Nachlass Kornrumpf, Martin (Bestand)
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NL Kornrumpf Martin
Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Bayerischen Hauptstaatsarchivs >> 5 Abteilung V: Nachlässe und Sammlungen >> 5.1 Nachlässe und Familienarchive >> 5.1.2 Nachlässe >> Nachlässe F - K
1929-1997
Vorwort: 1. Zur Person Martin Kornrumpf wurde am 24.11.1909 in Fürstenwalde an der Spree geboren, als jüngstes von acht Kindern des Pfarrers Franz Kornrumpf und seiner Frau Margarete, geb. Fähndrich. Nach dem Abitur 1929 studierte er in Tübingen und München Geographie und Meteorologie u.a. bei Erich von Drygalski und Karl Haushofer. 1934 wurde Kornrumpf mit der Arbeit „Mensch und Landschaft auf Celébes“ promoviert. Im selben Jahr begann er seine Berufslaufbahn als Sachbearbeiter im Amt des Siedlungsbeauftragen, Dr.-Ing. Carl Ludowici. 1936 wechselte Kornrumpf in die Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung, um die von den Münchner Hochschulen begonnene Arbeit am „Atlas Bayerische Ostmark“ zu beenden. 1938 übernahm er als Hauptsachbearbeiter die Planung und Bearbeitung des „Reichsatlaswerkes“ in Berlin. Nach dem Kriegsausbruch wurde Kornrumpf 1940 in die Deutsche Wehrmacht eingezogen und leistete Kriegsdienst beim Meteorologischen Wetterdienst der Luftwaffe in Italien, Norwegen und Frankreich. Als Meteorologe dem V-1-Einsatz in Frankreich zugeordnet, geriet er nach der alliierten Invasion 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Durchlaufen eines Re-Education Programms in Fort Kearny, R.I., wurde Kornrumpf noch 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach München entlassen. Da er in der Zeit der Kriegsgefangenschaft mit den Methoden amerikanischer Statistik vertraut wurde, erhielt er im Dezember 1945 die Stelle des „Statistischen Beraters“ beim ersten „Staatskommissar für das Flüchtlingswesen in Bayern“, Wolfgang Jaenicke. Diese Behörde, die bis 1955 dem Bayerischen Staatsministerium des Innern unterstellt war, ressortierte ab 1955 beim Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung. 1956 übernahm Kornrumpf dort die Leitung der Zentralstatistik, die er bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 1974 innehatte. Während seine dienstliche Tätigkeit neben Flüchtlingsfragen zunehmend auch andere Gebiete wie die Lastenausgleichs-, Arbeitsmarkt- und Versorgungsstatistik umfasste, engagierte sich Kornrumpf privat weiterhin stark in der Flüchtlingsforschung und -organisation. So bestimmte er als Generalsekretär die Arbeit der AER (Association Européenne pour l'Étude du Problème des Réfugiés) sowie deren Erweiterung zur AWR (Association for the Study of the World Refugee Problem) maßgeblich bis zu seinem Rücktritt 1957 mit. Im Juli dieses Jahres übernahm er die Vizepräsidentschaft der neugegründeten Nansen-Gesellschaft, die vom Fürsten von Liechtenstein finanziert wurde. Für seine Verdienste um die Flüchtlingsarbeit wurden ihm 1959 der Titel eines „Fürstlich-Liechtensteinischen Professors“ und 1964 der Goldene Nansen-Ring verliehen. Im Ruhestand verfasste Kornrumpf unter dem Titel „In Bayern angekommen“ eine detaillierte, auf Erinnerungen und Dokumenten beruhende Geschichte der bayerischen Flüchtlingsverwaltung sowie weitere wissenschaftliche und autobiographische Werke. Am 10.10.1997 verstarb Martin Kornrumpf in Schwalmstadt-Ziegenhain. 2. Zu Nachlasserwerb und -verzeichnung Nach dem Abschluss seines Buches über die bayerische Flüchtlingsverwaltung übergab Kornrumpf seine zu diesem Zweck gesammelten Unterlagen zwischen 1979 und 1997 in mehreren Tranchen dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Dort wurden die Schriftstücke aus der dienstlichen Tätigkeit in die entsprechenden Ministerialakten eingereiht. Das umfangreiche Sammlungsgut zu bayerischen, deutschen und internationalen Flüchtlingsfragen erhielt die Abteilung für Nachlässe und Sammlungen. Dort wurden aus dem abgegebenen Material ein Nachlass Kornrumpf, ein Bestand Deutsche Nansen-Gesellschaft sowie eine Sammlung Kornrumpf gebildet, die den größten Teil der von Kornrumpf gesammelten nationalen wie internationalen Druckschriften zum Thema Flüchtlingswesen umfasste. Da sich nicht zuletzt aufgrund der zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgten Abgaben zahlreiche Überschneidungen und Redundanzen zwischen den drei Beständen ergeben hatten, wurde 2019 eine Neubearbeitung von Sammlung und Nachlass Kornrumpf in Angriff genommen. Das Sammlungsgut bestand typologisch überwiegend aus Monographien, Broschüren, Zeitschriften sowie amtlichen Abdrucken zu unterschiedlichsten Flüchtlingsproblemen. Bei der Bearbeitung wurden eher unsystematisch in die Sammlung geratene Einzelstücke zu internationalen Flüchtlingsfragen kassiert, dagegen die sich auf bayerische und deutsche Probleme beziehenden Stücke erstmals gegliedert und bibliothekarisch neu verzeichnet. Das Findbuch umfasst nunmehr 780 Einträge. Es gibt einen Überblick über die politische Entwicklung und die Geschichte der Forschung zu diesem Thema in Bayern und Deutschland. Der neu formierte Nachlass Kornrumpf besteht aus zehn 1997 abgegebenen Ordnern sowie sechs aus dem Bestand Deutsche Nansen-Gesellschaft herausgelösten Akten (Gliederungspunkt 5. Nachlass Prof. Dr. Martin Kornrumpf). Die chronologisch grob vorsortierten Ordner sowie das Aktenmaterial wurden zusammengeführt, von zahlreichen Doppelstücken befreit und chronologisch verzeichnet. Mit dieser Neuverzeichnung von Sammlung und Nachlass sowie dem verbliebenen Bestand „Deutsche Nansen-Gesellschaft“ sind die weitgefächerten dienstlichen Tätigkeiten und ehrenamtlichen Engagements Kornrumpfs nunmehr konkret nachvollziehbar und gleichzeitig seine autobiographischen Schriften quellenmäßig belegt. März 2020 Dr. Josef Anker
Nachlass Kornrumpf, Martin
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Bestand
Akten
ger
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Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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