Oberamtspflege Maulbronn (Bestand)
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Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 712
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik) >> Untere Verwaltungsbehörden 1806-um 1945 >> Oberamtspflegen
1806-1926 (Va ab 1720, Na bis 1942)
Verwaltungsgeschichte der württ. (Ober)Amtspflegen: Die Ämter des Herzogtums hatten seit 1697 für die Kassenverwaltung und Buchführung Amtspflegen einzurichten. Bis dahin waren die Rechnungen der Amtskörperschaften von den Stadt- und Amtsschreibern, den Bürgermeistern oder Kellern geführt worden. Aufgabe des Amtspflegers war es nun, die Kosten für die gemeinsame "Aufgabe" des jeweiligen Amtes, d.h. die Kriegsschäden einzelner besonders betroffener Gemeinden und die Landesabgaben, auf die Gemeinden als sogenannten Amtsschaden umzulegen sowie die direkten Steuern an die Landschaftskasse abzuführen. In seiner Tätigkeit wurde er vom Vogt bzw. Oberamtmann (seit 1759) angeleitet; zuständige Aufsichtsbehörde war die Landesrechnungsdeputation. Durch die Amtsversammlung gewählt, wurde der Amtspfleger von der Regierung lediglich bestätigt. Dies änderte sich infolge Einschränkung der Selbstverwaltung unter König Friedrich. Durch Verordnung vom 22. Juni 1807 wurde die Bestellung und Verpflichtung der Amtspfleger auf das Oberlandesökonomiekollegium übertragen (Reg.Bl. S. 219). Eine am 27. Mai 1812 erlassene "Amtsinstruktion für die Amtspfleger" regelte deren Aufgaben und Pflichten neu (Reg.Bl. S. 265). Erst die ab 1817 von König Wilhelm I. mit der Verfassung auf den Weg gebrachte Reform des Staatswesens stellte auch die Selbstverwaltung der Amtskörperschaften wieder her, indem durch Organisationsedikte vom 31. Dez. 1818 (Reg.Bl. 1819 S. 17) und 1. März 1822 (Reg.Bl. S. 131) der Amtsversammlung das Recht zur Wahl und Ernennung des nun Oberamtspfleger genannten Ökonomie-, Rechnungs- und Kassenbeamten zurückgegeben wurde. Von der Regierung bestätigt, erhielt der aus der Amtspflege besoldete Oberamtspfleger zudem Sitz und beratende Stimme in dieser ein- bis zweimal im Jahr tagenden Versammlung, durfte aber nicht zugleich noch das Amt eines Gemeinderechners der Oberamtsstadt ausüben (vgl. Verwaltungsgeschichte der württ. Oberämter in den Vorbemerkungen zu den Beständen F 151ff.). In späteren Jahren wurde die Besoldung der Oberamtspfleger u.a. durch Dienstanweisung vom 20. Febr. 1841 (Reg.Bl. S. 91) sowie durch Verfügungen vom 20. Sept. 1862 (Reg.Bl. S. 181) und 2. Juni 1875 (Reg.Bl. S. 316) den veränderten Bedingungen angepaßt. Die Verfassung der Amtskörperschaft selbst blieb bis zur sogen. Verwaltungsnovelle vom 21. Mai 1891 (Reg.Bl. S. 103) mit der Verfügung vom 18. Nov. 1891 (Reg.Bl. S. 279) unverändert, als die Zusammensetzung der Amtsversammlung verbessert und die staatliche Aufsicht eingeschränkt wurde. Eine grundlegende Änderung brachten die gemeinsam am 28. Juli 1906 erlassene Gemeindeordnung (Reg.Bl. S. 323) und Bezirksordnung (Reg.Bl. S. 442) sowie die Verfügung vom 30. Okt. 1907 (Reg.Bl. S. 643), wodurch der bisherige Amtsversammlungsausschuß unter der neuen Bezeichnung Bezirksrat, durch Laien ergänzt, nun auch zu den Geschäften der staatlichen Verwaltung herangezogen wurde und die Amtsversammlung jetzt Ausschüsse zur Kontrolle von Anstalten und Einrichtungen der Amtskörperschaft einsetzen konnte. Zugleich wurde die Anstellung der Beamten der Gemeindeverwaltung wie der Amtskörperschaften, so auch der Oberamtspfleger, durch Dienstvertrag neu geregelt. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde die Amtskorporation (Amtsversammlung und Bezirksrat) durch Gesetz vom 25. April 1933 (Reg.Bl. S. 107) zunächst aufgelöst, dann als auf Beratungsfunktionen beschränkter sog. Kreisverband mit Erlaß der neuen Kreisordnung vom 27.Jan. 1934 (Reg.Bl. S. 51) sowie der Verfügung vom 23. April 1934 (Reg.Bl. S.139) nach den Grundsätzen der Partei erneut eingerichtet. An der Spitze des Kreisverbands stand der Landrat, der auch den Kreistag (bisher Amtsversammlung) und den Kreisrat (bisher Bezirksrat) leitete. Die Aufgaben des Oberamtspflegers nahm jetzt der Kreispfleger wahr. (Schneider)
