Braun, Magnus Frhr. v. (Bestand)
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BArch N 1085
call number: N 1085
Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Nachlässe und Sammlungen >> Nachlässe >> B
1945-1972
Geschichte des Bestandsbildners: Magnus Frhr. v. Braun: von Ostpreußen bis Texas. Erlebnisse und zeitgeschichtliche Betrachtungen eines Ostdeutschen, Stollhamm 1955;
Magnus Frhr. v. Braun: Weg durch vier Zeitepochen. Vom ostpreußischen Gutsleben der Väter bis zur Weltraumforschung des Sohnes, Limburg 1965
Verwaltungsbeamter, zuletzt Regierungspräsident in Gumbinnen, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft sowie Reichskommissar für die Osthilfe (1932-1933)
Lebensdaten
07.02.1878 geboren in Neucken/Kr. Preußisch-Eylau als Sohn des ostpreußischen Rittergutsbesitzers Maximilian Freiherr von Braun und Elenore geb. von Gostkowski
1888-1896 Besuch des Wilhelm-Gymnasiums in Königsberg und Ablegung des Abiturs
1896-1899 Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Göttingen und
Königsberg
1899 Referendarexamen in Königsberg
1899-1900 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beim Ersten Garde- Regiment zu Fuß in Potsdam
1900-1902 Referendar beim Landgericht in Königsberg/Ostpreußen
1902 Referendar bei der Regierung in Koblenz
1904 Assessorexamen in Berlin
1904 Vertreter des Landrates in Essen
1907 Volontariat in der Londoner Agentur der Berliner Diskontogesellschaft
1907-1910 Adjudant von Clemens Dehlbrück im Handelsministerium
12.07.1970 vermählt mit Emmy Melitta von Quistorp
(* 03.11.1886 + 29.12.1959)
1911-1915 Landrat in Wirsitz, Provinz Posen
1915-1917 persönlicher Adjudant beim Staatssekretär des Inneren Clemens
Dehlbrück und Karl Helfferich
Sept. 1917 Ernennung zum ersten Pressechef beim Reichskanzler und zum
Kaiserlichen Direktor in der Reichskanzlei
1918 Kreishauptmann in Seijna/Litauen
Staatshauptmann in Dünaburg
Verwaltungschef in Lettgallen
Sept. 1918 Chef der politischen Abteilung bei der Militärverwaltung Litauen
in Wilna
1919 vorübergehend Polizeipräsident in Stettin
danach Geh. RR und vortragender Rat im Preußischen Ministerium des Innern in Berlin, hier. u.a. Personalchef
1919-1920 Regierungspräsident in Gumbinnen
1921-1932 Tätigkeit in der Raiffeisenorganisation, zunächst als Verbandsdirektor für Brandenburg und Schleswig-Holstein
1926 Ernennung zum Generaldirektor
Juni 1932- Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft in den
Jan. 1933 Kabinetten Papen und Schleicher sowie Reichskommissar für Osthilfe
1933-1945 Rückzug auf sein 1930 erworbenes Gut Ober-Wiesenthal in
Niederschlesien
Mai 1945- zunächst unter russischer Besetzung dann unter polnischer
Juli 1946 Verwaltung in Ober-Wiesenthal
1946-1947 nach Vertreibung aus Schlesien Übersiedlung nach Landshut/Bayern
1947-1952 Aufenthalt in den USA bei seinen Söhnen Wernher und Magnus
von Braun jr.
1952 Rückkehr nach Deutschland und bis zu seinem Tod wohnhaft in
Oberaudorf
30.08.1972 gestorben in Oberaudorf
Bestandsbeschreibung: Lebenserinnerungen; Manuskripte, persönliche und politische Korrespondenzen nach 1945, u.a. auch mit seinen Söhnen Wernher, dem amerikanischen Raumfahrtexperten, und Sigismund, u.a. Staatssekretär im Auswärtigen Amt. (Stand: 1977)
Inhaltliche Charakterisierung: Der Nachlass Magnus von Braun wurde dem Bundesarchiv 1972 von dessen Sohn Sigismund von Braun übergeben. Eine Ordnung der Papiere war kaum erkennbar. Daher musste der Nachlass Blatt für Blatt geordnet und bewertet werden, bevor er verzeichnet werden konnte. Er umfasst nun ca. 2,5 lfm.
Der Nachlass datiert zum überwiegenden Teil nach 1945, da durch die Vertreibung aus Schlesien nur ein sehr geringer Teil der Akten durch den Nachlasser mitgeführt werden konnte. Auch die Unterlagen nach 1945 weisen Lücken auf, was insbesondere bei der Korrespondenz auffällig ist. Ebenso fehlen die Erinnerungen seines Großvaters vom Ende des 18. Jh. bis Anfang 19. Jh., die in der Korrespondenz und in seinen gedruckten Lebenserinnerungen mehrfach erwähnt werden.
