 Rtlr. Denn Michael Hamecher hätte bereits vor einigen Jahren durch Roluff Schmitz die Hälfte eines Ernteertrags für das "Kostgeld", das Conradt Voller ihm angeblich schuldete, von ihr eingezogen und bei seinem Vater Theiß Bottenbroch "einscheuren" und ausdreschen lassen, an Geldwert bestimmt 60 Rtlr, und die 4 Hammelschafe, das Stück für 2 Rtlr, beschlagnahmt. Sie ärgert sich auch, dass Wirtz nun auch nicht mehr dulden wollte, dass sie das Stroh gewohnheitsgemäß in das Propsthaus, das Michael Eschweiler bewohnt, abliefere. Später nennt sie noch Theiß Hamecher in Mödrath, der die Zahlung der Schuld noch bezeugen könne, während alle anderen möglichen Zeugen schon verstorben seien. Doch das Gericht weist ihre Entgegnung am 15.5.1691 als "unbegründet" zurück und legt ihr auf, die Forderung des Gegners zu bezahlen. Der Gerichtsschreiber Bertram Hillbrandt protokolliert dazu: "Wittib Vollers stilschweigend darvon gangen". Sie gibt sich jedoch nicht zufrieden, sondern appelliert Anfang Juni 1691 an das Gericht in Limburg, obgleich für die Aktenzusammenstellung und Versendung ("collationirt, versiegelt, verschloßen und gehörigen orts uberpracht werden") 10 Rtlr Kosten anfallen, die sie zahlen soll. Das Verfahren wird angenommen. Am 24.9. liegt dort allerdings noch nicht die Appellationsschrift vor. Das Kerpener Gericht erhält die Anweisung, sie in den nächsten drei Wochen nachzuliefern. Der Ausgang des Prozesses ist hier nicht dokumentiert.
Schriftstücke: 15
Archivale
aufm Werth - Thoniß
Becks, Anna, Witwe Johann Vollers
Beyenburg - Thoniß
Bottenbroch, Theiß
Boy, Johann de
Eschweiler, Michael
Gülich, Wilhelm
Hamecher - Michael
Hamecher - Giel 1671
Hamecher - Theiß, aus Mödrath
Hilbrandt, Bertram, Gerichtsschreiber
Kurffgen, Hans
Maußbach - Gerhard und Sebastian
Schmitz - Roluff
Strauß, Johann, Türwärter
Voller - Conradt
Voller - Johann
Wirth - Peter
Wolff, Mattheiß
Kerpen - Propsthaus
Limbourg
Mödrath
Appellation
Forderung
Rechnungsbuch
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
09.01.2026, 11:40 MEZ