Bearbeiterbericht: Der vorliegende Bestand F 712 Oberamtspflege Maulbronn wurde im Frühjahr 1995 von dem Zeitangestellten Emil Schrag unter Anleitung der Unterzeichneten geordnet und verzeichnet. Die Archivalien der Oberamtspflege Maulbronn waren mit denen der Oberamtspflege Vaihingen/Enz völlig vermischt, so daß zunächst eine Provenienzentrennung vorgenommen werden mußte. Vermutlich wurden die Maulbronner Rechnungen und Beilagen nach Vaihingen umgelagert, nachdem das Oberamt Maulbronn 1938 zum neuen Landkreis Vaihingen gezogen worden war. Bei der dortigen gemeinsamen Lagerung (unter äußerst schlechten Bedingungen) ist das Schriftgut der Oberamtspflegen Maulbronn und Vaihingen (siehe F 711) offensichtlich durcheinandergeraten. Da die Archivalien beider Oberamtspflegen erhebliche Nässeschäden erlitten hatten, schien im Zuge der Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten eine Schimmelbegasung der am stärksten betroffenen Unterlagen notwendig. Der Bestand enthält wenige Unterlagen aus altwürttembergischer Zeit vor 1806. Da es sich hierbei um fortgeführte Vorakten handelt, wurden sie nicht herausgetrennt. Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart werden unter der Signatur A 453a die Rechnungen der altwürtt. Amtspflege Maulbronn von 1687 - 1805 verwahrt. Auf das Vorwort zum Bestand Oberamt Maulbronn F 183 sei noch verwiesen. Die Oberamtspflege Maulbronn umfaßt die Bände und Büschel Nr. 1-483 = lfd. m. Ludwigsburg, Mai 1996 (Bitz)
Literatur: Dehlinger, Alfred: Württembergs Staatswesen in seiner geschichtlichen Entwicklung bis heute, Band 1-2, Stuttgart 1951-1953 (insbes. §§ 35, 117, 437-438, 476-477) Grube, Walter und Fricke, Eugen: Vogteien, Ämter, Landkreise in Baden-Württemberg, Band 1-2, Stuttgart 1975 Übersicht über die Bestände des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, Altwürttembergisches Archiv (A-Bestände) = Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg Band 32, Stuttgart 1975 Wintterlin, Friedrich: Geschichte der Behördenorganisation in Württemberg, Band 1-2, Stuttgart 1904-1906
Liste der Oberamtspfleger: 1. Wünsch, Gottlieb Ludwig (1806-1813) 2. Schütz, Johann Jakob (1813-1831) 4. Fröhner (1831-1836) 5. Merkle (1836-1845) 6. Seeger (1845-1872) 7. Münz, Robert Carl Friedrich (1872-1885) 8. Wörner, Konrad Ludwig (1885-1907) 9. Müller, Johannes (1907-1918) 10. Schweitzer, Adolf (1918-1925)
Bearbeiterbericht: Der vorliegende Bestand F 712 Oberamtspflege Maulbronn wurde im Frühjahr 1995 von dem Zeitangestellten Emil Schrag unter Anleitung der Unterzeichneten geordnet und verzeichnet. Die Archivalien der Oberamtspflege Maulbronn waren mit denen der Oberamtspflege Vaihingen/Enz völlig vermischt, so daß zunächst eine Provenienzentrennung vorgenommen werden mußte. Vermutlich wurden die Maulbronner Rechnungen und Beilagen nach Vaihingen umgelagert, nachdem das Oberamt Maulbronn 1938 zum neuen Landkreis Vaihingen gezogen worden war. Bei der dortigen gemeinsamen Lagerung (unter äußerst schlechten Bedingungen) ist das Schriftgut der Oberamtspflegen Maulbronn und Vaihingen (siehe F 711) offensichtlich durcheinandergeraten. Da die Archivalien beider Oberamtspflegen erhebliche Nässeschäden erlitten hatten, schien im Zuge der Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten eine Schimmelbegasung der am stärksten betroffenen Unterlagen notwendig. Der Bestand enthält wenige Unterlagen aus altwürttembergischer Zeit vor 1806. Da es sich hierbei um fortgeführte Vorakten handelt, wurden sie nicht herausgetrennt. Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart werden unter der Signatur A 453a die Rechnungen der altwürtt. Amtspflege Maulbronn von 1687 - 1805 verwahrt. Auf das Vorwort zum Bestand Oberamt Maulbronn F 183 sei noch verwiesen. Die Oberamtspflege Maulbronn umfaßt die Bände und Büschel Nr. 1-483 = lfd. m. Ludwigsburg, Mai 1996 (Bitz)
Literatur: Dehlinger, Alfred: Württembergs Staatswesen in seiner geschichtlichen Entwicklung bis heute, Band 1-2, Stuttgart 1951-1953 (insbes. §§ 35, 117, 437-438, 476-477) Grube, Walter und Fricke, Eugen: Vogteien, Ämter, Landkreise in Baden-Württemberg, Band 1-2, Stuttgart 1975 Übersicht über die Bestände des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, Altwürttembergisches Archiv (A-Bestände) = Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg Band 32, Stuttgart 1975 Wintterlin, Friedrich: Geschichte der Behördenorganisation in Württemberg, Band 1-2, Stuttgart 1904-1906
Liste der Oberamtspfleger: 1. Wünsch, Gottlieb Ludwig (1806-1813) 2. Schütz, Johann Jakob (1813-1831) 4. Fröhner (1831-1836) 5. Merkle (1836-1845) 6. Seeger (1845-1872) 7. Münz, Robert Carl Friedrich (1872-1885) 8. Wörner, Konrad Ludwig (1885-1907) 9. Müller, Johannes (1907-1918) 10. Schweitzer, Adolf (1918-1925)
483 Büschel (15,1 lfd. m)
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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13.11.2025, 2:40 PM CET