Einen großen Bestandteil bilden die Lebenserinnerungen von Magnus von Braun, welche er bereits während seines Aufenthaltes in den USA bei seinen Söhnen Wernher (dem berühmten Raketenforscher) und Magnus von Braun jr. begann niederzuschreiben. In diesem Zusammenhang führte er eine rege Korrespondenz mit ehemaligen Ministerkollegen und anderen verantwortlichen Leuten, um die Ereignisse der letzten Jahre der Weimarer Republik zu rekapitulieren. Schwerpunkte bilden dabei die Umstände, die zu Sturz Heinrich Brünings führten. Hierbei spielte die Brüningsche Verordnung, bzw. deren Entwurf, vom Mai 1932 eine besondere Rolle, in deren Folge Brüning als Agrarbolschewist diffamiert wurde. Ebenso werden auch die Rolle des Justizministers Franz Gürtner bei der Verabschiedung Staatsnotwehrgesetzes von 1934 sowie die Umstände seines Todes 1941 hinterfragt. Aus der allgemeinen Korrespondenz ragt die mit dem ehemaligen Reichskanzler Franz von Papen heraus, die nahezu vollständig von 1949 - 1969 überliefert ist.
Für die Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ist die sehr umfangreiche Korrespondenz mit seinem Sohn Sigismund von Braun (tätig im diplomatischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland, zuletzt Staatssekretär im Auswärtigen Amt) und mit seinem Neffen Joachim von Braun (Geschäftsführer des „Göttinger Arbeitskreises") recht bedeutsam.
Mit seinem Sohn Wernher von Braun führte der Nachlasser ebenfalls einen umfangreichen Briefwechsel, der die Geschichte der amerikanischen Raumfahrt sehr gut widerspiegelt.
Literatur:
Braun, Magnus von: Weg durch vier Zeitepochen, Limburg 1965.
Braun, Magnus von: Von Ostpreußen bis Texas, Stollhamm 1955.
Die Freiherrn von Braun. Geschichte eines Schlesisch-Ostpreußischen Geschlechts. Zusammengestellt von Magnus von Braun, 1957 (Privatdruck)
Koblenz, 1993
Stephan Luther
Zitierweise: BArch N 1085/...
Magnus Frhr. v. Braun: Weg durch vier Zeitepochen. Vom ostpreußischen Gutsleben der Väter bis zur Weltraumforschung des Sohnes, Limburg 1965
Verwaltungsbeamter, zuletzt Regierungspräsident in Gumbinnen, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft sowie Reichskommissar für die Osthilfe (1932-1933)
Lebensdaten
07.02.1878 geboren in Neucken/Kr. Preußisch-Eylau als Sohn des ostpreußischen Rittergutsbesitzers Maximilian Freiherr von Braun und Elenore geb. von Gostkowski
1888-1896 Besuch des Wilhelm-Gymnasiums in Königsberg und Ablegung des Abiturs
1896-1899 Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Göttingen und
Königsberg
1899 Referendarexamen in Königsberg
1899-1900 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beim Ersten Garde- Regiment zu Fuß in Potsdam
1900-1902 Referendar beim Landgericht in Königsberg/Ostpreußen
1902 Referendar bei der Regierung in Koblenz
1904 Assessorexamen in Berlin
1904 Vertreter des Landrates in Essen
1907 Volontariat in der Londoner Agentur der Berliner Diskontogesellschaft
1907-1910 Adjudant von Clemens Dehlbrück im Handelsministerium
12.07.1970 vermählt mit Emmy Melitta von Quistorp
(* 03.11.1886 + 29.12.1959)
1911-1915 Landrat in Wirsitz, Provinz Posen
1915-1917 persönlicher Adjudant beim Staatssekretär des Inneren Clemens
Dehlbrück und Karl Helfferich
Sept. 1917 Ernennung zum ersten Pressechef beim Reichskanzler und zum
Kaiserlichen Direktor in der Reichskanzlei
1918 Kreishauptmann in Seijna/Litauen
Staatshauptmann in Dünaburg
Verwaltungschef in Lettgallen
Sept. 1918 Chef der politischen Abteilung bei der Militärverwaltung Litauen
in Wilna
1919 vorübergehend Polizeipräsident in Stettin
danach Geh. RR und vortragender Rat im Preußischen Ministerium des Innern in Berlin, hier. u.a. Personalchef
1919-1920 Regierungspräsident in Gumbinnen
1921-1932 Tätigkeit in der Raiffeisenorganisation, zunächst als Verbandsdirektor für Brandenburg und Schleswig-Holstein
1926 Ernennung zum Generaldirektor
Juni 1932- Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft in den
Jan. 1933 Kabinetten Papen und Schleicher sowie Reichskommissar für Osthilfe
1933-1945 Rückzug auf sein 1930 erworbenes Gut Ober-Wiesenthal in
Niederschlesien
Mai 1945- zunächst unter russischer Besetzung dann unter polnischer
Juli 1946 Verwaltung in Ober-Wiesenthal
1946-1947 nach Vertreibung aus Schlesien Übersiedlung nach Landshut/Bayern
1947-1952 Aufenthalt in den USA bei seinen Söhnen Wernher und Magnus
von Braun jr.
1952 Rückkehr nach Deutschland und bis zu seinem Tod wohnhaft in
Oberaudorf
30.08.1972 gestorben in Oberaudorf
Bestandsbeschreibung: Lebenserinnerungen; Manuskripte, persönliche und politische Korrespondenzen nach 1945, u.a. auch mit seinen Söhnen Wernher, dem amerikanischen Raumfahrtexperten, und Sigismund, u.a. Staatssekretär im Auswärtigen Amt. (Stand: 1977)
Inhaltliche Charakterisierung: Der Nachlass Magnus von Braun wurde dem Bundesarchiv 1972 von dessen Sohn Sigismund von Braun übergeben. Eine Ordnung der Papiere war kaum erkennbar. Daher musste der Nachlass Blatt für Blatt geordnet und bewertet werden, bevor er verzeichnet werden konnte. Er umfasst nun ca. 2,5 lfm.
Der Nachlass datiert zum überwiegenden Teil nach 1945, da durch die Vertreibung aus Schlesien nur ein sehr geringer Teil der Akten durch den Nachlasser mitgeführt werden konnte. Auch die Unterlagen nach 1945 weisen Lücken auf, was insbesondere bei der Korrespondenz auffällig ist. Ebenso fehlen die Erinnerungen seines Großvaters vom Ende des 18. Jh. bis Anfang 19. Jh., die in der Korrespondenz und in seinen gedruckten Lebenserinnerungen mehrfach erwähnt werden.
Einen großen Bestandteil bilden die Lebenserinnerungen von Magnus von Braun, welche er bereits während seines Aufenthaltes in den USA bei seinen Söhnen Wernher (dem berühmten Raketenforscher) und Magnus von Braun jr. begann niederzuschreiben. In diesem Zusammenhang führte er eine rege Korrespondenz mit ehemaligen Ministerkollegen und anderen verantwortlichen Leuten, um die Ereignisse der letzten Jahre der Weimarer Republik zu rekapitulieren. Schwerpunkte bilden dabei die Umstände, die zu Sturz Heinrich Brünings führten. Hierbei spielte die Brüningsche Verordnung, bzw. deren Entwurf, vom Mai 1932 eine besondere Rolle, in deren Folge Brüning als Agrarbolschewist diffamiert wurde. Ebenso werden auch die Rolle des Justizministers Franz Gürtner bei der Verabschiedung Staatsnotwehrgesetzes von 1934 sowie die Umstände seines Todes 1941 hinterfragt. Aus der allgemeinen Korrespondenz ragt die mit dem ehemaligen Reichskanzler Franz von Papen heraus, die nahezu vollständig von 1949 - 1969 überliefert ist.
Für die Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ist die sehr umfangreiche Korrespondenz mit seinem Sohn Sigismund von Braun (tätig im diplomatischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland, zuletzt Staatssekretär im Auswärtigen Amt) und mit seinem Neffen Joachim von Braun (Geschäftsführer des „Göttinger Arbeitskreises") recht bedeutsam.
Mit seinem Sohn Wernher von Braun führte der Nachlasser ebenfalls einen umfangreichen Briefwechsel, der die Geschichte der amerikanischen Raumfahrt sehr gut widerspiegelt.
Literatur:
Braun, Magnus von: Weg durch vier Zeitepochen, Limburg 1965.
Braun, Magnus von: Von Ostpreußen bis Texas, Stollhamm 1955.
Die Freiherrn von Braun. Geschichte eines Schlesisch-Ostpreußischen Geschlechts. Zusammengestellt von Magnus von Braun, 1957 (Privatdruck)
Koblenz, 1993
Stephan Luther
Zitierweise: BArch N 1085/...
Braun, Magnus Frhr. v., 1878-1972
111 Aufbewahrungseinheiten; 4,3 laufende Meter
Archivbestand
deutsch
Besondere Benutzungsbedingungen: Die Benutzung unterliegt keinen anderen Beschränkungen als der Beachtung von Persönlichkeitsschutzrechten Betroffener und schutzwürdiger Belange Dritter.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
24.04.2026, 10:58 AM CEST